Leonessa – Tatort 1123 #Crimetime Vorschau 08.03.2020 DAS ERSTE 20:15 Uhr #Tatort #Ludwigshafen #Odenthal #Stern #SWR #Leonessa

Crimetime Vorschau - Titelfoto © SWR, Jacqueline Krause-Burberg

„Ein Krimi, noch trister als Ludwigshafen“ (BILD)

Ob sich die Bildzeitung in Ludwigshafen auskennt, wissen wir nicht, wir sind früher oft daran vorbeigefahren und das Chemiewerk von BASF hat zwar für Emissionen gesorgt, aber trist sah es eigentlich nicht aus und eine schöne Autobahnbrücke gibt es dort auch.

„Leonessa“, das sind Leon und Vanessa, ein Teenagerpärchen aus Ludwigshafen, das den Ermittlerinnen Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) und Johanna Stern (Lisa Bitter) im Tatort jede Menge Kummer bereitet: denn die 15-Jährigen prostituieren sich. Als ein Kneipenwirt erschossen wird, stellt sich die Frage, ob die Jugendlichen etwas mit dem Mord zu tun haben. Die Tatort-Folge Nummer 1123 „Leonessa“ stellt Odenthals 71. und Sterns 12. Fall dar.“ So leitet die Redaktion von Tatort-Fans ihre Kritik ein und kommt bei zwei Meinungen zu unterschiedlichen Schlüssen: Nicht sehr spannend einerseits, schön, wieder mal zu sehen, dass Lena Odenthal aus sicher herausgeht.

Was meint eigentlich die BILD, die uns die heutige Überschrift geliefert hat. Anschauen? „Ja, wenn Sie deprimiert ins Bett gehen wollen. Spannung mäßig, Atmosphäre traurig, doch immerhin ein klassisches Krimi-Format.“ Auf Deutsch, für die erzkonservative Tatort-Fraktion geeignet und Depressionen kommen natürlich vom Krimis gucken. Das gilt dann aber mehr oder weniger für alle Filme dieses Genres, sofern sie nicht aus Münster kommen.

Besonders spannend für uns ist der SWR 3-Tatortcheck, wenn es um Produkte aus dem eigenen Haus geht:

„Viel Drama, aber auch viel Klischee. „Leonessa“ bietet eine trostlose Kulisse und eine beklemmende Hoffnungslosigkeit über mehrere Generationen – das könnte für den ein oder anderen zu viel aus der Klischee-Kiste sein. Die anderen, die sich neben dem Krimi auch auf das Sozialdrama einlassen, werden wohl mehr als einmal schlucken.“ Es kommt zu drei von fünf Elchen.

Eine schwungvoll filmübergreifende Einleitung, die fast von uns stammen könnte, findet die bekannt kritische Redaktion von „filmstarts.de“: „Gerade einmal 14 Monate ist es her, dass ein „Tatort“-Team zum letzten Mal in einem Saloon ermittelte – und für einen Sonntagskrimi ist das ja nun wahrlich kein alltäglicher Schauplatz. Die Weimarer Kommissare Lessing und Dorn kamen im Januar 2019 trotzdem in den Genuss, denn es verschlug sie im schrägen „Tatort: Der höllische Heinz“ in eine Westernstadt in Thüringen – und dort ließ es sich Dorn nicht nehmen, in voller Cowgirl-Montur die Bar aufzusuchen. Für ihre Kollegen aus Ludwigshafen gelten nun ähnliche Vorzeichen: In Connie Walthers „Tatort: Leonessa“ muss ein Mord in einer Westernkneipe aufgeklärt werden.

In der Folge wird ein wenig amüsierter Rückblick auf die Zeit des „Zickenkriegs“ zwischen Odenthal und Stern geliefert, weil Odenthal dieses Mal mit einem Apfel nach der jüngeren Kollegin schmeißt. Wir verraten nicht, ob die alten Animositäten wieder aufleben, lesen Sie bitte hinter dem Link, wenn Sie möchten. Das Fazit, das zu 2,5 von 5 Punkten führt, wollen wir aber nicht verschweigen: „Connie Walthers „Tatort: Leonessa“ ist ein selten spannender, aber zumindest ordentlich gespielter Krimi der alten Schule, der nur selten die ausgetretenen Pfade der Sonntagabendunterhaltung verlässt.“

Auf den Saloon bezieht sich auch Christian Buß im SPIEGEL: „Der Clou: Eine Country-Oase in der Betonwüste? Eigentlich eine gute Idee. Wie die Charaktere sich anfänglich stolz gegen ihr Schicksal stemmen, das hat schon was. Doch die ewigen Zurechtweisungen von Kommissarin Odenthal, die in diesem „Tatort“ mal wieder mehr maßregelt als ermittelt, prügeln die Teens und ihre Eltern dann doch in ihre Asi-Stereotype zurück.“ An der Maßregel-Bemerkung sieht man, wie relativ Betrachtungen sind: In Sachen Maßregel-Vollzug kommt Odenthal bei uns erst an dritter Stelle, nämlich hinter Lürsen und Lindholm, und zwar mit einigem Abstand. Also eigentlich an zweiter Stelle, denn die Bremer Kommissarin hat ja Dienstende. In der Folge wirft Buß unter anderem ein Schlaglicht auf die offenbar wieder einmal wenig überzeugenden Dialoge und kommt am Ende auf 5/10.

