Fangschuss – Tatort 1017 #Crimetime 338 #Tatort #Münster #Muenster #Thiel #Boerne #WDR #Fang #Schuss

Crimetime 338 - Titelfoto © WDR, Martin Menken

Vorwort 2019


Kurioserweise wollten wir schon eine unserer Premieren-Vorschauen schreiben, bis wir gemerkt haben, es ist Sommerpause und dies ist nicht der Tatort 1098, sondern die Nummer 1017, die im Jahr 2017 gezeigt wurde. Wir wollten darüber philosophieren, ob Cantz und Hinter es schaffen, die Münsteraner weiter zu inspirieren und haben nach dem Überfliegen der rekordverdächtig kurzen Rezension eine Ahnung davon, warum wir uns an diesen Film nach nur zwei Jahren nicht mehr erinnern konnten. Dieser Voraustext ändert nichts daran, dass die Rezension die grundsätzliche Mindestgrenze von 1200 Wörtern unterschreitet, aber wir fügen hier schon bei, dass wir seit „Fangschuss“ auch wieder höhere Bewertungen für Münster-Tatorte vergeben haben.

Überläuferin erlegt. Schlumpf gefakt

Jagdszenen im 31. Tatort von Thiel und Boerne, die wertvollste chemische Formel der Welt und ein blauhaariges Mädchen, das gejagt wird. Ist sie Frank Thiels Tochter, obwohl dieser blond ist? Und was ist mit der Schießprüung von Dr. Boerne? Im 31. Münster-Tatorte ist wieder alles drin, was einen skurrilen Fall ausmachen kann. Funktionieren Krimi und Humor? Das klären wir in der -> Rezension.

Handlung

Hat sich IT-Experte Sebastian Sandberg wirklich selbst von seinem Balkon gestürzt? Die Kommissare Frank Thiel und Nadeshda Krusenstern nehmen die Ermittlungen auf. Hinweise auf einen Mord finden Prof. Boerne und Silke „Alberich“ Haller in der Rechtsmedizin auf Anhieb nicht. Aber in der Wohnung des Toten gibt es Hinweise auf einen Einbruch. Jetzt will Frank Thiel endlich mal ins Fitness-Studio, da meldet sich Kollegin Krusenstern mit einem dringenden Einsatz. Ausgerechnet in diesem Augenblick steht auch noch eine fremde junge Frau vor der Wohnungstür des Kommissars: Leila Wagner behauptet, Thiels Tochter zu sein.

Aber das muss warten. Genauso wie die Vorbereitungen auf die mündliche Jagdprüfung: Prof. Boerne will künftig dem Wild in den Wäldern des Münsterlandes nachstellen. Doch erst ist seine Expertise als Rechtsmediziner gefragt. Denn der IT-Experte bleibt nicht das einzige Mordopfer. In einem Gehöft vor den Toren der Stadt wird ein Journalist leblos aufgefunden. Er war bundesweit bekannt für seine hartnäckigen Recherchen – und nahm für seine neueste Story gerade einen einheimischen Futtermittelbetrieb unter die Lupe.  

Anni und Tom über den 1017. Tatort

Anni: 
Dr. Boerne ist einfach nicht zu schlagen. Ich musste wieder lachen. Aber nur über ihn. Leider.

Tom: Und das Drehbuch. So ein alter Hut.

Anni: Sie kriegen in Münster nicht mehr den Schwung der ersten Jahre rein. Nur Jan Josef Liefers mit seiner überragenden Routine kann diese Müdigkeit noch einigermaßen überspielen. Dabei könnte er wirklich das Haarwuchsmittel gebrauchen. Aber es gibt doch mittlerweile kaum noch Männer mit Glatze.

Tom: Was belegt, dass wir immer weniger männliche Anteile in uns haben.

Anni: Du musst es wissen. Die haben einige von uns jetzt übernommen. Aber Vorsicht, es ist nicht immer an blauen Haaren erkennbar. Gut, dass Thiel jetzt nicht noch eine Tochter bekommen hat. In Wien gab es das schon, nach 15 Jahren oder so taucht plötzlich das Kind der Liebe auf.

Tom: War eh klar, dass Thiel sowas nicht hat. Okay, einen Sohn gibt es, aber den hat man in 31 Filmen noch nicht gesehen. Oder doch mal? Egal. Jedenfalls hat Axel Prahl mich heute nicht überzeugt. Da ist wieder dieses allzu Genervte, das vor einigen Jahren auch schon ziemlich ins Prollige abgedriftet ist. Merken die Regisseure eigentlich nicht, dass sich das auf den Zuschauer überträgt und nicht mehr witzig ist?

Anni: Wenn ein amerikanischer Regisseur nach Deutschland kommt, um Filme zu machen, das sagt doch alles. Buddy Giovanazzos Wiki-Seite liest sich wie selbst geschrieben, oder? Was ich aber schon seltsam finde: Die Dialoge. Für die kann die Regie  nichts. Ich meine, der Film wurde doch von Stefan Cantz und Jan Hinter geschrieben, und die haben Boerne und Thiel erfunden. Aber es fällt ihnen nichts mehr ein, das ist das Problem.

