Bis dass der Tod euch scheidet – Polizeiruf 110 Episode 278 #Crimetime 818 #Polizeiruf #Polizeiruf110 #Halle #Schmücke #Schneider #MDR #Tod #Scheidung

Crimetime 818 - Titelfoto MDR,

Manchmal sind kurze Ehen die besten

Toter Ehemann wird gerade in Krankenwagen verladen und abtransportiert. Schmücke zu Schneider: „Den Tag hat sich die Braut sicher anders vorgestellt.“ Dieser Dialog setzt die Maßstäbe für die Qualität des Ausgesprochenen im Film, aber das ist bei den Schmücke-Schneider-Fällen nichts Neues. Zwei Gute und einer, vor dessen Rezension man sich gerne ein wenig drückt. Was damit gemeint ist und alles zu „Eine Hochzeit und zwei Todesfälle“ steht – sic! – in der Rezension.

Handlung (Wikipedia)

Andrea und Michael Granzkow verlassen frisch vermählt das Standesamt von Dessau und laufen glücklich durch den Stadtpark. Plötzlich erscheint ein maskierter Mann und erschießt den Bräutigam gezielt mit zwei Schüssen aus einer Pistole. Der Rentner Egon Rotte, der alles miterleben musste, bekommt vor Schreck einen Herzanfall und muss in die Klinik gebracht werden, sodass er als Zeuge vorerst ausfällt. Schmücke und Schneider werden verständigt und nehmen sich des Mordfalls an dem Bauunternehmer an, der allem Anschein nach ein Raubmord gewesen ist.

Noch am selben Tag kauft ein junger Mann mit Granzkows Kreditkarte in einem Elektronikmarkt ein. Anhand von Überwachungsaufnahmen an der Kasse kann der vorbestrafte Burkhard Senft identifiziert werden. Nachdem er festgenommen wird, erklärt er, dass er die Kreditkarte in einem Müllcontainer gefunden hätte. Seine Angaben klingen schlüssig, aber der angegebene Container am Waldrand ist frisch geleert worden. Eine erweiterte Suche in der zuständigen Entsorgungsfirma bringt Erfolg und die zu der Kreditkarten gehörende Brieftasche kann gefunden werden, die Waffe und der Mantel des Täters wird nach aufwendiger Suche mit Spürhunden im Wald gefunden und sichergestellt.

Als Andrea Granzkow nach dem ersten Schock befragt werden kann, bringt das die Kommissare jedoch nicht viel weiter. In Granzkows Firma ist man schockiert über das Geschehene. Auf die Frage nach eventuellen Feinden fällt dem Stellvertreter Sven Eckart ein Verkehrsunfall ein, in den sein Chef verwickelt war und bei dem eine Christina Ahrend schwer verletzt wurde. Obwohl Granzkow in allen Punkten freigesprochen wurde, hatte der Ehemann weiterhin schwere Vorwürfe erhoben und ihn bedroht. Daher wird Gerd Ahrend befragt und zu einer Gegenüberstellung gebeten, bei der Andrea Granzkow eine Wertung abgeben soll. Sie kann sich nicht entscheiden und tippt auf einen der beiden korpulenten Herren. Ahrend hat jedoch ein Alibi und Schmücke kann sich zudem nicht erklären, woher Ahrend den genauen Weg hätte wissen sollen, den die Jungvermählten nahmen.

Sven Eckart war der einzige, der die Pläne des Brautpaars kannte. Da er früher eine eigene Baufirma hatte, die von Granzkow „geschluckt“ worden ist, hätte er möglicherweise Grund ihn zu hassen. Während der Ermittlungen wird Heiko Remscheidt, der Bruder von Andrea Granzkow, tot aus der Elbe geborgen. Er wurde erschlagen und dann ins Wasser geworfen. Da Remscheidts Aussage ausschlaggebend dafür war, dass die Klage der Ahrends gegen Granzkow abgewiesen wurde, erhärtet sich der Verdacht gegen Gerd Ahrend. Aber auch Sven Eckarts Alibi hing von Remscheidts Aussage ab, der mit ihm zum Zeitpunkt des Überfalls auf Granzkow zusammen gewesen sein will.

