Der King – Tatort 96 #Crimetime 750 #Tatort #Frankfurt #Konrad #HR #King

Crimetime 750 - Titelfoto © HR

Ein letztes Mal auf der Buchmesse

Drei Jahre dauerte es nach Kommissar Konrads Einsatz in „Flieder für Jaczek“ (Tatort 72), bis er wieder in Aktion trat – und dann wurde es seine Abschiedsvorstellung. Dazwischen gab es schon einen Film mit einem gewissen Ermittler namens Bergmann („Zürcher Früchte“, Nr. 85) und nach Konrads Abschied mäanderte der HR etwas, bis 1985 Brinkmann mit Fliege übernahm.

Wie in anderen Städten mit prägnanten Institutionen oder Ereignissen hat man in den ersten Tatort-Jahren viel Wert darauf gelegt, das auch zu zeigen – in Frankfurt z. B. die Automesse IAA oder allgemein das Bankermilieu, daher handeln Frankfurt-Krimis, bis nach der Jahrtausendwende Sänger / Dellwo übernahmen, häufig vom Geld. Oder: noch häufiger als anderswo. Aber auch die Frankfurter Buchmesse ist ein tolles Setting und wir sehen, wie es war, als das deutsche Verlagswesen noch nicht online und von der zunehmenden Leseunfähigkeit der jüngeren Generation angenagt war. Alles Weitere zum Fall steht in der -> Rezension.

Handlung (Wikipedia)

Der Verleger Walter Schermann präsentiert anlässlich der Eröffnung der Frankfurter Buchmesse seinen Starautor Peter Hüttner, der seinen Bestseller vorstellt und gleichzeitig die Veröffentlichung eines neuen Buches mit dem Titel „Der King“ ankündigt. Hüttner, dessen Bücher fast immer auf fiktiven Handlungen beruhen, hält sich bedeckt und sagt lediglich, dass sein neues Buch ein „brisantes“ Thema haben werde. Nach der kleinen Feier im Anschluss bandelt Hüttner mit der jungen Gaby Möhlmann an. Dem Lektor des Verlags Dr. Offenbach missfällt dies, woraufhin es zu einer kleinen Auseinandersetzung zwischen Hüttner und Offenbach kommt. Da Hüttner betrunken mit dem Auto fahren will, nimmt Möhlmann ihm den Schlüssel weg. Trotzdem ist Hüttner mit seinem Wagen später verschwunden. Am nächsten Morgen finden zwei Jugendliche Hüttner tot in seinem Wagen auf. Er wurde zwischen Mitternacht und zwei Uhr nachts aus nächster Nähe durch einen Schuss ins Herz getötet. Da Hüttner in München wohnte, sucht Kommissar Lenz mit einem Kollegen dessen Witwe, die Schauspielerin Christa Hüttner, auf, um ihr die traurige Nachricht zu überbringen, doch diese ist verschwunden. Die Beamten suchen gemeinsam mit der Haushälterin die Villa intensiv ab und finden Christa Hüttner schließlich gefesselt und geknebelt im Haus vor.

Konrad befragt den Verleger Schermann auf der Buchmesse, dieser erzählt Konrad von dem Flirt Hüttners mit Gaby Möhlmann und davon, dass Hüttner öfter Frauenbekanntschaften ohne Wissen seiner Frau hatte. Christa Hüttner sagt unterdessen vor Lenz und seinem Kollegen aus, dass der Angreifer von hinten kam und sie ihn nicht erkannt hatte. Der Angreifer war offensichtlich in die Villa eingebrochen, um Unterlagen ihres Mannes zu dessen neuem Buch zu stehlen. Schermann erzählt Konrad, dass Hüttner an einem fiktiven Roman über einen Waffenhändler gearbeitet hatte, der „Der King“ genannt wird, es sollte seine Geschäfte beschreiben und ein unterhaltender Bestseller werden. Hüttner hätte Recherchen durchgeführt, erste Informationen über das Projekt seien an die Öffentlichkeit gedrungen, insbesondere der Journalist Gaveck wirkte informiert bei seinen Nachfragen. Konrad und sein Assistent Robert Wegener suchen den reichen Frankfurter Geschäftsmann Königsmann auf, der von seinen Freunden auch „Der King“ genannt wird. Dieser sagt aus, dass er Hüttner kenne, er habe öfter Waffen für diesen besorgt, da Hüttner Hobbyschütze war. Von Hüttners Tod zeigt er sich ahnungslos und erschüttert. Hüttner hätte sich bei Königsmann über Waffenhandel informiert, doch er handle mit vielen Dingen. Königsmann zeigt sich kooperativ, den Titel von Hüttners Buch halte er für eine Geschmacklosigkeit, die er Hüttner aber nicht verüble. Da Königsmann hochkarätige Zeugen für sein Alibi nennen kann, verabschieden sich die Beamten. Königsmann instruiert anschließend seine Leute, ihn über die Ermittlungen der Polizei informiert zu halten.

