King’s Row (USA 1942) #Filmfest 211

Filmfest 211 A

2020-08-14 Filmfest AEines der ersten Psychodramen mit psychisch erkrankten Menschen

„Kings Row“ füllt keine absolute Must-have-Lücke, wenn es um die Werkschauen großer Filmemacher geht, denn Regisseur Sam Wood zählt zu den routinierten Handwerkern, nicht zu den Filmkünstlern, die der Cinéast möglichst vollständig kennen sollte. Immerhin, er wurde nach der Adaption des umstrittenen Romans von Henry Bellmann für würdig befunden, Hemingway zu verfilmen und drehte „Wem die Stunde schlägt“ mit den Superstars Ingrid Bergman und Gary Cooper) – und er hat, das verbindet ihn doch wieder mit Ikonen, „A Night at the Opera“ (1935) gedreht, wobei man konstatieren muss, dass die Marx Brothers auch nach ihrem Wechsel zu MGM noch künstlerisch vergleichsweise autark waren. Die Fähigkeit, sich zurückzunehmen, beherrschte Wood aber wohl, denn er war auch einer der drei Regisseure, die für Victor Fleming Teile von „Gone With The Wind“ (1939) drehten. Was aber ist das Besondere an „King’s Row“? Wir klären das in der -> Rezension.

Handlung (1)

Im späten 19. Jahrhundert wächst der elternlose Parris Mitchell bei seiner französischen Großmutter Marie von Eln in der kleinen Stadt Kings Row auf. Befreundet ist er mit Cassandra Tower, die sich von ihrem Vater Dr. Alexander Tower wenig verstandenen fühlt, dem wohlhabenden Waisenjungen Drake McHugh, Louise Gordon, der Tochter des sadistischen Dr. Henry Gordon, der Operationen gern ohne Betäubung durchführt, und Randy Monaghan, deren Vater bei der Eisenbahn arbeitet. Cassie, wie Cassandra Tower gerufen wird, hat es schwer, sich gegenüber den anderen Kindern zu behaupten, da man munkelt, dass ihr Vater ihre Mutter in einem Zimmer im Obergeschoss ihres großen Hauses gefangen halte. Parris jedoch fühlt sich besonders zu ihr hingezogen und ist ihr einziger Freund. Als ihr Vater hinter diese Freundschaft kommt, darf Cassie das Haus nicht mehr unbeaufsichtigt verlassen.

Einige Jahre sind vergangen und Parris hat inzwischen mit Zustimmung seines Vormunds Dr. Alexander Tower sein Medizinstudium aufgenommen. Sein bester Freund Drake, der bei den Mädchen besonders gut ankommt, ist mit Louise zusammen und will sie auch heiraten. Ihr streng moralischer Vater, der die Beziehung von Beginn an missbilligt hat, ist damit jedoch überhaupt nicht einverstanden. Louise schafft es nicht, sich dem Willen ihres Vaters zu widersetzen, zumal auch ihre Mutter sich nicht auf ihre Seite stellt. Bei einem seiner Besuche in Kings Row trifft Parris Cassie wieder, die seine Frage, warum sie sich zu Hause einsperren lasse, unbeantwortet lässt. Fasziniert von ihrer Wildheit, küsst er sie. Als er wieder geht, ist es schon spät. Um keine Gerüchte aufkommen zu lassen, die Cassies Ruf schaden könnten, verbringt er die Nacht bei seinem Freund Drake. In der Folgezeit ermöglicht Drake es dem jungen Paar, sich immer wieder zu sehen. Als Parris’ Großmutter erkrankt, die ihm sehr viel bedeutet, ist er sehr besorgt, die alte Dame in die Hände von Dr. Gordon zu geben, der ob seines herrischen Umgangs mit seinen Patienten keinen sehr guten Ruf hat. Dr. Tower redet ihm jedoch zu, dass Gordon ein fähiger Arzt sei. Nur kurze Zeit später stirbt Marie von Eln, da sie unheilbar an Krebs erkrankt war. Parris beschließt daraufhin, sein Studium auf das Fach Psychiatrie auszuweiten, und es im Ausland fortzusetzen. Er macht Carrie einen Heiratsantrag, um sie mitzunehmen, die junge Frau läuft jedoch davon, ohne ihm zu erklären, was in ihr vorgeht. Einige Zeit später erscheint sie bei Drake, wo Parris sich gerade aufhält, und bittet ihn, sie nun doch mitzunehmen. Kaum hat sie diese Worte ausgesprochen, läuft sie erneut davon. Am nächsten Tag erfährt Parris zu seiner großer Bestürzung, dass ihr Vater Cassie vergiftet und sich selbst erschossen hat. Aus Aufzeichnungen, die auf seinem Schreibtisch liegen, geht hervor, dass er Cassie getötet hat, weil sie ebenso wie ihre Mutter geisteskrank gewesen sei, und er dadurch habe verhindern wollen, dass Parris sein Leben ruiniert, indem er Cassie geheiratet hätte.

