Elvis – That’s The Way It Is (USA 1970) #Filmfest 595

Filmfest 595 Dokumentation

Elvis – That’s the Way It Is ist der Titel einer Filmdokumentation über eine Konzertreihe, die Elvis Presley im August 1970 in Las Vegas gab. Der Film wurde am 11. November 1970 veröffentlicht.

Acht Jahre lang hatte Elvis Presley keine Live-Konzerte mehr gegeben, bevor er in Las Vegas für eine Reihe von Auftritten unterschrieb. Sie sollten der Auftakt zu einer ununterbrochenen Reihe von Vorstellungen werden, die mit seinem frühen Tod im Jahr 1977 endeten. „That’s The Way It Is“ stellt keine Dokumentation über das Leben von Elvis Presley dar, über dessen Privates bis heute recht wenig bekannt ist, sondern zeigt uns den Auftakt zu allem mit Songs aus den sechs Konzerten, die Presley im August 1970 im Hotel Intrnational in Las Vegas gab. Wir schreiben noch ein wenig darüber in der –> Rezension.

Handlung

Der Film ist inhaltlich in zwei Teile geteilt. Im ersten Teil gibt der Film eine halbe Stunde Einblick in die Proben, zuerst in Los Angeles, dann in Las Vegas. Anschließend werden eine Stunde lang Stücke aus den ersten sechs Konzerten des Las-Vegas-Gastspiels gezeigt. Die Stimmung bei den Proben scheint locker gewesen zu sein und Presley war sichtbar froh, wieder zu musizieren. Er trägt normale zeittypische Kleidung und unfrisierte Haare.

Presley scheint auf dem Höhepunkt seines künstlerischen Schaffens als Live-Entertainer zu sein. Er präsentiert alte und neue Lieder, die Bandbreite reicht von frühen Rock-’n’-Roll-Hits über getragene Balladen. Die Songs werden schneller gespielt, als sie im Studio aufgenommen wurden, und Presley zeigt die für ihn typische Bühnenshow mit kreisenden Hüften und Karateeinlagen.

Immer wieder wird das Publikum gezeigt, in dem auch viele Prominente, unter anderem Cary Grant (in seinem letzten Filmauftritt), Sammy Davis Jr. und George Hamilton saßen. Gerade die ekstatische Reaktion des weiblichen Publikums zeigt, dass Presley trotz der Jahre in Hollywood, in denen er keine Konzerte gegeben hatte, nichts von seiner Wirkung auf das Live-Publikum eingebüßt hatte.

Rezension

Ich hatte nach einiger Zeit die Befürchtung, der gesamte Film könnte möglicherweise aus Proben bestehen, die zeigen, was für ein netter, lockerer Typ „The King“ ist. Das ist auch schön anzusehen, aber wie er und seine Band und zum Ende des ersten Teils hin auch eine männliche und eine weibliche Gesangsgruppe sich auf die Konzerte vorbereiten, das ist doch eher etwas für Fachleute, die aus dem, was sie sehen, tatsächlich Rückschlüsse ziehen können auf die Art, wie es Elvis‘ Performances vor Publikum kam und wie die Songs eingespielt wurden, die er interpretierte wie kein anderer.

Und das tat er dann in einer von Highlights gefüllten Zusammenfassung aus den sechs Konzerten. Dass es sich um unterschiedliche Vorstellungen handelt, erkennt man in dem sehr sanft und flüssig geschnittenen Film am besten an seinen immer leicht voneinander abweichenden Show-Anzügen. Sie waren damals alle weiß, noch nicht ganz so glitzernd wie ein paar Jahre später, aber mit verschiedenen Applikationen verziert. Dabei kam Presley zugute, dass er zu der Zeit noch eine recht schlanke Figur hatte und sich hervorragend bewegen konnte. Für mich war es absolut faszinierend, wie dieser Künstler es schaffte, ein teilweise sehr prominentes Publikum in seinen Bann zu ziehen, als lägen zwischen diesen Auftritten und seinen vorherigen nicht ca. acht Jahre. Der lässige Umgang mit seinen eigenen Hits schadet dabei gar nicht und wirkt kaum unseriös, sondern macht gerade den Stil aus, der alles zusammenführt, was man von ihm kannte: Die verschiedenen Stilrichtungen, in denen er sich zuhause fühlte, die kreative Art, Dinge nicht einfach zu wiederholen, sondern ganz intiuitiv zu varieeren, auch wenn das vorher exakt so geprobt gewesen sein mag, auch die Einlagen, die ihn als humorvollen und gleichzeitig bodenständigen Typ zeigen. Eine wahre Ikone.