Tom: Vor ein paar Jahren hab ich schon geschrieben, dieses Konzept lässt sich nicht unendlich fortsetzen, weil irgendwann alle guten Alberich-Witze erzählt sind. Boerne hat Haller dieses Mal nicht einmal Alberich genannt, sondern nur ein einziges Mal von Zwergen gesprochen. Das sagt alles.

Anni: Jetzt sei nicht ungerecht. Wir waren doch froh, dass diese Diskriminierung Kleinwüchsiger aufhört und durch was anderes ersetzt werden muss.

Tom: Wurde sie aber nicht. Das waren die politisch am wenigsten korrekten unter den Witzen in den Münster-Tatorten, und das hat eben doch etwas vom Flair ausgemacht. Es gibt aber noch ein großes Problem. Mittlerweile hat man alle gehobenen Milieus durch, in denen man einen Boerne verorten kann.

Anni: Jäger als gehobenes Milieu!

Tom: Finanziell gemeint. Bei den Kreti-und-Pleti-Golfern musste ich auch lachen, obwohl mir das bei dem Film nur selten gelang. Du weißt, an wen ich dachte.

Anni: Ja, du gehst alle  zwei bis vier Wochen hin. Je nach Jahreszeit. Weil du nicht Boernes Problem hast. Jedenfalls nicht an der gleichen Stelle wie er. Aber es war wirklich langweilig. Und mein Gefühl ist, das wird nicht mehr wesentlich besser werden. Manchmal kommt noch was Anständiges raus, aber der Ast ist kein aufsteigender. Seit Jahren nicht.

Tom: Im Moment hab ich sogar das Gefühl, das gesamte Format Tatort bleibt irgendwie stecken.

Anni: Ach nö, denk mal an Ludwigshafen neulich – „Babbeldasch“. Das war ausgerechnet an diesem zuletzt so erstarrt wirkenden Ort was ganz anderes. Aber Münster kannst du nicht unendlich so weiterspielen, das stimmt. Und ich hab noch nie gesehen, dass sie ein Team in eine ganz andere Richtung gedreht haben. Okay, in Frankfurt damals mit Sänger und Dellwo ein bisschen, zumindest weiterentwickelt. Manche Teams wurden bereichert oder verkleinert, ohne natürlich die Ermittler auszutauschen. Mir fällt auch nicht ein, wie man den Münsteranern neuen Drive geben kann, wenn ihre Erfinder Cantz und Hinter keine guten Dialoge und Handlungen mehr hinbekommen.

Tom: Auch die anderen Figuren, die Staatsanwältin Klemm, die Nadeshda, Haller – Vaddern war ja gar nicht dabei – hat man nicht genutzt, um einen Akzent zu setzen.

Anni: Ich vermisse jetzt doch die Tatorte, in denen es richtig zur Sache geht. Die Aussagen haben, politisch, die auf Kante genäht sind. Wo wir uns auch mal fetzen können, weil wir verschiedene Meinungen haben. Aber heute kann ich auch nicht künstlich eine Gegenposition aufbauen. Es war einfach alles furchtbar durchschnittlich. 6/10 von mir.

Tom: Von mir auch. Ach ja, die Frau Dr. Freytag fand ich von Jeanette Hein nicht so schlecht gespielt, aber die Darstellerin mag ich eh. So, damit das wenigstens gesagt ist. Von mir auch 6/10. Reiner Opportunismus, damit wir nicht viel rechnen müssen.

6/10

© 2019, 2017 Der Wahlberliner, Thomas Hocke

Hauptkommissar Frank Thiel – Axel Prahl
Rechtsmediziner Prof. Dr. Dr. Karl-Friedrich Boerne – Jan Josef Liefers
Kommissarin Nadeshda Krusenstern – Friederike Kempter
Rechtsmedizinerin Silke „Alberich“ Haller – ChrisTine Urspruch
Staatsanwältin Wilhelmine Klemm – Mechthild Großmann
Taxifahrer Herbert „Vaddern“ Thiel – Claus D. Clausnitzer
Leila Wagner – Janina Fautz
Jens Offergeld – Christian Maria Goebel
Dr. Freya Freytag – Jeanette Hain
Annika Kühn – Leni Wesselmann
Paul Gebhard – André M. Hennicke
Horst Martens – Michael Schenk
Christiane Gebhard – Britta Dirks
Friseur Christian – Jan Dose
Dr. Bürli – Heinrich Cuipers
u.a.

Drehbuch – Stefan Cantz, Jan Hinter
Regie – Buddy Giovinazzo
Kamera – Kay Gauditz
Szenenbild – Frank Polosek
Schnitt – Bernd Schriever
Ton – Wolfgang Wirtz, Sebastian Leukert
Musik – Günther Illi

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s