Der König der Löwen (The Lion King, USA 2019) #Filmfest 136

Filmfest 136 B

Die „Realverfilmung“ als Remake des Disney-Zeichentrickfilms von 1994 landete im Jahr 2019 auf Platz 2 der deutschen Kinocharts – 5,64 Millionen Zuschauer*innen lösten eine Kinokarte für das – selbstverständlich in 3D gehaltene – Tierspektakel aus den Savannen Afrikas.

Selbstverständlich ist mit „Realverfilmung“ eine gut gemachte Computeranimation gemeint, denn Tiere, auch Löwen, können nicht sprechen. Ob sie es können sollten, wenn sie fast wie echte Wildtiere ausschauen, aber mit gigantischer Rechnerleistung zum Leben erweckt wurden, darüber ist anhand des Films von 2019 ein Streit unter den Kritiker*innen entbrannt.

Aber ein Metascore von nur 55/100 und eine IMDb-Durchschnittswertung der Nutzer von 6,9/10 sind eine deutliche Aussage. Das „Original“ kam auf 88/100 und steht mit 8,5/10 auf Rang 34 der „Alltime-Top-250“ der IMDb-Nutzer. Ich halte diese Wertung für arg hoch gegriffen, aber angesichts der Überbewertung neuerer Filme hätte das Werk aus dem Jahr 2019 ähnlich tendieren können, ohne dass Menschen, die ein solches Unterhaltungsprodukt für einen Geniestreich halten, irgendetwas befremdlich vorgekommen wäre.

Als Empfehlung, das wird sich bei neueren Mainstream-Filmen vermutlich verfestigen, stellen wir im Rahmen des Filmfest B nicht eine einzelne Rezension heraus und ergänzen / kommentieren, sondern bilden Auszüge aus einigen Kritiken ab, die im letzten Jahr anlässlich des Kinostarts von „Der König der Löwen“ geschrieben wurden – in diesem Fall so, wie sie in der Wikipedia wiedergegeben sind.

Das „Original“ sahen übrigens in Deutschland über 11 Millionen Zuschauer, Platz eins in den Kinocharts des Jahres 1994. Zu diesem Film habe ich eine Kritik geschrieben, ihre Veröffentlichung wird im Rahmen eines großen Specials zu den „Walt-Disney-Meisterwerken“ erfolgen. Mittlerweile gibt es bei den „Meisterwerken“ eine Zweiteilung in Trickfilme und Realfilme, beginnend mit „Das Dschungelbuch“ (1994), dessen Trickversion 1968 zum erfolgreichsten Kinofilm aller Zeiten in Deutschland wurde. Interessanterweise wird „Der König der Löwen“ tatsächlich zu den Realfilmen gestellt, obwohl er auf CGI basiert, anders als z. B. „Mulan“, der jüngste Realfilm auf der Liste.

Kritiken

Der Film erhielt durchwachsene Reviews: Auf der Website Rotten Tomatoes hat der Film – basierend auf 422 Besprechungen – einen Beliebtheitsgrad von 52 % und eine durchschnittliche Bewertung von 5,98 von 10 Punkten.[33] Metacritic gab dem Film anhand von 54 Kritiken durchschnittlich 55 von 100 möglichen Punkten.[34] Während die Optik und damit die Leistung der CGI-Animateure gelobt wird, wird insbesondere eine mangelnde Emotionalität im Vergleich zur Zeichentrickvorlage öfter kritisiert.

So schrieb Anna Wollner auf der Homepage von SWR3: „Aber trotz all der Nostalgie und den atemberaubenden Bildern, will der Funke nicht überspringen. Alles sieht perfekt aus, zu perfekt. Dabei geht vor allem eines unter: die Emotionalität. Der König der Löwen ist ein visuelles Spektakel. Nur leider ohne Herz.“ Der Film erhielt als Bewertung 3 von 5 »Elchen«.[35]

Hingegen urteilte die Redaktion von Filmstarts.de:.„So ist ihm und seinen Animatoren nun das erstaunliche Kunststück gelungen, die Tiere derart fotorealistisch darzustellen, dass Kommentatoren nach den ersten veröffentlichten Bildern zunächst noch darüber spekulierten, ob es sich beim neuen Der König der Löwen nicht womöglich doch um einen Realfilm handeln könnte. […] Bilder zum Staunen und große Emotionen verdrängen jeden Gedanken an irgendwelche CGI-Effekte, das hat schon den Zeichentrickklassiker von 1994 ausgemacht und diese Magie verströmt nun auch die Neuauflage. […] Mit großer erzählerischer Vorsicht, aber dafür umso mehr technischem Mut setzt Jon Favreau mit dem bisher besten der aktuellen Disney-Remakes neue Maßstäbe im Animationskino, ohne dabei (allzu viel) vom unerreichbaren Charme des Originals einzubüßen.“ Mit einer 4,5-Sterne-Wertung (von maximal erreichbaren 5 Sternen) wird der Film als hervorragend eingestuft.[36]

