Narben – Tatort 985 / Crimetime 301 // #Tatort #Narben #Koeln #Köln #WDR #Ballauf #Schenk #Tatort985

Titelbild © WDR, Uwe Stratmann

Der furchtbare Moment des Wiedererkennens

„Narben“ ist der 64. Fall des beliebten Ermittlerduos Max Ballauf und Freddy Schenk aus Köln. Und er behandelt wieder das weiterhin aktuelle Geflüchteten- / Flüchtlingsthema.

Damit ist er in guter Gesellschaft, denn das haben vor allem seit dem Herbst 2015 viele Tatorte getan – damals teilweise noch mit einem fast prophetischen Gespür für die alles andere in den Hintergrund drängende Frage der Zeit. Mittlerweile aber sind wir einige Monate weiter, und gerade deshalb war es interessant zu sehen, ob die Immer-schon-Spezialisten für soziale Aspekte aus Köln uns als Zuschauer mitnehmen konnten.

Es geht um Geflüchtete, die aus dem Osten der Demokratischen Republik Kongo zu uns kamen, um Schutz gegen Folter und den jederzeit möglichen gewaltsamen Tod zu suchen. Und um die Möglichkeit, dass die Todbringer ebenfalls das Land verlassen und in Europa Unterschlupf suchen könnten. Wie dieser Tatort über Geflüchtete bei uns ankam, darüber denken wir in der -> Rezension nach.

Handlung

Dr. Patrick Wangila wurde erstochen. Erste Hinweise deuten auf eine Beziehungstat hin: Der aus dem Kongo stammende Arzt war mit einer Deutschen verheiratet, offensichtlich hatte er aber eine Affäre. Schnell haben Ballauf und Schenk seine Witwe Vivien Wangila im Visier. Doch auch Wangilas Klinik-Kollegin Dr. Sabine Schmuck und die Krankenpflegerin Angelika Meyer verstricken sich in Widersprüche. Außerdem rätseln die Kommissare, ob es einen Zusammenhang zwischen dieser Tat und dem Tod einer jungen Kongolesin gibt: Sie hatte sich kürzlich bei einer Polizeirazzia in einer Unterkunft für Flüchtlinge aus dem Fenster gestürzt.

Da erscheint Théo Wangila auf der Bildfläche. Wie sein Bruder Patrick wurde auch er vor einigen Jahren als Kriegsflüchtling anerkannt und hat sich in Köln eine neue Existenz aufgebaut. Nun will er auf eigene Faust ermitteln, wer seinen Bruder ermordet hat. a

Rezension von Anni und Tom

Die Herzbuben.

Anni: Die Kölner. Was sie anders macht als alle anderen, hab ich wieder daran gemerkt, dass ich mich tatsächlich mit ihnen gesehen hab. Das ist mir noch nie passiert, bei Tatort-Figuren. Ich hab mir vorgestellt, wie Freddy mich an die Hand nimmt, mich mit seiner massiven Statur und seinem generalskeptischen Blick – die hochgezogenen Augenbrauen sind offenbar in Dietmar Bärs Miene mittlerweile fest installiert – also, mich vor allen meinen Ängsten beschützt und alle meine Fragen an das Leben beantwortet. Und wie ich dann meinerseits Maxens Hand nehme und diese Sicherheit an ihn weitergebe, damit er nicht immer so erstaunt ist, wenn Menschen sich als Fieslinge erweisen und ihn mit meiner warmen Hand trösten kann.

Ja, so sind die Kölner Cops für mich. Sie gehören zu meinen Menschen, irgendwie. Wobei Max ja dieses Mal einige richtig kompakte Momente hatte, aber natürlich im köln-typischen Spiel von These und Antithese der reflektiertere von beiden ist, der seinen Kumpel Freddy schon mal quasi als Klischee-Onkel bezeichnet. Und weil Max so reflektiert ist, muss seine Seele auch viel mehr geschützt werden. Aber sie sind dieses Mal wirklich mit wenig unnötigem Zinnober und doch sehr präsent inszeniert. Und ich fand auch Lydias Rückkehr schön.

Tom: Schade, dass du nicht drei Hände hast, ich fühle mich benachteiligt.

Anni: Du bist so sehr dein eigener Mensch wie kaum jemand, den ich kenne, du kannst auch ohne Einbindung dieser Art … und du hast bestimmt schon wieder streng nachgeguckt, ob es logische Unstimmigkeiten in diesem Film gibt.

