Abwärts – Polizeiruf 110 Fall 343 / #Crimetime 444 // #Polizeiruf #Polizeiruf110 #Magdeburg #MDR #Brasch #Drexler #Abwärts

Crimetime 444 - Titelfoto © MDR, Oliver Feist

Abwärts wie weit noch?

Nach dem wunderschönen „Käfer und Prinzessin“ aus Brandenburg haben sie als nächstes „Abwärts“ gebracht. Probleme, Enttäuschungen, schwierige Verhältnisse gibt es immer, sonst wären wir nicht in modernen Krimis hiesiger Machart. Die Zeiten der wilden Räuberpistolen sind lange vorbei. Aber es kommt auch zu deutlichen Unterschieden. Was wir damit meinen, haben wir in der -> Rezension niedergeschrieben.

Handlung (Wikipedia)

Der 21-jährige Danilo Rink wird erschlagen in einer Straßenbahn aufgefunden. Da er erst am nächsten Morgen entdeckt wurde, lag er die Nacht über im Straßenbahn-Depot. Drexler sucht den Sozialarbeiter Peter Ruhler auf, mit dem er bereits früher zusammenarbeitete. Dieser war für Rink zuständig. Ruhler gibt an, am Vorabend gefeiert zu haben und ist in einem entsprechenden Zustand. Brasch, die zuvor noch ihren wegen rechtsradikaler Straftaten einsitzenden heranwachsenden Sohn im Gefängnis besucht hatte, sucht Sandra, die Ehefrau des Toten und Mutter des gemeinsamen Kindes auf. Diese gibt an, dass das Verhältnis zwischen ihr und ihrem Freund schon länger zerrüttet gewesen ist. Die Frau zeigt Spuren von Misshandlungen, auf Braschs Frage, ob diese von ihrem Mann stammen, antwortet sie ausweichend. Sie erzählt Brasch, dass Rink am Tatabend mit zwei seiner Freunde unterwegs war. Ruhler kommt ins Präsidium und sagt aus, dass Rink auf einem guten Wege war, er war zuvor Kleinkrimineller und war dabei, aus der Szene rauszukommen. Drexler und Brasch machen die Freunde des Täters, mit denen Danilo seinen Todesabend zusammen verbracht hatte, ausfindig. Diese geben zunächst an, dass Danilo Rink das Bootshaus, in dem sie den Abend verbracht haben, alleine verlassen habe. Später gibt einer von ihnen zu, dass beide zunächst zusammen mit ihm in der Straßenbahn gefahren seien, beide seien allerdings vorher ausgestiegen, weil Danilo einen Jüngeren eingeschüchtert und dessen Laptop geraubt habe. Der 15-jährige Junge, der von Danilo ausgeraubt wurde, sucht den Sozialarbeiter Ruhler auf und fordert ihn auf, ihm zu helfen. Ruhler sagt, er könne nichts für ihn tun. Zudem behauptet einer der beiden jungen Männer, dass Ruhler in der Straßenbahn gewesen sei. Brasch mutmaßt, dass Ruhler dem Jungen zu Hilfe gekommen ist und dabei Danilo Rink erschlagen hat.

Der Junge, Lukas Schenker, sucht Ruhler auf, dieser sagt ihm, dass er nicht geglaubt hat, dass die beiden jungen Männer ihn erkannt haben. Ruhler sagt, dass Rink tot sei. Lukas will mit Ruhler fliehen und fordert ihn auf, ihm zu helfen. Er macht Ruhler Vorwürfe, dass er seinen Laptop Ruhlers wegen am Tatort zurückgelassen habe. Drexler und Brasch treffen in Ruhlers Wohnung ein, dieser ist allerdings tatsächlich mit Lukas geflohen. Brasch erstellt die Hypothese, dass Ruhler den Jungen mit nach Hause und als Geisel genommen habe, damit der Junge ihn nicht verrate. Ruhler fordert Lukas auf, seine Schwester anzurufen und sich mit den Auftraggebern von Lukas und ihr zu treffen. Währenddessen entdecken Brasch und Drexler Blut in Ruhlers Wohnung, was es wahrscheinlich macht, dass er mit Rink gekämpft hat und sich dabei verletzt hat. Die Identität von Lukas wird schließlich durch eine Vermisstenanzeige geklärt. Lukas bringt Ruhler zu einer abgelegenen Datsche, in die er und seine Schwester sich gelegentlich zurückziehen.

