Michael Clayton (USA 2007) #Filmfest 139

Filmfest 139 A

2020-08-14 Filmfest AAusputzen steht ihm gut

Wir schreiben heute eine Thesenrezension. Sie geht von der Annahme aus, dass George Clooney einer der Topschauspieler unserer Zeit ist – im Fach der „Leading Men“, die sich meist dadurch auszeichnen, dass sie Frauen, Männer und die Kritiker*innen gleichermaßen für sich einnehmen können.

Die Rolle des gestressten Anwaltes Michael Clayton, der für seine Firma die Kohlen aus dem Feuer holt und sich bei einem dieser Aufträge einen Anschlag auf sein Leben einfängt, füllt er geradezu mit Noblesse aus. Lediglich der Zustand seiner Rasur und seiner Haare verändert sich in Maßen, wenn die kritischen Situationen gezeigt werden, die ihn keine Ruhe und keinen Schlaf finden lassen. Auch der Businessanzug sitzt dann nicht mehr so perfekt (die Krawatte bleibt). Was sonst von dem Film bleibt oder ihn auszeichnet, erklären wir in der -> Rezension.

Handlung

Michael Clayton betreut die besonders sensiblen Aktivitäten der in New York City angesiedelten internationalen Anwaltskanzlei Kenner, Bach & Ledeen. Der knallharte Clayton ist dabei im Privatleben geschieden und hoch verschuldet. Früher war er der Spielsucht verfallen. Die Investition in das Restaurant einer seiner Brüder erwies sich zudem als Fehler, sodass Clayton Außenstände von 75.000 Dollar begleichen muss.

Karen Crowder ist eine erfolgreiche, aber übernervöse Juristin des Chemiegiganten U/North, der Agrarunternehmen versorgt. Sie beschäftigt sich mit einem Fall, bei dem das Unternehmen durch eine Sammelklage auf drei Milliarden US-Dollar Schadenersatz und Schmerzensgeld verklagt wird. Es geht um die karzinogene Wirkung eines Herbizids, das U/North weltweit an Farmbetriebe verkauft hatte.

Das Unternehmen wird von Kenner, Bach & Ledeen vertreten. Arthur Edens, einer von 600 Anwälten der Kanzlei, versucht nach einem Nervenzusammenbruch bewusst, die als hoch eingeschätzten Erfolgsaussichten des Falls zu mindern, indem er sich während einer Anhörung lauthals singend nackt auszieht. Der Inhaber der Kanzlei, Marty Bach, beauftragt Clayton mit der Schadensbegrenzung, da dieser mit Arthur Edens auch freundschaftlich verbunden ist. Der ältere Arthur gilt als genialer Staranwalt und arbeitet seit sechs Jahren allein an dem Fall. Arthur ist aber nun mustergültig übergeschnappt und fortan komplett unberechenbar. Es stellt sich heraus, dass Arthur äußerst brisante Dokumente der Firmenleitung in die Hände gefallen sind.

Arthur kontaktiert die Geschädigte Anna, und ist wochenlang nicht mehr auffindbar. U/North erkennt das Risiko, das Arthur darstellt, ließ ihn schon lange abhören und lässt ihn nun professionell liquidieren und seinen Tod dabei wie einen Selbstmord aussehen. Clayton zweifelt am Selbstmord, besorgt sich von seinem anderen Bruder, einem Detective des New Yorker Police Departments, ein Dienstsiegel und bricht in die amtlich versiegelte Wohnung Arthurs ein, um Hinweise zu suchen. Zu diesem Zeitpunkt wird Clayton bereits von den zwei Auftragsmördern überwacht, die auch für den Tod von Arthur Edens verantwortlich sind. Die Killer informieren Crowder über jeden von Claytons Schritten. Auch informieren diese die Polizei, damit verhindert werden kann, dass Clayton in Arthurs Wohnung schnüffelt. Bevor er verhaftet werden kann, findet er dennoch den Bestellschein zu einem Auftrag einer Druckerei. Nach seiner Haftentlassung wird ihm dort ein Dossier mit dem Memorandum ausgehändigt, das eindeutig beweist, dass die Firmenleitung von U/North die Gefährlichkeit der Substanz vertuschen wollte. Arthurs Druckauftrag geht über viele tausend Exemplare, die Kisten stehen dort bereits zur Abholung bereit.