Während die Beamten zum Lektor Dr. Offenbach fahren, spionieren Königsmanns Männer diesen hinterher. Dr. Offenbach sagt aus, er sei aufs Land gefahren, um sich vom Streit mit Hüttner zu erholen. Die Dr. Offenbach bekannten Recherche-Materialien waren harmloser Natur. Dr. Offenbach war zeitweise als Ghostwriter von Hüttner tätig, wollte aber nunmehr selbst als Autor groß herauskommen, daher gab es Streit zwischen den beiden Männern. Eine Pistole, die Dr. Offenbach illegal von Hüttner erhalten hatte, wird von den Beamten beschlagnahmt. Schermann profitiert unterdessen vom Tod Hüttners, da das Interesse an dessen Buch enorm gestiegen ist. Wegener befragt Hüttners Ex-Frau von Cramer, die ebenfalls als Lektorin im Verlag Schermann arbeitet, doch diese gibt sich zugeknöpft. Auch sie habe eine Waffe von Hüttner geschenkt bekommen, diese aber weggeworfen nach der Trennung. Auf der Frankfurter Buchmesse treffen Konrad und Wegener den Kollegen Oberinspektor Marek aus Wien, der privat auf der Buchmesse ist. Für den Mordfall Hüttner gibt er Konrad den Rat, dass der Fall einfacher sei, je mehr Frauen involviert seien, weil ein Mann immer erkenne, wenn eine Frau lüge. Die ballistische Untersuchung der bislang eingesammelten Waffen ergibt, dass Hüttner mit keiner von diesen erschossen worden ist. Christa Hüttner reist aus München an, Konrad befragt sie nach dem Überfall in ihrem Haus, doch sie kann sich an nichts erinnern. Konrad reist nach Amsterdam, wo sich Hüttner im Zuge seiner Recherchen aufgehalten hatte. In Hüttners Hotel erhält er einen Hinweis auf die Firma Karena, bei der Hüttner gewesen sein soll, diese entpuppt sich als Bordell. Die Bordellbetreiberin gibt einen Hinweis auf Mosler aus Frankfurt, einem Mann aus dem Umfeld von Königsmann.

Dr. Offenbach wird unterdessen in seiner Wohnung in Frankfurt überfallen, ein Maskierter will von ihm Informationen über Hüttners unveröffentlichtes Buch. Der Unbekannte fragt ihn konkret, ob ein bestimmter Waffentyp eine Rolle spielt und warnt, es wäre besser, wenn das Buch nicht erschiene. Wegener sucht unterdessen Gaby Möhlmann auf, diese gibt an, seit einem Jahr ein Verhältnis mit Hüttner gehabt zu haben. Königsmann habe sie nicht kennen gelernt. Christa Hüttner sucht Königsmann unterdessen auf, dieser zeigt sich erschüttert über den Tod Hüttners. Königsmann befragt sie zum Überfall und ob Unterlagen gestohlen wurden, doch sie kann die Frage nicht beantworten, da sie nichts über seine Recherchen weiß. Die Ehefrau von Verleger Schermann erhält einen anonymen Anruf, der Anrufer gibt vor, zu wissen, wo sich Frau Schermann in der Mordnacht aufgehalten hat, er kündigt an, sich wieder bei ihr zu melden. Als Konrad nochmals Frau Hüttner befragt, ruft der anonyme Anrufer auch dort an, Konrad lässt sich diesen geben und erkennt an der Stimme seinen Assistenten Robert Wegener. Als Konrad diesen zur Rede stellt, meinte dieser, er habe die Reaktionen der verschiedenen Tatverdächtigen testen wollen. Wegener verdächtigt aufgrund der Reaktionen Offenbach und Frau Schermann. Konrad trifft sich mit Frau Schermann, die ihm eine wichtige Information machen möchte. Sie war in der Nacht, als Hüttner ermordet wurde, nicht zu Hause. Sie war zur Tatzeit mit Dr. Offenbach zusammen. Sie fühlte sich durch den anonymen Anruf Wegeners zu diesem Eingeständnis genötigt.