Ich konnte nachvollziehen, dass das weibliche Publikum gar nicht zu bremsen war und er immer wieder Kusseinlagen zu bewältigen hatte. Die Kamera des Hollywood-Routiniers Lucien Ballard schwenkt desöfteren ins Publikum, manchmal, um Promis abzulichten, manchmal, um die Verzückung insbesondere des weiblichen Teils der Zuschauer:innen einzufangen. Die Konzertkarten dürften nicht günstig zu haben gewesen sein, deshalb wirkt nicht nur die Anwesenheit von Cary Grant, Sammy Davis jr. und anderen mondän, sondern auch die weniger berühmten Gäste. Alles ist sehr obermittelständisch, nicht zu vergleichen mit den jungen Menschen, die Elvis zu Beginn seiner Karriere verzückt hatte. Vielleicht waren sogar einige dieser Menschen in Las Vegas dabei, sie waren mit dem King reifer geworden, benahmen sich aber, genau wie er, noch ganz pur und wenn man das sieht, diese sofortige und ultimative Fähigkeit, Kontakt von Presley, Kontakt mit den Menschen, die ihm zuhörten und zuschauen aufzunehmen, ist das einfach nur faszinierend. Mich hat das sehr berührt, zumal ich mich noch genau an den Todestag von Elvis Presley erinnern kann, der mir damals noch gar kein Begriff war. Meine Kinderfreundin (wir hatten dann geheiratet, da war sie fünf und ich sieben Jahre alt) hatte da offenbar mehr Einfühlung und hatte, nachdem die Nachricht im Radio verkündet worden war, auf einen Zettel mit Filzstift ein Kreuz gemalt und „Elwis Presli“ dazu geschrieben. Vielleicht stoße ich noch darauf, wenn ich weitere Nach-Berlin-Kartons auspacke. 

Es ist fast wie mit 9/11, den Tag erinnere ich teilweise auch, als wenn er gerade erst geschehen wäre. Und natürlich sind diese Konzerte von Elvis auch ein Zeugnis der Welt meiner frühen Kindheit, wiewohl ich nicht erfassen konnte, was Elvis‘ plötzlicher Tod für viele Menschen bedeutete. Ich kann es nach „Elvis – That’s The Way It is“ besser nachvollziehen. Die Filme, die ich bisher von ihm gesehen habe, zählen zu seinen besseren, aber so wie bei einem Live-Auftritt vermittelt sich in ihnen, wenn er zwischen gestandenen Schauspieler:innen agiert, das Besondere nicht und auch nicht durch die Vier-CD-Kompilation mit berühmten Originalaufnahmen von ihm, die einer meiner ersten CD-Käufe war. Vor allem seine Songs um 1960 und die späteren, oft geradezu hymnisch wirkenden Einspielungen, die etwa zu der Zeit entstanden, als auch „That’s The Way“ gedreht wurde, mag ich sehr gerne. 

Dies ist nicht der Moment, um über Elvis Presleys Status als Künstler zu referieren und über seine ungewöhnlichen Fähikeiten, dazu steht in der Wikipedia schon mehr, als der Rahmen dieses Textes zulässt, aber ich finde diese erste von zwei Filmdokus über den „King“ ist ein Muss für nicht nur für seine Fans, sondern für Menschen, die bisher nicht so viel mit ihm anfangen konnten. Gelingt es, sich einzugrooven oder nicht? Mir fällt das generell leicht, auch wenn ich kein typischer „Fan“ bin,ich bin also kein Maßstab, auch, weil ich mit der Zeit eher immer offener gegenüber neuen Einflüssen geworden bin, als dass sich eine Art Spezialisierung herausgebildet hätte oder dass ich einen Musikstil vehement gegen andere verteidigen würde. Vielleicht liegt es daran, dass man bei mir mit dem Erlernen eines Instruments früh die Grundlagen für eine breitere Akzeptanz gelegt hatte, beginnend mit Klassik, besonders sinfonischer Musik, folgend die Erweiterung zum Jazz. Deswegen kann ich leicht niederknien vor dem riesigen Talent und der einzigartigen, sofort erkennbaren Art von Presley, seine Lieder darzubringen, unabhängig davon, ob ich seinen Auftritt super finde oder die verschiedenen Stilrichtungen, die er immer wieder sang oder berührte zu meinen bevorzugten rechnen. Man muss enorm viel mit seiner Stimme machen können, ein großartiges Gehör, ein Gefühl für seinen Körper, das Timing, das Publikum haben, um das alles so abzubilden und „The Way“ zeigt dies sehr gut. Auf seine Weise ist der Film großes Kino.

85/100

© 2021 Der Wahlberliner, Thomas Hocke

Deutscher Titel Elvis – That’s the Way It Is
Originaltitel Elvis – That’s the Way It Is
Produktionsland USA
Originalsprache Englisch
Erscheinungsjahr 1970
Länge 97 Minuten
Altersfreigabe FSK ohne Altersbeschränkung
Stab
Regie Denis Sanders
Drehbuch Denis Sanders
Produktion Dale Hutchinson
Musik Elvis Presley
Kamera Lucien Ballard
Schnitt Henry Berman

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