Bombenstimmung – Tatort 372 / Crimetime 263 // #Tatort #Bombe #Koeln #Köln #Ballauf #Schenk #TatortKoeln #Tatort372

Crimetime 263 - Titelfoto © WDR

Nur 48 Stunden

So wenig Zeit gibt der Staatsanwalt (Christian Tasche) den Kölner Ermittlern Ballauf und Schenk, um den Tod des Lehrers Ziemann aufzuklären. Warum? Weil der Fall brisant ist, der Lehrer wurde gerade vom Vorwurf der sexuellen Belästigung einer Schutzbefohlenen freigesprochen, der Schülerin Kathrin Stein (Katharina Schüttler).

Auch sonst gibt es in „Bombenstimmung“ einige Versatzstücke, Zitate und karikaturistische Ansätze. Zudem dürfen wir beobachten, wie sich die Kommissare rasant entwickeln. Gut, dass wir mittlerweile den ersten Krimis der beiden angeschaut und rezensiert haben („Willkommen in Köln“). Damals ging es ziemlich drunter und drüber zwischen dem kräftigen Freddy und dem sensiblen Max, der aber der Chef von den beiden ist. In „Bombenstimmung“ lässt er das manchmal über Gebühr raushängen, was eigentlich gar nicht zu ihm passt. Am Ende – rasante Entwicklung eben – ist auch Freddy Hauptkommissar und meint, er sei nun gleichberechtigt. Das stimmt natürlich nicht, denn Max leitet nach wie vor die Dienststelle.

Wir erleben auch mit, wie das mit den dicken Amischlitten entsteht, die Freddy meistens fährt, nämlich dadurch, dass es zunächst gar kein Auto für ihn gibt und er die Ermittlungen als Passagier der Öffentlichen Nahverkehrsmittel bewerkstelligen muss. Wie erwähnt, einiges an dem Film kommt ein wenig in Richtung Karikatur daher.

Der Fall selbst traut sich was – nach aktuellen WDR-Maßstäben. Dass die Schülerin Kathrin den Lehrer fälschlicherweise bezichtigt hat, um sich Aufmerksamkeit zu verschaffen, dass ein windiger Privatfernsehproduzent ihre Neigung zur Selbstdarstellung ebenfalls ausgenutzt und nebenbei auch noch den Lehrer erledigt hat, der ein Verhältnis mit der Frau des Fernsehmachers hatte, das ist interessant konstruiert und vor allem nicht politisch korrekt. Dabei geht es nicht ums Fernsehen, sondern um die sexuelle Belästigung. Der Film suggeriert immerhin, dass hin und wieder Anschuldigungen der gezeigten Art, aus welchen mehr oder weniger nachvollziehbaren Gründen auch immer, nicht der Wahrheit entsprechen könnten.

1997 hat man diese Sache noch nicht dialektisch mit Für und Wieder, dargestellt in Dialogen der Ermittler, abgearbeitet, sondern sich für eine Variante entschieden. Freddy und Max diskutieren auch  nicht in der Schlusszene bei einer Currywurst am Rhein darüber, dass zwar in diesem Fall die Anschuldigung falsch war, dass aber grundsätzlich größtes Augenmerk auf die Vorkommnisse zwischen Erwachsenen und minderjährigen Schutzbefohlenen zu legen sei, wie sie das heute mit einiger Sicherheit tun würden. Vielmehr verblüfft die Schlussszene von „Bombenstimmung“ dadurch, dass Max, damals Ende 30, tatsächlich mit der vielleicht knapp 18jährigen Schülerin Katrin ins Kino gehen will, wenn sie sich von ihrem Sprung in den Rhein wieder ganz erholt hat. Vielleicht hat er das nicht ernst gemeint, aber immerhin, für heutige Verhältnisse wirkt es schräg. Anmerkung 2019: Nicht maximal, wie wir mittlerweile wissen, weil wir auch ältere Berlin-Tatorte angeschaut haben, wo ca. 60jährige Kommissare mit Minderjährigen Händchen halten, aber es gibt ja noch mehr zu diesem Tatort und das findet sich in der -> Rezension. Die Kritik zu „Bombenstimmung“ wurde wiederveröffentlicht im Zusammenhang mit der Premiere von „Bombengeschäft“ und der zugehörigen Rezension (Tatort 1089).