Brasch sucht den Vater des Jungen auf, dieser ist gut situiert und arbeitet bei einem Autozulieferer. Er gibt an, keine Probleme mit dem Jungen zu haben. Er ist von der Mutter seiner Kinder geschieden, das Sorgerecht hat er bekommen. Seine Tochter Ellen ist von zu Hause ausgezogen, er hat keinen Kontakt mehr zu ihr. Sie ist wegen Körperverletzung vorbestraft. Ruhler wurde von Nachbarn zusammen mit Lukas gesehen, er habe einen blauen Müllsack dabei gehabt. An der Leiche Rinks werden Fingerabdrücke von Ruhler und von Lukas gefunden. Ruhler war früher bei der Bundeswehr und war mit der KFOR im Kosovo, quittierte aber unmittelbar nach seiner Rückkehr den Dienst. Ruhler sucht die Schwester und Lukas, Ellen, und dessen Freund auf. Gemeinsam mit den dreien sucht er die Auftraggeber der Jugendlichen auf. Er erklärt ihnen, dass Lukas keine Schuld am Verlust des Laptops habe, es sei seine Schuld. Die Gangster wollen Lukas töten, Ruhler geht dazwischen und die Jugendlichen können fliehen. Es stellt sich unterdessen heraus, dass der Straßenbahnreiniger, der die Leiche von Rink gefunden hat, den Laptop gestohlen hat. Der Laptop gehörte Lukas Vater, auf diesem waren Sicherungscodes für Luxusautos gespeichert, sodass mithilfe des Laptops teure Luxuskarossen gestohlen werden können. Lukas hat den Laptop seinem Vater gestohlen und wollte diesen an die Gangster verkaufen. Unterdessen alarmiert Ruhler die Polizei und gibt an, dass Ellen angeschossen wurde. Diese ist im Krankenhaus und wird dort von Brasch vernommen. Sie erklärt Brasch, dass es ihre Idee war, den Laptop zu stehlen und die Daten an die Gangster zu verkaufen. Sie erklärt, dass sie Schulden hat. Zudem stellt sich heraus, dass Ellen schwanger ist. Drexler und Brasch suchen noch einmal Ellens und Lukas‘ Vater auf. Dieser sagt aus, dass Lukas sich in letzter Zeit für seine Mutter interessiert hat und diese kennenlernen wollte.

Ruhler trifft sich mit Ellens Freund, er informiert diesen, dass Lukas in der Gewalt der Verbrecher ist, dass es Ellen aber gut geht. Ellens Freund hat eine Waffe, die er Ruhler übergibt. Brasch macht Ellens und Lukas‘ Mutter ausfindig, sie sagt aus, dass sie gerne Kontakt zu ihren Kindern hätte und auch bereits Kontakt mit Ellen hat, dass der Vater der beiden dies allerdings nicht wollte. Drexler sucht einen alten Kameraden von Ruhler auf, der mit ihm im Kosovo war und nun querschnittsgelähmt ist. Ruhler saß am Steuer eines Bundeswehrfahrzeuges. Als ihnen ein LKW auf der eigenen Spur entgegen kam, musste Ruhler ausweichen und der Wagen stürzte einen Abhang herunter. Seither ist der Kamerad gelähmt. Weiterhin kam ein achtjähriger Junge bei dem Unfall ums Leben. Dieses Ereignis war der Grund, dessentwegen Ruhler seinen Dienst quittierte. Drexler und Brasch finden aufgrund des Hinweises von Ellens Mutter dessen Freund. Dieser verrät Brasch, dass die Gangster Lukas in der Gewalt haben und wo diese sich aufhalten. Die Gangster misshandeln Lukas, damit dieser den Laptop wiederbeschaffe. Dieser weiß aber nichts. Ruhler taucht auf, schießt einen der Gangster an und kann Lukas befreien. Drexler und Brasch kommen zu spät, können aber die Gangster festnehmen.