Die unabwendbare Gefahr, die Falschen zu Flüchtlingen zu deklarieren …

Tom: Das läuft bei mir immer mit, ich kann’s nicht ändern. Es ist aber okay. Einer der am besten konstruierten Tatorte der letzten Zeit, auch, weil nicht unnötig kompliziert, sondern hinreichend aufs Thema konzentriert. Ich hab schon darüber nachdenken müssen, ob das mit dem Arzt als ins Ausland entwichener Rebellenführer, der dann tatsächlich eines seiner Opfer wiedersieht, realistisch ist. Aber warum nicht. Nicht sehr wahrscheinlich, aber es kann vorkommen. Vielleicht lässt er sich sogar für Notdienste einteilen, weil er darauf spekuliert, so ans Flüchtlingsheim und an ehemalige Opfer zu kommen. Obwohl, das ist shcon sehr zufallslastig.

Mich erinnert diese Konzeption an „Tod aus Afrika“, einem Wiener Tatort, in dem der Todbringer aber gezielt in die Flüchtlingsunterkunft nachreist, um seine Opfer aufzuspüren. Aber dass zu uns nicht nur wirklich Verfolgte kommen, sollte wohl jedem klar sein. Im Januar sind z. B. 75 % aller Einreisenden ohne Papiere gewesen. Ich glaube, das muss man nicht kommentieren.

… darf kein Anlasse für die Verweigerung von Hilfe sein.

Anni: Doch. Wir wollen’s noch einmal klarstellen: Dass es schwarze Schafe geben kann, darf nicht dazu führen, dass wir den vielen echten Opfern nicht mehr beistehen wollen. Der Preis der Offenheit und Freiheit ist eben, dass Fehler vorkommen, etwa bei der Beurteilung von Menschen, die es hierher geschafft haben, aus Afrika, Syrien, woher auch immer. Es ist auch unrealistisch, dass du jeden einzelnen Fall aus solchen chaotischen Krisengebieten wirklich beurteilen kannst.

Glaubwürdigkeit, nicht absolute Nachprüfbareit, dürfte das Zauberwort für eine Asylentscheidung pro oder kontra sein. Und dass sich gerade materiell gut ausgestattete, weil korrupte Rohstoffverkäufer-Rebellen eine sehr plausible persönliche Story ausdenken können, um hier als Flüchtling anerkannt zu werden, dass sie es wegen ihrer Möglichkeiten leichter haben, diese lange Reise zu überstehen, ja, das ist leider möglich und es ist auch plausibel.

Es widerlegt übrigens die These, dass Leute ohne Papiere unter Generalverdacht zu stellen sind: Gerade diese echten Verbrecher wie Doc Patrick Wangila und, Théo, sein Bruder fürs Grobe, können sich jederzeit passende Dokumente besorgen, die haben es gar nicht nötig, Verlust zu fingieren. Toll übrigens die Besetzung. Ich glaube, die Darsteller von Cecile und Théo gehören verschiedenen Volksgruppen an, können Unterdrückte und Unterdrücker auf einer interessanten Wahrnehmungsebene und jenseits ihres ganz unterschiedlichen Verhaltens gut ausdrücken –  und Kapuzenshirtträger Théo wirkt auch ziemlich bedrohlich; so, wie du dir einen Typ im Mittelmanagement vom Drogenbusiness nach ein paar Jahren im Land etwa vorstellst. Vom Auftreten, sprachlich. Ich fand die Besetzung jedenfalls gut.

Rollenklischees und Klicheerollen.

Tom: Anders als „Im gelobten“ Land, dem letzten Flüchtlingstatort aus Stuttgart, hat man auch das Opfer mal nicht mit Florence Kasumba besetzt, die dem Elend immer so einen edlen Anstrich verleiht – dieses Mal warst du ganz auf die Vorstellung von Leid und Folter angewiesen und bekamst die Identifikation nicht durch die unumstößliche Tatsache erleichtert, dass hübsche Menschen uns emotional eher ansprechen.

Anni: Das ist ja schon fast eine Gegendiskriminierung. Spreche ich dich hinreichend an, ohne inhaltlich oder mit meinem Schicksal als Verfolgte überzeugen zu müssen? Komm, gib’s zu, du lässt mir meine manchmal abweichenden Meinungen nur durchgehen, weil mir die Natur, wofür ich gar nichts kann, beispielsweise große, braune, identitifzierungsfördernde Augen mit ansprechend geschwungenen Brauen darüber mitgegeben hat, was mir nebst anderen Merkmalen so einen offenen, angenehmen Gesichtsausdruck verleiht. Würde ich gucken wie Freddy, wärst du viel mehr auf Vorsicht und Widerstand gebürstet.