Während Clayton an einem Pokerspiel teilnimmt, bauen seine Beschatter eine Bombe in sein Auto ein. Clayton entgeht dem Mordanschlag knapp. Mit Hilfe seines Bruders konfrontiert der totgeglaubte Clayton die U/North-Juristin Crowder bei einer Sitzung des Board of Directors, gibt Käuflichkeit vor und verlangt zum Schein 10 Millionen für sein Schweigen, und zwar sofort. Sie sagt ihm diese zu, und Clayton offenbart zu ihrer Überraschung, dass er das Gespräch aufgezeichnet hat und macht Crowder mit dem Ausspruch „Ich bin Shiva, der Gott des Todes“ (ein Zitat Arthurs während seines Nervenzusammenbruchs) verständlich, dass er nicht zu kaufen ist. Karen Crowder bricht zitternd zusammen. Ein Großaufgebot der Polizei marschiert in dem Bürogebäude auf. Sowohl Crowder als auch ihr Chef werden verhaftet. Clayton übergibt das aufgezeichnete Gespräch und Arthurs Memo einem Polizisten und fährt in einem Taxi davon.

Rezension

Dem Staranwalt gegenüber steht die ebenfalls korrekt gestylte Karen Crowder (Tilda Swinton) als Justitiarin eines großen Wirtschaftsunternehmens, die im Wortsinn über Leichen geht, um sich durchzusetzen. Und zwar allein, ohne Hilfe ihres Chefs und Mentors. Sie ist eine Neurotikerin, die auf den ersten Blick überzeichnet wirkt, aber wer das Geschäftsleben ein wenig kennt, weiß, dieser Typ lauert überall dort, wo es Ruhm, Geld und Anerkennung zu ernten gibt. Man erkennt ihn nicht so schnell, weil man ihn, anders als die Juristin in „Michael Clayton“, nicht in den Situationen sieht, in denen er mit sich und seinem Ego allein ist und deutliche Krankheitszeichen offenbart.

Alles spielt sich in der Welt der Großkanzleien und Firmenfusionen ab, der großen Werbebotschaften und der bösen chemischen Verbrechen, die vertuscht werden sollen. Die Aufdeckung dieser Tatbestände kostet den ebenfalls nicht unbedingt in der Norm liegenden Anwalt Arthur Edens (Tom Wilkinson) das Leben. Er war Claytons Freund und als Clayton nachforscht, was mit dem Kollegen geschehen ist, gerät er zwangsläufig selbst in Gefahr.

Tony Gilroy, der Drehbuchautor, der sich mit der Bourne-Quattrologie einen Namen gemacht hat, führt hier erstmalig Regie und zeigt uns in klassischen, zurückhaltenden Bildern den Horror einer Geschäftswelt, die aus dem Ruder geraten ist und die gehetzten Menschen, die in dieser Welt rotieren, in der es von Vorteil ist, überhaupt kein Privatleben zu haben (wie Clayton und seinen Widerpart Crowder) und den ständigen Thrill großer Meetings und noch größerer Entscheidungen als Ersatz für jeden Wert und jeden Sinn herzunehmen. Leute, die Vabanque spielen, im Kleinen, wie Clayton, der in Chinatown seine Anwaltsgehälter verzockt oder im Großen, wie Crowder, die um Milliarden an Schadensersatz feilscht.

Der Film entstand noch vor der Bankenkrise von 2008. Heute wissen wir, alles Peanuts, was  hier dargestellt wird. Manager haben ganz andere Sachen drauf, als einen versierten Ausputzer wie Clayton mit ein paar Millionen bestechen zu wollen, wie Crowder es versucht, als Clayton das von ihr befohlene Attentat überlebt hat und in  den Besitz hoch brisanter, geheimer Protokolle aus Crowders Firma gelangt ist. Am Ende siegt die Gerechtigkeit, Clayton lässt Crowder hochgehen.

