BREAKING + UPDATES: Wiederwahl Donald Trumps überwiegend wahrscheinlich #ElectionDay #Election2020 #Eletions2020 #ElectionNight #politics #biden or #trump #Corbyn #TheLeft #DieLinke

Nun habe ich es doch gemacht – und bin wach geblieben, um diese „Schicksalswahl“ in den USA mitzuverfolgen. Es geht nichts über politisches Interesse – außer mehr politisches Interesse.

04.11.2020 – 05:50 MEZ. Ein aktuelles Bild von Associated Press scheint eine eindeutige Sprache zu sprechen: Es sieht aktuell Joe Biden mit 213 erreichten Wahlleuten klar vor Donald Trump mit 118. Etwas Aktuelleres als dieses Bild von AP ist derzeit nicht zu haben – und es ist ein historisches Bild, das wir aus rechtlichen Gründen aber nicht abbilden können. Es sieht doch, nachdem Associated Press nach über zwei Drittel der Ergebnisse ein solches Bild liefert (Updates 1-5 siehe unten), so aus, als ob sich Biden-Anhänger endlich beruhigt ins Bett legen könnten. Oder etwa nicht?

Nein! Schauen Sie mal etwas weiter runter und auf die vielen rosa gefärbten Staaten. Biden hat sein Potenzial beinahe komplett ausgeschöpft, weil AP „seine“ Staaten schon als Ergebnis (dunklere blaue Farbe) gemeldet hat, auch dank der teilweise klaren Mehrheiten, die er dort erzielt hat. Anders sieht es mittlerweile in fast allen der wichtigen und auch großen Swing States wie Texas und Florida aus. Als jeweils die ersten Wahlkreise ausgezählt waren, lag Joe Biden noch in fast allen diesen Staaten vorne, mittlerweile hat sich das Bild komplett gedreht. Es wirkt beinahe, als traue sich AP noch nicht, die beinahe unumstößliche Wahrheit zu verkünden, obwohl in den Swing States bzw. Battleground States die Stimmen nun fast komplett oder weit überwiegend ausgezählt sind. Doch woher kommt dieser enorme Dreh zugunsten von Trump?

Es scheint überwiegend an einer ganz schlichten Tatsache zu liegen: In den Städten wird offenbar schneller ausgezählt als auf dem platten oder hügeligen Land. Und in fast allen großen Städten in allen Staaten liegt Biden vorne, auf dem Land ist es genau umgekehrt, insbesondere in jenen Gegenden, welche die einen als „Herzland der USA“, die anderen als „Flyover Country“ bezeichnen. Das heißt, je mehr nun auch Ergebnisse aus dem ländlichen Raum eintreffen, desto mehr geht die Tendenz in Richtung Donald Trump. Die großen Städte hat Biden auch in Texas und Florida gewonnen, aber es wird ihm nach aller Voraussicht nicht den Sieg in diesen Staaten bringen.

Der Effekt ist ähnlich wie in Deutschland bei der CDU oder der AfD: Je großstädtischer und moderner eine Kommune, desto weniger Chancen für diese Parteien. Das ist nicht neu, aber wieder einmal haben sich die Demoskopen in den USA offensichtlich geirrt, die uns allen versprochen haben, dass sie dieses Mal all die Besonderheiten, Strömungen, Tendenzen berücksichtigen, die 2016 zu einem Debakel für die Meinungsforschung und für Hillary Clinton geführt hatten – und für 2020 einen Sieg von Joe Biden vorhergesagt. Es gab bis gestern nicht eine einzige Umfrage, die einen Sieg Trumps ins Kalkül gefasst hätte, auch wenn Trump „auf den letzten Metern“ noch einmal ein wenig zulegen konnte.

Ich zähle nun alle noch offenen Staaten vorsichtshalber zu Biden, obwohl Nevada und Alaska vermutlich an Trump gehen werden: Ich komme nur noch auf 32 Wahlleute, die Biden gewinnen kann, sofern er nicht mindestens einen der größeren Swing States oder zwei bis drei kleinere abermals dreht.

Das wären dann insgesamt 251 Wahlleute, zum Sieg braucht er aber 270. In den Swing States sieht es jedoch derzeit nicht so eng aus, dass es zu einem abermaligen Turnaround kommen könnte, zumal, siehe oben, die weitere Auszahlung eher Trump begünstigen dürfte. Ich halte es aber durchaus für möglich, dass, wie schon 2016, Trump mit weniger Stimmen als sein Gegner (damals: seine Gegnerin) die Präsidentschaftswahlen gewinnt. Nach meiner Ansicht muss das US-Wahlsystem dringend reformiert werden, nicht nur das Wahlmänner-System, sondern auch die Chancen aller auf Zugang zur Wahl betreffend (dieses Mal durften über 30 Millionen erwachsene Einwohner*innen der USA nicht wählen).

