Filmfest Änderung. Kein Reigen mehr, dafür viel mehr Filme. #Filmfest

Filmfest ab Nr. 33

Liebe Leser*innen, nach 32 Filmkritiken nehmen wir eine Änderung an unserer Rubrik „Filmfest“ vor.

Wir haben uns gefragt, warum es uns so viel weniger Spaß macht als früher, über Filme zu schreiben – besser: Das Geschriebene im Wahlberliner zu zeigen.

Bei der Rubrik „Crimetime“ gibt es diesen Effekt nicht, im Gegenteil. Hier sind wir nach etwas mehr als einem Jahr „neuer“ Wahlberliner beinahe so weit wie nach sechs Jahren des Vorgängerblogs, die Anzahl der Beiträge betreffend. Wir befürchten, es liegt am „Reigen“, dass uns das bei „Filmfest“ nicht gelingt.

Die anspruchsvolle Aufgabe war, dass jeder Film dem nächsten sozusagen beim Tanz die Hand geben kann, eine möglichst starke Verbindung zwischen beiden bestehen soll. Trotz ca. 1.500 verfügbaren Rezensionen ist das aber nicht so einfach. Die Idee, zusätzliche, übergreifende Informationen zu Schauspielern, Regisseuren und dem gesamten Filmgeschäft zur Verfügung zu stellen, ist zwar nicht fernliegend, aber dafür sollte es vielleicht doch ein eigenes Feature geben. Dieses wird auch kommen. Sein Name steht noch nicht fest.

Dass wir den Reigen aufgeben, bedeutet nicht, dass wir nicht dort, wo es möglich ist, die Filme wichtiger Filmschaffender fortlaufend bzw. zusammenhängend rezensieren. Außerdem werden wir die Chronologie nicht strikt durchhalten, sonst wird alles wieder zu steril – sondern auch neu geschriebene Rezensionen einflechten, Texte, die noch nie veröffentlicht waren. Sie sollen im weiteren Verlauf immer mehr das Bild des Filmfests bestimmen.

Grundsätzlich werden wir aber künftig Rezensionen in der Reihenfolge zeigen, in der sie entstanden sind, beginnend im Jahr 2011. Damit wird auch die Veränderung unserer Rezensionstechnik und die zunehmende Erfahrung mit Regisseuren, Stilen und Filmländern wieder sichtbar, während der Reigen dazu geführt hat, dass Texte aus ganz unterschiedlichen Phasen hintereinandergestellt wurden, weil z. B. Schauspieler oder Regisseure die Verbindung zwischen zwei Artikeln darstellten.

Unser Leser*innen möchten jedoch in erster Linie Kritiken zu einzelnen Filmen lesen, für die sie sich gerade interessieren, die sie sich jüngst angeschaut haben oder noch sehen möchten – nicht auf eine Art Reise durch beinahe 125 Jahre Kino in der Form gehen, dass sie vor jeder Kritik eine ausführliche Einleitung lesen möchten, die auf einen anderen Artikel oder sogar mehrere verweist.

Dieses Intro, das darauf zielte, die Verknüpfung zwischen der aktuellen und der vorausgehenden Rezension herzustellen, stellte für uns außerdem einen zusätzlichen Aufwand dar, der sich bisher nicht in den Aufrufzahlen der Filmkritiken spiegelt.

Während sich „Crimetime“ langsam als das etwas breiter gefasste Nachfolgefeature der „TatortAnthologie“ etabliert, kommen die Filmrezensionen bei Weitem nicht auf die Zugriffszahlen, die sie in den Jahren des „ersten“ Wahlberliners hatten. Ob diese wieder zu erreichen sind, können wir nicht prognostizieren, die Blogwelt und die Medienrezeption haben sich in fast zehn Jahren verändert – damals haben einzelne Beiträge wie etwa die ausführliche Kritik zu „Lola rennt“ herausragend „performt“ und zählten zu den meistgelesenen Beiträgen des „ersten“ Wahlberliners.

