Sherlock Holmes‘ cleverer Bruder (The Adventures of Sherlock Holmes‘ Smarter Brother, USA 1975) #Filmfest 315

Filmfest 315 A

Parodie einer Parodie?

Den einen oder anderen Film von Gene Wilder kenne ich, „Die Frau in Rot“ war 1984 ein Initiationfilm, wenn man so will, ich habe ihn aber, glaube ich, nicht im Kino gesehen. Es handelte sich bei dieser Komödie um Popcorn-Kino, bereits typisch 1980er, aber mir gefiel’s ganz gut – auch wegen der Frau in Rot natürlich. Gene Wilder hat bei jenem Werk auch Regie geführt und einen großen Erfolg an der Kinokasse erzielt. Wie nun mit seinem Regiedebüt neun Jahre zuvor? Wir klären auf in der -> Rezension.

Handlung (1)

London im Jahr 1891: Außenminister Lord Redcliff (John Le Mesurier) erhält zufällig ein Dokument unbekannten Inhalts von Königin Victoria. Allerdings wird es in der Nacht aus seinem Safe gestohlen.

Sherlock Holmes (Douglas Wilmer) und Dr. Watson (Thorley Walters) tauschen sich über den Fall aus. Der berühmte Detektiv setzt seinen Partner in Kenntnis, dass er sich eine Weile zurückziehen wolle und Fälle an seinen jüngeren Bruder Sigerson (Gene Wilder) delegieren werde. Dieser befindet sich seit jeher im Schatten seines bekannten Bruders und ringt vergeblich um Anerkennung. Sherlock Holmes übergibt den Fall seinem Bruder aber nicht selbst, sondern trifft sich an einem Bahnhof mit Sgt. Orville Stanley Sacker (Marty Feldman) von Scotland Yard, der zufällig ein Fan von Sigersons Werk ist.

Sacker begibt sich zu Sigersons Wohnung, wo sich dieser in Fechten und Schwertkampf übt. Sigerson offenbart gegenüber dem Scotland-Yard-Mitarbeiter seine Bitterkeit und seinen Groll, dass er bislang ergebnislos den Erfolg seine Bruders zu wiederholen versuchte und bezeichnet diesen sinngemäß als reines Glückskind. Direkt im Anschluss an diesen emotionalen Ausbruch erscheint eine Frau (Madeline Kahn), die sich als „Bessie Bellwood“ ausgibt. Sigerson Holmes indes durchschaut sie als Lügnerin und stellt sie bloß – mit seinem Wissen über Bellwoods Repertoire und der Tatsache ihres Todes im Jahr 1879. Die Frau offenbart sich schließlich als die Sängerin Jenny Hill, eine Music-Hall-Sängerin, die eigener Ansicht zufolge von dem Opernsänger Eduardo Gambetti (Dom DeLuise) aufgrund eines amourösen Briefs erpresst. Das Zusammentreffen der Drei wird indes bemerkt – von einem Handlanger des mathematisch orientierungslosen Professor Moriarty (Leo McKern), der über diese Zusammenkunft in Kenntnis gesetzt wird.

Sigerson Holmes besucht eine Music-Hall-Aufführung Jenny Hills und rettet sie vor einem Attentäter, indem er sich zum Teil der Darstellung macht und Hill durch eine Musicalnummer führt. Später auf dem Heimweg rettet der Detektiv sie noch einmal, als sie von zwei Hansom Cabs bzw. deren Fahrern bedroht wird. In den Medien wird die Heldentat jedoch Sherlock Holmes zugeschrieben, was Sigerson Holmes die Laune verdirbt.

Jenny Hill lädt Sigerson am nächsten Tag in ihre Garderobe ein, wo er sie verführt und – über das erotische Abenteuer hinaus – auch weitere Informationen zur Lösung des Falls erhält: Hill, die angeblich die Tochter des Außenministers Lord Redcliff ist, hat das Dokument Königin Victorias aus Redcliffs Safe gestohlen. Sigerson Holmes trifft sich daraufhin mit Redcliff, der dem Fall eine neue Wendung gibt – denn Jenny Hill ist nicht seine Tochter, sondern seine Verlobte.