Sollte mir jemand einen Rechenfehler oder eine eindeutige Fehlinterpretation nachweisen wollen, bitte sofort melden, aber es sieht bei weitem nicht so gut für Joe Biden aus, wie die Wahlleutedarstellung 213/118 es derzeit ausweist.

Es wird aber auf jeden Fall ein knappes Ergebnis werden. Wenn es für Trump ausgeht, wird es jeodch aller Voraussicht nach keine „Verfassungskrise“ geben, wie politische Kommentatoren es prognostiziert haben. Das wäre nur dann der Fall gewesen, wenn Biden knapp gewonnen hätte und Trump hätte dieses Ergebnis nicht akzeptiert. Hingegen ist kaum zu erwarten, dass die Demokraten eine Niederlage nicht anerkennen werden. Eine Niederlage, die sie selbst verschuldet haben, wieder einmal – aber das ist ein weites Feld, das wir in dieser Breaking News nicht beackern können. Eine gewisse Vorahnung hatten wir, siehe angehängter Artikel von gestern Nachmittag, am Ende. ->

Update 1: Das Bild verändert sich fortlaufend, gegenwärtig steht es 223/145 (06:33 MEZ).
Update 2: Trump holt rasant auf: 223/174 (06:46 MEZ). Nicht weniger als 38 Wahlmänner für Texas, wo Trump nun klar vorne liegt, das aber noch nicht als „Ergebnis vorhanden“ ausgewiesen wird, dürfen wir schon hinzurechnen, dann kommen wir auf 212 für den amtierenden Präsidenten. Der einzige wirklich noch enge Staat ist North Carolina (1,4 Prozent Vorsprung für Trump) mit 15 Wahlmännerstimmen.

Nach Stimmen liegt Biden derzeit immer noch mit 62,8 zu 61,3 Millionen vorne – sollte es am Ende ähnlich aussehen und Trump trotzdem die Wahl gewinnen, wird das auch ohne Verfassungskrise aufgrund von Trumps Verhalten der US-Demokratie schaden, denn zum zweiten Mal hintereinander würde eine Person ins Weiße Haus einziehen, die nach üblichen demokratischen Regeln die Wahl verloren hat – es wäre sogar dieselbe Person. Es ist übrigens auffällig, dass das Wahlmännersytem den Republikanern zu helfen scheint, denn schon George W. Bush hatte 2000 gegen Al Gore gewonnen, obwohl er weniger Stimmen auf sich vereinen konnte als sein demokratischer Gegner. Anders ausgedrückt: Nicht alle Stimmen zählen in den USA gleich viel und die Republikaner sind traditionell in den „stark gewichteten“ Staaten – genau dies, nämlich stark. Ein zweiter Effekt ist der, dass nur die Zahl der gewonnen Staaten zählt. Wer also mehrere Staaten knapp gewinnt, hat einen Vorteil gegenüber jemandem, der in nur einem Staat siegt, mag der Vorsprung dort noch so hoch sein.

Update 3: Jetzt ist es „amtlich“: Texas geht an Trump, es steht 223/212 (07:08 Uhr MEZ). Einziger noch „grauer“ Staat, in dem es keine Tendenz gibt, ist Alaska mit seiner eigenen Zeitzone, aber die dort zu vergebenden Wahlmännerstimmen dürften nicht den Ausgang der Wahl entscheiden. Nur noch zwei nicht klare Staaten, in denen Biden vorne liegt gegenüber sechs, in denen es nach einem Sieg Donald Trumps aussieht.

Update 4: In Nevada hat sich der bisher einzige Wechsel von Trump zu Biden hin vollzogen, doch Nevada bringt nur 6 Wahlmännerstimmen. Bisher liegt aber nur eine Tendenz nach 51 % ausgezählten Wahlkreisen vor. Alaska zeigt hingegen die erwartete Präferenz für Trump, sodass wir derzeit auf drei offene Staaten mit Vorsprung Biden und sechs mit Vorsprung Trump kommen. Eine Verfestigung gibt es auch bei den Gesamtstimmenanteilen: 64,6 Millionen für Biden, 62,9 für Trump. Wahlmänner: 224/213.

