Hetzjagd – Tatort 1156 #Crimetime Vorschau #Tatort #Ludwigshafen #Odenthal #Stern #SWR #Hetzjagd

Crimetime Vorschau - Titelfoto © SWR, Jacqueline Krause-Burberg

Corona holt alle ein, aber wissen wir noch, was nicht so lange zuvor geschah?

„Die SWR-Produktion „Hetzjagd“ entstand teilweise unter strengen Hygieneauflagen in der Zeit der Corona-Pandemie 2020, weswegen die Figuren in einigen Szenen einen unnatürlich wirkenden Abstand zueinander halten. Die Erstausstrahlung der Tatort-Folge 1156 ist für Sonntag, den 14. Februar 2021 um 20.15 Uhr im Ersten geplant“, schreibt die Redaktion von „Tatort-Fans“, und: „Wie bei vielen anderen Tatort-Episoden mussten auch die Dreharbeiten zum Ludwigshafener Tatort „Hetzjagd“ unterbrochen werden, als sich im Frühjahr 2020 der Corona-Virus in Deutschland verbreitete. Erst am 23. Juni 2020 konnte weitergefilmt werden, dadurch tragen die Bäume in einigen Szenen noch Knospen, in anderen sind sie voll belaubt. (…) Weil es einige Filmszenen, die im Sommer unter strengen Hygieneregeln aufgenommen wurden, dramaturgisch oder logistisch erforderten, dass die Darsteller nah zusammenkamen, mussten diese anschließend sieben Tage in Quarantäne verbleiben und sich einem Corona-Test unterziehen.

Es ist natürlich sehr ärgerlich, dass Corona die Arbeiten an einem Film unterbrochen hat, der sicher auch ein Herzensanliegen von Ulrike Folkerts war und den Begriff „Hetzjagd“ aufgreift, der im Zusammenhang mit Vorkommnissen in der Stadt Chemnitz im August 2018 bundesweit „trendete“. Ob die Hetzjagd immer so wörtlich stattfinden muss wie damals in Sachsen oder ob es darum geht, Menschen auf schwarze Listen zu stellen und Angriffe auf sie auf verschiedene Weise sogar langfristig zu planen – das Ergebnis ist, rechter Terror ist ein wichtiges Thema. Für mich war es vor Corona das Wichtigste nach der Klimakrise und, auf Stadtebene betrachtet, nach der Wohnungspolitik.

Corona stört aber nicht nur unsere Wahrnehmung, sorgt für eine massive Unbehaglichkeit und macht viele von uns auf die eine oder andere Weise krank, sondern verschiebt auch die Prioritäten so massiv, dass wir gerade weitere, wertvolle Zeit verlieren, die für die Erzielung von Fortschritten auf anderen Gebieten als der Pandemiebekämpfung gebraucht worden wäre. Nicht alles verlieren alles aus dem Blick, das merke ich in Berlin immer wieder. Aber es wird schwierig, Aufmerksamkeit zu erzielen und die Idee, dass Corona und näher zusammenrücken lassen könnte, hat sich inzwischen als eine falsche Hoffnung herausgestellt. Das hat nichts mit dem Physical Distancing zu tun, sondern mit unserer Unfähigkeit, über den Tellerrand zu schauen, denn es geht um Solidarität und die wird mindestens überlagert durch die freidrehenden Covidioten.

Das heißt auch: Themen-Tatorte, in denen es darum geht, welche Art von Gesellschaft wir sein wollen, solange wir die freie Wahl haben, erreichen uns im Moment nicht so leicht, obwohl Krimis boomen wie lange nicht mehr. Auch Tatorte erreichen mittlerweile bei ihren Premieren locker mehr als 10 Millionen Zuschauer, bis 2019 galten 8 bis 9 Millionen als das (mittlere) Maß. Wenn man will, kann man es in diesem Sinne deuten, dass eine der beiden Stimmen aus der Redaktion von „Tatort-Fans“ nur auf 2/5 Punkte für „Hetzjagd“ geht und meint, an dem Film fühle sich nichts richtig an. Dieses Empfinden hatten allerdings viele Tatort-Fans bezüglich neuerer Odenthal-Filme schon vor Corona. Der andere Redakteur vergibt 3/5 und findet den Film demgemäß okay. Kein verlorener Abend, wenn auch nicht hochgradig spannend. Und wie wird der Film von den übrigen Kritiker*innen bewertet, deren Meinung wir für unsere Vorschauen regelmäßig checken?