Handlung 

Der Sportlehrer Hans Ziemann, angeklagt wegen Vergewaltigung und sexueller Nötigung von Abhängigen, ist nach einem Freispruch an seinen Arbeitsplatz zurückgekehrt. Ein Fernsehteam erwartet ihn auf dem Schulhof zu einem Interview. Als Ziemann das Schulgebäude verläßt, explodiert eine Bombe. Ziemann kommt ums Leben.Ballauf und Schenk von der Kripo Köln ermitteln nach allen Seiten.Sie befragen auch Kathrin Stein, das Mädchen, das Ziemann angezeigt hatte. Kathrin reagiert äußerst abweisend; für die Tatzeit hat sie ein Alibi. Erste Ergebnisse der Spurensicherung: Die Bombe war aus einfachem Schwarzpulver hergestellt. Ziemann ist durch einen Genickbruch – die enorme Druckwelle hatte ihn gegen die Wand geschleudert – ums Leben gekommen. Und: In der Tasche, in der die Bombe deponiert war, gab es zwei Zünder.

Der Bericht über die Explosion ist inzwischen im Fernsehen gelaufen. Anbieter des Videos ist die Firma Grimme TV. Die Kommissare registrieren mit Erstaunen, daß Paul Grimmes Frau Helga in Kathrins Klasse unterrichtet. Kathrin stand bereits mehrfach bei Grimme vor der Kamera, zum Beispiel für einen Bericht über „Gewalt an Schulen“. Und schon wieder werden Ballauf und Schenk zum Tatort gerufen: Hubert Kamphofen, als Schüler ein „Überflieger“, als Verehrer von Kathrin auf verlorenem Posten, hat sich das Leben genommen. Sein Abschiedsbrief gibt Aufschluß darüber, daß er die Bombe gebaut hat. Für Schenk ist der Fall klar, aber Ballauf vermutet, daß Kamphofens Geständnis nur die halbe Wahrheit ist.

Licht ins Dunkel der Ermittlungen bringen erst die Akten zum Ziemann-Prozeß: Der Lehrer war freigesprochen worden, weil er für die Tatzeit ein Alibi vorweisen konnte – und das hatte ihm ausgerechnet seine Kollegin Helga Grimme gegeben. Ballauf und Schenk ahnen, daß sie den Schlüssel zur Aufklärung der Tat in Händen haben.  

Rezension

Wir erleben auch mit, wie das mit den dicken Amischlitten entsteht, die Freddy meistens fährt, nämlich dadurch, dass es zunächst gar kein Auto für ihn gibt und er die Ermittlungen als Passagier der Öffentlichen Nahverkehrsmittel bewerkstelligen muss. Wie erwähnt, einiges an dem Film kommt ein wenig in Richtung Karikatur daher.

Der Fall selbst traut sich was – nach aktuellen WDR-Maßstäben. Dass die Schülerin Kathrin den Lehrer fälschlicherweise bezichtigt hat, um sich Aufmerksamkeit zu verschaffen, dass ein windiger Privatfernsehproduzent ihre Neigung zur Selbstdarstellung ebenfalls ausgenutzt und nebenbei auch noch den Lehrer erledigt hat, der ein Verhältnis mit der Frau des Fernsehmachers hatte, das ist interessant konstruiert und vor allem nicht politisch korrekt. Dabei geht es nicht ums Fernsehen, sondern um die sexuelle Belästigung. Der Film suggeriert immerhin, dass hin und wieder Anschuldigungen der gezeigten Art, aus welchen mehr oder weniger nachvollziehbaren Gründen auch immer, nicht der Wahrheit entsprechen könnten.

1997 hat man diese Sache noch nicht dialektisch, mit Für und Wieder dargestellt in Dialogen der Ermittler, abgearbeitet, sondern sich für eine Variante entschieden. Freddy und Max diskutieren auch  nicht in der Schlusszene bei einer Currywurst am Rhein darüber, dass zwar in diesem Fall die Anschuldigung falsch war, dass aber grunsätzlich größtes Augenmerk auf die Vorkommnisse zwischen Erwachsenen und minderjährigen Schutzbefohlenen zu legen sei, wie sie das heute mit einiger Sicherheit tun würden. Vielmehr verblüfft die Schlussszene von „Bombenstimmung“ dadurch, dass Max, damals Ende der 30, tatsächlich mit der vielleicht knapp 18jährigen Schülerin Katrin ins Kino gehen will, wenn sie sich von ihrem Sprung in den Rhein wieder ganz erholt hat. Vielleicht hat er das nicht ernst gemeint, aber immerhin, für heutige Verhältnisse wirkt es schräg.

Formal, das spürt man deutlich, wollte man in Köln einen Neuanfang, nach den eher konservativ gefilmten Tatortfolgen mit Kommissar Flemming (Martin Lüttge). Da passte es gut, dass gerade das 16:9-Format eingeführt worden war, als Max und Freddy ihr Debüt als Team gaben.