Wir sind eben in Hollywood, da muss nicht der Steuerzahler für alles blechen, was hyptertrophe Manager anrichten. Im Film wiederfährt den Opfern wenigstens späte Gerechtigkeit, das darf man annehmen – und die Paradeschurkin, großartig dargestellt von Tilda Swinton, sorgt dafür – dass dies wohl einer der wenigen Clooney-Filme ist, den Frauen tendenziell etwas weniger mögen als Männer. Diese Karrierepsychopathin als Protoyp einer Frau, die in einer Männerwelt mehr tun muss als jeder Mann, um dorthin zu kommen, wo die Männer immer schon waren, ist zu erschreckend. Er spiegelt aber mehr ein System als eine geschlechtsspezifische Verhaltensweise, das dürfen wir den Männern sagen.

Beruhigung sieht trotzdem anders aus. Nicht nur, weil die Filmfiguren in „Michael Clayton“ zwar dämonischer, aber auch passionierter, wesentlich kompetenter, weitaus zielstrebiger und in hohem Maß dynamischer wirken als die maßgebenden Akteure in der Politik und Wirtschaft der Gegenwart. In nur vier Tagen, die im Film gezeigt werden, finden Krise und Lösung statt. Das ist ein Tag mehr, als der Condor zur Verfügung hatte.

Im Rennen um die Oscars 2008. „Michael Clayton“ wurde vielfach als Vehikel für George Clooney bezeichnet, was er selbstverständlich ist. Wenn auch nicht komplett subjektiv inszeniert, zeigt er den smarten Ladies Man in der Titelrolle während mehr als 90 Prozent der Spielzeit.

Doch es war Tilda Swinton, die für ihre Darstellung der Caren Crowder den Oscar als beste Nebendarstellung erhielt, und sie hat ihn wahrlich verdient, auch wenn anzunehmen ist, dass bei der Vergabe die Würdigung ihres mittlerweile umfangreichen Gesamtwerkes eine Rolle spielte, das unbedingt durch die begehrteste Filmtrophäe der Welt gekrönt werden sollte.

Was sie aus ihrer Rolle einer hybriden Businesswoman macht, ist exorbitant und man kann nur hoffen, dass ihre Mimik im wirklichen Leben nicht so kontrolliert aus der Kontrolle gerät wie in „Michael Clayton“. Nein, das tut sie natürlich nicht, sie ist eben eine hervorragende Schauspielerin, die sich im Jahr 2009 auch als Jurypräsidentin der Berlinale um den Film als Kunst verdient gemacht hat. Die Momente mit ihr in „Michael Clayton“ sind in jedem Sinn großes Kino.

George Clooney war für seine Figur des Ausputzers, des kleinen, aber wichtigen Rädchens im Getriebe einer New Yorker „Law Firm“ ebenfalls für den Oscar nominiert – als bester Hauptdarsteller, konnte sich aber nicht gegen Daniel Day-Lewis durchsetzen, der mit „There Will Be Blood“ ins Rennen ging. Der Film war in sechs weiteren Kategorien gelistet und stellt damit eine der großen oder zumindest wichtigen Produktionen des US-Kinojahres 2007/2008 dar.

Ein klarer Film. Zunächst fanden wir die eingeschlossene Handlung nervend, aber die Qualität der Drehbuchvariante, bei der die Handlung sozusagen kurz vor ihrem Ende beginnt, dann einige Tage zurückgeht und über die anfangs gezeigten Szenen hinaus entwickelt wird bis zum wirklichen Ende, funktioniert im Verlauf immer besser. Wir geben zu, dass wir gegenwärtig ein wenig von den in der Regel linear-chronologischen Verläufen der klassischen Filme beeinflusst sind, in deren Welt wir uns im Moment häufig bewegen und mussten uns in dieses Muster erst hineinfinden, das so selten oder zu elaboriert für heutige Sehgewohnheiten nicht ist.

Vor allem für Thriller empfiehlt sich diese Variante, die mit einem starken, in den ersten Minuten platzierten Aufhänger fürs Publikum arbeitet – hier ist es die Explosion von Michael Claytons Dienstwagen. Nach diesem Vorgang wird vier Tage zurückgespult und es wird die Entwicklung der Ereignisse gezeigt, die zu diesem gewaltsamen Tod eines S-Klasse-Mercedes führen.