Update 5: Die Auszählungen sind ins Stocken gekommen, es gibt seit den Siegen von Trump in Arizona und dem Turn zu Biden in Nevada keine neuen Nachrichten – und es liegt wohl daran, dass u. a. die Briefwahlstimmen noch nicht ausgezählt sind. Die Rechnung der Demokraten und der meisten politischen Kommentatoren bei uns ist, dass Biden auf diese Weise noch für einen Re-Turn in den noch offenen Swing States sorgen kann, weil man den Briefwähler*innen überwiegend zurechnet, auf demokratischer Seite zu sein. Mich würde jetzt interessieren, ob die Vermutung so stimmt: Briefwähler*innen sind wiederum überwiegend in den Städten zu Hause, wo Biden die meisten Anhänger*innen hat. Auf dem Land hingegen wird auch die Oma im Rollstuhl noch auf den Minitruck gepackt, außerdem trifft man sich ja aufgrund der weiten Entfernungen selten und ein Wahltag ist eben auch ein Happening und ein Akt der Selbstversicherung.

Wir ändern unseren Titel noch nicht und bleiben bei Updates dieses Beitrages. Eines ist jedenfalls sicher: Die Meinungforscher haben sich wieder einmal gewaltig geirrt, weil sie einen mehr oder weniger klaren Sieg für Joe Biden vorausgesagt hatten. Die großen Swing States hat bisher jedoch Trump geholt. Jetzt wird es wohl doch ein Test für die Demokratie, vor allem, wenn es tatsächlich auf dem Gerichtsweg möglich sein sollte, Auszählungen stoppen zu lassen. Bei den Wählerstimmen hat Biden mittlerweile einen Vorsprung von 2,1 Millionen, schon deshalb sollte er diese Wahl nach demokratischen Maßstäben gewinnen.

TH

Liebe Freundinnen, Freunde und andere, die den Wahlberliner lesen!

Wir hatten kürzlich geschrieben: Mindestens ein politischer Beitrag pro Tag, das muss ab November wieder. Damit war „im Durchschnitt einer pro Tag“ gemeint. Heute machen wir es uns ein wenig einfacher und klappern alles, was in der Welt passiert oder das Wichtigste (ex Terror- und sonstige Anschläge) anhand des neuesten Prütz-Schnauze-Videos ab, das gestern veröffentlicht wurde. Selbstverständlich mit einem Akzent auf die US-Wahlen, daher gelabelt als „Special“ dazu. Aber es geht, wie sollte es anders sein, auch um Corona.

Michael Prütz ist einer der Aktivisten von „Deutsche Wohnen & Co. enteignen„, somit auch profilierter Kommentator des Mietenwahnsinns in Berlin und als echter Linker auch bei anderen Themen nicht stille, sondern hat eine Meinung. Wir hören also seinen Ausfü´hungen 6 Minuten lang zu und geben dann anhand von Fragen und Antworten unsere Meinung kund.

Zuerst kommt aber der Corona-Lockdown seit gestern (02.11.2020), den Prütz als Unverschämtheit bezeichnet. Sehen wir das auch so?

Dass die Pandemie nicht durch diesen Lockdown zu ihrem Ende zu bringen sein wird, glaube ich unbedingt. Ich verfolge jeden Tag die internationalen Statistiken dazu und sehe außerhalb von Südostasien und Afrika kein Land, das die Sache im Griff hat, ganz unabhängig vom nationalen Verfahren in Sachen Corona. Schweden mit seiner Herdenimmunitätspolitik hat ebenso eine zweite Welle wie Länder, die einen scharfen Lockdown hatten. Die Neuinfektionen erreichen, auf die Welt ingesamt bezogen, immer neue Höchststände und es wäre noch schlimmer, wenn nicht in Brasilien und Indien die erste Welle langsam abflauen würde. Europa ist wieder der absolute Hotspot, wie im März und April des Jahres und sorgt für etwa die Hälfte der weltweiten Neumeldungen.

Es wird auch mehr getestet.

Vor ein paar Wochen hätte ich auch gesagt: Es liegt genau daran, dass die Zahlen gestiegen sind, aber mittlerweile kann das logischerweise nicht mehr der einzige Grund sein, denn die Zahlen steigen viel schneller, als mehr getestet wird. Sie lägen in Deutschland noch höher, wenn so viel getestet würde wie in einigen anderen Industrieländern und in Kleinstaaten, in denen es zum Teil schon vorkommt, dass die Testzahlen höher sind als die Einwohnerzahl, sprich, viele Menschen schon mehrfach getestet wurden. Bei uns ist es gegenwärtig etwa jede vierte Person, aber nur rechnerisch. Auch hier sind viele, die z. B. aus beruflichen Gründen mit Corona zu tun haben oder stärker gefährdet sind, gewiss schon mehrfach untersucht worden.