Schließlich führt den Detektiv eine Spur zu Eduardo Gambetti, der sich mit Professor Moriarty darauf geeinigt hat, diesem das mittlerweile in seinem Besitz befindliche Dokument für 50.000 Britische Pfund zu veräußern. Die Übergabe des Dokuments solle, so der misstrauische Gambetti, während des Debüts seiner Oper stattfinden, damit er mit ausreichend Zeit das Geld sicher einzahlen kann. Sigerson Holmes und Orville Stanley Sacker dringen in die Oper ein, wo bald ein Chaos ausbricht. Beim Klimax treffen Sigerson Holmes und Professor Moriarty hinter der Bühne aufeinander und gegeneinander im Schwertkampf an. Ihr Duell führt sie auf einen Vorsprung auf der Außenseite der Oper, wo Professor Moriarty erklärt, dass Sherlock Holmes aufgrund seiner Fähigkeit, die Züge seiner Gegner „zwei bis drei Schritte voraus“ zu sehen, der berühmtere sei. In die Ecke gedrängt und in Todesgefahr übergibt Sigerson Holmes augenscheinlich den Brief Königin Victorias, doch aufgrund der Erschütterungen einer Glocke stürzt Professor Moriarty selbst zu Tode. Das überreichte Dokument indes war nur eine Attrappe und Sigerson Holmes hat das Original so hinterlegt, dass es von Sherlock gefunden wird.

In der abschließenden Szene ist Sigerson Holmes auf dem Weg zu Jenny Hills Hochzeit mit Lord Redcliff. Er kommt allerdings nicht bis zur Kirche, sondern hält in einem Park inne, da dort auf einer Parkbank die Braut auf ihn wartet.

2020-08-14 Filmfest ARezension

Der britische Außenminister im Jahr 1891 war Robert Gascoyne-Cecil, 3. Marquess of Salisbury und vermutlich hat Queen Victoria nicht die Vorlage für Horst Schimanski gegeben und „Scheiße!“ gesagt. 

Ich habe vor ein paar Monaten die meisten der Sherlock-Holmes-Filme mit Basil Rathbone in der Titelrolle rezensiert, lediglich diejenigen mit Bezug zum Zweiten Weltkrieg hat der ausstrahlende Privatsender nicht gezeigt, das lässt sich aber im Internat nachholen. Das wäre die Gelegenheit, ein kleines Special zu starten und diesen ca. 30-35 Jahre später entstandenen Film voranzustellen. Zunächst aber mehr zu „Sherlock Holmes‘ cleverer Bruder“, es steht in der -> Rezension.

Handlung (1)

London im Jahr 1891: Außenminister Lord Redcliff (John Le Mesurier) erhält zufällig ein Dokument unbekannten Inhalts von Königin Victoria. Allerdings wird es in der Nacht aus seinem Safe gestohlen.

Sherlock Holmes (Douglas Wilmer) und Dr. Watson (Thorley Walters) tauschen sich über den Fall aus. Der berühmte Detektiv setzt seinen Partner in Kenntnis, dass er sich eine Weile zurückziehen wolle und Fälle an seinen jüngeren Bruder Sigerson (Gene Wilder) delegieren werde. Dieser befindet sich seit jeher im Schatten seines bekannten Bruders und ringt vergeblich um Anerkennung. Sherlock Holmes übergibt den Fall seinem Bruder aber nicht selbst, sondern trifft sich an einem Bahnhof mit Sgt. Orville Stanley Sacker (Marty Feldman) von Scotland Yard, der zufällig ein Fan von Sigersons Werk ist.

Sacker begibt sich zu Sigersons Wohnung, wo sich dieser in Fechten und Schwertkampf übt. Sigerson offenbart gegenüber dem Scotland-Yard-Mitarbeiter seine Bitterkeit und seinen Groll, dass er bislang ergebnislos den Erfolg seine Bruders zu wiederholen versuchte und bezeichnet diesen sinngemäß als reines Glückskind. Direkt im Anschluss an diesen emotionalen Ausbruch erscheint eine Frau (Madeline Kahn), die sich als „Bessie Bellwood“ ausgibt. Sigerson Holmes indes durchschaut sie als Lügnerin und stellt sie bloß – mit seinem Wissen über Bellwoods Repertoire und der Tatsache ihres Todes im Jahr 1879. Die Frau offenbart sich schließlich als die Sängerin Jenny Hill, eine Music-Hall-Sängerin, die eigener Ansicht zufolge von dem Opernsänger Eduardo Gambetti (Dom DeLuise) aufgrund eines amourösen Briefs erpresst. Das Zusammentreffen der Drei wird indes bemerkt – von einem Handlanger des mathematisch orientierungslosen Professor Moriarty (Leo McKern), der über diese Zusammenkunft in Kenntnis gesetzt wird.

Sigerson Holmes besucht eine Music-Hall-Aufführung Jenny Hills und rettet sie vor einem Attentäter, indem er sich zum Teil der Darstellung macht und Hill durch eine Musicalnummer führt. Später auf dem Heimweg rettet der Detektiv sie noch einmal, als sie von zwei Hansom Cabs bzw. deren Fahrern bedroht wird. In den Medien wird die Heldentat jedoch Sherlock Holmes zugeschrieben, was Sigerson Holmes die Laune verdirbt.