Nachdem der Rentner Egon Rotte befragt werden kann, ergeben sich Widersprüche zu der Aussage von Andrea Granzkow. Bei weiterer Recherche finden die Kommissare heraus, dass Andrea Granzkow noch vor einem halben Jahr mit Sven Eckart liiert war. Als Eckart bemerkt, dass die Polizei ihm auf die Spur gekommen ist, ergreift er die Flucht und fährt ausgerechnet zu Andrea Granzkow. Dort kann er von Schmücke und Schneider aufgegriffen werden, die den beiden Verdächtigen die Indizien präsentieren und sie festnehmen. Blutspuren am Tatort, wo Remscheidt erschlagen wurde belegen, dass Eckart dort war. Er gesteht, die Tat und erklärt, dass er das nicht gewollte hatte.

Rezension

An den vergangenen beiden Fernsehabenden hatten wir zwei Treffer gelandet, mit dem Polizeiruf „In der selben Nacht“ und dem Tatort „Exklusiv!„, beides Produktionen aus der Anfangszeit der jeweiligen Reihe. Für beide Filme konnten wir eine überdurchschnittliche Wertung vergeben. Der dritte war „Bis dass der Tod euch scheidet“.

Wir mögen die beiden, Schmücke und Schneider. Und dieses Mal sind sie wenigstens nicht so unnatürlich frohgelaunt angesichts schlimmer Tötungshandlungen, wie sonst manchmal. Nachgeholfen hat man mit einer Fastenzeit für die beiden rundlichen Kommissare, die von ganz allein für Missmut gesorgt hätte. Es hätte nicht einmal dazu kommen müssen, dass eine Braut den Angetrauten schon am Hochzeitstag verliert.

Dadurch, dass der MDR derzeit konsequent seine Polizeiruf-Filme der 2000er wiederholt, kommen wir jede Woche mit einem Schmücke-Schneider-Fall in Berührung bzw. es kommt einer auf den Bildschirm. Einerseits wunderbar, wir lieben es, Dinge in anständiger Reihenfolge und so vollständig wie möglich serviert zu bekommen. Andererseits. Die Premiernzuschauer bekamen damals ja nur alle paar Monate einen neuen Fall mit Herbert & Herbert serviert, aber wenn das alle sieben Tage passiert, merkt man eines leider sehr deutlich: Dass MItte der 2000er deren Filme eine Gleichförmigkeit hatten, die wir noch bei keinem anderen Team wahrgenommen haben. Es gab ja auch schon Tatort-Specials für bestimmte Ermittler*innen, damals folgten die Ausstrahlungen also auch kurz hintereinander. Trotzdem hatten wir nicht so sehr das Gefühl, immer mehr oder weniger im selben Film zu sein. Das immer gleiche Schema, das mittlerweile nervt, ist die eine Sache.

Immerhin wäre es möglich, dass innerhalb diese Whodunit-Staffeln jedes einzelne Exemplar von einem Fall sehr gut gemacht wäre. Das ist aber leider nicht so und bei „Bis dass der Tod euch scheidet“ merkt man es besonders. Die Inszenierung ist unauffällig, darüber können wir nicht viel Gutes oder Schlechtes schreiben. Aber sehr konventionelle Dialoge, gepaart mit unglaubwürdigen Motiven und Figuren, hauen dann richtig rein. Kein Wunder, dass man diese Typen nicht besonders gut spielen kann und man als Zuschauer nicht emotional mitgehen kann. Wenn es nicht Schmücke und Schneider gäbe, den echten und den unechten Fastenzeitler, würde der Film ziemlich hohl wirken. Und es gibt richtige Fehler, wie zum Beispiel die gequetschte und gestauchte Personenbeschreibung des Täters durch unterschiedliche andere Personen. Okay, durch eine Jacke unter dem Mantel wirkt jemand kräftiger, aber doch nicht viel kräftiger. Aber er wird an einer Stelle deutlich als klein beschrieben. Heinrich Schmieder, der den tatusführenden Ekhart darstellt, war kein Riese (1,74 Meter), aber man muss ihn auch nicht dezidiert als klein beschreiben und woher jemand bei einem Mann, der eine normale Hose trägt (damals waren die Röhrenhosen noch nicht so in wie heute), feststellen will, dass er dünne Beine hat, erschließt sich uns ebenfalls nicht.