Sind die Lockdown-Maßnahmen nun sinnvoll oder nicht?

Man hat wieder diejenigen rangenommen, die sich am schlechtesten wehren können und wo es so schön vordergründig pragmatisch erscheint, Aktivismus zu zeigen. Restaurants und Kulturbetriebe müssen dicht machen. Demos sind praktischerweise auch wieder verboten. Prütz hat recht, der politische Prozess wird gestört. Die Lobbyarbeit geht hinter verschlossenen Türen ungehindert weiter, aber der Zivilprotest auf der Straße, das einzige Gegenmittel, das auch wahrgenommen wird, fällt wieder weg.

Das Einkaufen hingegen wird kaum limitiert. Noch krasser finde ich: In der Berliner BVG und anderen Betrieben des ÖPNV fahren die Menschen weiterhin wie die Sardinen in Büchsen. In Italien wird wenigstens darauf geachtet, dass die Wagen nicht mehr voll besetzt werden. Aber bei uns? Die ohnehin immer auf der letzten Rille schlingernde BVG müsste bei corona-gemäßer Handhabe die Züge kürzer takten, um das Aufkommen zu bewältigen, da ja alle weiterhin für Quatsch ungehindert unterwegs sein können. Aber woher die Wagen dafür nehmen? Und das Personal, das die Regeln überwachen soll? Das klappt schon beim Überprüfen der Maskenpflicht – nicht.

Selbstverständlich sind Betriebe, Schulen und Kitas weiterhin geöffnet, weil die Proteste einfach zu groß wären, wenn man auch sie wieder oder sie erstmals schließen würde. Nur: Wie soll unter den Umständen die Zahl der Kontakte wesentlich verringert werden?

Die Corona-Maßnahmen fallen vor allem durch ihren erheblichen Mangel an Logik auf. Man macht das am meisten Sichtbare dort, wo der geringste Widerstand erwartet wird und daran können die Systemrelevanten, die Kulturmenschen etc. sehen, welchen Stellenwert sie in dieser Gesellschaft haben und wie in der Tat viele verarscht und außerdem der politischen Teilhabe beraubt werden. Ich kenne mittlerweile auch Menschen, Selbstständige, die persönlich von Corona sowohl wirtschaftlich als auch psychisch schwer getroffen sind, weil immer rumgeeiert wird, anstatt konsequent zu handeln. Fehlt noch, dass diese Menschen sich das Virus einfangen, ohne selbst etwas falsch gemacht zu haben.

Also ganz oder gar nicht?

Ein zweiwöchiger Total-Lockdown mit weitreichender Quarantäne wäre die weitaus wirksamere Maßnahme, aber genau das traut sich die Politik nicht: Die Infektionsketten auf diese Weise zu unterbrechen. Das wäre auch leichter zu überwachen, psychologisch wäre es ebenfalls viel günstiger, Zwangsurlaub oder Homeoffice, aber eben mit klar umrissenem, kurzem Zeitraum. Dann würde allerdings der Müll nicht abgeholt, oh Graus. Bei uns absolut unmöglich, denn anstatt mal bisschen was in der Wohnung zu behalten oder zum Wertstoffhof zu fahren, würde alles neben den Tonnen abgestellt und die bescheuerte Bildzeitung würde titeln: Ja, sind wir denn Neapel? Das ist nur ein Beispiel von vielen dafür, warum Menschen nicht fähig sind, die wirklich sinnvollen Maßnahmen a.) als richtig zu erkennen, sie b.) unterstützt durch gute Kommunikation durchzuziehen und sich c.) solidarisch und anderen gegenüber rücksichtsvoll zu verhalten. Diese simple Verhaltenskette funktioniert nie, das hat man schon während des ersten Lockdowns gesehen. 10 bis 15 Prozent unserer Zeitgenoss*innen verlassen sich darauf, dass die übrigen vernünftig sind und ihr eigenes Freidrehen daher keine dramatischen Konsequenzen hat.

Nun aber zu Trump und Biden: Dieselben Inhalte, nur unterschiedlich verpackt?

