Verführung – Polizeiruf 110 Fall 98 / Crimetime 332 // #Polizeiruf #Polizeiruf110 # #Verführung #Berlin #DDR #Crimetime

Crimetime 332 – Titelfoto © Fernsehen der DDR / RBB / DRA, Siegfried Skoluda

Verführung mit Trigger

In einer Kategorie hat dieser 98. Polizeiruf bei uns auf jeden Fall einen Spitzenplatz: Inspiration. Nach dem Anschauen haben wir davon geträumt, wie wir in einen alten Trabant einen 2-Liter-Audi-Motor eingebaut haben und bei Glatteis mit den dünnen Rädern trotzdem fast die einzigen waren, die unfallfrei durchkamen. Obwohl das Auto auch total frontlastig war und der Motor gar nicht in den Motorraum hätte passen dürfen. Überall ein Desaster im Straßengraben, nur Schrott, überwiegend mit Dachlage, aber der beigefarbene Trabi, der hat sich aufrecht gehalten. Wir sind aber auch sehr, sehr langsam gefahren, fast Schritttempo, trotz der stärkeren Maschine, sonst hätten wir die vielen Wracks um uns herum nicht so genau anschauen können. Was dieser Film sonst noch ausgelöst hat, steht in der -> Rezension.

Handlung (Wikipedia)

Ramona Richter ist 18 Jahre alt, arbeitet als Näherin und putzt nebenbei in zwei Haushalten. Mit Geld kann sie nicht umgehen und hat bereits unter anderem bei Nachbarn Schulden gemacht. Ihr kleiner Sohn Sebastian lebt nach einer Vereinbarung mit der Jugendfürsorge bei Ramonas Mutter, da Ramona bei der Geburt des Kindes erst 16 Jahre alt war. Mehrfach hat sie vergessen, ihn vom Kindergarten abzuholen. Auch die Wohnung ist nicht kindgerecht eingerichtet. Frau Richter besteht darauf, dass Ramona erst einmal ihr eigenes Leben in den Griff bekommt, bevor sie Sebastian zu sich holt. Ramona jedoch lässt zahlreiche Chancen zur Veränderung ungenutzt. Sie hat die 9. Klasse mit der schlechtesten Note abgeschlossen, könnte jedoch in ihrem Betrieb einen Berufsabschluss machen. Sie gibt vor, keine Zeit zu haben, bittet jedoch gleichzeitig um eine Lohnerhöhung. Zwar sind ihre Leistungen im Betrieb gut, doch pflegt sie keinen Kontakt zu den Mitarbeitern.

Ramona putzt beim alten Ehepaar Kraus sowie bei Kosmetikerin Brigitte Liebenau. Bei ihr hält sich oft die attraktive Christiane auf und auch Ramona wird von Brigitte hin und wieder mit Geschenken bedacht. Nach einem Tipp Ramonas stehlen Brigitte und Christiane aus der Wohnung des Ehepaars Kraus eine Geldkassette. Angeblich soll darin ein Vermögen liegen, doch finden sich nur 400 Mark sowie zwei Sparbücher in der Kassette. Der Gesamtwert der Sparbücher beträgt 41.000 Mark. Brigitte und Christiane entwickeln einen Plan, wie sie das Geld abheben können.

Der Einbruch bei der Familie Kraus wird untersucht, doch kommen Hauptmann Peter Fuchs und Oberleutnant Jürgen Hübner nicht voran. Brigitte hatte sich beim Einbruch als alte Frau verkleidet und diverse Gebrechen vorgetäuscht, sodass die Täterin als Frau zwischen 50 und 60 Jahren beschrieben wird. Die einzige, die einen Zugang zur Wohnung der Familie hatte, war Ramona, doch hat sie ein Alibi. Beim Abheben des Geldes wenden die Frauen, die Ramona in ihren Plan einbeziehen, ebenfalls einen Verkleidungstrick an. Sie suchen gezielt nach einer Frau, die Brigitte ähnlich ist. Ramona raubt ihr als Mann verkleidet die Handtasche, wobei die schwangere Frau Poller stürzt und kurz darauf eine Fehlgeburt erleidet. Brigitte hebt wenig später mit dem manipulierten ersten Sparbuch der Familie Kraus als Frau Poller 15.000 Mark ab. Erst einige Zeit später erkennen die Bankangestellten, dass das Konto, auf das das Sparbuch läuft, gar nicht existiert. Peter Fuchs und Jürgen Hübner wissen nun jedoch, dass der Einbruch bei Familie Kraus und der Handtaschenraub zusammenhängen.