Mithin: Man wird als Zuschauer gezielt ins Nichts geführt und damit macht auch das Rätselraten keinen Spaß mehr, das ja immerhin als Teilersatz für großes Drama oder einen starken Drive des Films herhalten könnte. Es war nämlich einfach kein Verdächtiger, kein Mitspieler zu sehen, auf den die Beschreibung hätte passen können. Warum man die Tat ausgerechnet in der Nähe eines auf der Parkbank sitzenden Zeugen ausgeführt hatte – nun ja. Damit er eben als Zeuge herhalten konnte. Aber dann dieser dumme Fehler mit dem Zuwerfen der Brieftasche anstatt „aus der Jacke herausnehmen“ und Letzteres aussagen, obwohl der Zeuge da noch wach auf der Bank saß und noch nicht durch den zweiten Schuss und seinen Infarkt außerhalb der Wahrnehmungsmöglichkeit geraten war?

Und konnte Andrea Grenzkow nicht ahnen, dass die Polizei ermitteln würde, dass sie vor ihrem Mann mit Eckart liiert war? Und das Motiv: Einer schluckt des anderen Firma, lässt ihn „nur“ als zweiten Geschäftsführer arbeiten und überhaupt, irgendwie ist er ein arrogantes Arschloch. Was wir nicht überprüfen können, denn er ist ja schon nach wenigen Minuten tot. Wie gut, dass er sich eine stille Trauung gewünscht hat und nicht vor einer ganzen Gesellschaft erschossen werden musste. Die Wut, die sich in jemandem angestaut haben muss, der sich mit einem anderen, der auch wütend ist, verabredet hat, um den frischgebackenen Ehemann ausgerechnet am Hochzeitstag zu erschießen – dafür steht nichts, was wir im Film zu hören bekommen.

Andererseits ist die Frau, die einen gewissen Bibiana-Beglau-Touch hat, dermaßen fies, wenn man ihr Verhalten genauer betrachtet – und dann irgendwie geht auch noch der Bruder verloren, der dem Täter ein Alibi gab; ein Mitwisser, ein Mitmacher – sein Tod eine Art Kollateralschaden.

Finale

Dass über Tote viel Schlechtes geredet wird, damit man die Motive der Mörder erklären kann, ist nicht ungewöhnlich, aber hier hätte man mehr zeigen müssen. Früher wurden häufig Rückblenden verwendet, um nicht nur zu erzählen, sondern auch zu zeigen, wie es zu all dem kommen konnte. Das ist auf jeden Fall besser, als es – allein – durch die Darstellungen von Tätern zu vermitteln, denn wer weiß schon, ob die nicht auch in dieser Beziehung mächtig lügen. Das Bild des Ganzen wird dann oft nicht griffig. Zumal dann nicht, wenn nicht starke Nachwirkungen und besondere Kniffe der Erzähltechnik oder Figurendarstellung es interessant werden lassen. Das ist bei „Bis dass der Tod euch scheidet“ leider nicht der Fall. Der letzte Schmücke-Schneider-Fall, den wir rezensiert hatten, war auch schon schwierig, bezüglich der Konstruktion und der Glaubwürdigkeit, aber er hatte wenigstens noch eine gute Atmosphäre („Tod im Ballhaus“). Diese und die Settings sind dieses Mal auch komplett unauffällig.

5,5/10

© 2019 Der Wahlberliner, Thomas Hocke

Regie Elsa Kern
Drehbuch Kerstin Höckel,
Michael Wallner
Produktion Susanne Wolfram
Musik Johannes Kobilke,
Stefan Ziethen
Kamera Johannes Kirchlechner
Schnitt Heidi Handorf
Besetzung

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s