Im Jahr 1900 befindet sich Parris in Wien, wo er sein Studium der Psychiatrie abschließen will, während sich sein Freund Drake damit beschäftigt, Häuser in Kings Row zu bauen. Drake ist nun mit Randy Monaghan zusammen, die ihn bei seinen Plänen tatkräftig unterstützt und ihm nahelegt, Häuser für die Arbeiter zu bauen und nicht nur für die Reichen. So legt Drake einen Treuhandfonds an. Als dieser ihm durch die Machenschaften eines unehrlichen Bankangestellten gestohlen wird, sieht er sich gezwungen, für die Eisenbahn zu arbeiten. Dabei gerät er zwischen zwei Waggons, wobei seine Beine eingequetscht werden. Man ruft Dr. Gordon. Der Hass des Arztes auf den jungen Mann ist immer noch so groß, dass er ihm ohne Not beide Beine amputiert. Parris kommt zurück und steht dem Freund bei. Randy und Drake beschließen zu heiraten und Parris bietet ihnen an, sie auch finanziell bei ihrem Neubeginn zu unterstützen. Es wird nicht leicht für das junge Paar, da Drake durch den Verlust seiner Beine verbittert ist und sich weigert, sein Bett überhaupt noch zu verlassen.

Als Parris während eines späteren Besuchs in Kings Row erfährt, dass Dr. Gordon tot ist und die Stadt nun keinen Arzt mehr hat, beschließt er, in seiner Heimatstadt zu bleiben. Auf Wunsch ihrer Mutter besucht er Louise, die ihr Zimmer kaum noch verlässt, seit Drake und Randy geheiratet haben. Louise zeigt ihm Unterlagen, aus denen hervorgeht, dass ihr Vater Drakes Beine amputiert hat, obwohl sie leicht zu retten gewesen wären. Er habe das für seine Pflicht gehalten, um Drake wegen seiner Beziehung zu ihr zu bestrafen. Dass es so war, wird Parris auch von Elise Sandor und ihrem Vater, die jetzt in Parris’ altem Haus leben, bestätigt. Eigentlich will Parris die grausame Wahrheit vor Drake geheim halten, wird jedoch von Elise überzeugt, dass sein Freund ein Recht darauf habe, zu erfahren, wie es wirklich gewesen sei. Entgegen allen Befürchtungen von Parris und Randy reagiert Drake fast erleichtert auf die Eröffnung und ist fest entschlossen, sein Leben jetzt erst recht zu meistern. Nachdem Drake sein Schicksal angenommen hat, fühlt Parris sich frei. Er und Elise wollen heiraten. 

Rension

Der Film ist auch nicht wichtig, um eine Star-Collection zu vollenden, denn keiner der mitwirkenden Schauspieler rechnet zu den ganz Großen aus der goldenen Ära Hollywoods – wenn man von Claude Rains absieht, der im selben Jahr eine der schönsten Nebenrollen der Zeit als französischer Polizeioffizier in „Casablanca“ gespielt hatte. Auch James Coburn, den wir bisher nur als freundlichen älteren Herrn erlebt hatten und in seiner Rolle als sadistischer Dr. Gordon kaum wiedererkannten, ist ein profilierter Nebenrollendarsteller gewesen. Dass Ronald Reagan als Drake McHugh hier nach Meinung der US-Kritik seine beste Rolle gespielt hat, können wir ebenfalls nicht überprüfen, weil wir ihn bisher nur in Nebenrollen gesehen haben, etwa in John Fords „Fort Apache“, und neben Größen wie John Wayne und Henry Fonda konnte er sich nicht sehr profilieren.