Als bei Ramona die letzte männliche Discobegleitung übernachtet, verschläft sie prompt, entscheidet sich, ihre Schicht zu schwänzen und geht mit Sebastian unter anderem Eis essen. Sie kauft Sebastian einen Eisbecher mit Likör. Dem Kind ging es daraufhin in der Nacht schlecht. Ramona kann am nächsten Tag die Wäsche nicht ordentlich waschen und vergisst einmal mehr, ihren Sohn aus dem Kindergarten abzuholen. Obwohl Ramona nach einem spontanen Besuch im Krankenhaus ein schlechtes Gewissen hat und ihren Anteil der Beute nicht annehmen will, nimmt sie das Geld am Ende an sich. Ihr Bemühen um ein geregeltes Leben scheitert an fehlender Erfahrung.

Die Kraus’s besuchen sie und bitten um Entschuldigung für die Unannehmlichkeiten bei ihrer Mutter und im Betrieb. Sie teilen ihr mit, dass sie im Testament bedacht werden wird. Vom Geld kauft sie ihrem Sohn neue Kleidung und richtet sein Kinderzimmer mit Möbeln ein. Vor ihrer Mutter behauptet sie, dass sie eine Prämie erhalten habe und finanzielle Unterstützung von anderer Seite.

Brigitte und Christiane wollen sich unterdessen den Traum von einem eigenen Kosmetikstudio erfüllen, für das sie 20.000 bezahlen müssten. Sie planen nun, das zweite Sparbuch zu leeren. Ramona möchte eigentlich nicht mehr mitmachen, doch die beiden anderen Frauen erpressen sie, woraufhin Ramona einen weiteren Handtaschenraub begeht. Auf der Flucht verrät sie ihr „weiblicher“ Laufstil. Zudem wirft sie die Tasche weg, nachdem sie Geldbörse und Ausweis an Christiane weitergegeben hat. Die Ermittler finden die Tasche und daran Ramonas Fingerabdrücke. Als wenig später Christiane mit dem verfälschten Sparbuch Geld abheben will und Brigitte als Begleiterin in der Bank vorgibt, einen Scheck auszufüllen, verriegeln die Angestellten die Bank und beide Frauen werden festgenommen. Wenig später erscheinen die Ermittler auch bei Ramona, die bei ihrem Anblick in das Kinderzimmer ihres Sohnes eilt und, mit ihm als Schutz in einer Ecke kauernd, ihre Verhaftung erwartet.

Ramona Richter ist 18 Jahre alt, arbeitet als Näherin und putzt nebenbei in zwei Haushalten. Mit Geld kann sie nicht umgehen und hat bereits unter anderem bei Nachbarn Schulden gemacht. Ihr kleiner Sohn Sebastian lebt nach einer Vereinbarung mit der Jugendfürsorge bei Ramonas Mutter, da Ramona bei der Geburt des Kindes erst 16 Jahre alt war. Mehrfach hat sie vergessen, ihn vom Kindergarten abzuholen. Auch die Wohnung ist nicht kindgerecht eingerichtet. Frau Richter besteht darauf, dass Ramona erst einmal ihr eigenes Leben in den Griff bekommt, bevor sie Sebastian zu sich holt. Ramona jedoch lässt zahlreiche Chancen zur Veränderung ungenutzt. Sie hat die 9. Klasse mit der schlechtesten Note abgeschlossen, könnte jedoch in ihrem Betrieb einen Berufsabschluss machen. Sie gibt vor, keine Zeit zu haben, bittet jedoch gleichzeitig um eine Lohnerhöhung. Zwar sind ihre Leistungen im Betrieb gut, doch pflegt sie keinen Kontakt zu den Mitarbeitern.

