Die ewige Lena – Tatort Ludwigshafen / Crimetime Comment 1 // #Tatort #Crimetime #Lena #Odenthal #LenaOdenthal #SWR #LU #Ludwigshafen

Die Fragen rund um den Tatort beschäftigen uns im Vergleich zu den Filmen selbst etwas zu wenig. Zeitmangel, was sonst. Manchmal finden wir aber doch ein Zeitfenster und beginnen die Sub-Serie „Crimetime Comment“ mit Anmerkungen zu einem kurzen Beitrag von „Tag24“, der sich mit Lena Odenthal befasst.

Es ist sehr sinnvoll, mit einer Betrachtung zur dienstältesten Tatort-Kommissarin anzufangen. Im Jahr 1989 startete sie mit dem Film „Die Neue“ und ist nun 30 Jahre dabei. Ein Jubiläum – vermutlich für die Ewigkeit. Falls jemand sie je übertreffen wird, werden wir’s vermutlich nicht erfahren.

Denn die Chancen, dass dieser Rekord hält, stehen gut. Weil ihre Darstellerin Ulrike Folkerts kundgetan hat, dass sie gar nicht ans Aufhören denkt. Da ist von „solange ich rennen und schießen kann“ die Rede und „warum sollte ich diese schöne Position aufgeben?“. Keine Frage, dass durch jede Formulierung der große Ehrgeiz von Ulrike Folkerts schimmert. Dass schon viele aufgegeben haben, weil das Publikum nicht mehr so begeistert von ihnen war, kommt bei dieser Motivation eher nicht vor. Dabei könnte man angesichts der Tatsache, dass der SWR nicht immer in der Lage ist, drei Schienen mit ädquaten Drehbüchern zu versorgen und es oft Lena Odenthal trifft, wenn es darum geht, eher konventionelle und wenig überzeugende Handlungen zu verfilmen, durchaus in diese Richtung denken.

Aber es geht um einen Rekord für die Ewigkeit oder für viele Jahrzehnte. Denn sonst niemand ist schon so lang dabei wie Lena und die Frauenbewegung innerhalb der Reihe hat ihr viel zu verdanken – auch wenn sie nicht die erste weibliche Ermittlerin war, sondern beim damaligen SWF schon die dritte, als sie begann.

Die Chancen, für alle Zeiten vorne zu bleiben, stehen gut, weil die Münchener Batic und Leitmayr, gespielt von Miroslav Nemec und Udo Wachtveitl, einige Jahre älter sind als Lena Odenthal bzw. Ulrike Folkerts. Wenn man sich am realen Pensions-Eintrittsalter für Beamte orientiert, müssten sie also früher abtreten, obwohl sie zwei Jahre später gestartet sind. Weitere Teams brauchen wir bei diesem Bestmarkenrennen nicht zu beachten, die bezüglich der Dienstdauer dann folgenden noch aktiven Ermittler sind die Kölner Ballauf und Schenk, die 1997 begannen, acht Jahre nach Lena Odenthal und Inga Lürsen, die im selben Jahr auf Sendung ging, hat gerade aufgehört. Bei Ballauf könnte allerdings seine Düsseldorfer Zeit als Assistent von Kommissar Flemming hinzukommen, das ist  tückisch. Die begann aber erst 1991 und auch Klaus J. Behrendt müsste nach Lebensjahren früher Schluss machen mit seiner Rolle als Ulrike Folkerts, falls nicht doch im Film die Kommissare älter sein dürfen als in der Wirklichkeit.

Eine Bestmarke musste Lena Odenthal abgeben: Die Ermittlerin mit den meisten Filmen zu sein. Besser: Sie hatte diese Position nie inne, denn als sie die bisherigen Spitzenreiter Stoever und Brockmöller mit ihren 45 Fällen überholte, waren die Münchener ihr schon voraus, aufgrund ihrer höheren Premierenfrequenz. Und sie halten bis heute diese Marke,  allerdings sind die Kölner in Reichweite und filmen noch etwas kürzeren Abständen.

Wenn Lena Odenthal sich nach der Pensionierung der Münchener und der Kölner die meisten Filme doch noch angeln wollte, müsste sie allerdings sehr lange dabei bleiben. Denn die Münchener stehen im Moment bei 80 Filmen, Odenthal bei 68 (die Kölner haben 72 mal für die Reihe vor der Kamera gestanden). Zutrauen würden wir ihr die Absicht, genau das zu tun. Bei durchschnittlich drei Tatorten pro Jahre wäre die Aufholjagd nach vier Jahren erledigt.

Es gibt etwas, was ein früheres Aufhören rechtfertigen würde, wir haben es oben angedeutet: mangelnde Akzeptanz seitens der Fans der Reihe. Gegenwärtig steht Lena Odenthal auf Platz 14 von 22 Teams in der Rangliste des Tatort-Fundus. Das ist die schlechteste Platzierung aller „Traditionskommissar_innen“, die schon zehn Jahre oder länger dabei sind und die zweitschlechteste einer weiblichen Ermittlerin vor „Event“-Kommissarin Berlinger. Diese Stellung entspricht ziemlich genau der mäßigen Quotenplatzierung im Jahr 2018.

Aber der SWR und Lena Odenthal sind eine verschworene Gemeinschaft und jeder weiß, die Öffentlichrechtlichen sollen nicht nur auf die Quote oder die Bewertung von Filmen durch Amateure, also die Zuschauer, achten.

Wir sind nicht der Meinung, Odenthal sollte unbedingt aufgehört werden, wir haben unter ihren neueren Tatorten welche gefunden, die wir positiv bewerten konnten – aber ein kleiner Satz von ihr, der belegt, dass jemand auch das Publikum im Blick hat, wenn es um die Entscheidung geht, wie lange er oder sie in der Lieblingsrolle verweilen will, wäre nicht schlecht gewesen.

© 2019 Der Wahlberliner, Thomas Hocke

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