Es war die großartige Filmmusik von Erich Wolfgang Korngold, die uns auf „Kings Row“ gebracht hat und die wir uns schon vor dem Film in der Einspielung besorgt haben, die sein Sohn George Korngold mit George Gerhardt als Dirigent (1968) gemacht hat. Das Pathos der Musik bewegt auch den Film und unterstützt das zeitgemäße Spiel der Darsteller, aber da ist noch etwas mehr – obwohl es 1942 noch keine Soundtrack-Auskopplungen gab, war diese Musik in den USA sehr bekannt und geschätzt, und sie soll John Williams zu seiner legendären Komposition für „Star Wars“ (1977) inspiriert haben. Ganz offen, das hätten wir nicht herausgehört. Da fanden wir die z. B. die Ähnlichkeit zwischen Dimitri Tiomkins Filmmusik zu „Giganten“ (1956) und der auch aus thematischen Gründen nachvollziehbar angelehnten Komposition zur TV-Serie „Dallas“ auffälliger.

Die aktuelle Rezeption von „Kings Row“ ist sehr gut Eine Durchschnittswertung von knapp 3000 Nutzern der IMDb von 7,8/10 und eine Listung auf Platz 27 der einflussreichsten Filme des Jahres nach der Maßgabe des „Moviemeter“ der IMDb rechtfertigen in Deutschland schon deshalb eine Rezension, weil hinzu kommt, dass der Film eines der gewagtesten Projekte seiner Zeit war.

Das Buch von Henry Bellmann ist geradezu die Antithese des amerikanischen Traums, sofern sich dieser in einer Kleinstadtidylle manifestieren soll, und nur unter erheblichen Abschwächungen der Brisanz konnten die Warner Brothers, die dafür bekannt waren, dass sie auch mal ein heißes Eisen anpackten, „Kings Row“ realisieren. Der führende zeitgenössische Kritiker der New York Times, Bosley Crother, verstand denn auch nicht, was das Studio in diesen (Kriegs-, A. d. V.) Zeiten veranlasst hatte, einen Film zu machen, der so schwerfällig sei wie das Buch, mit eher mäßigen schauspielerischen Leistungen und der eine Menge Leute zeige, die sich schlecht fülten.

Was das Buch enthält und was im Film unter der Ägide des Hays Code raus musste: Inzest, Nymphomanie, Euthanasie und Homosexualität. Dafür waren mehrere Drehbuchfassungen erforderlich, die von Version zu Version die Relevanz und Brisanz des Films gegenüber dem Buch mehr abmilderten, aber geblieben ist ein wuchtiges Psychodrama – und eine Tragödie, beides für damalige Verhältnisse ausnehmend drastisch in Szene gesetzt.

Es gibt ein paar melodramatische Übertreibungen, wie etwa den sehr beweinten, etappenweisen Tod von Parris‘ Großmutter, und natürlich war die Darstellung psychisch kranker Menschen zu der Zeit noch etwas Neues, zumindest, wenn man ernsthaft auf Drama und nicht auf Horror setzen wollte, wie er im deutschen Expressionismus mit Persönlichkeitsstörungen verbunden wurde. Zu bemängeln ist auch die etwas zu glatte Darstellung von Parris durch Robert Cummings, da hätte man sich durchaus ein größeres Talent wie Henry Fonda gewünscht, der für die Rolle im Gespräch war und sie sicher sehr gut ausgefüllt hätte. Auch die Frauenrollen sind qualitativ nicht ganz gleichmäßig und es ist nicht ganz einfach, Betty Fields Verkörperung der wichtigen Figur Cassandra zu beurteilen. Stellenweise erinnerten uns die Momente mit ihr an den ein Jahr später entstandenen „Gaslight“ mit Ingrid Bergmann im Zwielicht zwischen scheinbarer und wirklicher geistiger Störung, sind aber deutlicher ausgespielt – und in der Tat ist Cassandra nicht psychisch gesund, und bekommt es nicht nur von jemandem eingeredet, wie Ingrid Bergman in „Gaslight“ von ihrem bösartigen Mann.

Leider ist im Film der Hintergrund verlorengegangen, weil die Zensur es nicht zulassen konnte, dass Cassies seelische Disposition durch den Inzest mit ihrem Vater verursacht wurde, die damit einhergehende „Mannstollheit“ (Nymphomanie) musste selbstverständlich ebenfalls aus dem Film genommen werden. Sie wird auf ganz subtile Weise angedeutet, als Cassie und Parris miteinander baden gehen – als Kinder. Was man aus ganz kleinen Gesten und Worten und der Tat an sich herauslesen kann und aus der Bebilderung einer kurzen Szene, die Cassie nackt von hinten zeigt, wird der Fantasie des Zuschauers anheim gegeben. Diese ist bekanntlich nicht so rein, wie die Zensur es gerne gehabt hätte und worauf sie wohl hinarbeiten wollte, sodass selbst in den Heydays des Production Code subtile Unterminierungen desselben möglich waren – aber selten zielten sie auf ein ganzes Bündel schwieriger Themen, wie in „King’s Row“. 

