Die Zeit ist gekommen – Tatort 1127 #Crimetime Vorschau 05.04.2020 DAS ERSTE 20:15 Uhr #Tatort #Dresden #Gorniak #Winkler #Schnabel #MDR #Zeit #kommen

Crimetime Vorschau - Titelfoto © MDR / Wiedemann & Berg Television, Michael Kotschi

Läuterung und Beweisführung

„Die zwei Oberkommissarinnen Karin Gorniak (Karin Hanczewski) und Oberkommissarin Leonie „Leo“ Winkler (Cornelia Gröschel) bekommen es in ihrem dritten gemeinsamen Fall im Tatort Dresden mit einer dramatischen Geiselnahme zu tun: Ein Familienvater mit krimineller Vergangenheit hält in einem Kinderheim dessen Leiterin und einen 17-jährigen Jugendlichen mit Waffengewalt fest. Das SEK positioniert Scharfschützen rund um das Gebäude, Chef Schnabel hat das Kommando“, leitet die Redaktion von Tatort Fans ihre Beschreibung zum Film ein. Es ist der dritte Film von Oberkommissarin Gornaik zusamen mit ihrer gleichrangingen Kollegin Leo Winkler, wobei Gorniak die Leitende Ermittlerin darstellt.

Gegen Ende der recht kurzen Ära Sieland-Gorniak, die vorausging,  hatten der neue Dresden-Tatort, die zweite Generation nach Ehrlicher / Kain in den 1990ern, richtig Fahrt aufgenommen, die beiden letzten Filme „Déjà-vu“ und „Wer jetzt allein ist“ waren richtig gut. Demgemäß waren wir nicht erfreut über den Abgang von Alwara Höfels, die Darstellerin von Henni Sieland.

Die neue Konstellation ist nicht sehr gewöhnungsbedürftig, weil „Nachfolgerin“ Winkler ein gängiger Typ ist, auch charakterlich – vielleicht etwas zu sehr, sodass man ihr einen Vater verpasst hat, der ebenfalls Polizist war und dessen Präsenz und Kritik die Tochter unter Druck setzen. Aber das Team kann sehr flexibel eingesetzt werden, zumal mit Kriminalrat Schnabel (Martin Brambach) eine der ausgefallensten Dienststellenleiter-Figuren aller Teams am Werk ist und offensichtlich in, aber nicht erst seit „Die Zeit ist gekommen“ auch mehr – sic! – Spielzeit bekommt, als das für die Bekleider*innen dieser Position in Tatorten und Polizeirufen üblich ist. Und was sagen die Vorab-Kritiker zum 1127. Tatort? Die Redaktion von Tatort Fans ist ein wenig uneins, findet den Perspektivwechsel spannend oder das Ganze etwas platt, die Handlungsführung betreffend. Etwas in die selbe Richtung wie bei Redakteur Gerald geht auch der Kommentar beim SWR3-Tatort-Check:

„Alles dreht sich in ‚Die Zeit ist gekommen‘ um Anna und Louis. So konsequent, dass gar nicht sichtbar ermittelt wird. Das machen alles die Kollegen im Hintergrund. Das Ergebnis wird uns dann vom Chef der beiden Kommissarinnen mitgeteilt. Für Fans von Psychostudien ganz o.k. Für mich war der gefühlte Abstand zwischen zwei jeweils wirklich guten Momenten eindeutig zu lang“, lautet das Fazit. Louis, das ist der Hauptverdächtige, der als kleinkrimineller Looser apostrophiert wird und Anna ist die Frau, die an ihn glaubt. Wenn man, wie wir, gerade „The Crowd“ gesehen hat, weiß man in etwa, was gemeint ist – vom kriminellen Hintergrund abgesehen, der im amerikanischen Kinoklassiker von King Vidor nicht besteht – was den Film eher heraushebt. In Krimis ist es eben eher so, dass die ewige Suche nach dem Erfolg auf die schiefe Bahn führt, wenn es auf legalem Weg nicht so recht klappen mag. Zwei Elche bloß, vom SWR 3, von fünf möglichen.

Bei Tittelbach-TV werden 4,5 von 6 Sternen am  Tatort-Abendhimmel aufgehängt. Weniger haben wir dort  schon lange nicht gesehen, also muss man das schon beinahe als Mindestmaß sehen, etwa wie bei uns die Vergabe von 4 oder 5 von 10 – und langsam kommt der Verdacht auf, dass man sich mit durchweg positiven Kritiken und einem sichtbar kumpelhaft-kenntnisreichen Umgang mit den Machern das Wohlwollen der Produzenten erkaufen will. Dafür sind in diesen Rezensionen allerdings auch sehr ausführliche und teils instruktive Begründungen enthalten. Tittelbach-TV hebt die Täteropfer-Konstellation von Louis und Anna heraus, findet deren Darsteller*in überzeugend: „Die dramaturgische Doppelfunktion des Geiselnehmer-Pärchens als Täter und Opfer macht den Film auch für den Zuschauer nicht zu einem billigen Mitfieber-Spektakel, sondern zu einem angenehm ambivalenten, mehrschichtigen Vergnügen.“ Derlei Formulierungen weisen uns mittlerweile darauf hin: Dies könnte ein sogenannter Kritiker-Tatort sein, der also den professionellen Rezensenten besser gefällt als dem Publikum, das mehrheitlich Ambivalenz, zumal in den Zeiten, die wir gerade haben, oft gar nicht so gut findet. Beim Lesen fällt allerdings auf, dass auch die Beschreibung von Tittelbach-TV eher auf eine mittlere Bewertung schließen lässt als auf die genannte.