Der Thrill liegt aber eher in der enormen psychischen Belastung, der sämtliche Figuren in diesem Film ausgesetzt sind als in einer hektischen Action – Action und Thrill sind generell zwei verschiedene Dinge. Anfangs fanden wir das eher rudimentäre Privatleben des Anwalts Clayton beinahe überflüssig, das darin besteht, dass er ab und zu seinen Sohn durch die Gegend fährt und nicht das mit ihm unternehmen kann, was vorgesehen ist, weil die dramatischen Dienstereignisse vorgehen. Dazu gibt es noch den Stress, dass Clayton dringend Geld für seinen Bruder auftreiben muss, aber trotz seines sicher nicht geringen Anwaltssalärs pleite ist, wegen der Spielsucht. Ohne den Finanzdruck würde aber das Ende nicht funktionieren, als sich Clayton sozusagen von seiner eigenen Firma kaufen lässt, um das eigentliche Ende zu planen – die Aufdeckung der Vorgänge in der Firma U North.

Das Verhältnis zu seinem kleinen Sohn hingegen, den er nur ab und zu sieht und dem er dann auch noch halb zuhört und den er mit oft sehr banalen Antworten abspeist, gedanklich immer woanders, ist ein Symbol für die Zerrüttung der familiären Verhältnisse unter den Bedingungen einer alles und noch mehr fordernden Berufswelt, das wurde uns im Verlauf klar. Nicht nur die Bankenkrise warf 2007 erste Schatten voraus, auch das mittlerweile sehr präsente Thema Überforderung mit Burnout. Nach dem Ende dieses Films würde jeder verstehen, dass der Anwalt Michael Clayton ein Sabbatical einlegt.

Wir haben es genossen, dass „Michael Clayton“ ein Film ist, der sich auf seine Figuren verlässt; der sich also traut, auf billige Effekte zu verzichten und sich ganz in die grauklare Welt der gehobenen Dienstleistungen und Konzerne zu wagen. Die wenigen Familienszenen sind in wärmeren Tönen gehalten, dann gibt es noch den kühlgrauen Morgen, da retten drei Pferde den Anwalt, die ruhig auf einer Weide grasen, ohne Zaun zwischen dem Land und der Straße. Clayton steigt aus und geht hin zu diesen Symbolen der Kontemplation – und wird dadurch gerettet, weil er im richtigen Moment sein Auto verlassen hat. Sicher ist das von der Handlungslogik der schwächste Moment des Films, aber symbolisch funktioniert er gut. Das ewige Land und die echten Werte und Gefühle, die Einkehr, die Aufmerksamkeit für den Moment gegen eine rastlos sich um sich selbst drehende Geschäftswelt gestellt, die für Schäden an Material und Mensch sorgt, die humane und Rohstoffresourcen wie ein Moloch zu vernichten gewillt ist.

Die Ästhetik ist die gleiche, die wir z. B. aus modernen Krimis, etwa aus verschiedenen Tatortfolgen, kennen, in denen das Business aus ähnlichen Motiven heraus ähnlich unterkühlt gezeigt wird. Der Unterschied ist allerdings, dass die Menschen in „Michael Clayton“ menschlicher wirken und nicht so stereotyp. Die Spielzeit ist ja auch eine halbe Stunde länger und lässt mehr Charakterzeichnung zu als das quälend konfektionierte 90-Minuten-Fernsehformat. Ein direkter Vergleich verbietet sich allerdings aus generellen Erwägungen. Deswegen wenden wir auch ein Bewertungsschemata für die einzige Fernsehserie an, die wir rezensieren – und ein anderes, wiederum einheitliches, für alle Kinofilme.

Filmvorbilder- Mehrere Kritiker haben darauf hingewiesen, dass „Michael Clayton“ in der Tradition des politischen Films des „New Hollywood“ der 70er Jahre steht, besonder häufig werden dabei Filme wie „Die Unbestechlichen“ und „Die drei Tage des Condor“ genannt, beide mit Robert Redford, der nicht nur einer von Clooneys Vorgängern als Leading Man seiner Zeit war, sondern auch Ikone eines liberaleren Amerikas, mithin ein lebendes Denkmal.

