Ein paar Worte nach Mitternacht – Tatort 1139 – Sonntag, 04.10.2020, Das Erste, 20:15 Uhr #Crimetime Vorschau #Tatort #Berlin #Rubin #Karow #RBB #Mitternacht #Worte

Crimetime Vorschau - Titelfoto © RBB, Stefan Erhard

Vereinigt und getrennt, vergessen und verdrängt in Berlin

„Ein paar Worte nach Mitternacht“ sind es, die den Berliner Tatort-Ermittlern Nina Rubin (Meret Becker) und Robert Karow (Mark Waschke) in ihrem 12. Fall Rätsel aufgeben. Der Tote, ein 90-jähriger Bauunternehmer, trägt ein handbeschriebenes Pappschild um den Hals: „Ich war zu feige, für Deutschland zu kämpfen.“ Was steckt bloß dahinter? Der 1139. Tatort-Krimi, eine Produktion des rbb, ist ein Filmbeitrag zum 30. Jahrestag der deutschen Wiedervereinigung und wird am Sonntag, den 4 Oktober 2020 um 20.15 Uhr erstmals in Das Erste ausgestrahlt. (Redaktion Tatort Fans)

Deutschland ist seit 30 Jahren wieder ein Staat, aber Nina Rubin (Meret Becker) wird sich von Robert Karow (Mark Waschke) nun trennen. Bisher hat ihre Zusammenarbeit fünf Jahre gedauert und ein Dutzend Fälle haben sie zusammen gelöst – wenn auch nicht immer vollständig, vor allem dank Karows sich durchschleppender Vergangenheit. Leider gab es kein Foto, das Karow und Rubin zusammen zeigt und dieses Transparent vom Ausverkauf der Stadt, das leider auf der linken Seite politisch korrekt abgeschnitten wurde. Also habe ich mich politisch ganz unneutral für das gekappte Transparent entschieden.

Eigentlich hätte der Theater-Star [Meret Becker, Anm. WB] schon früher einen Schlussstrich gezogen, sich dann aber dagegen entschieden: „Ich muss das schon richtig ausprobieren, das ist ein Langzeitprojekt“, verriet die Musikerin. „Ich habe das jetzt irgendwie verstanden und wahnsinnig viel gelernt, ich möchte es nicht missen, aber ich habe so viele Ideen und Sachen, die ich machen möchte.“ (Quelle: Tag24)

Und was sagen die Kritiker*innen zu dem Film? Die Redaktion von Tatort-Fans sieht einen Routinefall mit gutem Team bzw. einen gelungenen 1139. Tatort mit einer interessanten Herangehensweise ans Thema „30 Jahre Einheit“.

Christian Buß vom Spiegel titelt „Berlin, Stadt der Schuld“ und findeet den Film sehr gelungen (9/10 lese ich bei ihm selten). Möglicherweise sind dabei ein paar Zehntel zugunsten der offenbar sehr beherzten Annahme eines großen Themas inkludiert, aber heute Abend einen schlechten Tatort zu bringen, der das Thema „Schuld, Erinnerung, Verdrängung, Vergessen“ nicht überzeugend darbieten kann, wäre angesichts aktueller Tendenzen in Deutschland und wie derzeit jedes Wort, das irgendwer äußert, von dem irgendwer anderes glaubt, seine Worte seien von Belang, genauestens untersucht wird, von der ARD ziemlich verantwortungslos.

Die herausragenden Schauspielleistungen wiederum hebt der SWR3-Tatortcheck hervor und warnt gleich,dieser Tatort fordere die volle Aufmerksamkeit. Hoffentlich habe ich die heute Abend um 20:15, sonst wäre es besser, den Film etwas später anzuschauen. Weiter heißt es: „Dieser Tatort will eigentlich ein bisschen zu viel, weil so ziemlich alles reingepackt wurde, was die Deutsch-Deutsche Geschichte so hergibt. Aber für mich schafft er es, wenn auch grade so, nicht andauernd den erhobenen Schuld-Zeigefinger zu heben. Karow ist – anders als sonst – bei diesem Fall etwas begriffsstutzig. (…) Deshalb gibt’s von mir 4 von 5 Elchen“. Vor allem geht es ja um Tatbestände, die entstanden sind, noch bevor es eine „deutsch-deutsche Geschichte“ gab, nämlich in der Zeit, die zu zwei deutschen Staaten geführt hatte.

