Drei Schlingen – Tatort 78 / Crimetime Vorschau // #Tatort #Essen #Haferkamp #WDR #Tatort78 #Schlingen

Crimetime Vorschau - Titelfoto © WDR

Giftiges = Übergriffiges?

Für 25 Jahre weggesperrt: Die Tatort-Folge 078 „Drei Schlingen“ aus dem Jahr 1977, zugleich Kommissar Haferkamps elfte Ermittlungsarbeit, wurde gleich nach der Erstausstrahlung in den so genannten Giftschrank verbannt. Hier landen seit jeher Tatort-Episoden, die seit ihrem Fernsehdebüt nicht mehr wiederholt werden dürfen. Im Fall von „Drei Schlingen“ hatten sich zahlreiche Zuschauer über die offen gezeigte Brutalität bei der Sendeanstalt ARD beschwert. Auch die Aussage, Epileptiker würden zu Gewalttaten neigen, hinterließ beim Tatort-Publikum einen schalen Beigeschmack.

Erst im Jahr 2002 wurde die Folge erneut durch einen Jugendschutzbeauftragten überprüft und für Wiederholungen freigegeben; im Mai 2003 wurde der Tatort „Drei Schlingen“ dann ein zweites Mal gezeigt. Als die Episode 2010 erneut beim WDR wiederholt wurde, schnitt man den Satz über Epilepsiekranke in einer neuen, überarbeiteten Version heraus.

So steht es auf der Webseite der Tatort Fans zu lesen. 2010, das war das Jahr, bevor wir mit der „TatortAnthologie“ begannen, wir haben also die damalige Ausstrahlung verpasst. Aber es wäre ohnehin die zensierte Version gewesen. Ein altes Thema: Glättet man oder lässt man die Zuschauer oder Leser mit der Originalversion eines Films oder Buches allein oder sperrt man das Teil weg oder zieht es ein? Wir sind für die Originalversion. Keine leichte Entscheidung, aber wir mögen uns gar nicht vorstellen, wie in einer Zeit, in der sowieso wieder alles zur Zensur drängt, immer weitere Stellen, die möglicherweise nicht von allen als politisch korrekt empfunden werden, aus allen möglichen Medienprodukten entfernt werden.

Selbstverständlich hat ein öffentlichrechtlicher Sender hohe Maßstäbe an seine Produktionen anzulegen und es gab mal einen möglicherweise antisemitischen Tatort namens „Tod im Jaguar“, das geht natürlich nicht. Trotzdem hätten wir gerne gesehen, wie stark und eindeutig diese Tendenz ausgeprägt ist. Wer weiß, wie die Zeiten sich noch ändern, vielleicht gibt es solche Werke mal als „Vorbehaltsfilme“ im Kino und mit Kommentar, wie einige Werke aus der NS-Zeit – und hätte jemand gedacht, dass der wirklich grottige gelbe Unterrock mal wieder gezeigt wird? Der SWR hat es vor ein paar Jahren aber getan und wir danken sehr für diese Schamüberwindung.

Die meisten Haferkamp-Tatorte haben wir mittlerweile gesehen und es sind wirklich gute darunter, wie etwa „Rechnung mit einer Unbekannten“, einer der atmosphärisch dichtesten und psychologisch ausgefeiltesten Tatorte bis heute. „Drei Schlingen“ rangiert in der Fundus-Rangliste derzeit auf Platz 5 von 20 Haferkamp-Filmen, das ist beachtlich und deutet darauf hin, dass die Brutalität des Films, die oben erwähnt wird, heute eher relativ gesehen wird – und die Diskriminierung von Menschen mit einer Nervenkrankheit ist sowieso eliminiert worden. Unabhängig von unserer oben geäußerten Meinung: Ist doch gut, wenn das geht, ohne dass dadurch der Film nicht mehr verständlich ist.

Und im Film gibt es einen Cameo-Auftritt von Vico Torriani. Wie kann man eine solche Sensation dem Publiku 25 Jahre lang vorenthalten?

TH

Handlung

Bei einem brutalen Überfall auf einen Geldtransporter wird der Fahrer Fink erschossen, als er einer vermeintlich verletzten Frau helfen will.

Haferkamp sucht nun nach den drei Gangstern, der Frau und ihren zwei männlichen Komplizen. Finks Partner Schiesser, der vor Jahren wegen seiner harschen Vorgehensweise aus dem Polizeidienst entlassen wurde, hält Haferkamp für unfähig. Bald muss Haferkamp zwei weitere, als Selbstmorde getarnte Morde klären. Die Spur führt ihn in einen Judoclub.

Besetzung und Stab

Heinz Haferkamp – Hansjörg Felmy
Kreutzer – Willy Semmelrogge
Werner Fink – Andreas Seyferth
Horst Schiesser – Traugott Buhre
Peter Rieger – Helmut Wildt
Gerda Fink – Simone Rethel
Sekretärin – Roswitha Dost
Frau Küppers – Else Quecke
Müller – Lutz Hochstraate
Ingrid Haferkamp – Karin Eickelbaum
Priester – Hans Beerhenke
Lu Lay – Marie Luise Marjan
u.a.

Buch – Karl Heinz Willschrei
Bauten – Jochen Schumacher
Kamera – Josef Vilsmeier
Produktion – Werner Kliess
Kostüme – Paul Seltenhammer
Regie – Wolfgang Becker

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