Ramona putzt beim alten Ehepaar Kraus sowie bei Kosmetikerin Brigitte Liebenau. Bei ihr hält sich oft die attraktive Christiane auf und auch Ramona wird von Brigitte hin und wieder mit Geschenken bedacht. Nach einem Tipp Ramonas stehlen Brigitte und Christiane aus der Wohnung des Ehepaars Kraus eine Geldkassette. Angeblich soll darin ein Vermögen liegen, doch finden sich nur 400 Mark sowie zwei Sparbücher in der Kassette. Der Gesamtwert der Sparbücher beträgt 41.000 Mark. Brigitte und Christiane entwickeln einen Plan, wie sie das Geld abheben können.

Der Einbruch bei der Familie Kraus wird untersucht, doch kommen Hauptmann Peter Fuchs und Oberleutnant Jürgen Hübner nicht voran. Brigitte hatte sich beim Einbruch als alte Frau verkleidet und diverse Gebrechen vorgetäuscht, sodass die Täterin als Frau zwischen 50 und 60 Jahren beschrieben wird. Die einzige, die einen Zugang zur Wohnung der Familie hatte, war Ramona, doch hat sie ein Alibi. Beim Abheben des Geldes wenden die Frauen, die Ramona in ihren Plan einbeziehen, ebenfalls einen Verkleidungstrick an. Sie suchen gezielt nach einer Frau, die Brigitte ähnlich ist. Ramona raubt ihr als Mann verkleidet die Handtasche, wobei die schwangere Frau Poller stürzt und kurz darauf eine Fehlgeburt erleidet. Brigitte hebt wenig später mit dem manipulierten ersten Sparbuch der Familie Kraus als Frau Poller 15.000 Mark ab. Erst einige Zeit später erkennen die Bankangestellten, dass das Konto, auf das das Sparbuch läuft, gar nicht existiert. Peter Fuchs und Jürgen Hübner wissen nun jedoch, dass der Einbruch bei Familie Kraus und der Handtaschenraub zusammenhängen.

Als bei Ramona die letzte männliche Discobegleitung übernachtet, verschläft sie prompt, entscheidet sich, ihre Schicht zu schwänzen und geht mit Sebastian unter anderem Eis essen. Sie kauft Sebastian einen Eisbecher mit Likör. Dem Kind ging es daraufhin in der Nacht schlecht. Ramona kann am nächsten Tag die Wäsche nicht ordentlich waschen und vergisst einmal mehr, ihren Sohn aus dem Kindergarten abzuholen. Obwohl Ramona nach einem spontanen Besuch im Krankenhaus ein schlechtes Gewissen hat und ihren Anteil der Beute nicht annehmen will, nimmt sie das Geld am Ende an sich. Ihr Bemühen um ein geregeltes Leben scheitert an fehlender Erfahrung.

Die Kraus’s besuchen sie und bitten um Entschuldigung für die Unannehmlichkeiten bei ihrer Mutter und im Betrieb. Sie teilen ihr mit, dass sie im Testament bedacht werden wird. Vom Geld kauft sie ihrem Sohn neue Kleidung und richtet sein Kinderzimmer mit Möbeln ein. Vor ihrer Mutter behauptet sie, dass sie eine Prämie erhalten habe und finanzielle Unterstützung von anderer Seite.

