„Gentrifizierung in Berlin: Die Macht der Milliardäre“ (TP) + Kurzkommentar | #Newsroom #Mietenwahnsinn #Berlin | #KischCo #Kisch #Kreuzberg

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Derzeit schreiben wir weniger über Einzelvorgänge von Gentrifizierung, weil wir die Bundestagswahl und die Berlinwahl in den Mittelpunkt gestellt haben. Aber einer der letzten und geradezu symbolhaften Fälle von Verdrängung in Berlin mangels Gewerbemieter:innenschutz war der Zwangsumzug der Buchhandlung Kisch & Co. aus der Kreuzberger Oranienstraße.

Es geht um Kultur, es geht um Menschen, die noch lesen und diejenigen, die dieses Bedürfnis befriedigen und sogar vor Ort, mit der Möglichkeit, das anzufassen, was man erwerben will, reinzulesen, in einer besonderen Atmosphäre ein besonders Stückchen Zeit zu verbringen. Eine solche Buchhandlung haben wir in unserem Kiez auch, wir können dorthin zu Fuß gehen und uns daher lebhaft vorstellen, warum die Verdrängung von „Kisch & Co.“ so viel Aufregung verursacht hat. Jeder Verdrängungsfall müsste als der Skandal herausgehoben werden, den er tatsächlich darstellt, aber das ist auch mit großem Aufwand verbunden, zumindest für uns, sofern wir von „vor Ort“ berichten und selbst dann, wenn es in knapper Form geschieht, wie zuletzt anlässlich der September-Mietendemo in Berlin. Das gilt umso mehr, wenn wir Entwicklungen möglichst komplett nachzeichnen wollen, wie etwa bei der Zweckentfremdung / dem Leerstand Habersaathstraße in Berlin-Mitte.

Für unsere eigene Chronologie und für jene, die uns lesen, ohne zu den Kenner:innen der Szene zu gehören, haben wir einen Artikel von Telepolis als Empfehlung herausgesucht, der gut nachzeichnet, was an diesem Fall exemplarisch ist. Für sie ist auch dieser Intro-Kommentar geschrieben.

Menschen, ihr Gewerbe, ihre Kunden, die Kiezkultur, im Grunde alles, was diese Stadt ausmacht, werden zu Spielbällen einer Kapitalistenblase, die, falls sie überhaupt kommuniziert, nur schräge Ansichten über die Welt hat und ansonsten wirklich nur eins im Kopf hat: Die unmäßige Vermehrung von Geld. Den Twist mit der Deutsche Wohnen SE am Ende des Textes könnten wir aber mit einem weiteren Haken fortsetzen: Da die Deutsche Wohnen demnächst enteignet wird, könnte für Kisch & Co. trotzdem noch alles gut werden. Wenn auch auf reduziertem Raum, aber selbst das muss nicht das Ende der Geschichte sein. Deswegen unbedingt alle Berliner:innen, die das lesen, am 26.09. mit „Ja!“ stimmen, wenn der Volksentscheid „Deutsche Wohnen & Co. enteignen“ zeitgleich mit der Berlinwahl und der Bundestagswahl stattfinden wird.

Hier aber nun zum Beitrag von Telepolis zur Sache!

Selbstverständlich darf bei dieser Betrachtung auch der Hinweis nicht fehlen: Support your local Bookstore! Bei Amazon, falls überhaupt, nur dann kaufen, wenn ein Angebot vor Ort in bestimmter Form sonst gar nicht erhältlich ist. Bücher zählen generell nicht dazu, denn auch Buchhändler können alles innerhalb weniger Tage besorgen, das auf dem Markt ist. Auch die Preise sollten identisch sein (abzüglich Versandgebühren!), weil in Deutschland ausnahms- und richtigerweise für dieses Kulturgut Buch eine Preisbindung gilt.

Für das Grundgut der Daseinsvorsorge Wohnen allerdings nicht, obwohl Boden und damit Wohnräume zu den knappen, nicht beliebig vermehrbaren Gütern zählen. Wen wählen wir also am 26.09.? Politiker:innen, die das verstanden haben, und das sind nicht so viele.

TH

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