Unterdessen möchte Schermann, dass Dr. Offenbach das Buch Hüttners fertig schreibt, er bietet ihm viel Geld und die Nennung als Co-Autor, da er möchte, dass das Buch möglichst zum Mordprozess, wenn der Mörder denn gefunden werde, als Hüttners Vermächtnis erscheine, was die Verkaufszahlen ankurbeln soll. Als Schermann und Offenbach das Verlagsgebäude verlassen, schießt ein Unbekannter auf Schermann, Wegener ist allerdings der Meinung, dass der Killer ihn nicht wirklich töten wollte. Der Schütze, der auf Schermann geschossen hat, hält sich später in der Villa von Königsmann auf, wo er von dessen Leuten erschossen wird, er kann von der Polizei als Enrico Morosoni identifiziert werden, ein international gesuchter Berufskiller. Vor dem Eintreffen der Polizei hatte Königsmann Morosoni Fotos von sich zugesteckt. Königsmann zeigt sich Konrad gegenüber kooperativ und möchte ihm helfen, doch Konrad macht klar, dass er Königsmann misstraut und die gesamte Geschichte mit dem Killer für von Königsmann fingiert hält, um die Polizei in die Irre zu führen. Konrad wird ins Präsidium gerufen, Frau Hüttner wurde vorgeladen, weil die Polizei neue Erkenntnisse hat. Die bayrischen Kollegen haben einen Tankstellenbetreiber aus der Nähe von Nürnberg ausfindig gemacht, bei dem Frau Hüttner in der Mordnacht getankt hatte. Sie gesteht schließlich, in Frankfurt gewesen zu sein und ihn beobachtet zu haben, wie er mit sich mit einer anderen Frau getroffen hatte. Sie stellte ihn zur Rede, Hüttner sagte ihr, dass er bei jeder anderen Frau das finde, was sie ihm nicht geben könnte. Er war betrunken, holte eine Pistole heraus und hielt sie ihm hin. Er provozierte sie so lange, bis sie schließlich abdrückte. Frau Eglmayr, Hüttners Haushälterin, hat Frau Hüttner dann am nächsten Morgen gefesselt und geknebelt, um den Überfall auf Frau Hüttner vorzutäuschen. Königsmann vermittelt Christa, in die er verliebt ist, einen guten Anwalt, so dass sie wegen Totschlags in einem minderschweren Fall zu lediglich vier Jahren Freiheitsentzug verurteilt wird. Dr. Offenbach schreibt das Buch Hüttners nicht zu Ende.

Rezension

Auch die Handlungsangabe in der Wikipedia ist schon fast ein Roman, ein Werk, wie sie damals noch häufiger gelesen wurden. An einer Stelle wird zum Beispiel „Johannes Mario“ erwähnt, natürlich Simmel, und dessen Bücher waren ja nicht die seitenärmsten. Der Autor in „Der King“ hingegen verbindet Fiktion mit wahren Hintergründen und wird dabei politisch, indem er das organisierte Verbrechen beleuchtet. Er hat außerdem einen Ghostwriter, der viel von der eigentlichen Arbeit erledigt, nicht nur die Recherche, sondern auch schreibend – wie vermutlich die meisten Romanautoren, die jedes Jahr ein substanzreiches Buch herausbringen können.

Das Krasse an dem Film ist die Ironie, die unverkennbar die Stimmungslage dominiert. Eitle Menschen aus dem Schreibbusiness, ihre Entourage, schöne Frauen in großer Zahl, das organisierte Verbrechen in seiner ganzen Villenpracht – und letztlich war es ein schrecklich banales persönliches Drama, das den Enthüllungsautor in spe aus dem blühenden und produktiven Leben gerissen hat. Anders als bei Zollfahnder Kressin, der schon in den frühen 1970ern einen bei James Bond abgeschauten Dauergegner hat, der tatsächlich für das Verbrechen verantwortlich ist, zog man in vielen anderen Tatorten lange Zeit nicht durch: Es hätte die OK sein können, die alles ausgelöst hat, war es dann aber nicht. So wie im Fall Nr. 96.