Brigitte und Christiane wollen sich unterdessen den Traum von einem eigenen Kosmetikstudio erfüllen, für das sie 20.000 bezahlen müssten. Sie planen nun, das zweite Sparbuch zu leeren. Ramona möchte eigentlich nicht mehr mitmachen, doch die beiden anderen Frauen erpressen sie, woraufhin Ramona einen weiteren Handtaschenraub begeht. Auf der Flucht verrät sie ihr „weiblicher“ Laufstil. Zudem wirft sie die Tasche weg, nachdem sie Geldbörse und Ausweis an Christiane weitergegeben hat. Die Ermittler finden die Tasche und daran Ramonas Fingerabdrücke. Als wenig später Christiane mit dem verfälschten Sparbuch Geld abheben will und Brigitte als Begleiterin in der Bank vorgibt, einen Scheck auszufüllen, verriegeln die Angestellten die Bank und beide Frauen werden festgenommen. Wenig später erscheinen die Ermittler auch bei Ramona, die bei ihrem Anblick in das Kinderzimmer ihres Sohnes eilt und, mit ihm als Schutz in einer Ecke kauernd, ihre Verhaftung erwartet.

Rezension

Ist dieser Film nun glatt und platt an der Oberfläche und darunter ein subtiles, filigranes Werk oder will er so wirken und es ist genau umgekehrt? Auf jeden Fall hat er aufgrund seiner beinahe tatortmäßigen Länge (84 Minuten) eine intensive Figurenzeichnung, verstärkt dadurch, dass die Ermittler Fuchs und Hübner nur Nebenrollen spielen, kaum über die Funktion von Stichwortgebern hinauskommen. Was wir nun auch langsam als Linie erkennen: Wenn die beiden Ranggleichen zusammen auftreten, ist Fuchs der Leitende und wenn sie getrennte Fälle haben, die aber zusammengehören, derjenige, der insgesamt führt. Das passt auch zu den Persönlichkeiten, Fuchs hat die etwas dominantere Aura und die spielt er dieses Mal auch sehr strikt aus. Kein Humor, kein Pardon, vor allem nicht das Verständnis für Täter, die man noch bekehren kann, wie man das in manchen Polizeiruf-Filmen sieht. Wir dachten beim Anschauen, die DDR ist mit der Zeit wohl immer enger geworden, aber da wir schon weitere Filme aus 1985 kennen, wie etwa den ziemlich frechen „Draußen am See“, kann man das so einheitlich bezüglich der Ideologiestärke dieser Krimis nicht sagen.

Dass uns der Film so stark beschäftigt hat, lag wohl daran, dass wir uns ziemlich geärgert haben bzw. sehr unangenehm berührt waren. Bei den Tatorten kommen wir, zumindest auf bewusster Ebene, ziemlich gut durch, egal, wer wen umbringt und wie verwerflich alle Handlungen sind, aber die Art, wie in „Verführung“ manipuliert und agiert und alles falsch gemacht wird, war uns oft too much. Die Figur der Ramona muss man wirklich aushalten können, besonders, wenn wie im Kaufhaus gleich drei Kleidungsstücke für ihren Sohn kauft und die alten gleich zur Entsorgung dort lassen möchte. Dabei gab es Fälle, in denen wir das auch schon gemacht hatten und wenn unsere Mutter uns zum Shoppen einlud, waren mehr als drei Teile fällig. Vielleicht hat dieser Vergleich, den wir in dem Moment noch gar nicht gezogen hatten, aber auch ein Teil des Mosaiks, das sich in der Nacht zu einem systemkritischen Traum zusammenfügte, dessen Handlung mit dem Film auf den ersten Blick gar nichts zu tun hatte.

