Warum E-Autos nicht die Lösung sein können | #Timeline #Verkehr #Wirtschaft #Wandel | #EMobility #Elektroautos #Rohstoffe #Mineralien

Timeline | Wirtschaft Wandel | Verkehrswende, Statista-Infografik

Liebe Leser:innen,

sicher werden wir irgendwann alle relevanten Artikel zum Thema Verkehrswende zusammenfassen, die wir veröffentlicht haben, aber vorerst geht es um Grundwissen. Zum Beispiel um die Tatsache, dass Elektromobilität in mancher Hinsicht einen Fortschritt gegenüber der Verwendung fossiler Brennstoffe darstellt, aber nicht die Lösung der massiven Probleme ist, die der überbordende weltweite Individualverkehr verursacht. In mancher Hinsicht sind E-Autos sogar ein Rückschritt. Die folgende Grafik erläutert das wichtigste Problem der Stromer:

Hier geht’s zur Statista-Infografik und zum nachfolgenden Begleittext

Bei der Debatte um Elektroautos werden häufig die Vorzüge für die Umwelt als Pro-Argument ins Feld geführt. Zwar sind die batteriebetriebenen Fahrzeuge was den Ausstoß von Emissionen angeht unschlagbar und herkömmlichen Pkw deutlich überlegen, jedoch verursachen Elektrowagen an anderer Stelle ein Problem.

Wie die Statista-Grafik auf Basis von Daten der International Energy Agency (IEA) zeigt, werden in der Herstellung eines batterieelektrische Autos (BEV) oder Plug-in-Hybrid (PHEV) eine große Menge verschiedener Mineralressourcen verbraucht. Während bei der Produktion eines Benziners und Diesels durchschnittlich nur etwa 22 Kilogramm Kupfer und 11 Kilogramm Mangan benötigt werden, schlucken Elektroautos schon bei diesen beiden Elementen 53 Kilo Kupfer und 25 Kilo Mangan deutlich mehr Ressourcen. Hinzukommen im Schnitt neun bis 66 Kilogramm Lithium, Kobalt, Nickel und Graphit, die bei Ottomotoren wegfallen. Verantwortlich für den hohen Bedarf an Mineralressourcen sind natürlich die Batterien der Stromer und das damit verbundene Antriebssystem. Höhere Performance, Langlebigkeit und Energiedichte der Akkus bedeutet gleichzeitigen Anstieg der benötigten Minerale.

Die Umstellung auf saubere Energiesysteme wird zwangsläufig zu einem enormen Anstieg des Bedarfs an diesen Mineralen führen, was bedeutet, dass Energiesektor und Automobilindustrie zu wichtigen Kräften auf den Mineralmärkten werden. Doch auch diese Bodenschätze sind nicht grenzenlos verfügbar. Zudem werden große Anteile der weltweiten Fördermengen von nur wenigen Staaten kontrolliert, was eine zusätzliche geopolitische Herausforderung für bodenschatzarme Wirtschaftsstandorte wie Deutschland bedeutet.

So viel müssen wir dem Text, den Statista erstelt hat, nicht beifügen. Die Problematik liegt auf der Hand und der Strom kommt ja auch nicht einfach aus der Steckdose. Hochmotorisierte E-Autos verbrauchen bis zu 30 Kw/h, Haushaltsgeräte über 2 Kw/h gibt es hingegen kaum. Die Autoindustrie hat bereits einen Kardinalfehler begangen, indem sie versucht, die Attraktivität von E-Autos mit gigantischen Motorleistungen zu steigern, anstatt das Sparpotenzial zu nutzen, das „saubere “ Antriebstechnologie suggeriert. Es ist kaum fassbar, in welche Dimensionen mittlerweile simple Alltagsautos vorstoßen. Ohne Sinn und Verstand, denn das Nächste, was sicher kommen wird, ist ein allgemeines Tempolimit auch auf deutschen Autobahnen. Es gibt ohnehin kein anderes Land, in dem der Begriff der Freiheit so missverstanden wird wie hier, nämlich als Erlaubnis, sich zu Lasten anderer unendlich ausbreiten zu dürfen.

