Fernsehereignis 2021 in der ARD: Ferdinand von Schirach: „Feinde – Gegen die Zeit“ und „Feinde – Das Geständnis“ mit Klaus Maria Brandauer und Bjarne Mädel in den Hauptrollen | #Crimetime Vorschau 03.01.2021 #Feinde #Brandauer #Mädel #Schirach

Crimetime Vorschau - Titelfoto © ARD Degeto / Moovie GmbH, Stephan Rabold

Liebe Leser*innen,

im Rahmen unserer Rubrik #Crimetime möchten wir Sie heute wieder auf ein Fernseh-Event besonders hinweisen. Aus gleich zwei Perspektiven und im Anschluss dokumentarisch wird ein Entführungsfall dargestellt und es geht um ein großes Thema, das wir auch im Rahmen unserer Tatort- und Polizeiruf-Kritiken immer wieder besprechen: um „Gerechtigkeitsempfinden vs. Rechtsstaatlichkeit„.

Erstmals in der Geschichte des deutschen Fernsehens wird mit „Ferdinand von Schirach: Feinde“ ein Filmprojekt gleichzeitig im Ersten sowie in allen Dritten Programmen der ARD ausgestrahlt. Ein Kriminalfall – erzählt aus zwei Perspektiven.

Das Erste zeigt am Sonntag, dem 03. Januar 2021, um 20:15 Uhr, „Ferdinand von Schirach: Feinde – Gegen die Zeit“ aus der Perspektive des Ermittlers. Im Anschluss folgt eine begleitende 30-minütige Dokumentation und nach den „tagesthemen“ der zweite Film „Ferdinand von Schirach: Feinde – Das Geständnis“ aus der Perspektive des Strafverteidigers, den die Dritten Programme der ARD bereits um 20:15 Uhr ausstrahlen. Im Verlauf des Abends wird auch in den Dritten Programmen der Film „Ferdinand von Schirach: Feinde – Gegen die Zeit“ zu sehen sein.

In der ARD-Mediathek sind beide Filme und die Dokumentation sowie eine eigens erstellte 45-Minuten lange Version des Falls ebenfalls ab Sonntag, 3. Januar 2021, 20:15 Uhr zu sehen.

Die Entführung eines zwölfjährigen Mädchens wird in den beiden Filmen gleichzeitig erzählt. Der eine folgt Kommissar Peter Nadler (Bjarne Mädel) bei seinem Wettlauf gegen die Zeit, der andere folgt dem Strafverteidiger des vermeintlichen Täters, Konrad Biegler (Klaus Maria Brandauer), und lässt uns die Frage, was Recht und was gerecht ist, völlig anders erleben. Am Ende werden sich Kommissar und Verteidiger im Gerichtsprozess gegen den Verdächtigen Georg Kelz (Franz Hartwig) gegenüberstehen. Die Mittel, die Nadler fordert und einsetzt, mögen im Einzelfall unserem Gerechtigkeitsgefühl entsprechen. Aber heiligt der Zweck alle Mittel? Dürfen der Rechtsstaat und seine Vertreter alles, wenn es darum geht, Menschenleben zu retten? Oder muss das Recht immer und für alle gelten?

An der Seite von Klaus Maria Brandauer und Bjarne Mädel spielen unter Regie von Nils Willbrandt u.a. Franz Hartwig, Katharina Schlothauer, Alix Heyblom, Ulrike Kriener, Marc Hosemann, Harald Schrott, Ursina Lardi, Julia Richter, Bjarne Meisel, Anne Ratte-Polle, Neda Rahmanian, Gitta Schweighöfer, Nina Marie Wyss, Mirko Lang und Samuel Finzi.

„Ferdinand von Schirach: Feinde“ ist eine Produktion der MOOVIE GmbH im Auftrag der ARD Degeto für die ARD. Executive Producer ist Oliver Berben, Produzenten sind Jan Ehlert und Karsten Rühle. Die redaktionelle Verantwortung liegt bei Claudia Luzius, Christoph Pellander und Christine Strobl (alle ARD Degeto). Die Drehbücher stammen von Ferdinand von Schirach, Jan Ehlert und Nils Willbrandt nach einem Konzept Ferdinand von Schirachs.

(Text der betreuenden PR-Agentur)

„Feinde – Gegen die Zeit“ lautet die Perspektive des Ermittlers im vorliegenden Entführungsfall, die Sicht des Strafverteidigers kommt in „Feinde – Das Geständnis“ zur Geltung. Die Dokumentation dazu lautet: „Feinde – Recht und Gerechtigkeit“.

In „Feinde – Gegen die Zeit“ setzt der von Bjarne Mädel verkörperte Ermittler Nadler nur auf seine Intuition, um das Leben eines Kindes zu retten. Obwohl das Gesetz das Vorgehen klar regelt, übertritt er dieses massiv im Glauben, „das Richtige“ tun. Aus der Sicht des Strafverteidigers kämpft Klaus-Maria Brandauer parallel dazu in „Feinde – Das Geständnis“ voller Überzeugung für die Prinzipien des Rechtsstaats. (DWDL mit mehr Infos zum Sendeablauf und der Idee hinter dem Doppelfilm inklusive einer Dokumentation zum Thema).