Tjark Lorenzen auf netzwelt.de kritisierte jedoch: „Mit Der König der Löwen bietet Disney Zuschauern fotorealistische Bilder, dabei bleibt der Film aber überraschend kalt und emotionslos. […] Letztendlich lässt einen »Der König der Löwen« schulterzuckend zurück. Vom technischen Standpunkt aus kann man dem Film nichts vorwerfen und so macht er auf der großen Leinwand auch eine ausgezeichnete Figur. Abgesehen davon sucht man aber nach dem Mehrwert dieses Remakes, das sich nichts traut und doch zu viele falsche Entscheidungen trifft.“[37]

Und auch Filmfutter.de stellte fest: „Ein noch größeres Problem bei der Neuverfilmung ist, dass sie ihre Emotionalität zugunsten der Effekte einbüßt. Ein Zeichentrickfilm hat mehr Freiheiten bei der Animation der Emotionen in den Gesichtern der Tiere, während ihre photorealistische Darstellung in dieser Hinsicht einschränkend wirkt, sodass die Vermittlung der Gefühle noch viel mehr den Sprechern überlassen wird. Sie tun allesamt ihr Bestes, doch das Gehörte geht hier leider nicht immer Hand in Hand mit Gesehenem. Der Original-Zeichentrick sprüht nur so von großen Emotionen – Freude, Liebe, Trauer, Furcht, Lebenslust. Mufasas Tod hat mich als Kind emotional zerstört. Für all seine optischen Reize wirkt der Neuaufguss kälter und distanzierter.“ Der Film bekam 3 von 5 möglichen Sternen.[38]

Sven Wiebeck von der Zeitschrift Cinema befand: „Zwar fehlt der actionreicheren Realverfilmung die emotionale Wucht des 94er-Originals, was an besagtem Zauber liegen mag, dafür sind Timon und Pumbaa, schon damals die Stars des Films, oftmals noch lustiger als vor 25 Jahren. […] Gut gebrüllt Favreau: Die Neuauflage des Disney-Klassikers sieht verdammt gut aus, verkommt dabei aber nicht zur Foto-Slideshow vom letzten Afrika-Urlaub.“[39]

Mariana Jentsch urteilte auf Kino.de im Fazit ebenfalls positiv: „Die Neuauflage von Der König der Löwen ist nicht nur für Fans des Zeichentrick-Klassikers ein absolutes Muss. Mit atemberaubender CGI-Technik lässt Regisseur Jon Favreau die Welt von Mufasa, Simba und Co. zum Leben erwecken und präsentiert uns einen Disney-Klassiker auf Tierdokumentations-Niveau. Außerdem werden mit geistreichen Dialogen, emotionaler Tiefe, modernem Witz und den klassischen Disney-Songs Jung und Alt unterhalten, selbst eine gute Portion Action fehlt hier nicht. Für waschechte Disney-Fans gibt es sogar noch eine Film-Referenz als Sahnehäubchen obendrauf, aber die müsst ihr euch selbst im Kino ansehen!“[40]

Demgegenüber erklärte auf Spiegel Online Till Kadritzke: „Das optisch faszinierende Musical um Simba hält sich strikt an den Zeichentrick-Klassiker. Doch das ist auch sein Problem. […] Faszinierend ist das, weil die mit neuester CGI-Technik lebensecht animierten Tiere tatsächlich aussehen wie in den allgegenwärtigen Naturdokus […]: Hier wird ein Zeichentrick-Klassiker im wahrsten Sinne des Wortes zum Leben erweckt. Irritierend ist diese neue Ästhetik aber auch, weil Regisseur Jon Favreau sich ansonsten strikt an die Vorlage hält. Die »echten« Tiere beginnen also zu sprechen und zu singen, […]. Das macht den neuen König der Löwen von Beginn an zu einem prekären Balanceakt, zwischen dem ernsten Naturalismus der Computeranimation und der lockeren Stimmung des Disney-Musicals, das ja gerade nicht auf Realismus hinauswill, sondern auf Exzess und Entertainment. […] Da starren sich dann zwei »echte« Löwen an, während auf der Tonspur zwei Popstars einen Hit performen. […] So verheißungsvoll der Ruf zu Beginn des Films durch die Serengeti schallte, so dissonant klingt vieles von dem, was auf ihn folgt.“[41]

Regie Jon Favreau
Drehbuch Jeff Nathanson
Produktion Jon Favreau,
Karen Gilchrist,
Jeffrey Silver
Musik Hans Zimmer
Kamera Caleb Deschanel
Schnitt Mark Livolsi
Synchronisation

 → deutsche Stimmen

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