Auf eine Weise passt „Kings Row“ sogar sehr gut in die Zeit, aber das können wir heute besser beurteilen als Bosley Crowther im Jahr 1942: Er steht am Beginn der Welle von Filmen, die nicht nur eine Psychologisierung des Hollywoodkinos mit sich brachte und in den manchmal schwülen, Seelensachen sehr dialoglastig erklärenden Melodramen der 1950er den Höhepunkt erreichte, sondern sich auch mit der Psychoanalyse zu befassen begann. Bestes Beispiel dafür ist Alfred Hitchcocks „Spellbound“ (1945), in dem Ingrid Bergman als junge Seelenheilerin die von Salvador Dalì gestalteten Alpträume von Gregory Peck analysiert.

Selbst Hitchcock verfiel nicht selten einer vereinfachenden Tendenz zur Küchenpsychologie, und man kann von einem Film aus 1942 wie „Kings Row“ nicht erwarten, dass er die heutigen Erkenntnisse der Wissenschaft bis in alle Verästelungen berücksichtigt, demgemäß ist es vielleicht nicht so schlecht, dass der lineare Zusammenhang Inzest-Nymphomanie-Schizophrenie, der offensichtlich im Buch hergestellt wird, entfällt, denn ihn mit den damaligen Filmmitteln tatsächlich auf die Leinwand zu bringen, hätte nicht nur ins Spekulative, sondern auch ins Lächerliche gehen können. Die Idee, dass Dr. Towers erst seine Tochter, dann sich selbst umbringt, um Parris vor eine Ehe mit einer psychisch kranken Frau zu bewahren, ist allerdings keine bessere Lösung als und wäre uns auch dann ziemlich an den Haaren herbeigezogen erschienen, wenn wir nicht gewusst hätten, dass die Zensur neue Gründen für dieses unvermittelte Ableben von Vater und Tochter gesorgt hätte. Damit hängt ein wichtiges Handlungselement etwas schräg, weil es nun so wirkt, als sei Cassandra Opfer eines von ihrer Mutter ererbten Wahns, und als habe ihr Vater, der mit Parris so schön über die Bestimmung des Arztseins philosophieren kann, die Mutter zu deren Schutz weggesperrt, und nicht, um sie beim Sex mit der Tochter aus dem Weg zu  haben.

Das Euthanasie-Element wird interessanterweise ebenfalls angedeutet. Die Spritze, die Dr. Gordon offensichtlich an Parris‘ Großmutter verabreicht hat, könnte eine Beruhigungsspritze sein oder ein starkes Schmerzmittel. Die betagte Frau hat im Film Krebs im Endstadium, die Spritze kann man auch so interpretieren, dass Dr. Gordon sie damit getötet hat, um ihr weiteres Leid zu ersparen. Im Buch ist es aber Parris selbst, der seine Großmutter aus Mitleid tötet, womit sich die seltsame Verknotung auflöst, die im Film dadurch besteht, dass der grausame Dr. Gordon bei der alten Dame so anders handelt als sonst.

Weniger Abstriche als in anderen Punkten, und das ist allerhand, für die Hollywoodverhältnisse von 1942, macht der Film bei der Darstellung eben jenes sadistischen Dr. Gordon, der Drake die Beine amputiert, weil dieser es gewagt hat, seine Tochter ehelichen zu wollen. Hier scheint es kein Inzenstverhältnis zu geben, wohl aber einen Arzt, der das genaue Gegenteil des hippokratischen Eides praktiziert.

Selbst die Figur der praktischen, zupackenden und erfrischend normal wirkenden Randy ist nicht frei von Schatten, weil sie ihr Leben auf der falschen Seite der Schienenstränge mit offensiver Sexualität über diese Stränge hinweg in die richtige Bahn bringt, indem sie mit Drake vor der Heirat Sex hat. Selbstverständlich dürfen wir das im Film nur hinzudenken, gezeigt wird es nicht. Die Spazierfahrten enden mit Küssen, die man hier, wie häufig in jenen Filmjahren, als Prelude zu verstehen hat.