Da ist auf der einen Seite die Überbetonung der Verantwortung und der Selbstbestimmtheit, auf der anderen Seite die Warnung davor, Menschen zu sehr zu bevormunden, wie es Ramonas Mutter tat, die dafür gesorgt hat, dass ihre Tochter unmündig blieb und ihr Leben nicht geregelt bekommt. Und da sind die beiden bösen Weiber, die ihre Männer ausnutzen und denen das nicht ausreicht, sondern die zusätzlich kriminelle Energie entwickeln und eine klassische Trick-Raubdiebstahl-Bande herausbilden, im Verlauf dann mit Ramonas Mithilfe. Das Ganze hat eine stark dekadente und auch lesbische Note. Wenn man das zusammenbringt, hat man als erste Erkenntnis eine klare Absage an Diversität zu verbuchen, die raffinierterweise nicht biologisch begründet wird, sondern sozial. Die beiden Frauen sind in etwa die asozialsten Subjekte, die wir bisher in einem DDR-Polizeiruf gesehen haben, und da kam schon mancher verworfene, fern der sozialistischen Werteskala handelnde und denkende Charakter vor. Besonders übel ist, dass vor allem Christiane, die etwas Rauere und Kettenraucherin, absolut kein Gewissen hat. Da wird nichts kaschiert oder beschönigt, wie es die meisten dieser Figuren tun, sondern immer in die Grütze gehauen, auch, wenn ein Raubopfer durch die Tat das Kind verliert.

Die Frage, wie im Sozialismus sich solche Menschen entwickeln können, brauchen wir nicht mehr zu stellen, nachdem wir festgehalten haben, dass es mit der Erziehung eben doch nicht immer klappt, weil jeder Mensch auch ungute Anteile hat und wenn man da nicht aufpasst und korrigiert oder sie, wie in der westlichen Konkurrenz-Ideologie, noch gezielt fördert, werden sie eben zu den prägenden Eigenschaften, die wir in diesem Film sehen. Das zumindest ist aber nicht subtil gezeigt. Trotzdem fanden wir’s schade, als die beiden schlimmen Tanten plötzlich hinterm Gitter waren. So richtig verstanden haben wir allerdings nicht, wie man per Fälschung eines Personalausweises Geld von einem Konto abheben kann, das es gar nicht gibt. Vielmehr müsste es doch so sein, dass man Geld von einem Konto abheben kann, das es sehr wohl geben muss, sonst könnte ja nichts drauf sein. An der Stelle hat man wohl beim Verfassen des Drehbuchs nicht richtig nachgedacht. „Brigitte hebt wenig später mit dem manipulierten ersten Sparbuch der Familie Kraus als Frau Poller 15.000 Mark ab. Erst einige Zeit später erkennen die Bankangestellten, dass das Konto, auf das das Sparbuch läuft, gar nicht existiert.“ 

Wozu war dann die Ähnlichkeit von Brigitte mit Frau Poller notwendig und die von Christiane mit einem weiteren Tatopfer? Und außerdem hätten die Kraus‘ ja dann keinen Schaden gehabt außer den 400 Mark, weil ihr Geld nicht wirklich an- oder abgegriffen wurde. Ramona ist demnach wohl vor allem wegen der Tat an sich so erschüttert, eine Aussage, ob die Krauses ihr Geld verloren haben, gab es ja auch nicht.

Dafür die Szene mit ihnen und den Teddybären. Während Ramona ein überdimensoniertes, rosafarbenes, künstlich aussehendes Teil für ihren Sohn erwirbt, wollen die Krauses mit einem kleinen, klassischen Modell punkten, das nach deren eigener Ansicht natürlich nicht mithalten kann mit dem Riesentier, das die Mutter erstanden hat. Klarer kann man das Missverhältnis zwischen sehr geschmacklosem Konsum als Ersatz für Zuwendung nicht ausdrücken und natürlich ist diese Kritik von systemübergreifender Relevanz. Dass man Fehler erkennt, heißt aber nicht, dass das System deshalb richtig ist. Gerade die extreme Rolle, die Verschuldung durch Konsum oder Konsumverhalten im Ganzen in den DDR-Polizeirufen spielt, lässt darauf schließen, dass es da einen ständigen Zielkonflikt gab: War das System nicht in der Lage, Konsumwünsche zu erfüllen, geiselte es diese aufs Schärfste, wie wir es hier sehen und legte damit doch seine Mängel offen.  Denn Konsum ist nicht Konsum, wie wir wissen, und wenn es sowohl an Qualität wie an Quantität mangelt, man sich also nicht zwischen nachhaltigem und billigem Konsum überhaupt entscheiden kann, wirkt alle Kritik ein wenig schal und wie eine Rechtfertigung dafür, dass die meisten Menschen so viele unerfüllte Wünsche hatten, dass sie 1989 blind in die Arme des nächsten Systems liefen, das sich anschickte, seine Versprechungen nicht zu erfüllen. Die innere Leere jedoch, die vorhanden ist, wenn man nur materiell denken kann, die hat wohl den Osten sogar stärker angenagt als den Westen, weil die zwangsweise Konsumversagung in der BRD während der 1980er noch nicht das große Thema war. Das ist erst in den letzten Jahren für immer weitere Kreise relevant geworden.