„Lena allein gegen den Verfassungsschutz“ oder „Der eine geht joggen, der andere morden“, heißt es im SWR3-Tatortcheck. Die Eigenwerbung des SWR, die wir unten abgebildet haben, finden die Kritiker aus dem eigenen Haus irreführend:

„Hört sich spannend an, ist es aber nicht. Alles was passiert, ist irgendwie vorhersehbar. Von unglaubwürdig möchte ich nicht sprechen, als sich die zwei Freundinnen der Protagonisten zufällig treffen. (…) Kopfschüttelnd aber habe ich den Schluss geschaut. Oder sagen wir besser, den Schluss und den Schluss nach dem Schluss. Messer im Rücken mit Telefonkonferenz und Last-Second-Rache-Retterin Lena, das ist so unglaubwürdig, dass es für mich fast schon komisch ist. Und das war bestimmt nicht gewollt.“

So kommt es, dass Brigitte Egelhaaf vom SWR-Check für ein Produkt aus dem eigenen Haus nur 2 von fünf Elchen vergibt. Auch höre ich nicht zum ersten Mal im Zusammenhang mit den Odenthal-Filmen der letzten Jahre: „unfreiwillig komisch“. Die Impro-LU-Krimis hingegen, die ich wirklich komisch fand, wenn auch in einem Fall exploitativ, die wurden von den meisten Fans als gar nicht witzig wahrgenommen. Irgendwie „ist nichts richtig“.

„Rechte Gewalt als Geschmacksfrage. Fascho-Bubis und Nazi-Bräute: Der Odenthal-»Tatort« soll rechte Gewalt thematisieren, menschelt aber ins Leere. Und das auch noch kurz nach dem Urteil zum Mordfall Lübcke und vor dem Hanau-Gedenktag“, schreibt Christian Buß im Spiegel und kommt nach vielem, was bemängelt, auf ein Fazit von erschreckenden 2/10 Punkten. Gut möglich, dass der 74. Odenthal-Krimi weder ein Kritiker- noch ein Publikumstatort wird. Es ist bis jetzt nur ein Gefühl, aber komplett täusche ich mich nach mittlerweile fast 1000 veröffentlichen Crimetime-Rezension und einigen weiteren, die noch im Archiv lagern, selten, wenn ich das lese, was andere vorab schreiben und woran sie sich im Einzelnen stören. Wenn es dabei nicht um Ansichten in Sachen Kunst oder politische Meinungen geht, sondern es in Richtung „schlecht gemacht“ tendiert, zieht sich das meist wie in roter Faden bis in die Nach-dem-Film-Bewertungen auf der Plattform „Tatort-Fundus“.

Volker Bergmeister äußert sich in „Tittelbach TV“ so: Ein ‚linker‘ Konzertveranstalter wird zum Hassobjekt eines Rechtsextremisten, kurz darauf ist er tot – erschossen. Im neuen Ludwigshafen-„Tatort – Hetzjagd“ (SWR) tauchen Lena Odenthal und Johanna Stern ins rechte Milieu ein, bekommen unerwünschte Unterstützung durch den Verfassungsschutz und begeben sich auf die Suche nach zwei jungen Frauen: die Freundin des Opfers und die des vermeintlichen Mörders. Ein eher durchschnittlicher Krimi. Stamm-Regisseur Thomas Bohn will mit seiner Geschichte einmal mehr ganz groß hinaus. Filmisch bleibt das Ganze eher bescheiden. Und Musiker Clueso hat einen Kurzauftritt.“

Diesen Kurzauftritt wollen wir ja nicht unter den Tisch fallen lassen. 3,5/6 sind für Tittelbach-TV fast so schlecht wie 2/10 bei Christian Buß, meist kommen die eher wohlwollenden Autoren von Tittelbach-TV auf 4/6 oder mehr, wenn es um Tatorte geht. Mittlerweile vermute ich, dass dort ähnlich verfahren wird wie bei uns: Man geht selten unter eine Wertung, die 5/10 entspricht, weil man prinzipiell das Forma als wertvoll ansieht und über das Format hinaus wertet. Es muss also auf der Messlatte nach unten noch Platz bleiben für richtig schlechtes Fernsehen, das es in Tatorten gar nicht zu beklagen gibt. Das sehe ich trotz einiger Episoden, die mittlerweile unter 5/10 landeten und trotz der oben erwähnten Erfahrung immer noch ähnlich.