Tom: Du hast es zu hundert Prozent erfasst, und das ist es, was den Ausschlag gibt, deine Analysefähigkeit …

Anni: Zurück zum Thema.

Tom: ich habe bei dem Tatort auch wieder daran denken müssen, warum nicht endlich Afrikaner und nicht-türkische Migranten in dieser Reihe und in anderen Filmen der Öffentlichrechtlichen endlich mehr repräsentative Dauerrollen bekommen, der wirklichen Bevölkerungszusammensetzung entsprechend, die wir haben, und, ja, ich hab da an attraktive Personen wie Florence Kasumba gedacht.* Nur die Türken mit ihrer guten Lobby sind bis jetzt einigermaßen dabei.

Anni: Ich weiß nicht genau, welche Ethnie „Tobias Reisser“ hat, der nette und recherchestarke Assistent von Max und Freddy, dessen Rolle sozusagen schleichend mehr Gewicht erhält, aber er scheint auch kein ethnischer Deutscher zu sein, und auch kein Türke, oder? Okay, der Name des Darstellers klingt auch deutsch, aber das heißt ja heute glücklicherweise nicht mehr viel.

Recherche und das Aufdecken einer Unstimmigkeit.

Anni: Er hat übrigens den entscheidenden Baustein für die Aufklärung geliefert, ganz vom Büro aus, nicht die Dauerbefrager und Jeep-Vielfahrer Max und Freddy, die am Ende auch noch ziemlich nachlässig beim Opferschutz für Cecile sind, denn er hat den Hintergrund von Dr. Wangila aufgeklärt. Wenn du genau hinschaust, gibt es da übrigens doch ein Glaubwürdigkeitsproblem: Wenn es so einfach ist, diese Informationen zu bekommen, in so kurzer Zeit möglich wie hier, warum hat es die zuständige Behörde nicht bei seiner Einreise getan?

Tom: Weil sie mehr schlampt als unsere Meistercops, bei den Riesenstapeln von Asylanträgen? Oder weil sie nicht in diese Richtung Kriegsverbrecher ermittelt hat? Klar, du hast Recht, offenbar kann er seine Stellung im Ostkongo doch nicht verschleiern, wenn man sich die Mühe macht, anständig zu recherchieren. Hilfsweise hätte man es so darstellen können, dass heute erst Dokumente zugänglich sind, die jene Verbindungen und Taten offenlegen, aber vor fünf Jahren als, Patrick Wangila nach Deutschland kam, sei das noch nicht so gewesen. Damit wäre dieses Plot-Schlagloch auch geschlossen gewesen.

Anni: Ich freu mich immer, wenn du spekulieren musst, ausgerechnet auf dem Gebiet der Handlungslogik, um deine Einschätzung zu retten. Soll ich deine Hand nehmen, damit’s dir leichter fällt, von der These der absolut gelungenen Handlungskonstruktion abzurücken? Aber für mich ist dieses kleine Knirschen im Handlungefüge eh nicht so relevant.

Gefahren und Notwendigkeiten.

Tom:  Obwohl die Flüchtlinge durchaus nicht nur als potenziell und tatsächlich harmlos dargestellt werden? Aber wir haben ja hier ein Riesenprivileg. Weil sich in Deutschland jeder Kriegsverbrecher unerkannt oder mindestens unbehelligt einnisten kann, werden wir die letzten sein, die den Terror vor die Haustür bekommen. Diese Leute wären ja schön blöd, wenn sie unseren supercoolen Staat dann doch noch aufscheuchen würden, weil es hierzulande Tote durch Anschläge gibt, und dass sie  in der Folge ihre Einsätze in anderen Ländern nicht mehr ganz so wie bisher in aller Ruhe planen und vorbereiten können. Bei jedem Anschlag in der westlichen Welt seit 9/11 gab es irgendwelche Verbindungen nach Deutschland. Mir ist es ziemlich peinlich, dass wir uns Ruhe auf Kosten europäischer Nachbarn und Partner erkaufen.

Anni: Irgendwas müssen wir doch davon haben, dass wir so nett zu allen sind, oder? Jetzt hör auf, bitte! Ich will nicht, dass unser Engagement immer so schäbig ins Zwielicht gerückt wird. Ich bin stolz darauf, dass wir das Richtige tun, vom Ansatz her jedenfalls – aber nur im Ansatz, und im Grunde eher nicht genug davon, nicht konsequent genug. Ich bin nicht so weltfremd, die Probleme nicht zu sehen, die der Film ja übrigens auch durchdekliniert, wenn auch sehr hastig: Enge Unterkünfte, Meinungsverschiedenheiten zwischen Ethnien und Religionen, Perspektivlosigkeit, Wartestand, resultierende Depressionen, Aggressionen, Drogen, Manipulation, Einflussnahme, Gefahr durch Typen wie die Wangila-Brüder; die Gründe, die der prototypische Heimleiter-Sozialpädagoge nennt.