„Das Drehbuch greift mit guten Absichten wichtige Fragen auf, packt aber in einem historischen Rundumschlag zu viel hinein: Nazi-Verbrechen, DDR-Erbe, Wiedervereinigung, Antisemitismus, Kapitalismus-Kritik, Antifa, die Neue Rechte. So bleiben manche Figuren schablonenhaft und die Spannung mäßig. Die Ermittler stellen sich zudem arg begriffsstutzig an. Trotz starker Besetzung – und eines Wiedersehens mit Meret Beckers 1935 geborenem Vater Rolf – ist diese RBB-Folge ein eher bemühter Versuch, die großen deutschen Themen „Tatort“-gemäß zu verarbeiten“, schreibt Thomas Gehringer in Tittelbach.TV und kommt lediglich auf 3,5/6. Bei unserem Schema wären das knapp 6/10. Ungewöhnlich, dass Tittelbach.TV bei der Bewertung so tief geht.

Aber vielleicht wird alles – nun ja, nicht gut, aber wenigstens interessant und spannend, wenn man ein an Geschichte interessierter Mensch ist, was ich mir zurechne, und daher diese offensichtliche Hatz durch sehr viele Themen unserer Zeit wenigstens nachvollziehen kann, weil ihn jedes dieser Themen schon einmal beschäftigt hat und nicht ganz fremd ist. Jedenfalls wird es in den nächsten Tagen auch im Wahlberliner eine Rezension zu diesem Film geben.

TH

Handlung

Der Berliner Bauunternehmer Klaus Keller wird an seinem 90. Geburtstag erschossen aufgefunden. Um seinen Hals hängt ein Schild mit den Worten: Ich war zu feige, für Deutschland zu kämpfen. Keller war der Seniorchef einer großen Berliner Baufirma, sein derzeitig größtes Projekt war der Bau eines Dokuzentrums über die Shoa in Israel. Ein rechtsradikaler Mordanschlag?

Viel scheint dafür zu sprechen. Doch es gibt noch eine andere Spur. Ein Jugendfoto von Tatopfer Klaus und seinem Bruder Gert ist aus der Wohnung des Toten verschwunden. Hat der Mord etwas mit den beiden Brüdern zu tun? Wirtschaftswunderkind und Wendegewinner der eine – Stasimajor, SED- Funktionär und Wendeverlierer der andere. Zwei Nachkriegswege, die mit der Teilung Deutschlands auseinanderliefen und sich auch nach ’89 nicht wiedervereinigen konnten.

Nina Rubin und Robert Karow fragen nach dem Warum und tauchen ein in eine komplexe Familiengeschichte, in der auch die Generation der Söhne eine wichtige Rolle spielt. Michael Keller leitet die Baufirma seines Vaters und Gerts Sohn Fredo ist Besitzer einer Druckerei in Pankow. Moritz, der Enkel von Klaus, hat anlässlich der Geburtstagsfeier ein Video seines geliebten Großvaters aufgenommen – das letzte Dokument von Klaus Keller – seine letzten Worte. Moritz‘ attraktive Freundin Ruth, politisch engagierte Studentin und Kellnerin in Klaus Kellers Stammrestaurant, kennt die Familie gut. Können ihre Interna Karow in den Ermittlungen voranbringen?

Rubin und Karow begegnen der deutschen Vergangenheit und ihren Folgen und stehen am Ende vor einem Verbrechen, von dem sie nichts geahnt haben.

Besetzung und Stab

Hauptkommissarin Nina Rubin – Meret Becker
Hauptkommissar Robert Karow – Mark Waschke
Kommissaranwärterin Anna Feil – Carolyn Genzkow
Kriminaltechniker Knut Jansen – Daniel Krauss
Frau Klotz vom Staatsschutz – Bettina Hoppe
Großvater Klaus Keller – Rolf Becker
seine pflegebedürftige Ehefrau Else Keller – Katharina Matz
Gert Keller, Bruder von Klaus Keller – Friedhelm Ptok
Michael Keller, Sohn von Klaus Keller – Stefan Kurt
seine Ehefrau Maja Keller – Marie-Lou Sellem
der Sohn Moritz Keller – Leonard Scheicher
seine Freundin Ruth, Kellnerin – Victoria Schulz
Fredo Keller, Neffe von Klaus Keller, Besitzer einer Druckerei – Jörg Schüttauf
seine Ehefrau Susanne Keller – Lina Wendel
Dieter Karow, Vater von Robert Karow – Dietrich Hollinderbäumer
Inge Karow, Mutter von Rober Karow – Rita Feldmeier
Stationsärztin – Selda Kaya
Frau Kazinski, Betreuerin im Pflegeheim – Vera Streicher
Adnan Jasari – Slavko Popadic
Spätibesitzer – Ali Bulgan
Kiezbewohner – Stephan Grossmann
u.a.

Drehbuch – Christoph Darnstädt
Regie – Lena Knauss
Kamera – Eva Katharina Bühler
Szenenbild – Jörg Baumgarten
Schnitt – Katharina Fiedler
Ton – Ludwig Bestehorn
Musik – Moritz Schmittat

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