Hingegen: „Sie hat nur über mich gelacht“. Auch aus weiblicher Sicht („Er hat mich gedemütigt“) häufig verwendeter Standard, um eine Affekttat glaubwürdig zu machen. Kommt hier angesichts der beruflichen Verortung der beiden Ehepartner etwas krass rüber, die Frau müsste mehr Selbstbewusstsein haben, aber man weiß nie, wie in einem entscheidenden Moment die Stimmung und mit ihr die Lage kippen kann und Menschen sich anders verhalten, als man es von ihnen gewöhnt ist. Ein wirklich banaler Tod für einen Bestsellerautor, den wir am Ende dieses 93 Minuten währenden Films zu sehen bekommen. Das fanden wohl auch die Richter, die Frau Hüttner zu beurteilen und zu verurteilen hatten – sie kam mit einem Totschlag in einem minder schweren Fall dvon, weil ihr persönlicher Fan, der Waffenhändler Königsmann, auch „Der King“ genannt, ihr bestmögliche anwaltliche Unterstützung zukommen ließ. Schwamm drüber.

Das Bild der Strafverteidiger war damals erkennbar von Rolf Bossi sowie der Idee geprägt, dass ein guter Anwalt jeden Täter raushauen kann – oder doch fast. Da gibt es in der Tat große Unterschiede, aber mehr danach, aus welchem Milieu die Täter kommen, wie man an der mehr als fairen Behandlung der Berliner OK durch die Justiz eindeutig erkennt.

Christian Quadflieg hingegen spielt den Ghostwriter und trägt noch etwa die Frisur, die er als Lehrer im unvergesslichen „Reifezeugnis“ zwei Jahre zuvor hatte. Er eignet sich zur Darstellung dezenter Intellektueller (Lektoren) oder Halbintellektueller (Lehrer) wirklich gut und muss auch „Der King“ weitgehend tragen, trotz seiner zurückhaltenden Ausstrahlung, denn der Film ist häufig aus Dr. Offenbachs Perspektive gedreht. Das macht er recht gut und schwitzt sogar, angesichts der Bedrängnis, in die er – doch nicht so sehr wie gedacht – gerät.

Das Sahnehäubchen des Films sind natürlich Herr Königsmann und seine beiden Mitarbeiter des Grauens, Fahrer und Sekretär. Diese Konstellation ist eindeutig aus den Bond-Filmen abgeschaut, nur wirkt alles einen Tacken bodenständiger. Der Waffenhändler ist kein Biedermann, aber er hat Hüttner auch nicht wegen der bevorstehenden Enthüllungen umbringen lassen. Dr. Offenbach bietet er sogar durch einen witzigen Typ, der einen schwyzerdütschen Akzent vortäuscht, Geld an, damit dieser das Buch sein lässt. Was er auch wirklich tut – er hat nicht den Ehrgeiz, seinen eigenen Namen unter dem Titel zu sehen und das unterscheidet ihn dann doch von einem eitlen Kollegen wie Hüttner, der über eine plötzliche Aversion seiner Frau gegen ihn stolpert. Ja, sie wusste von seinen Abwegen, aber doch schon länger, oder? Die Demütigung! Irgendwann läuft das Fass über. Zum Glück war Offenbach wenigstens nicht in Holland und liegt auch nicht dort.

Denn in Amsterdam betreibt der Waffenhändler, offiziell Importeur und Exporteur, ein gut gehendes Edelbordell für Prominente und dorthin verirren sich auch Konrad und sein Assistent Wegener. Die Tatorte der 1970er und 1980er haben eine ungeheure Schwäche für die Niederlande, gerade erste im NDR-Tatort mit der Piratensender-Insel gesehen („Trimmel hält ein Plädoyer“), häufig und gerne bei Schimanski genommen und auch der hessische Rundfunk hält sich nicht für zu südlich liegend, um einen Abstecher in die malerische Stadt der Grachten zu tätigen, in der auch das Gras grüner ist als in Deutschland. Auch dieses Mal entstehend dort wieder schöne Bilder, zu den vergnüglichsten in einem ohnehin humorvoll und ironisch inszenierten Krimi zählen.