Was dem Film ebenfalls eignet, ist die Sozialkritik, die mit all dem verbunden ist, was sich im Buch zu düsteren, oft tödlichen Schicksalen verdichtet: Ein bigottes, von viktorianischen Einflüssen geprägtes Kleinstadt-Amerika heizt das Entstehen aller Arten von psychischen erst richtig an, und wo andere Filme die Kritik als solche stehen ließen, wird hier bereits gezeigt, wie die beengten, rückständigen und von einer Mischung aus Unterkühlung und Explosivität gekennzeichneten Beziehungen der Menschen innerhalb einer Familie zueinander seelische Verwerfungen fördern. Die negativste Nutzer-Rezension (2/10 Punkte), die wir in der IMDb ausfindig gemacht haben, stammt denn auch von einer erkennbar konservativen Stimme.

Fazit

Die Atmosphäre ist, wie oft bei den Filmen jener Zeit, grandios, von den Dekors über die Lichtsetzung bis hin zur erwähnten Musik ist alles ungemein packend inszeniert, hinzu kommt eine sehr flüssige Erzählweise, die genau an den richtigen Stellen Szenen verkürzt und Übergänge schafft, die uns ein wenig Freiraum für Interpretation und Assoziation lassen, andere hingegen so ausspielt, dass sie geradezu quälend wirken. Letzteres wurde von einigen Nutzern der IMDb kritisiert und in der Tat ist es für viele von heutiger Mediengestaltung geprägte Filmzuschauer schwierig, Szenen auszuhalten, die sich nicht nach wenigen Sekunden in einem Actionspektakel auflöst oder ihre Wirkung durch Ironisierung kontert, sondern Figuren noch ausführlich beobachtet und uns zur inneren Stellungnahme bezüglich ihres Verhaltens drängt.

Der Film hat ein Happy-End, das ein wenig aufgesetzt wirkt, befördert durch die sehr späte Einführung der Figur Elise und ihres Vaters, die Entstehung der Liebe von Elise und Parris geht viel zu rasch, in Relation zum vorherigen Geschehen – da aber der übrige Plotszu dem Zeitpunkt, als Parris Elise am See trifft und für eine Vision von Cassie hält, durcherzählt ist, gibt es keine Möglichkeit mehr, diesen Vorgang noch einmal spannend zu machen, indem man ihn mit anderen Handlungssträngen kombiniert.  Ein Wohlfühlfilm ist dies trotz des guten Endes für Parris nicht, vielmehr gebührt ihm die Ehre, viel genauer auf das Innenleben von „unserer kleinen Stadt“ geschaut zu haben, viel mehr davon erzählt zu haben, was Menschen wirklich zerstört, als die meisten anderen Filme jener Zeit es sich getraut haben.

Anmerkung zur Sichtung

In Deutschland ist „Kings Row“ nicht im Kino gezeigt worden und offensichtlich auch nicht im Fernsehen, deshalb gibt es keine synchronisierte Fassung – wir waren auf eine spanische Kopie angewiesen, die man zwar in Englisch hören konnte, aber die spanischen Untertitel waren nicht ausblendbar. Gut so, denn in den schnellen Passagen konnten wir uns ein wenig mit den eingeblendeten Worten behelfen, weil wir – nicht Spanisch, aber Französisch verstehen, und bekanntlich sind die romanischen Sprachen einander recht ähnlich. Für uns ist das Schauen von OoU-Versionen noch eine neue Erfahrung, aber wir werden das künftig häufiger tun müssen, um beispielsweise Werklücken bei bekannten Regisseuren zu Arbeiten zu füllen und dafür müssen wir uns auf die Suche nach deren – zumindest hierzulande – weniger bekannten Arbeiten zu machen.

Wir danken an dieser Stelle den Enthusiasten von „Videodrom.com“, die uns den Film auf Anfrage besorgt und ihn freundlicherweise in ihren Verleih übernommen haben, obwohl er kaum kein Publikumsrenner werden dürfte. Anmerkung anlässlich der Veröffentlichung 2020: Mittlerweile ist der Film auch auf Videoplattformen zu sehen, die, sagen wir mal, ein wenig außerhalb des Mainstreams angesiedelt sind, vielleicht bald auch auf Youtube. 

80/100

© 2020 (Entwurf 2015) Der Wahlberliner, Thomas Hocke

Regie Sam Wood
Drehbuch Casey Robinson
Produktion Hal B. Wallis
Warner Bros.Pictures Ing.
Musik Erich Wolfgang Korngold
Kamera James Wong Howe
Schnitt Ralph Dawson
Besetzung

 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s