Schwächere Zahlen sind in erster Linie (rechts-) politisch bedingten Sonder-Minuspunkten, nicht mangelhafter technischer, dramaturgischer oder schauspielerischer Qualität der Filme geschuldet. Es gibt eben Dinge, wie etwa das in voller Überzeugung vorgenommene Fälschen von Beweismitteln zwecks Herstellung von Gerechtigkeit nach dem persönlichen Gusto von Ermittlerpersonen, das ich in Tatorten oder Polizeirufen nicht sehen und schon gar nicht als gerechtfertigt dargestellt haben möchte. So weit ist die wackere Lena Odenthal zum Glück nie gegangen und ich mag auch die aktive Rolle, die ihre Darstellerin im politischen Diskurs einnimmt. Dies war nun ein Exkurs, aber es geht ja auch in diesem 1156. Tatort wieder um Politik. Dazu gehört auch, dass der Verfassungsschutz mal wieder die Kommissar*innen nervt – aber in den Zeiten der Hetzjagd ist ja nun auch für jeden offensichtlich geworden, dass der Verfassungsschutz der Verfassung nicht allzu selten einen Bärendienst erweist, sei es mit seinem Handeln im Allgemeinen oder mit Menschen wie Hans-Georg Maaßen an dessen Spitze.

Aufgrund des Exkurses und der damit erzeugten zusätzlichen Wörter gibt es heute keine „fünfte Meinung“, sondern es folgt Ende der Vorschau mit den üblichen Infos zu Handlung, Stab und Besetzung.

TH

Handlung

Als der engagierte „Rock gegen Rechts“-Konzertveranstalter Tillmann Meinecke erschossen aufgefunden wird, liegt der Verdacht eines Anschlags auf der Hand. Meinecke sah sich von der rechtsextremen Szene bedroht und hatte, auch bei Lena Odenthal, Polizeischutz beantragt. Sein Tod löst eine Fahndung aus, der Ludger Reents ins Netz geht. Reents erschießt bei einer Polizeikontrolle Polizeioberkommissarin Katja Winter und wird verhaftet, während seine Freundin Hedwig Jörges fliehen kann. Reents ist Mitglied einer rechtsextremen Organisation. Er hatte Meinecke tatsächlich im Visier und war zur Tatzeit am Tatort, was er auch einräumt. Trotzdem streitet er vehement ab, den Mord verübt zu haben.

Unterstützt vom Verfassungsschutz prüfen Lena Odenthal und Johanna Stern Meineckes Umfeld. Meineckes Freundin Maria und deren Mutter werden über die Umstände der Tat befragt. Maria ist überzeugt von der Anschlagsthese und steht unter Schock. Sie überwirft sich mit ihrer Mutter, die aus ihrer Abneigung gegen Meinecke keinen Hehl macht.

Als Maria durch das nächtliche Ludwigshafen streift, kreuzt sich ihr Weg mit dem der flüchtigen Hedwig. Die beiden wissen nichts voneinander, fühlen sich in dieser Nacht verloren, und so entsteht ein unerwarteter Moment der Gemeinschaft zwischen ihnen.

Besetzung und Stab

Rolle Darsteller
Lena Odenthal Ulrike Folkerts
Johanna Stern Lisa Bitter
Peter Becker Peter Espeloer
Edith Keller Annalena Schmidt
Polizistin Katja Winter Petra Mott
Maria Karich Anna Herrmann
Hedwig Joerges Anne-Marie Lux
Julia Karich Valerie Niehaus
Thomas Leonhardt Oliver Stritzel
Musik: Hans Franek
Kamera: Cornelia Janssen
Buch: Tom Bohn
Regie: Tom Bohn

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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