That’s it, und was soll es bedeuten?

Lediglich, dass wir uns mehr anstrengen müssen, um den Menschen gerecht zu werden, die wir hier Ruhe und Schutz finden lassen, sie nicht willkommen heißen und das war’s dann, sondern, sie weiter mitzunehmen, sie zu deeskalieren, ihnen die Möglichkeit geben, langsam Vertrauen zu fassen, nach ihren schlimmen Erlebnissen. Richtig Verantwortung zeigen, nicht nur ein paar wohlfeile Symbolgesten!

Tom: Also, sie ernsthaft zu betreuen, womöglich jahrelang. Inklusive der notwendigen Nachbehandlung im Berliner Traumazentrum bei Folteropfern wie Cecile.

Anni: Was mich etwas gestört hat, war übrigens die Rolle der Frauen in diesem Film. Ja, ich weiß, du hast schon darauf gewartet, dass ich das anspreche. Aber die sind alle so naiv und müssen sich sogar von Max, denk mal, von Max!, sagen lassen, dass auch G.en letztlich das Hemd näher ist als die Hose. War das G.-Wort eigentlich schon Unwort des Jahres, als der Film gedreht wurde?

Anni: Bei einem drohenden Jobverlust, wie bei Dr. Schmuck, ist das ganz natürlich. Ein wenig Selbstschutz sollte in jedem von uns organisiert sein, die Frau geht doch eh schon so weit, in ihrem Engagement, und sie übernimmt sich dabei. Deswegen wurde sie wohl – unausgesprochen – von ihrem Mann verlassen. Helfersyndrom, und wenn nicht bei Ärzten, wo dann? Und ein Arzt, der seinen Job wegen Trunksucht verliert, was soll der noch groß machen?

Ich fand die Szene die schlechteste im Film, in der Max und Freddy gemeinsam auf die arme Frau einhacken, obwohl man Max doch selbst mal ein Alk-Problem ins Drehbuch geschrieben hatte, das ist schon einige Tatorte her. Da hatte ich den Eindruck, jetzt entgleitet der bisher stimmige Ton, die düster-melancholische Atmosphäre, die bisher richtig stark war. Geht die dieses mal wirklich gut inszenierte Stimmng in unnötiger Aggression unter? Auch, wenn die Frau Doktor der Möderin ist, sie musste es ja tun. Sagt sie, und es scheint auch objektiv so. Um den Tod von Cecile zu verhindern.

Frauenfalle.

Anni: Aber die naive Ehefrau von Wangila und die sexgeile Stationsschwester – da sind schon einige frauenfeindliche Klischees drin. Und dass jeder bzw. jede hinter Wangila her gewesen sein soll, also weißt du. Auch hinter hoch attraktiven deutschen Ärzten ist nicht jede Frau in ihrer Umgebung her, zumal wenn gebunden, und im Fall Wangila kommt zusätzlich diese Suggestion auf, dass sich alle Frauen von afrikanischen Männern nochmal einen besonderen Kick versprechen. Oder ist es seine Kompetenz, die ihn so anziehend macht? Na! Ein Privileg der Afrikaner mit stark rassistischem Unterton … lebensbejahender Ausbreitungs- und dafür notwendigerweise bevorzugter Besamungstyp, you know.

Tom: Jetzt bist du beim Spekulieren – aber subjektive Wahrnehmung ist nicht verhandelbar, ich weiß. Ich hatte weder das Bedürfnis, mit Wangila zu tauschen, noch war ich neidisch auf ihn und seine behauptete Generalattraktivität.

Anni: Klar. Du hast ja auch nicht mit dieser Unterstellung Frauen gegenüber zu kämpfen. Die übrigens Rassisten in die Hände spielt. Gefühlter Konkurrenzdruck durch sexuell attraktive, junge Migranten ist nach meiner Ansicht oft die wirkliche Übersetzung für Angst um den Arbeitsplatz, den Lebensraum, wegn der Überfremdung generell. Viele von euch sind so gestrickt, dass sie davor Angst haben, vor allem, wenn sie selbst nicht viel vorweisen können. Schau dir mal die Rechtsausleger an. Welche halbwegs sortierte Frau fühlt sich von denen angesprochen und würde nicht einen Dr. Wangila oder jeden deutschen Arzt aus tausend guten Gründen vorziehen, und wäre das nicht ganz natürlich und überhaupt nicht zu beanstanden? Dieser Aspekt ist genau deswegen, weil es ganz natürlich ist und nicht besonders erwähnt werden muss, in dem Film überbetont, der wird einem richtiggehend aufs Auge gedrückt, mit dieser wörtlichen Behauptung, „alle (Frauen)!“.