So, wie in den 70er Jahren nach den Morden an den Kennedys, an Martin Luther King, nach dem Vietnamkrieg das Land desillusioniert und entkleidet war von allem Glanz früherer Tage, als es korrupt und seine Politiker paranoid wirkten, war es der Film, der das thematisierte und damit eine neue, offene Auseinandersetzung wagte, die es zuvor so nicht gegeben hatte. Soweit war man aber im Bush-Jahr 2007 nicht wieder und beschränkte sich auf die Wirtschaft, die hier allerdings recht schonungslos in ihrer Brutalität dargestellt wird. In gewisser Weise ist „Michael Clayton“ intimer, aber auch fokussierter als die großen Politthriller der 70er Jahre.

Anders als „Die Firma“ im gleichnamigen Film wird Claytons Anwaltskanzlei als Arbeitgeber aber differenziert dargestellt, es gibt zwar Arschlöcher, was auch so gesagt wird, andererseits sogar eine Vaterfigur für Clayton, den Mitbegründer Marty Bach, der von Sidney Pollack gespielt wird. Pollack ist vor allem als Regisseur bekannt und in dieser Funktion für Filme wie „Out of Africa“ und, sinnigerweise, den schon genannten „Die drei Tage des Condor“ verantwortlich. Miithin ist er als Besetzung auch ein Symbol. Zwar ist die Kanzlei in die Abhörvorgänge bezüglich ihres Partners Arthur Edens involviert oder sie sind ihr bekannt – aber es scheint bis zum Schluss doch so, dass sie nicht über die Mordpläne von Ms. Crowder an diesem Sonderling und denen an Michael Clayton informiert ist.

Der Sonderling setzt sich übrigens nach Milwaukee ab, wo man Leute wie ihn viel leichter in Verwahrung nehmen kann als im immer noch vergleichsweise liberalen New York. Aber in dieser Sache steckt auch eine Volte. Auf dem Land geht alles noch seinen halbwegs geordneten Gang, während im Großstadtdschungel gefährliche Raubtiere wie Karen Crowder frei herumlaufen und gierig und um jeden Preis der Macht hinterherjagen. Niemandem, am wenigsten ihren Förderern, fällt auf, dass die Frau aus dem Ruder ist und jeden Maßstab für Grenzüberschreitungen verloren hat. Zu sehr ist man den Eigenschaften verpflichtet und huldigt ihnen, über die sie zweifellos in hohem Maß verfügt: effizient und skrupellos. Niemand fragt, ob das alles noch im guten Sinn normal ist. Selbst der Anwalt Michael Clayton bezeichnet sie lediglich als intelligent.

Finale

Getragen von einem George Clooney, der gereift und in manchen Szenen sogar gealtert wirkt und Tilda Swinton entwickelt sich „Michael Clayton“ mehr zu einem Psychogramm von Menschen in einer großen Stadt, als zu einem nervenzerfetzenden Thriller – dennoch gibt es Suspense. Als Beigabe einiges an Symbolik.

Wir haben uns gut unterhalten, auch wenn „Michael Clayton“ kein Unterhaltungsfilm und schon gar kein Wohlfühlfilm ist, sondern einer, der auch diejenigen nachdenklich machen könnte, die es noch nicht gemerkt haben – dass wir in einem System leben, in dem alle unter Strom stehen. Nur diese ständige Hochspannung, an deren Transport alle Menschen in führenden Positionen mitzuwirken scheinen, die wiederum die einfacheren Mitarbeiter manipulieren, scheint dieses System noch funktionsfähig zu halten. Je höher aber die Spannung und je mehr Zwang zur absoluten Durchrationalisierung, desto komplexer und störungsanfälliger wird dies alles. Sowohl technisch als auch menschlich betrachtet. Die  Ausfallquote, das spürt man in „Michael Clayton“, steigt an.

81/100

© 2020, 2012 Der Wahlberliner, Thomas Hocke

Regie Tony Gilroy
Drehbuch Tony Gilroy
Produktion Jennifer Fox,
Kerry Orent,
Sydney Pollack,
Steve Samuels
Musik James Newton Howard
Kamera Robert Elswit
Schnitt John Gilroy
Besetzung

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