Ruhler und Lukas verstecken sich eine Weile in der Datsche. Als Drexler und Brasch aus Ellen herausbekommen, wo die Datsche ist, sind die beiden allerdings verschwunden. Die beiden finden allerdings den blauen Müllbeutel mit der blutverschmierten Kleidung von Lukas und Ruhler vom Tatabend. Die Ex-Freundin von Ruhler meldet sich bei Drexler und sagt aus, dass sie sich am Abend vor der Tat von ihm getrennt hätte, was für seine Überreaktion mitverantwortlich sein könnte. Ruhler und Lukas suchen Lukas Vater auf und bedrohen diesen, damit dieser die Adresse von Lukas Mutter herausgibt. Ruhler bringt den Jungen zum Bus. Kurz darauf wird er von Drexler und Brasch gestellt. Nachdem er vergeblich versucht hat, einen „Suicide by cop“ zu provozieren und den Totschlag an Rink gesteht, erschießt er sich vor den Augen der Polizisten selbst.

Rezension

Es gibt keine Menschen mehr, die mit anderen Menschen können. Das ist in etwa die Kernaussage von „Abwärts“. Es ist seit vielen Jahren mit dem Sozialen nur noch abwärts gegangen. Jugendliche können nicht mit ihren Eltern. Eltern nicht mit ihren Kindern. Polizist*innen als Eltern können nicht mit ihren Kindern, weil sie Eltern sind und weil sie Polizist*innen sind. Vice versa. Kinder haben doofe Partner, welche die Kinder entweder nach rechts oder ins Verbrechen ziehen oder beides, besonders, weil ja rechts eh ein Verbrechen ist. Polizisten können nicht untereinander. Wenn sie mit ihren Kindern schon nicht klarkommen? Und dann erst die Sozialarbeiter. Sie waren Soldaten, haben im Krieg einen Autounfall durchlebt, kommen damit nicht klar, werden deshalb Sozialarbeiter, glauben, dass sie versagt haben und das maximale Abwärts ist dann, dass sie sich selbst töten.

Mann, Mann. Wir sind ja nicht gegen düster und so, aber dieses Mal haben sie wirklich überzogen. Nicht nur, dass einem die Seite der Täter und Opfer mit ihrer stereotypen Zeichnung auf den Geist geht und man garantiert nicht mitleidet mit irgendwem, auch die Polizisten sind maximal unsympathisch dargestellt. Ganz extrem Sylvester Groth als Drexler, aber Claudia Michelsen als Brasch nur um Nuancen wärmer als eistödlich. Wenn wir nicht kürzlich den etwas neueren Zweiteiler „Wendemanöver“ gesehen hätten, in dem die beiden nicht so extrem rüberkommen, würden wir jetzt denken, das sei der Polizeiruf-Style des MDR nach Schmücke / Schneider und deshalb brauchte der Sender einen Quatsch-Ausgleich wie den Weimar-Tatort und die frühen Dresden-Tatorte der neuen Generation, die ja auch recht sehr auf Klamauk getrimmt waren. Wer weiß, warum Sylvester Groth aufgehört hat, das Spielen eines solchen Miesepeters wie Drexler liegt nicht jedem, auch wenn er in der Realität ein ernster Mensch ist.

Trotz der durchgängig finsteren Welt, die er zeigt, hat „Abwärts“ keine echte Atmosphäre. Das liegt sicher auch daran, dass es an Amplitude fehlt. Alles ist eben gleich schrecklich und wird auch in einem gleichmäßigen Tempo gefilmt. Immerhin überleben wenigstens die Polizisten, das hätte man im Verlauf durchaus anders vermuten können. Vermutlich hat sich der Drehbuchautor, identisch mit dem Regisseur auch darüber geärgert, dass er nicht Tabula rasa machen konnte, weil Drexler und Brasch noch gebraucht werden. Die seltsame Schlussszene mit dem Suizid des Sozialarbeiters wirkt ein bisschen wie: Blöd, aber damit es überhaupt noch spritzt, das Blut, muss eben der dran glauben.