Das gilt aber auch für den Fahrzeugbestand: Nicht weniger als 575 Autos kommen in Deutschland derzeit durchschnittlich auf 1000 Einwohnende. Und damit rangiert es lediglich auf Platz sechs der EU-Rangliste und liegt knapp über dem Durchschnitt (569) innerhalb der Union. Tendenz: weiter steigend. Der Platzverbrauch, der Ressourcenverbrauch, wie oben anhand der Mineralien erläutert und auch die enorme Menge an Strom, die benötigt wird, um diese übermotorisierten Fahrzeuge anzutreiben, zeigen wieder einmal, dass Menschen zumeist nicht in der Lage sind, sich vernünftig und umweltbewusst zu verhalten, solange man sie nicht dazu zwingt. Die Entwicklung auf dem Gebiet der Individualmotorisierung ist geradezu ein Paradebeispiel dafür, wie wenig wir die Begrenztheit der Welt akzeptieren können. Da sich nun riesige E-Autos an die Stelle von Verbrennern setzen, wird ohne größere Bedenken dafür gesorgt, dass die Städte noch mehr zugestellt werden.

Es versteht sich, dass nicht alle vorhandenen Autos gleichzeitig unterwegs sind, sonst ginge gar nichts mehr, aber sie haben nun einmal bei der Produktion viele Ressourcen verbraucht und nehmen die Städte auf eine nicht vertretbare Weise in Besitz. Der gesamte Lebenszyklus eines E-Autos dürfte umweltseitig kein Fortschritt gegenüber den bisherigen, konventionellen Fahrzeugen sein. Diesen Fortschritt brauchen wir aber dringend. Nicht zuletzt steht die ungleiche Verteilung von mineralischen Rohstoffen auf der Welt dem ebenfalls dringend notwendigen Streben nach mehr regionaler Produktion und politischer Autarkie entgegen. Wir merken doch gerade an den Engpässen bei Speicherchips, wie es läuft, wenn zu wenige die Kontrolle über die Materialverteilung ausüben. Es ist bedenklich und auch kurios, wie vorgeblicher ökologischer Fortschritt die Abhängigkeit Europas von zweifelhaften Regimes nicht verringert, sondern vergrößert. Die E-Mobilität und jede andere Form von Antriebstechnik kann nur eine Art Brücken- und dann eine die Entwöhnung begleitende Technologie sein, ähnlich dem Nikotinpflaster als Unterstützung für werdende Nichtraucher:innen. Vor allem Städter:innen brauchen definitiv keine Autos als Eigentum, sondern können sich Fahrzeuge mieten, wenn etwas zu transportieren ist und sind ansonsten gut beraten, den ÖPNV zu nutzen. Forderungen müssen auf dessen Ausbau konzentriert werden, nicht darauf, noch mehr öffentlichen Raum für Autos zur Verfügung zu stellen. Es ist wirklich ein sehr böser Witz, dass die Autohersteller nun die Planer auffordern, die Parkflächen zu vergrößern, weil die SUV-Monster auf die bisherigen Formate nicht mehr recht passen.

Auf die Einsicht, dass es so nicht weitergehen kann, müssen wir hinarbeiten, alles andere ist Augenwischerei. Autos verbrauchen mehr Ressourcen als alle anderen Konsumprodukte zusammen, die ein:e Normalverdiener:in sich anschaffen kann und belästigen andere nicht nur durch Emissionen, sondern durch ihre pure, überdimensionierte Präsenz. Das steht in der heutigen Zeit, in der wir dringend angehalten sind, mehr Achtsamkeit zu entwickeln, nicht mehr dafür.

Dass in Deutschland die Angst umgeht vor dem Verlust von Arbeitsplätzen, ist nachvollziehbar und liegt daran, dass das Land auf vielen Wirtschaftsgebieten komplett abgehängt wurde und daher nur noch die Autoindustrie und ihrer Zulieferer nennenswerte Zahlen von hochgradig wertschöpfenden Arbeitsplätzen zur Verfügung stellen. Aber die Wahrheit ist: Auch deutsche Hersteller lassen anteilsmäßig immer mehr im Ausland produzieren. 2016 war der „Kipppunkt“ erreicht, damals überholte die Produktion von Fahrzeugen mit deutschen Markenlogos an Standorten außerhalb Deutschlands die Fertigung im Inland, ohne dass es eine wirtschaftspolitische Wende zulasten der Autoindustrie gegeben hätte.

Packen wir’s also an, machen wir uns unabhängig auch von einer der Lobbys, die am meisten die hiesige Politik steuern. Wirklich reiche Länder haben oft keine oder nur eine kleine Autoindustrie. Es kommt darauf an, was von den Gewinnen bei den Menschen hängen bleibt, und das ist bei der deutschen Industrie sehr wenig.

TH

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s