Der neue Wahlberliner hat einen anderen Schwerpunkt, ist politischer als sein Vorgänger. Trotzdem glauben wir weiterhin, die Dualität zwischen Film- und Fernsehrezensionen und den politischen Beiträgen unseren Leser*innen zumuten zu können – wir möchten auch nicht ein eigenes Filmblog zusätzlich führen. Der Wahlberliner bildet im Wesentlichen zwei Schwerpunkte unserer Freizeit ab, das darf man auch sehen. Außerdem sind unsere Rezensionen im Laufe der Jahre vermehrt politisch geworden, das heißt, wir stellen die politisch-sozialen Botschaften von Filmen mehr heraus. Auch diese Entwicklung lässt sich mit der (weitgehenden) Rückkehr zur Chronologie wieder mehr nachvollziehen.

Das Filmfest wird sich inhaltlich sogar erweitern, wir haben mittlerweile fünf Kategorien eröffnet oder sie sind in Planung. Sie sollen im Jahr 2020 bei fortlaufender Nummerierung ein großes Spektrum an Beiträgen ermöglichen:

  • Filmfest A = Kino-Spielfilme, eigene Rezensionen
  • Filmfest B = Kino-Spielfilme, empfohlene Rezensionen anderer Kritiker*innen
  • Filmfest C = Fernsehfilme (derzeit besteht noch eine Unschärfe, wo nicht in Reihen wie „Tatort“ verortete Fernsehkrimis untergebracht werden, im „Filmfest C“ oder in „Crimetime“
  • Filmfest D = Dokumentationen
  • Filmfest E = Eigenproduktionen (i. W. Videos von Veranstaltungen).

Die Unterrubriken Filmfest C-E sollen verstärkt ab 2020 zum Einsatz kommen. Die Logos von Filmfest C-E zeigen von Beginn an das 2020er-Layout, auch wenn die Beiträge im Jahr 2019 publiziert werden. Das liegt an der aktuell nachgängigen Veröffentlichung, die sich aufgrund der Probleme mit dem Reigen ergeben hat. Wir hoffen, diesen Mangel in den nächsten Monaten beheben zu können. Die Filmbeiträge sollen uns dann auch mehr dabei unterstützen als bisher, die Gesamt-Tagesproduktion des Wahlberliners von mindestens drei Artikeln zu sichern.

Die Idee des Reigens hatte einen durchaus filmischen und recht komplexen Hintergrund: Die Anspielung auf das Drama von Arthur Schnitzler war gewollt und auch die mögliche Assoziation mit der Verfilmung von Max Ophüls aus dem Jahr 1950. Sie verweist wiederum auf unsere Liebe zu den Filmen dieses Regisseurs, der wiederum in derselben Stadt aufgewachsen ist wie wir, weshalb es dort auch ein nach ihm benanntes Festival für Nachwuchsfilmer gibt.

Allerdings hat sich in Deutschland leider nie ein „Reigen“ herausgebildet, seit wir das Geschehen beobachten – eine neue Generation von Filmemacher*innen, die etwas wie eine eigene Schule oder einen typischen Stil, wie zuletzt den des „Neuen Deutschen Films“ ab Mitte der 1960er, schaffen und untereinander den Stab weiterreichen, miteinander verbunden und verbündet sind. Auch die Erkenntnis, dass vor allem der Kinofilm in Deutschland doch sehr von viel zu wenigen Einzelpersönlichkeiten abhängig ist, die zudem relativ autark sind, spricht gegen das Prinzip des Reigens, das wir hier etablieren wollten. Auf einer weiteren Ebene haben wir im Moment schlicht das Gefühl, es zerfasert und spaltet sich alles mehr und ein Reigen, gleich, ob er auch Verstrickungen produziert, wäre wünschenswert, entspricht aber nicht dem Zeitgeist.

Zwar gilt diese eher triste Erkenntnis nicht für alle Länder im Hier und Jetzt und für alle Epochen natürlich generell nicht, aber in den Vordergrund wollen wir künftig, wie beim Start des „ersten“ Wahlberliners im Jahr 2011, wieder einzelne Filme stellen. Der Schwerpunkt liegt dabei weiterhin auf „klassischen“ Filmen, nicht auf dem aktuellen Weltkino. Letzterem wollen wir durch „Filmfest B“ aber einen eigenen Platz einräumen, während „Filmfest D“ auch eine direkte Verbindung zu unseren politischen Texten herstellen soll – wenn es um Dokumentarfilme zu politischen Themen geht.

TH

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