Nicht ganz natürlich, aber in einer Sache liegt Prütz wieder richtig: Es wird sich nicht wesentlich etwas besser. Das hätte es auch unter Hillary Clinton, einer Falkin unter den Demokraten, das war sie schon als Außenministerin, nicht getan. Unter ihrer Ägide wären die USA sogar noch offensiver aufgetreten, wie das Vorgehen aller Präsidenten von Reagan bis Obama beweist, wobei Reagans zweite Amtszeit die friedlichste der letzten vierzig Jahre war. Trump hat wenigstens keine neuen Kriege angezettelt, das ist schon geradezu pazifistisch. Was er innenpolitisch tut – wir können es höchstens aus einer linken Position heraus generell kommentieren. Verheerend ist es gleichwohl und natürlich geht er wirtschaftspolitisch einen gefährlichen Weg. Anders ausgedrückt: Mit China hätte man sich vor zehn, fünfzehn Jahren anlegen müssen, jetzt ist es zu spät und ersatzweise die Europäer zu ärgern, die sich nie trauen, dagegenzuhalten, nur, um den starken Mann zu markieren, ist lächerlich und billig.

Sind sie alle Marionetten des Kapitals?

Ich finde es immer bemerkenswert, wenn die Mainstream-Medien jeden, der es wagt zu behaupten, dass die Mächtigen zusammenarbeiten, um noch mächtiger zu werden, als V-Theoretiker brandmarken will. Dann kann ich genauso schreiben: Diese Medien sind alle in transatlantischen Clustern eingebettet und so texten sie auch. Biden ist besser als Trump? Dieser uralte, weiße Mann? Natürlich, auf ein Mal. Warum? Weil er die konventionelle geostrategische Einflusspolitik reibungslos umsetzen wird, während man bei Trump nie wissen kann, was als Nächstes kommt, obwohl man sich schon daran gewöhnt hat, dass sein Benehmen als übel empfunden wird und den miesen Ton der Menschen untereinander nicht gerade verbessern hilft, aber auch nicht die Welt aus den Angeln hebt.

Ich kann mich gut erinnern, dass wackere linke V-Theoretiker nach der Trump-Wahl 2016 dies zu Protokoll gaben: Entweder lässt er sich einhegen, oder er wird beseitigt. Nun? Ich meine, er hat sich einhegen lassen, bis zu einem gewissen Grad jedenfalls, außerdem war er von jeher selbst durch seine Geschäfte in unzählige Abhängigkeiten vom Kapital verstrickt, das wird gerne mal vergessen. Selbst ein Kanzler Friedrich Merz wäre nicht mit Trump zu vergleichen, die wirtschaftlichen Einbindungen und Zwänge betreffend. Wir dürfen also davon ausgehen, dass das US-Kapital Trumps protektionistische(re) Wirtschaftspolitik durchaus nicht vollkommen ablehnt, nachdem die USA das Opfer ihrer eigenen Freihandelsideologie mit gewollter Asymmetrie zwischen Nord und Süd, Ost und West als Basis zu werden drohten.

Hinter Biden steht aber Kamala Harris

Durchaus möglich, dass sie übernehmen muss, wenn Biden schwächelt oder gar verstirbt. Das ist aber kein Thema für heute.

Wenigstens ein paar Sätze!

Identitätspolitiker*innen würden jubeln: Die erste nichtweiße Frau als Präsidentin! Linke Analytiker hingegen schreiben seit dem Bekanntwerden ihrer Kandidatur für das Amt der Vizepräsidentin: Vorsicht! Es gibt viele Anzeichen dafür, dass sie auch nicht wesentlich anders optieren würde als all ihre bellizistischen und dem Kapital dienlichen Vorgänger und innenpolitisch hat sie schon Hardliner-Ansätze gezeigt.

Man muss also auf Alexandria Ocasio-Cortez warten.

Das bringt mich auf Bernie Sanders, der großen Hoffnung aller Linken im Wahlkampf 2016. Nach seiner Niederlage gegen Hillary Clinton schrieben linke Analytiker, er sei nun sowieso „verbrannt“. So sehe ich es leider auch, seine Kampagne von 2020 war von vornherein zum Scheitern verurteilt. Einige sagen, es war schon 2016 so, da hätte er alle, alle Stimmen in den Vorwahlen auf sich vereinen können, das Establishment hätte ihn ausgefakt, so etwa Michael Moore in seinem Film 11/9. Warum schreibe ich das? Weil ich stark befürchte, dass es dem Sanders-Protegé Cortez ebenso ergehen wird: Anpassung oder Ende der Karriere bzw. niemals das allerhöchste Amt. Wer glaubt, das sei verschwörungstheoretisch, der soll sich bitte nicht über den Lobbyismus in Deutschland aufregen oder sogar so tun, als ob er diesen investigativ und engagiert angeht. Die Wähler*innen müssten sich diesem Spiel verweigern und endlich einen echt unabhängigen Kandidaten oder eine unabhängige Kandidatin nach vorne voten, aber das werden sie nicht tun, weil das amerikanische Wahlsystem, auf etwas abweichende Art, aber im Ergebnis ebenso wie unseres, auf die Zementierung der Verhältnisse, nicht auf deren Veränderung ausgerichtet ist.