Das neue Werk von Ferdinand von Schirach erinnert mich an gleich zwei Dinge: Dass ich sein im Dezember ausgestrahltes Ethik-Experiment „GOTT“ auf der Rezensionen-Prioritätenliste ziemlich oben stehen habe und daran, dass ich mich oft mit dem Thema „Gerechtigkeit vs. Rechtsstaat“ auseinandersetzen muss, wenn es um Tatorte und Polizeirufe geht. Meist gehe ich beim persönlichen Gerechtigkeitsempfinden bis zu einem gewissen Grad mit, auch, weil ich finde, dass trotz aller Verbesserung der letzten Jahre die Opfer von Gewalttaten und deren Angehörige bei der Gesamtabwägung immer noch zu kurz kommen, aber es kann auch mal sein, dass mir der Kragen platzt und ich einen Film aus rechtsethischen Gründen stark abwerte, weil er dem Rechtsstaat einen Arschtritt verpasst – so deutlich wie selten und erst vor Kurzem im Polizeiruf „Für Janina“, der beinahe meine Zuneigung zum Rostock-Team ernsthaft in Mitleidenschaft gezogen hätte. Die Kritik zu dieser Rechtsstaats-Katastrophe ist noch nicht veröffentlicht.

Wir haben ohnehin das Problem, dass in diesem „postfaktischen Zeitalter“ das subjektive Rechtsempfinden wieder mehr über ein verlässliches Normengerüst gestellt und damit die Demokratie angegriffen wird. Das manchmal gar nicht so gesunde Volksempfinden, respektive den oft fehlgeleiteten, aber vorab als „gesund“ definierten Menschenverstand als das, was „die Mehrheit der gerecht und billig Denkenden“ sich eben so denkt, gibt es als Rechtsfigur schon lange, mit allen Gefahren, die in solchen schwammigen und bezüglich ihrer möglichen Definition dem Zeitgeist unterworfenen Begriffen lauern. Andererseits, siehe oben: Opfer von Gewaltverbrechen haben nach wie vor einen unbefriedigenden Stand in unserem Rechtssystem und Urteile gerade gegenüber Gewalttäter*innen, aber auch und besonders auffällig gegen Großtäter*innen im Bereich der die Gemeinschaft schädigenden Vermögensdelikte, etwa Steuerbetrug in Milliardenhöhe, fallen oft erstaunlich milde aus, sofern überhaupt welche gesprochen werden.

Und die Vorab-Kritik zu „Feinde“ fällt wie aus? Viele meiner Lieblingsquellen haben noch nichts geschrieben, weil der Film zu weit voraus liegt, aber „TV Spielfilm“ hält den Daumen hoch und bescheinigt dem Film sowohl Anspruch als auch Spannung, ebenso tendiert „TV Today“ bezüglich dieses „TV-Krimidramas“, das ursprünglich wohl „Der Feind“ heißen und schon etwas früher ausgestrahlt werden sollte. In der Besetzungsliste finden sich viele Darsteller*innen, die für eine überzeugende schauspielerische Qualität des Films stehen, allen voran natürlich Klaus Maria Brandauer, den man nicht so häufig in Fernsehfilmen sieht, wie ich es mir wünschen würde.

Das Recht und die Gerechtigkeit – so spannend für mich wie kaum ein anderer Gegenstand, weil er ein Metathema in jeder Epoche war, essenziell überall auf der Welt ist und man an ihm nicht nur strafrechtlich, sondern auch wirtschafts- und sozialpolitisch sein eigenes Mindset, sein Normenkorsett; die politische Persona und Leitlinien für die Alltagsgestaltung entwickeln kann. Wir haben in unserem Twitter-Account aus Gründen das Hashtag #Justice im Profil und meinen es in einem ganz umfassenden, an den für uns unabdingbaren Menschenrechten mit der Menschenwürde als Kern ausgerichteten Sinne. Auch die heutigen Anforderungen bezüglich der Erhaltung unserer Lebensgrundlage lassen sich ohne Weiteres darunter subsumieren. Ganz klar, wir sind dabei, am 3. Januar, und werden über „Feinde“ schreiben.

TH

RolleDarsteller
Konrad BieglerKlaus Maria Brandauer
Peter NadlerBjarne Mädel
Georg KelzFranz Hartwig
Judith LanskyKatharina Schlothauer
Lisa von BodeAlix Heyblom
Frau von BodeUrsina Lardi
Herr von BodeHarald Schrott
VorsitzendeAnne Ratte-Polle
Staatsanwältin BentrockNeda Rahmanian
Ben von BodeBjarne Meisel
Frau NadlerJulia Richter
PolizeipräsidentinGitta Schweighöfer
Salomon WeiderMarc Hosemann
Junger PostboteLinus Müller
Assistentin von BodeNina Maria Wyss
WachmannMirko Lang
Gerichtsmediziner Dr. DeisslerJulischka Eichel
Dr. Robert BentheimerSamuel Finzi
Elly BieglerUlrike Kriener
Alter PostboteFritz Roth
Assistentin BieglerMarlen Ulonska
Anwalt Kanzlei BieglerCristin König
FunktionsbereichName des Stabmitglieds
Musik:Richard Ruzicka
Kamera:Sebastian Edschmid
Buch:Jan Ehlert
Nils Willbrandt
Ferdinand von Schirach
Regie:Nils Willbrandt

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