VERANSTALTUNGSEMPFEHLUNG Die Stadt als Beute – Mietendeckel: Lösung oder Problem? Babylon Berlin 28.11.2019, 19:30 Uhr mit Film „City for Sale“ + Anschlussdiskussion Lompscher / Schröder / Spann / Taheri @StoppAkeliusB @prtzi @dwenteignen #Mietenwahnsinn #Enteignung #Verdrängung #wirbleibenalle

Die Vereinigung der kämpfenden Akelius-Mieter*innen (@StoppAkeliusB), die uns auf die Veranstaltung aufmerksam gemacht hat, schreibt dazu: „Akelius auf Propaganda-Tour Wer Ralf Spann (Akelius-Europa-Chef) mal live erleben möchte, kann das bei einer Podiums-Diskussion im Babylon-Kino am 28.11.19, ab 19:30 Film „Stadt als Beute“, danach Podiusmdiskussion„.

Auf dem Podium: Katrin Lompscher (Senatorin für Stadtentwicklung), Rackham Schröder (CEO Engel & Völkers), Ralf Spann (Europachef von Akelius), Rouzbeh Taheri (Initiator von „Deutsche Wohnen & Co. enteignen“), Moderation: Sebastian Engelbrecht (Deutschlandradio).

Der Film „Stadt als Beute“ („City for Sale“) von Andreas Wilcke wird vom Kino Babylon wie folgt beworben:

FireShot Capture 168 - BABYLON in Berlin - Die Stadt als Beute – Mietendeckel_ Lösung oder P_ - babylonberlin.euVon London bis New York gilt Berlin plötzlich als “the place to be“. Das weckt Begehrlichkeiten.

Jeder will hier wohnen und viele wollen sich hier eine Wohnung kaufen, die – verglichen mit „zu Hause“ – spottbillig ist. Ehemaliger staatlicher Wohnungs-bestand wird privatisiert und Mietwohnungen werden zu Eigentum. Welten prallen aufeinander und Paralleluniversen tun sich auf.

Andreas Wilcke hat diesen Vorgang vier Jahre lang durchleuchtet. Mit seiner Kamera ist er überall in der Stadt unterwegs; befragt die verschiedenen Akteure, begleitet Makler, Investoren und Kaufinteressenten bei der Schnäppchenjagd und Mieter beim Gang durch die Institutionen. Der Zuschauer ist quasi live dabei, wenn im Zeitraffertempo eine ganze Stadt umgekrempelt wird.

„Man fragt sich …, wie Andreas Wilcke all diese Investoren, Makler, Bauherren dazugebracht hat, so vor seiner Kamera zu reden, wie sie das tun.“ (sueddeutsche.de)

„Was den Film sehenswert macht, er kommt ohne moralischen Zeigefinger daher, es gibt hier keine Engel und keine Teufel. Vielmehr schafft es der Film, die komplexe Wohnmarktsituation Berlins in ihrer Widersprüchlichkeit widerzuspiegeln.“ (berliner-zeitung.de)

Kommentar

Es wird sicher interessant sein, zu sehen, wie zwei Diskussionsteilnehmer*innen beider Seiten sich zur aktuellen Situation in Berlin stellen. Zum Film selbst haben wir gemischte Gefühle. Gut möglich, dass gerade der „nicht erhobene Zeigefinger“ die Wut von zuschauenden Mieter*innen erheblich steigern wird. Andererseits: Das Werk wurde im Jahr 2016 fertiggestellt, zeichnet vier Jahre Stadtentwicklung in Berlin nach und damit die Phase, in welcher der Mietenwahnsinn richtig Fahrt aufnahm. Erst danach kam der Regierungswechsel zu R2G und mit ihm der Versuch einer mehr mieter*innenfreundlchen Politik. Die Privatisierungswelle ist vorbei, vielmehr wird versucht, bisher in kleinerem Maßstab, zu (re-) kommunalisieren. Der große Wurf wäre die Enteignung der privaten Großwohnkonzerne. Dafür wird Rouzbeh Taheri auf dem Podium streiten. Auch eine neue Bodenpolitik wäre wichtig und wurde gerade auf dem Landesparteitag von DIE LINKE thematisiert. Vielleicht sagt Senatorin Lompscher dazu etwas.