Jenny Hill lädt Sigerson am nächsten Tag in ihre Garderobe ein, wo er sie verführt und – über das erotische Abenteuer hinaus – auch weitere Informationen zur Lösung des Falls erhält: Hill, die angeblich die Tochter des Außenministers Lord Redcliff ist, hat das Dokument Königin Victorias aus Redcliffs Safe gestohlen. Sigerson Holmes trifft sich daraufhin mit Redcliff, der dem Fall eine neue Wendung gibt – denn Jenny Hill ist nicht seine Tochter, sondern seine Verlobte.

Schließlich führt den Detektiv eine Spur zu Eduardo Gambetti, der sich mit Professor Moriarty darauf geeinigt hat, diesem das mittlerweile in seinem Besitz befindliche Dokument für 50.000 Britische Pfund zu veräußern. Die Übergabe des Dokuments solle, so der misstrauische Gambetti, während des Debüts seiner Oper stattfinden, damit er mit ausreichend Zeit das Geld sicher einzahlen kann. Sigerson Holmes und Orville Stanley Sacker dringen in die Oper ein, wo bald ein Chaos ausbricht. Beim Klimax treffen Sigerson Holmes und Professor Moriarty hinter der Bühne aufeinander und gegeneinander im Schwertkampf an. Ihr Duell führt sie auf einen Vorsprung auf der Außenseite der Oper, wo Professor Moriarty erklärt, dass Sherlock Holmes aufgrund seiner Fähigkeit, die Züge seiner Gegner „zwei bis drei Schritte voraus“ zu sehen, der berühmtere sei. In die Ecke gedrängt und in Todesgefahr übergibt Sigerson Holmes augenscheinlich den Brief Königin Victorias, doch aufgrund der Erschütterungen einer Glocke stürzt Professor Moriarty selbst zu Tode. Das überreichte Dokument indes war nur eine Attrappe und Sigerson Holmes hat das Original so hinterlegt, dass es von Sherlock gefunden wird.

In der abschließenden Szene ist Sigerson Holmes auf dem Weg zu Jenny Hills Hochzeit mit Lord Redcliff. Er kommt allerdings nicht bis zur Kirche, sondern hält in einem Park inne, da dort auf einer Parkbank die Braut auf ihn wartet.

Rezension

Nicht alle der kultigen Filme aus den 1940ern sind herausragend, beim allerletzten, dem mit den Spieldosen, bin ich mehrmals eingeschlafen, erst im ca. 5. Anlauf habe ich dieses kaum mehr als 60-minütige Werk geschafft, nachdem es eine Art von Restant auf dem Media-Receiver geworden war.

Also hatte sich Gene Wilder wohl gedacht: Das geht besser und vorausschauend bereits im Jahr 1975 eine Parodie auf Sherlock Holmes gedreht. Allerdings sieht man diesen kaum, denn es geht um seinen cleveren, jüngeren Bruder. Dieser wird natürlich von Gene Wilder gespielt. Aus Gründen möchte ich zunächst die Kritiken zitieren, die in der Wikipedia zitiert werden:

„Groteske Persiflage auf den berühmten Conan-Doyle-Detektiv und Kriminalfilme überhaupt. Insgesamt nicht sehr einfallsreich und nur streckenweise vergnüglich.“ – Lexikon des internationalen Films[2]

„[…] [Gene Wilders] Regiedebüt erweist sich als reichlich mißlungen. Allein der Ansatz, eine in sich schon parodistisch veranlagte Figur wie Sherlock Holmes zwar nicht direkt, aber mittels des jüngeren Bruders noch ein weiteres Mal zu parodieren, mußte scheitern. An keiner Stelle kann gelacht werden. In eitler Selbstüberschätzung hat Wilder ein wahrlich konfuses Werk gedreht, ohne Rücksicht auf die (eigene) Story oder die Mitspieler, die allesamt ziemlich verloren durch den Film tapsen.“– Meinolf Zurhorst, Lexikon des Kriminalfilms (1993)[3]

Nun ja. Als ich den Film aufgezeichnet habe, bin ich davon ausgegangen, Sherlock Holmes als Kultfigur und ARTE als Sender, der das Werk in die Wohnzimmer bringt, das wird schon passen. Damals hatte ich noch kein Empfehlungsmanagement anhand bisheriger Bewertungen, Community-Bewertungen und vorgemerkter Filme und auch dieser Film war ein Ladenhüter auf dem Media Receiver, weil ich mal ein paar Minuten lang reingeschaut hatte und der Verdacht in mir aufkam, dass zumindest der Anfang eher nervig als witzig sein könnte. Leider bestätigte sich dies nun, da ich mich aufraffte, mir die gesamten 91 Minuten anzuschauen, die mir wie mindestens zwei Stunden vorkamen.