Es ist schwierig, viel über einen Film zu schreiben, der nur kaputte Menschen zeigt, man kann es im Prinzip dabei bewenden lassen, dass diese durch die Eskalation dessen, was bei ihnen irgendwie vorgegeben scheint, nicht geheilt werden. Sicher ist es nicht uninteressant, wie am Ende ein Mann von seinem Kriegstrauma bzw. einer posttraumatischen Belastungsstörung, die gar nicht aus einer Kriegshandlung herrührt, sondern aus einem Unfall, der jedem passieren kann, dass dieses Trauma so durchbricht und ihn am Ende tötet. Klar ist Ruhler, der von Peter Jordan gut gespielt wird, die mit Abstand interessanteste Figur dieses Films und am Schluss lässt Drexler Brasch sogar in seinem Auto rauchen. Vielleicht wird doch noch alles gut.

Finale

Den Zuschauer nicht mitzunehmen, sondern eher auf Distanz zu halten, das hatten schon frühe Polizeirufe drauf, auch bei Tatorten gibt es diese Variante – aber doch eher selten und noch seltener in einer so extrem trostlosen Ausführung. Keine Frage, die Schockversion hat Konjunktur – am Ende bringt sich jemand noch schnell um. Aber dieses Mal ist es kein Schock mehr, weil man es beinahe erwartet, mindestens für möglich hält, dass es so laufen wird. Ein Mensch weniger, der sich eh nur rumquält. Wir halten diese Spielart des Polizeirufs nicht für eine sehr gute Idee, auch wenn wir anerkennen, dass man beim MDR mal richtig in die menschliche Scheiße hauen wollte und nicht so mittellauwarm sein. Das ist immerhin gelungen, dieser Film ist kälter als der Tod. Die Handlungslogik ist nicht ganz verkehrt, aber sie basiert natürlich darauf, dass alle sich möglichst selbstschädigend verhalten. Sogar Brasch und Drexler, die einander als Team künstlich das Leben schwer machen, mit Drexler als Abwehrzentrum gegen mehr Kooperation, auch mit dem jüngeren Kollegen – nee, geht nicht. Wer es gesehen hat, ist schlauer darüber, was wir meinen, aber kann sich gewiss nichts fürs Leben abschauen.

6/10

© 2019 Der Wahlberliner, Thomas Hocke

 Regie Nils Willbrandt
Drehbuch Nils Willbrandt
Produktion Britta Hansen
Musik Stefan Mertin, Martin Hornung
Kamera Michael Schreitel
Schnitt Vessela Martschewski

Claudia Michelsen: Doreen Brasch, Kriminalhauptkommissarin
Sylvester Groth: Jochen Drexler, Kriminalhauptkommissar
Felix Vörtler: Uwe Lemp, Kriminalrat
Steve Windolf: Mautz, Kriminalobermeister
Vincent Redetzki: Andi Brasch
Cornelia Gröschel: Lisa
Peter Jordan: Peter Ruhler
Lukas Schust: Lukas Schenker
Floriane Daniel: Dr. Gerland
Josephin Busch:
Ursula Strauss: Annette
Christoph Grunert:
Sina Tkotsch: Ellen Schenker
Kai Malina: Manuel
Maximilian Grünewald:
Antje Widdra: Conny
Bert Böhlitz: Wiedemann
Antonia Putiloff:
Niels Bruno Schmidt:
Rafael Banasik:
Peter Sikorski: Tom
Martin Baden: Ralf Trulsen
Maximilian Klas: Lars Gärtner
Jörg Steinberg:
Gerald Fiedler:
Florian Gierlichs: Danilo Rink
Milan Andreew:

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