„Die Drehbuchautoren Stefanie Veith („Sitting Next To Zoe“) und Michael Comtesse („Familie verpflichtet“) greifen am Anfang ein paar Tage vor und zeigen Louis Bürger nach dessen Verhaftung in seiner U-Haft-Zelle. Dort spitzt der vorbestrafte Häftling gerade seine Zahnbürste an, um sie sich Sekunden später ins Ohr zu rammen und seinen cleveren Fluchtplan damit vorzubereiten. Direkt im Anschluss springt die Handlung zwei Tage zurück und wir befinden uns wieder in der gewohnten „Tatort“-Chronologie, bei der auf die kurze Einführung des (vermeintlichen) Täters und seiner Gattin Anna der Leichenfund vorm Wohnhaus folgt“ schreibt Filmstarts.de und findet das offenbar gut, denn 3,5 von 5, ebenfalls in Sternen gemessen sind bei den Kritikern dieser Plattform bereits ein Wort. Wir mögen solche Auflösungen der chronologischen Erzählweise ja auch recht gerne, in Polizeirufen der klassischen, der Vorwende-Ära kam sie beispielsweise recht häufig vor, damit die Ermittler*innen davor bewahrt werden konnten, erst in der zweiten Hälfte des Films mitmachen zu dürfen.  Außerdem findet man bei „Filmstarts“ den Louis-Darsteller Max Riemelt ausgezeichnet, das war auch aus den anderen Rezensionen durchgängig herauszulesen, hingegen begehe die Dresdner Polizei einen offenbar für sie typsichen Fehler, der sich schon in „Das Nest“ gezeigt habe. Wir schauen jetzt nicht in der Rezension dazu nach, um welchen Fehler es sich handelt, sondern warten ab, ob wir beim Anschauen von Nr. 1127 auch einen Fehler finden, den wir als Wiederholung identifizieren können. Die Rezensenten erinnern auch an die große Tradition der Tatort-Reihe, Geiselnahmen betreffend, mag Geiselnahme-Szenarios offenbar und schließt so: „Packender Geiselnahme-Thriller, der durchaus ein „Tatort“-Highlight hätte werden können – wäre da nur nicht die enttäuschende Auflösung, die den tollen Gesamteindruck erheblich schmälert.“

Zumindest die Vorliebe für die Thrillerstruktur gegenüber dem (reinen) Whodunit teilen wir, weil sie eine überzeugende, intensive Figurenzeichnung fördert, wie sie hier von der Kritik fast einheitlich als gegeben angesehen wird – die Unterschiede liegen eher bei der Bewertung der Qualität das Plots, in dem die Ermittler*innen kaum ermitteln, sondern vor allem eine dramatische Situation bewältigen müssen. Morgen Abend wissen wir mehr!

TH

Handlung

Das junge Elternpaar Anna und Louis Bürger will sein Leben endlich auf die Reihe bekommen – feste Arbeit für beide, keine Partys mehr, keine Drogen und ein schönes Zuhause für ihren zwölfjährigen Sohn Tim. Doch als ein Wohnungsnachbar, der Polizist Jan Landrock, vor ihrem Haus erschlagen aufgefunden wird und die Dresdener Kommissarinnen Gorniak und Winkler ermitteln, gerät der vorbestrafte Louis schnell unter Tatverdacht.

Louis kann Anna überreden, ihn aus der Untersuchungshaft zu befreien. Gemeinsam mit Tim, der sich in Obhut des Jugendamtes befindet, wollen sie ins Ausland fliehen und dort ganz von vorn anfangen. Als sie aber Tim im Kinderheim abholen wollen, kommen ihnen die Ermittlerinnen zuvor. Der Fluchtversuch entwickelt sich zur ungeplanten Geiselnahme. Louis und Anna verschanzen sich mit Tim, der Heimleiterin Lehmann und dem 17-jährigen Nico in der Küche des Heims. Winkler, Gorniak und Kommissariatsleiter Schnabel arbeiten fieberhaft an einer Strategie, die Situation zu deeskalieren und Louis zur Aufgabe zu bewegen.

Doch solange der wahre Mörder von Landrock nicht gefasst wird, bleibt Louis zum Äußersten bereit. Kommissarin Winkler dringt in das Heim ein und setzt ihr Leben aufs Spiel.

Besetzung, Stab

Oberkommissarin Karin Gorniak – Karin Hanczewski
Oberkommissarin Leonie „Leo“ Winkler – Cornelia Gröschel
Kommissariatsleiter Peter Michael Schnabel – Martin Brambach
Rechtsmediziner Falko Lammert – Peter Trabner
SEK-Chef Lorenz – Johann Fohl
Louis Bürger – Max Riemelt
seine Ehefrau Anna Bürger – Katia Fellin
der Sohn Tim Bürger – Claude Heinrich
Holger Schanski, Bruder von Anna Bürger – Karsten Antonio Mielke
seine Ehefrau Lilly Schanski – Bea Brocks
Ella Lehmann, Leiterin im Kinderheim – Anita Vulesica
17-jähriges Heimkind Nico – Emil Belton
Heimkind Verena – Emilia Pieske
Heimkind Larissa – Paula Donath
Streifenpolizistin – Nadja Stübiger
Erzieher – Daniel Fries
Krankenpfleger – Ali Aykar
u.a.

Drehbuch – Stefanie Veith, Michael Comtesse
Regie – Stephan Lacant
Kamera – Michael Kotschi
Szenenbild – Stefan Schönberg
Schnitt – Monika Schindler
Ton – Philipp Sehling
Musik – Dürbeck & Dohmen

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