Das Konventionelle, durchbrochen von wirklich exaltierten Experimenten und die schwachen Dialoge in der konventionellen Variante sind leider ein typisches Ludwigshafen-Merkmal geworden. Zum Ausgleich etwas Positives? Bitte:

Sehenswert ist „Leonessa“ vor allem wegen des Titelpaars. Michelangelo Fortuzzi verkörpert den fatalistischen Leon konsequent nach dem Motto „Verschwende deine Jugend“. Noch eindrucksvoller ist Lena Urzendowsky, die dank blondiertem Bubikopf im Vergleich zu ihren ähnlich einprägsamen Auftritten in „Der große Rudolph“, zwei Usedom-Krimis und vor allem „Das weiße Kaninchen“ kaum wiederzuerkennen ist. Regisseurin Connie Walther steht ohnehin für exzellente Leistungen ihrer Darsteller.„, schreibt Tilmann Gangloff in Tittelbach-TV.

Vielleicht sind die Dialoge zwischen den beiden Jugendlichen, die in diesem 1123. Tatort die Episoden-Hauptrollen darstellen, ja auch besser, denn mit schwachen, die Figuren nicht überzeugend wirken lassenden Sätzen wird auch die beste mimisch-gestische Darstellung nicht zu einer überragenden Gesamtleistung führen.

Zu einer Sofortrezension nach der Premiere wird es heute nicht kommen. Aber unsere eigene Meinung werden wir selbstverständlich hier vorstellen.

Handlung

Die Westernkneipe von Hans und Hanne Schilling ist ein beliebtes Lokal im Ludwigshafener Stadtteil Oggersheim. Hier trifft man sich nicht nur, der Wirt mischt sich auch ein, wenn es im Viertel rüde oder illegal zugeht. Als Schilling eines Morgens hinter seinem Tresen erschossen wird, fragen sich Lena Odenthal und Johanna Stern deshalb, ob er mit seinem Engagement jemandem allzu massiv auf die Füße getreten war.

Der junge Samir zum Beispiel, der die Leiche fand und danach verdächtig lange brauchte, um die Polizei zu rufen. Oder Vanessa, die im selben Block wohnt wie Samir und eng mit Leon verbunden ist. Ein junges Paar, das definitiv mehr Geld zur Verfügung hat als angesichts ihres familiären Hintergrundes zu erwarten wäre. Sie geben sich unabhängig und wirken doch verloren.

Lena und Johanna vermuten, dass die beiden sexuelle Dienste anbieten, um zu Geld zu kommen. Die Ermittlungen führen die Kommissarinnen in ein soziales Gefüge, in dem die Erwachsenen aufgegeben haben und den Jugendlichen die Träume abhandenkommen.

Eigenwerbung

Die Menschen im „Tatort: Leonessa“ von Regisseurin Connie Walther und Drehbuchautor Wolfgang Stauch leben nicht nur geografisch, sondern auch existenziell am Rande der Stadt. Ganz besonders die drei jungen Menschen, die in den Fokus der Ermittlungen geraten. Jugendliche, die sich treiben lassen, sich das Geld dazu auf zweifelhafte Weise verdienen und glauben, dass das niemanden zu interessieren hat – aber eben auch allenfalls die Falschen interessiert. In dem nicht sentimental, aber dennoch bewegend erzählten „Tatort“ spielen Lena Urzendowsky, Michelangelo Fortuzzi und Mohamed Issa sowie Karoline Eichhorn, Camilla Nowogrodzki und Konstantin-Philippe Benedikt an der Seite von Ulrike Folkerts und Lisa Bitter.

Besetzung und Stab

Hauptkommissarin Lena Odenthal – Ulrike Folkerts
Ermittlerin Johanna Stern – Lisa Bitter
Kriminaltechniker Peter Becker – Peter Espeloer
Ermittlerin Katja Winter – Petra Mott
Sekretärin Edith Keller – Annalena Schmidt
Vanessa Michel – Lena Urzendowsky
Mutter von Vanessa – Camilla Nowogrodzki
Vater von Vanessa – Konstantin-Philippe Benedikt
Leon Grimminger – Michelangelo Fortuzzi
Katja Grimminger, Mutter von Leon – Karoline Eichhorn
Samir Tahan – Mohamed Issa
Mutter von Samir – Inaam Wali-Al Battat
Omar Tahan, Bruder von Samir – Walid Al-Atiyat
Wirtin Hanne Schilling – Gabi Herz
Zivilpolizist – Matthias Fölsch
u.a.

Drehbuch – Wolfgang Stauch
Regie – Connie Walther
Kamera – Cornelia Janssen

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