Sicher, man muss eine gewisse Form von Humor mitbringen, um sich an den Königsmännern und mancher satirischen Szene zu ergötzen, in der sie zu sehen sind. Auch Verbrecher sind Gemütsmenschen, handeln nicht immer stringent, diskriminieren ihre Angestellten, die ihnen nacheifern, aber selbstverstänlich von kleinerer Statur sind, sind empfindlich  und sogar romantisch. Sowas kann man leider heute nicht mehr bringen, auch die James-Bond-Filme sind ja nicht mehr so flockig-humorvoll, wie sie besonders in den 1970ern waren, als Roger Moore den Geheimagenten ihrer Majestät mit der Lizenz zum Töten verkörpert hat. Damals gab es auch die skurrilsten Helfershelfer, auf der dunklen Seite der Macht, die Mitarbeiter von Königsmann sind am meisten dem bösen schwulen Pärchen in „Diamantenfieber“ (1971) angenähert.

Die Idee von Königsmann, Spuren zu verwischen, indem er einen Killer auf den Verlagschef ansetzt, der absichtlich daneben schießt und den er dann im eigenen Haus selbst umbringen lässt, ist albern und der Film hat sicher nicht den größten Drive aller Zeiten, aber das war damals am Tatort auch nicht üblich. Schnell ist heute, dafür sind die Plots oft ziemlich geschlampt und die Figuren wirken auf eine andere Art übertrieben als Königsmann: Sie rasten ständig aus, während dieser eher eine Art Gentleman-Verbrecher darstellt, der sogar eine Frau vor einem härteren Urteil wegen ihres Totschlags am Romanautor Hüttner bewahrt.

Finale

Gut besetzt waren die Tatorte damals fast immer und mittendrin spielt Klaus Höhne den Kommissar Konrad so sympathisch und ernsthaft, dass er in diesen Film schon beinahe nicht mehr reinpasst. Natürlich ist er auch kunstverständig (wer die vielen Tischbeins auseinanderhalten kann, hat schon fast ein Kunststudiums-Stipendium gewonnen. Leider fällt mir gerade nicht ein, von welchem Tischbein der Königsmann ein großformatiges Porträt einer Frau an der Wand hängen hat und wen dieses Porträt darstellt – dabei hat man dieses Porträt schon hinter den Vorspann gelegt, um ihm eine Bedeutung zu geben, vermutlich entgeht mir durch diese Erinnerungsschwäche einiges an Subtext. Also doch bitte mehr ins Handy diktieren, während des Anschauens.

Wenn man sowieso alle Tatorte rezensieren möchte und so gerne den Zeitgeist der 1970er, den Duft einer Zeit, in der vieles noch etwas fülliger wirkte als heute, atmet, findet man Filme wie diesen immer charmant, außerdem ist „Der King“ tatsächlich charmant und das Schriftsteller- und Verlegermilieu bearbeitet er mit jener kundigen Form von Nonchalance, die immer gut kommt, weil sie Abstand wahrt und doch so dicht herangeht, dass man die Zeit, die Branche, den oder das Flair der Ära noch einmal spürt – in der man selbst anfing, mehr zu lesen und diese Bücher von Johannes Mario, die hatten sooooo große Titel auf weißen Plastikeinbänden! Das war ein Bestsellerautor erster Kajüte, aber der Hüttner-Verleger Schermann wird trotz gehörigen Alkoholkonsums kein Rowohlt und J. M. wurde außerdem von Knaur (heute Droemer-Knaur) verlegt.

Eine kleine Besonderheit: Marek aus Wien tritt in Frankfurt auf, zudem Lenz als Verbindungsermittler in München. Gastauftritte waren damals häufig, aber gleich zwei sind doch bemerkenswert. Wenn man genau hinschaut, kann man unterhalb dieses Absatzes erkennen, warum die Rezension zu „Der King“ als Beitrag Nr. 750 der Rubrik „Crimetime“ platziert wurde. Eher zufällig folgt sie einer Tatort-Frankfurt-Rezension zu einem Film, der fast 30 Jahre später entstand: „Unter uns„, aus der Zeit von Sänger und Dellwo, als selbst in der Bankenstadt am Main die Sozialdramen dominierten.

7,5/10

© Der Wahlberliner, Thomas Hocke

Regie Dietrich Haugk
Drehbuch Hans Kelch
Produktion Wolfgang Völker
Musik Hermann Thieme
Kamera Werner Hoffmann
Schnitt Birgit Bosboom
Besetzung

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