Verlorene Töchter – Tatort 580 / Crimetime Vorschau / #Tatort #HH #NDR #Casstorff #Holicek #Tochter #Verloren

Crimetime Vorschau - Titelfoto © NDR, Thorsten Jander

Springflut an der Tatortkant

Heute Abend schon ein Bayern-Tatort aus 2002 namens „Wolf im Schafspelz„, morgen „Verlorene Töchter“ und dann noch „Drei Schlingen“, ein Haferkamp-Film, der 25 Jahre im Giftschrank lagerte, bevor er wieder gezeigt wurde – und das, wo die hohe Welle der zu sichtenden Polizeirufe noch immer andauert. Drei Tatorte an zwei Tagen, die für uns neu sind. Das ist schon fast eine Sturmflut, wenn man bedenkt, wie lange (9 Jahre) wir bereits an der Anthologie zu dieser Reihe arbeiten.

Aber wir werden uns tapfer über Wasser halten, zumal wir in den letzten Wochen ein wenig Platz auf dem Media-Receiver schaffen konnten, indem wir durchschnittlich eine Rezension pro Tag verfassten.

An Jan Casstorff, gespielt von Robert Atzorn, sind wir nicht so dicht dran, obwohl er Mitte der 2000er tätig war, nach Stoever und Brockmöller, die wir ausführlich besprochen haben. Das liegt wohl daran, dass er mittlerweile den zweiten Nachfolger hat und mit diesem Nick Tschiller hat der NDR endgültig seine einstige Prunkschiene versenkt. Den zweiten Hamburg-Tatort mit Ermittler Falke hat man ja rausnehmen und an die Bundespolizei übergeben müssen, damit Nick die Stadt für sich allein hat. Wenn man genau hinschaut, ist alles ein wenig anders. Casstorffs Vorgänger Paul Stoever und Peter Brockmöller waren und sind zwar immer noch sehr beliebt, aber ihre Fälle gelten in der Regel eher als Routineprodukte. Casstorff – wir mussten den Namen jetzt überall nachkorrigieren, er wird tatsächlich mit zwei „s“ und zwei „ff“ geschrieben, ist das Gegenstück zu Paule und Peter gewesen – schroff, hermetisch, der kratzige Name ist Programm. Wir sind schon gespannt darauf, ob er dieses Mal wirklich Einfühlungsvermögen zeigt, so steht es nämlich in der Handlungsbeschreibung der ARD.

Casstorff zog aber auch wieder nicht perfekt, sodass er nach 15 Fällen, von denen laut Tatort-Fundus-Rangliste nur zwei über 7/10 kommen, dem Sonderermittler Cenk Batu das Feld überlassen musste.

Nach unserer Meinung wurde damit eines der besten Konzepte der letzten 10 Jahre installiert, aber – die Quoten waren gering, der NDR wurde nervös und machte im Anschluss den größten Fehler seines bisherigen Daseins. Nun besteht dessen Tätigkeit in Sachen Tatort glücklicherweise nicht nur aus der Hamburg-Schiene. Falke & Grosz laufen nach unserer Ansicht immer besser, Kiel mit Borowski war eine Zeitlang eine Klasse für sich und dass wir die Lindholm-Figur ablehnen, dafür kann der NDR zwar sehr wohl etwas, er hat sie schließlich – sagen wir, eher zugelassen als konzipiert -, aber andere Sender haben auch ihre Probleme. Vor allem, wenn sie gute Drehbücher für mehrere Teams finden müssen.

Mit dem Ermittler Casstorff haben wir uns bisher dreimal befasst, keine der Rezensionen zu „Exil!“, „Investigativ“ und „Undercover“ wurde bisher im neuen Wahlberliner gezeigt – weil die Casstorff-Tatorte selten wiederholt werden. „Verlorene Töchter“ ist der erste der 15 Filme mit diesem Ermittler, der wiederholt wird, seit der neue Wahlberliner am 24. Juni 2018 gestartet ist. Vielleicht sollte man hier doch mal etwas beschleunigen. Weil wir noch nicht genug zu tun haben, beispielsweise.

TH

Handlung

Kommissar Casstorff und sein Team sind dieses Mal mit einem Fall konfrontiert, der ungewöhnlich und erschreckend ist: Die Leiche der 14-jährigen Ronja ist der Ausgangspunkt für ihre Ermittlungen, die in Hamburgs soziale Brennpunkte führen.

So jung wie das Opfer sind auch die Tatverdächtigen: eine Clique von minderjährigen Mädchen, die bereits durch diverse Gewalttaten von sich Reden gemacht hat. Mädchen, die selbst aus extrem gestörten Familien- und Sozialverhältnissen kommen, für die schon im Kindesalter Brutalität und Gewalt allgegenwärtig sind. Dass sie noch nicht strafmündig sind, wissen sie – insofern greifen insbesondere die Verhöre, mit denen Casstorff und sein Kollege Holicek zunächst versuchen, Licht in das Dunkel um den Mord an Ronja zu bringen, so gut wie gar nicht.

Lediglich Jenny Graf gelingt es, das Vertrauen eines der verdächtigen Mädchen zu gewinnen.

Fatma, eine junge Türkin, bringt Casstorff mit ihrer gleichgültigen Art und Unverschämtheit zur Weißglut – bis sie sich ihm gegenüber in einem stillen Moment etwas öffnet. Die dicke Mela bleibt verschlossen; bei Lucy, die zuhause ihren an Alzheimer erkrankten Großvater pflegt, bemerkt Jenny, dass sie in Ronja verliebt war. Und dann ist da noch die ruhige und sensible Marie, Ronjas Cousine. Bei ihr nistet sich die Clique regelrecht ein, weil die Eltern ohne Marie im Urlaub sind. Oder war Ronjas Mörder doch der aus „gutem Hause“ stammende Piet, der sich endlich rächen wollte, weil die Mädchenbande ihn regelmäßig auf dem Weg zur Schule „abgezogen“ hat?

Mit Einfühlungsvermögen und unermüdlicher Ermittlungsarbeit gelingt es Casstorff, Holicek und Jenny Graf schließlich, den Mord an Ronja aufzuklären. Es kommt zum Showdown an Bord des Hausbootes, auf dem das junge Mädchen gemeinsam mit ihrer Mutter gelebt hat.

Besetzung und Stab

Hauptkommissar Jan Casstorff – Robert Atzorn
Eduard Holicek – Tilo Prückner
Jenny Graf – Julia Schmidt
Patricia Funck – Saskia Fischer
Haustein – Harald Weiler
Iris May – Inga Busch
Marie Liebhard – Marie – Terese Katt
Lucy – Elisa Becker
Mela – Charlotte Buschner
Fatma – Jasmin Aksan
u.a.

Regie – Daniel Helfer
Buch – Elke Schuch · Marc Blöbaum
Kamera – Simon Schmejkal
Schnitt – Fritz Busse
Musik – George Kochbeck; Rosenstolz „Liebe ist alles“

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