Ziemlich raffiniert wäre es jedoch, wenn der Film auch eine Allegorie auf die DDR in der Hinsicht wäre, dass Ramona deren Gesellschaftsordnung symbolisiert. Dass die beiden gut aussehenden und schicken, aber verworfenen Frauen Brigitte und Christine den auch den Westen verkörpern, ist ohnehin nicht schwierig zu ermitteln. Ramona hingegen wird von ihrer Mutter immer dirigiert und kann daher nicht selbstständig werden, ihr Leben nicht meistern und ist leichte Beute für die beiden manipulativen kapitalistischen Luder. Bezogen auf die Situation ab November 1989 ist das visionär, aber für die Zensur kaum zu entschlüsseln, zumindest ist diese staatskritische Idee hinter der sichtbaren pädagogischen Idee kaum zu belegen. Wir können auf der Ebene eindeutiger Tendenzen aber konstatieren: Es ist wichtig, Menschen zur Selbstständigkeit zu erziehen, schönen Gruß an die heutigen Heli-Mütter, die ihre Kinder nicht nur ständig überwachen, sondern auch komplett verplanen. Fürsorge und die eigenen Ängste freidrehen lassen, indem man Kinder nicht mal was alleine machen lässt, sondern moderne Kommunikationstechnik nutzt, um jederzeit eingreifen zu können, sind voneinander zu trennen.

Finale

Als Krimi ist „Verführung“ eine Mischung aus der Darstellung einer klassischen Trickdiebstahl-Bande und einem etwas seltsamen Umgang mit Konten und Personaldokumenten. Und blöd, dass Ramona einen weiblichen Laufstil hat, aber das ist auch nicht so wichtig, denn sie lässt ja die Tasche des letzten Opfers mit ihren Fingerabdrücken drauf in den Müllcontainer fallen und da finden die Ermittler sie auch gleich. Am Schluss verbirgt sich Ramona hinter ihrem Kind und wird Kind und will sich vor den bösen Männern schützen, die in diesem Moment auch wirklich wie böse Männer wirken – dabei wollen sie doch nur der Gerechtigkeit dienen, wie immer. Das hat uns doch betroffen gemacht, obwohl wir die Figur vorher überzogen fanden in ihrer Naivität. Aber Unbedarftheit hat viele Ausdrucksformen, wie auch das Gegenteil, die Gerissenheit. Wenn Menschen nicht auch mal rational denken können, dann kommt dabei eine mangelnde Steuerungsfähigkeit heraus, politisch führt das – ja, genau, aber nicht an dieser Stelle. Wir wollen nicht an einer so unpassenden Stelle einen Diskurs darüber beginnen, warum uns bestimmte politische Positionen und Verhaltensweisen so kindlich erscheinen. Ein bisschen von Ramona sollte aber auch in uns allen sein, sonst werden wir, wenn wohlmeinend, wie deren nervige Mutter.

© 2019 Der Wahlberliner, Thomas Hocke

Regie Peter Hagen
Drehbuch Regina Weicker
Produktion Erich Albrecht
Musik Walter Kubiczeck
Kamera Hans-Jürgen Sasse
Schnitt Margrit Brusendorf
Besetzung

 

 

 

 

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