Tom: Mich musst du nicht überzeugen, ich nehme es notfalls mit dem Chef der Schwarzwaldklinik auf. Spaß! Wenn wir von den schwächsten Aspekten von „Narben“ sprechen, müssen wir aber auch die besten noch abschließend herausheben: Mich hat es kalt überlaufen, als Cecile in Dr. Wangila ihren Peiniger erkannt hat. Das war extrem gut. Passend gefilmt und vor allem sehr schön vorbereitet. Irgendwas stimmt nicht mit ihm, das war zuvor schon klar, aber ich hab eher in Richtung Fremdgehen gedacht …

Anni: Siehst du!

Schock und Flucht.

Tom: Ja, ja. Aber dann diese schockartige Erkenntnis: Es waren nicht die Polizisten, sondern der Landsmann, der Ceciles Paniksturz von der Spindeltreppe ausgelöst hat! Oh Gott! Und dass sie in ihrem haltlosem Entsetzen schreit, ihn auf sich aufmerksam macht und dann erst wegläuft, fand ich gar nicht abwegig. So ist das, wenn man von seinem Schicksal traumatisiert wird, schlagartig Szenen wie der schaurige Tod ihrer jüngeren Tochter zurückkehren, die Misshandlungen am eigenen Körper … ein unauffälliges Entweichen, bevor der andere einen erkennt, ist dann wohl schwierig, alle Umstände in Betracht gezogen. Dann noch einmal die Szene, in welcher Théo in Dr. Schmucks Haus eindringt und Cecile ihn sogar umbringen will.

Anni: Und Max ihr ins Bein schießt. Da hab ich ihn doch für einen Moment nicht gemocht, obwohl er damit Schlimmeres verhindert hat. Trotzdem und trotz meiner obigen Anmerkungen zu den Frauenrollen noch ein guter Tatort. Ich hab meine Punkte notiert und bitte um deine.

Fazit und Rollenspiel.

Tom: Die Kölner haben einmal mehr bewiesen, dass sie es können. Und dass sie die richtigen Übermittler für die wichtigen Botschaften sind. Und mich hat’s auch nicht gestört, dass dies nicht gerade der erste Tatort zum Thema in den letzten Monaten war. Wenn die Kölner einen Fall bearbeiten, bin ich immer bereit … ähnlich wie du, aber ohne Händchen halten mit Max und Freddy. Außerdem hat man dieses Mal das Schicksal der Geflüchteten und das Krimimäßige überdurchschnittlich gut verknüpft und damit einen echten Tatort, aber auch einen Sozialfilm von großer Anschaulichkeit geschaffen. Natürlich kann er bezüglich der Schilderung des Leidees nicht mit preisgekrönten Dokus wie „Hotel Ruanda“ mithalten, aber ein Tatort muss diesbezüglich ein Kompromiss sein. Ich gebe 8,5/10.

Anni: Ich hab 7,5 auf dem Zettel, schau. Die Diskriminierung der Frauen als Wangila-blind wegen das Denken überlagender Triebhaftigkeit bei gleichzeitiger Alltoleranz … die Skepsis gegenüber dieser Darstellung musste ich einfließen lassen.

Tom: Wir haben aber dennoch die beste Bewertung für einen neuen Tatort seit längerer Zeit.

Anni: Noch nicht abgestumpft! Ende.

 8/10

*Anmerkung 2019: Florence Kasumba spielt jetzt tatsächlich in Hannover an der Seite von Charlotte Lindholm eine Tatort-Kommissarin.

© 2019, 2016 Der Wahlberliner, Thomas Hocke

Klaus J. Behrendt (Max Ballauf), Dietmar Bär (Freddy Schenk), Julia Jäger (Dr. Sabine Schmuck), Laura Tonke (Angelika Meyer), Anne Ratte-Polle (Vivien Wangila), Juliane Köhler (Lydia Rosenberg), Patrick Abozen (Tobias Reisser), Joe Bausch (Dr. Roth), Jerry Kwarteng (Théo Wangila), Felix Voertler (Martin Kaiser), Jörg Vincent Malotki (Bernd Schwarz), Thelma Buabeng (Cecile Mulolo), Volker Muthmann (Christian Korte), Emrah Erdogru (Aram)

Regie: Torsten C. Fischer
Drehbuch: Rainer Butt

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