Wenn man noch die heutige Technik betrachtet, kann man sagen, die Kölner Tatorte waren bereits überwiegend modern. Das Internet wurde schon genutzt, aber noch nicht vollständig verstanden, sonst hätte Max Ballauf nicht einfachste Recherchen, wie die Adresse eines Restaurants in Münstereifel, an die Assistentin Lissy Pütz (Anna Loos) als Großauftrag weitergegeben, sondern sie gebeten, mal kurz zu – googeln? Nein, Google gab es 1997 noch nicht, Yahoo war die führende Suchmaschine und, man soll’s kaum glauben, sie war noch keine verdeckte Datenermittlungsstelle (1), also ein Internet-Kommissariat, das aber nicht der Durchsetzung des Rechts dient, sondern seinen eigenen kommerziellen Interessen.

Auch Mobiltelefone gehören 1997 zum Kölner Standard, Bomben werden aber über CB-Funk gesteuert. Formal ist die Sache ebenfalls klar. Die Bildsprache des WDR war auf der Höhe der Zeit, der Einsatz der Musik nicht immer, ebenso die Dialogführung und Schnitttechnik – in den manchmal redundanten Gesprächspassagen steckt noch ein Hauch Nostalgie und in der vergleichsweise ruhigen Schnittfolge ebenfalls. Einmal blieb uns beinahe das Herz stehen. „Wenn du kein Bulle wärst …“, sagt Kathrin zu Max. Dann eine Bettszene. Aber es ist das Ehepaar Grimme und zwischen denen läuft auch nichts. Wäre das ein Umschnitt sozusagen kontra Ende der vorherigen Szene gewesen, in der klar ist, dass das nicht sein kann, mit Max und Kathrin, dann hätte sich der Kölner Tatort mit einem einzigen Szenenwechsel ins fernsehtechnische Raumfahrtzeitalter katapultiert und ein Skandal wär’s ebenfalls gewesen.

Tendenzen und Strebungen. Im Vergleich zu „Willkommen in Köln“ hat man Max und Freddy in „Bombenstimmung“ bereits harmonisiert. Freddy raucht weniger  Zigarren und Max ist weniger fremd in Köln. Aber es herrscht bei weitem noch nicht die Bombenstimmung zwischen den beiden, wie man sie aus späteren Folgen kennt. Wie kontinuierlich oder sprunghaft die Entwicklung hin zum heutigen Verhältnis der beiden gelaufen ist, das können wir heute nicht sicher beantworten, weil uns noch zu viele Folgen fehlen, aber wir gehen davon aus, dass es nicht lange gebraucht hat, bis aus einem eher asymmetrischen ein kumpelhaften Duo wurde. Der Rangunterschied zwischen den beiden wird in „Bombenstimmung“ noch sehr rausgekehrt.

Auf den ersten Blick wirkt das überzogen, aber Freddy ist eine sehr kompakte Persönlichkeit und Max, der Mann mit den feinen Antennen, spürt wohl, dass er Freddy immer mal wieder deckeln muss, um die Autorität als Dienststellenleiter nicht gleich nach Dienstanstritt zu verlieren. Nett wirkt das nicht, aber im Sinn der inneren Führung des Kommissariats gar nicht so abwegig. Vielleicht ist es dennoch ein wenig übertrieben – aus dem simplen Grund, weil Freddy dem Max sehr verpflichtet ist. Dieser hat nämlich schützend die Hand über den Kollegen gehalten und sich entschlossen, ihm den Job zu erhalten, als sich in „Willkommen in Köln“ herausgestellt hatte, dass Freddy in Machenschaften um Vorteilsnahme etc. mindestens so verstrickt war wie der gerade aus dem Amt geschiedene Bundespräsident. Freddy durfte also seinen Job behalten und die normale Reaktion wäre Dankbarkeit Max gegenüber, schließlich ist Freddy ja am Ende doch ein guter Kumpel und nur partiell ein fiese Möpp.