Ich mag überdrehte Komik, wenn sie von den Marx Brothers oder den Monty Pythons kommt, die Wilder sich offenbar zum Vorbild genommen hatte, denn sie waren Mitte der 1970er bereits berühmt und gingen gerade zu Langspielfilmen über. Allerdings hatte Wilder noch nicht den gut geplotteten „Das Leben des Brian“ zur Verfügung, um sich darüber zu vertiefen, wie man Slapstick und Handlung so austariert, dass dabei ein einigermaßen runder Film herauskommt. Dass dies der Fall sei, kann man von „Sherlock Holmes‘ cleverer Bruder“ leider nicht behaupten, der Film ist zerfahren und alles andere als clever inszeniert.

Ein Problem ist tatsächlich, dass darüber hinaus manche Gags nicht funktionieren, weil sie überdehnt sind oder nicht im richtigen Moment kommen und weil es zu viele gibt. Zu viele in Relation zu ihrer Qualität, präziser geschrieben. Im Verlauf gelang mir doch hin und wieder ein Lacher, aber beim Schreiben einer Rezension weiß ich dies durchaus zu deuten: Ich kann wirklich über den größten Quatsch lachen, womit ich nicht die besten, sondern auch die miesesten Gags meine – jene, die schon wieder gut sind, weil sie so schlecht sind. Ich kann auch über den kleinen Comic Relief in Krimis und dergleichen – einfach so. Es hat wenig zu Bedeutung, wenn es um die Qualität einer Komödie geht oder nur insofern, dass ich bei einer wirklich guten außer Atem komme. Davon war ich beim Anschauen der Sherlock-Holmes-Parodie von Gene Wilder weit entfernt.

„Die Frau in Rot“ erhält mit 6/10 sogar einen Zehntelpunkt weniger von den Nutzern der IMDb als der Sherlock-Holmes-Familienableger, vermutlich hat man stark zwischen dem Film an sich und dem oscarprämierten Song „I Just Call to Say I love You“ von Stevie Wonder getrennt, der damals ein Megahit war und den man als Evergreen bezeichnen kann. Ich sehe die Relation zwischen dem Holmes-Film und dem mit der Frau mit dem tollen Kleid etwas anders, weil Letzterer immerhin eine halbwegs sinnvolle Handlung hat, wenn auch keine außergewöhnlich gute, und nicht so überladen ist.

Finale

Ich glaube schon, dass man Sherlock Holmes auch parodieren kann. Wenn ich mich an den Filmen mit Basil Rathbone orientiere und an den wenigen Holmes-Geschichten, die ich gelesen habe, ist er so kombinationsbegabt, so skilful als Ermittler und hat mit Dr. Watson, der auch als Narrator fungiert (in den Geschichten, nicht in der erwähnten Filmreihe) eine Figur mit Potenzial zur Komik. Aber Holmes als eine Parodie auf einen Detektiv zu bezeichnen, verkennt nach meiner Ansicht ein wenig, dass in der Blütezeit der englischen Kriminalgeschichten viele Detektive eine beinahe überirdische Kombinationsgabe hatten und begnadete Autor*innen sie schlüssig wiedergeben konnten.

Heute empfindet man die geistige Überlegenheit dieser Figuren auch deshalb als etwas komisch, weil wir alle davon ausgehen, dass niemand mehr den Überblick hat und dass einfache Deutungsmuster ein hilfloser Versuch sind, Ordnung ins Chaos zu bringen – dementsprechend werden guru-artige Typen, gleich welcher Profession, in Filmen mittlerweile etwas schrullig dargestellt und tatsächlich ansatzweise oder komplett persifliert. Das war aber nicht die Geisteshaltung an der Wende zum zwanzigsten Jahrhundert, die man als besonders konstruktivistisch und vom Glauben an Logik, Wissenschaft und techischen ebenso wie sozialen Fortschritt geprägt bezeichnen kann. Doch, man kann Holmes parodieren, aber ich stimme zu, das ist Gene Wilder nicht gelungen. Dadurch kommt es zur  zweitniedrigsten Bewertung, die ich bisher im Rahmen des Filmfests vergeben habe.

46/100

© 2020 Der Wahlberliner, Thomas Hocke

(1) Wikipedia

Regie Gene Wilder
Drehbuch Gene Wilder
Produktion Richard A. Roth
Musik John Morris
Kamera Gerry Fisher
Schnitt Jim Clark
Besetzung






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