Informativ ist der Film ganz gewiss, schon wegen der geradezu historischen Perspektive. Ob freimütige bis euphorische Investor*innen-Aussagen darin heute noch öffentlich in der Form fallen würden, sie sie schon dem Trailer zu entnehmen sind, in einer so aufgeheizten Situation? Die Tendenz geht momentan dahin, dass die Lobbyverbände ihre Klientel als Opfer des noch gar nicht in Kraft getretenen Mietendeckels darstellt, dies trotz der nunmehr fast ein Jahrzehnt andauernden Sause. Liest man die Darstellungen von Immobiliendienstleistern, ist weiterhin der Himmel die Grenze. Dabei spielt sicher Marketingsprech eine Rolle, aber auch eine Mentalität, die es unmöglich macht, zu verstehen, dass es einen Paradigmenwechsel hin zu mehr Gemeinwohl und Schutz der Schwächeren geben muss.

Eines hat sich jedenfalls verändert, das ist, dass die Immobilienlobby nicht mehr komplett widerstandslos gentrifzieren kann und nur wenige verzweifelte Menschen sich durch die Beschmierung von Neubau- und Sanierungs-Luxushäusern oder Bauplakaten Luft machen. Die Wut über die Verdrängung ist in der MItte der Stadt und der Gesellschaft angekommen. Es ist noch mehr zu tun, als bereits getan ist, um Mieter*innen zu schützen, aber diejenigen, die sich für die Herren der Stadt halten, müssen sich rechtfertigen, sich der politischen Wirkung protestierender Mieter*innen stellen – und, falls Schutzgesetze endlich konsequent durchgesetzt werden, wird das bunte Renditetreiben in der Wohnungswirtschaft nicht mehr der einzige Maßstab für die gute Entwicklung von Berlin sein.

Das ist auch wirtschaftlich wichtig und richtig, denn die stark steigenden Immobilienpreise bringen nicht nur immer mehr Wohnende und Gewerbetreibende in Bedrängnis, sondern verdecken viele strukturelle Schwächen der Stadt. Man kann es nicht oft genug schreiben: Was in New York oder London aufgrund der wirtschaftlichen Stärke dieser Metropolen lange Zeit als natürlich angesehen wurde (mittlerweile nicht mehr, wie u. a. der New Yorker Teil-Mietendeckel zeigt), wirkt in Berlin mit seinen geringen Durchschnittseinkommen gespenstisch. Gentrifzierung ist ein Thema, das viel weiter zurückreicht, aber allgemein wird der Beginn des noch anhaltenden starken Auftriebs mit dem Jahr 2010 angesetzt und hat 2012, als er bereits öffentliches Thema war, dazu geführt, dass der Dokumentarfilmer Andreas Wilcke sich des Phänomens angenommen hat.

Jeder Tag bringt derzeit neue Kämpfe, gerade läuft die Auseinandersetzung um das Mieter*innen-Rettungsmodell DIESEeG auf Hochtouren, demonstrieren Mieter*innen dafür, dass die Politik sie nicht im Stich lässt. Es kommt auf jeden dieser Kämpfe an.

Wir meinen, das Event am kommenden Donnerstagabend ist einen Besuch wert und freuen uns auf eine Kontroverse, in der wir auf gute Argumente seitens derer hoffen, die dafür angetreten sind, dass Mieter*innen in der Stadt bleiben dürfen. Wer seine Motivation für den Kampf um die Stadt mit übergriffigen Investorenaussagen weiter stärken will, der wird sicher das eine oder andere mitnehmen können – vermutlich nicht nur in Form von im Film abgegebenen Statements, sondern auch durch Einlassungen der Immobilienlobby-Vertreter auf dem Podium.

TH

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s