Interessant ist, wie sehr sich Max Ballauf bzw. sein Darsteller Klaus J. Behrendt in den beinahe 15 Jahren auch optisch verändert hat, während Freddy, gespielt von Dietmar Bär, noch beinahe so aussieht wie in „Bombenstimmung“ oder „Willkommen in Köln“. Kräftige Menschen mit rundlichen Gesichtern sind eben optisch konstanter, weil sie weniger zur Faltenbildung tendieren. Natürlich spielt beim Eindruck unterschiedlicher Alterung auch eine Rolle, dass Freddy noch nicht grau geworden ist, dafür aber die Haare recht kurz trägt, heute genauso wie 1997 – während sich bei Max sowohl Frisur als auch Haarfarbe inzwischen stark verändert haben. Schauspielerisch ist Bär in den ersten Filmen einerseits noch plakativer, andererseits weniger ausgeprägt. Sein Mienenspiel ist mittlerweile sehr eindeutig und ausgearbeitet. Behrendt ist heute ganz der, der er hinter der Fassade des Chefs, der sich noch beweisen muss, auch 1997 schon war: Derjenige, bei dem die Dinge ziemlich tief gehen und der für einen leitenden Ermittler eigentlich ein wenig zu gefühlvoll ist. Es ist aber nicht paradox, dass man genau das an ihm schätzt. Man wünscht sich nämlich, Polizisiten seien wirklich auf eine so offene Art sensibel und sympathisch und man würde sofort merken, der Mann will nur Gutes und Wahres.

Fallspezifisch. Eine Betrachtung der Kölner Kommissare, auch mit Zeitvergleich, war sicher mal fällig, nachdem wir mittlerweile eine zweistellige Anzahl ihrer Folgen rezensiert haben, aber der Fall „Bombenstimmung“ soll natürlich auch noch ein wenig besprochen werden. Nach den Anmerkungen in der Einleitung wollen wir vor allem Einzelaspekte aufgreifen.

Konstruktiv ist der Film in Ordnung, auch die Reaktionen der Menschen, ihr Agieren miteinander, sind, wenn auch etwas überzeichnet, im Rahmen dessen, was man sich vorstellen kann. Sehr schön spielt Katharina Schüttler ihre ghettokrötenhafte Namensvetterin, sie gehört eindeutig zu den Menschen, die auf Selbstkommando die Tränen fließen lassen können. Nina Petri als „der Rotfuchs“ (politisch nicht korrekte Bezeichnung von Max Ballauf für sie), die gleichzeitig gedemütigte und fremdgehende Frau Grimm wirkt ziemlich präsent, viele Leistungen kommen natürlich, zurückhaltend und überzeugend. Als Bonus sehen wir Claus Dieter Clausnitzer als verschrobenen Schwiegervater des Lehrers Ziemann, der dem Freddy ein Alibi-Lügenmärchen auftischen will, woraufhin dieser die Schwiegertochter aufs Präsidium bittet und, wieder halbwegs allein, den für ihn bezeichnenden, allgemein häufig verwendeten, aus Freddys Mund gleichwohl statuarisch wirkenden Satz von sich gibt: „Nicht mit mir!“

Diese kleine Rolle könnte schon die spätere Idee verursacht haben, Clausnitzer als fabelhaften, Taxi fahrenden und Hanf züchtenden Vaddern Thiel für die neuen Münster-Tatorte zu casten.

Auffällig anders kommt Dieter Landuris als Fernsehunternehmer Paul Grimme. Schon der Name lässt erkennen, dass der WDR mit der Figur etwas im Schilde führte, schließlich denkt jeder sofort an den Adolf-Grimme-Preis, der zu den höchstangesehenen Medienpreisen in Deutschland zählt. Da hat der Öffentlichrechtliche Sender aber eher um die Ecke gezielt. Natürlich sollte nicht der Grimmepreis damit diskriminiert werden, dass man einen kleinen Medienbetrüger mit diesem Nachnamen ausstattet, hier wird parodiert. Also geht es auch um die Märchen der Gebrüder Grimm.

Die Figur wirkt überzeichnet und schmierenhaft, diese kleinen Filmchen, die billig produziert werden, als mediale Wunderwaffen kaum tauglich. Da hat der WDR einfach mal die Gelegenheit genutzt, so kräftig und derb wie möglich übers Privatfernsehen und die zur Zeit, in der die Tatort-Folge 372 enstand, sehr in Mode kommenden Reality-TV-Shows abzulästern, in denen die so genannten Reportagen ja auch getürkt sind. Damals gab es noch so etwas wie den öffentlichrechtlichen Snobismus gegenüber der plebejischen, werbefinanzierten Konkurrenz, obwohl man damals schon seit beinahe 15 Jahren mit ihr konfrontiert war und die Quoten für Tatort-Erstausstrahlungen schon etwa das heutige Niveau hatten (2). Inzwischen machen die ARD-Sender auch mit, werden aber von den Privaten immer wieder abgehängt im Wettrennen um das tiefstmögliche Niveau.

So muss man auch die vordergründig wenig überzeugende Darstellerleistung von Landuris als Grimme werten. Der Typ, der Filmcharakter, ist nicht ernst zu nehmen und sollte auch so gespielt werden. Dass er letztlich der Mörder des Lehrer ist und den Mord auch noch als Fernsehinszenierung ausschlachten will, ist ganz schön frech und ziemlich derb.