Sind Linke also naiv, die auf Biden setzen?

Ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand, der linkes Denken verstanden hat, „auf Biden setzt“. So naiv kann man gar nicht sein. Europa muss endlich unabhängiger werden. Und die Linken dürfen sich den anderen nicht so andienen, wie die deutsche Partei Die Linke es mittlerweile tut, die übrigens eine ganz ungute Entwicklung nimmt und 2021 mit einem schlechten Ergebnis für ihre Anbiederung abgestraft werden wird. Das lässt sich schon jetzt absehen. So kann man, wie Prütz sagen würde, keinen Blumentopf gewinnen, bei Menschen, die sich wirklich eine Veränderung wünschen.

Dann eine kleine Lehrstunde in Machiavellismus – Corbyns Scheitern.

Wenn die Linke es zulässt, dass folgende Gleichung sich in der Gesellschaft komplett durchsetzt: Antizionismus = Antisemitismus = Antikapitalismus, ist sie erledigt. Und daran arbeitet die weit überwiegende Mehrheit der politischen Meinungsmacher, selbstredend unterstützt von Vertretern des Kapitals und aus sehr naheliegenden Gründen. Das Ergebnis wird sein, dass immer mehr Menschen sich rechten Parteien zuwenden. Aber bitte, wer das unbedingt einkalkuliert, der ist ein echter Machiavellist und das Kapital kann auch mit und in einer Rechtsdiktatur prima klarkommen. Gesellschaftspolitisch Ambitionierte, die diesen Spin nicht durchschauen, sind „Vollidioten“ …

Wie Prütz sich ausdrücken würde.

Genau. In Wirklichkeit wird die Form von Zensur, die dadurch entsteht, die Rechten fördern, die haben nämlich nicht diese Gewissensbisse, sondern sagen. Wem nützt es? Uns! Indem wir uns als Opfer des linken Mainstreams und seiner Meinungsdiktatur darstellen. Selbst eine Konservative wie Angela Merkel, die seit Jahren die Gesellschaft ökonomisch und sozial spalten hilft, wird dann zu diesem Mainstream gerechnet, weil es so wunderbar ins Narrativ passt: Wir gegen das Establishment. Deswegen halte ich es auch für möglich, dass Prütz‘ Prophezeiung aufgeht, also nach Biden ein noch üblerer Typ als Trump Präsident der USA wird. Im Moment weiß man nicht, wer das sein soll, aber auch Trump erschien recht kurzfristig auf dem Parkett und in seinem Umfeld gibt es wirklich knallharte Rechte. Vor allem die, die er abgesägt, gestutzt, ramponiert hat, weil sein persönlicher Narzissmus es erforderte, könnten ein politisches Revival erleben.

Was wird heute Nacht passieren, in den USA?

Prütz sagt, er hält es für möglich, dass Trump es wieder schafft. Ich sage zu Freund*innen immer, alles ist möglich. Aber mehr, um mir politische Diskussionen auf Kindergarten… sorry, auf Kita-Niveau zu ersparen oder um sie abzukürzen, als dass ich wirklich glauben würde, alles sei offen.

Ist es nicht?

Nein, ist es nicht. Das werden wir morgen sehen oder in ein paar Tagen, wenn das absurde amerikanische Wahlsystem, das gerne mal, u. a. war es 2016 so, dazu führt, dass nicht die Person ins Präsidentenamt gewählt wird, welche die meisten Stimmen erhalten hat, endgültige Ergebnisse ermöglicht.

Schlussfrage: Wann wird die Corona-Pandemie vorbei sein?

Schon seit dem ersten Lockdown kursiert im Netz so ein Witz: „Eines Tages werden wir uns in den Armen liegen und sagen: Corona, erinnerst du dich? Waren das verrückte zwölf Jahre!“ Vielleicht werden es auch nur zehn.

TH

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