Ein halber Whodunnit. Die Spannung von „Bombenstimmung“ leidet zwar ein wenig darunter – aber wir mochten den Kniff doch, dass der Fall zwar grundsätzlich als Whodunnit angelegt ist, aber die Hälfe schon mittendrin aufgedeckt werd, um das etwas konstruierte Ende noch überraschender wirken zu lassen. Die Rolle des Schülers Hubert Kramphofen (Dennis Grabosch) als Bombenbauer auf Geheiß von Kathrin wird also durch einen Dialog der beiden offengelegt, nicht aber die Rolle, die Grimme bei der Explosion noch spielen wird. Es geht um die etwas seltsame Sache mit den zwei Zündern, die logisch vielleicht nicht bis ins Letzte durchdacht ist, was aber durch die sehr realistisch klingenden technischen Ausführungen seitens der KTU gut verdeckt wird.

Was wir generell der Spannung in einem Polizeikrimi abträglich finden – wenn die Perspektive im Film gewechselt wird. Ein auf die Ermittler zentrierter Film ist meist dann am spannendsten, wenn er durchgängig aus deren Sicht gefilmt wird. In „Bombenstimmung“ gibt es auffällig viele Szenen, in denen die Ermittlerperspektive verlassen wird, Ballauf und Schenk also nicht im Bild sind – und der Zuschauer Informationen erhält, welche den beiden Kommissaren nicht zur  Verfügung stehen. Wenn man der Polizei voraus ist, weil man es durch das Agieren der anderen Figuren erzählt bekommt, findet man das, was die Polizei ermittelt, logischerweise nicht mehr so pfiffig und überraschend. Deswegen ist auch das Ende durchaus nicht die reine Lehre – ahnen kann man es allerdings und die Möglichkeit, erahnen zu können, dass die Sache mit dem Tod von Kamphausen nicht zu Ende ist, macht „Bombenstimmung“ zu einem gerade noch passablen Ratekrimi.

Finale

Für uns war es hochinteressant, nach dem ersten nun Ballaufs und Schenks zweiten Fall zu sehen und für unsere Leser zu beleuchten. Trennt man alle tatorthistorischen Betrachtungen hab, ist „Bombenstimmung“ ein guter, aber kein herausragender Tatort. Das Thema ist interessant umgesetzt, gegen den Strich gebürstet, die TV-Kritik ist sehr plakativ geraten und die Schauspielleistungen sind, wie meistens, ansehnlich. Nicht nur für Fans des Kölner Duos ist dieser heute noch recht modern wirkende Film eine Empfehlung, er gehört sicher zu den besseren der beiden, die mittlerweile zu den Institutionen der Serie gehören. Wir werten „Bombenstimmung“ mit 7,5/10 um 0,5 Punkte höher als den direkten Vorgänger, die Folge 371 mit dem Titel „Willkommen in Köln“.

(1) Zum heutigen Tag hat Google seine Datenschutzbestimmungen und Nutzerbedingungen geändert, wird künftig die ermittelten Daten, die alle seine Dienste über die Nutzer der Seite ermitteln, noch mehr bündeln und natürlich vermarkten – kein ganz unwichtiges Datum auf dem Weg zum gläsernen Internet-Menschen. (2) Die Marktanteile der ARD bei Tatort-Erstausstrahlungen liegen in der Regel zwischen 20 % und 30 %, die Zuschauerzahlen meist zwischen 7 und 10 Millionen. Hier hat sich in den letzten fünfzehn Jahren eine Konstanz eingestellt – auf gutem Niveau kann sich also das Tatortformat gegen die Blockbuster behaupten, die von den Privaten meist gegen die Flaggschiffe der Öffentlichrechtlichen ins Rennen geschickt werden.

© 2019, 2012 Der Wahlberliner, Thomas Hocke

Max Ballauf – Klaus J. Behrendt
Freddy Schenk – Dietmar Bär
Helga Grimme – Nina Petri
Paul Grimme – Dieter Landuris
Kathrin Stein – Katharina Schüttler
Sekretärin Lissy – Anna Loos
Edith Ziemann – Claudia Wenzel
Erika Stein – Marita Breuer
Hubert Kamphofen – Dennis Grabosch
Staatsanwalt – Christian Tasche
und andere

Musik – Kambiz Giahi
Kamera – Achim Poulheim
Szenenbild – Frank Polosek
Buch – Peter Zingler
Idee – Michael Fengler und Margot Rothkirch
Regie – Kaspar Heidelbach 

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