El Dorado (USA 1966) #Filmfest 621

Filmfest 621 Cinema

El Dorado ist ein Western von Howard Hawks aus dem Jahr 1966 mit John Wayne und Robert Mitchum in den Hauptrollen.

Howard Hawks und John Wayne, das ist beinahe wie John Ford und John Wayne – hat der Film das Feeling daher das Feeling von „Rio Bravo“? Dass er eine sehr ähnliche Handlung hat, fiel selbst mir auf – und der Hintergrund ist tatsächlich, dass einer von zwei denkbaren Verläufen in „Rio Bravo“ verwirklicht wurde und der andere, der noch übrig war, wurde für „El Dorado“ verwendet. Allerdings war ich verblüfft, als ich sah, wann der Film entstanden ist. Im Jahr 1966. Ist das von Relevanz? Dies und mehr klären wir in der –> Rezension.

Handlung (1)

Cole Thornton, ein alternder Revolverheld, wird von dem Viehbaron Bart Jason engagiert, um eine in der Gegend des kleinen Provinznestes El Dorado ansässige Siedlerfamilie namens McDonald einzuschüchtern. In der Stadt begegnet er seinem alten Freund J. P. Harrah, wie Thornton ein ausgezeichneter Schütze, der zur Zeit als Sheriff die Verantwortung trägt und ihn darüber informiert, dass Bart Jason im Unrecht sei und Thornton angeheuert habe, um sich Harrah vom Leib zu halten. Thornton sagt daraufhin den Job bei Jason ab, doch durch ein Missverständnis kommt es zu einem folgenschweren Zusammentreffen mit dem jüngsten Sohn der McDonalds, das dieser nicht überlebt. Als dessen Schwester Joey auf Thornton schießt, um den vermeintlichen Mord an ihrem Bruder zu rächen, wird dieser getroffen, macht sich aber nach der Heilung seiner Wunde alsbald wieder auf den Weg zu einem neuen Auftrag.

Nach einiger Zeit trifft Thornton in einem Grenzstädtchen auf einen anderen Revolvermann namens Nelse McLeod und einen jungen Mann, genannt Mississippi, der einen markanten Hut trägt, der Anlass zu mancherlei Spott bietet. Mississippi hat mit einem von McLeods Leuten noch eine Rechnung offen, weil dieser gemeinsam mit drei anderen seinen väterlichen Freund erschossen hat. Nachdem Mississippi ihn in einem fairen Kampf per Messerwurf tötet, hilft Cole ihm in der folgenden Auseinandersetzung und freundet sich mit ihm an. Thornton erfährt von McLeod, dass dieser inzwischen von Jason für den Kampf gegen die McDonalds engagiert wurde. Der Zeitpunkt sei günstig, da von Sheriff Harrah derzeit keine Gefahr ausgehe, weil dieser durch Liebeskummer zu einem hemmungslosen Säufer geworden sei. Thornton eilt sofort nach El Dorado, um vor McLeod dazusein und um seinem Freund beizustehen, begleitet von Mississippi. Da dieser nicht schießen kann, besorgt Cole ihm eine abgesägte Schrotflinte mit einem enormen Streufaktor.

In El Dorado angekommen, finden sie einen total betrunkenen und heruntergekommenen Sheriff Harrah vor. Nach einem speziellen Rezept mixt Mississippi einen fürchterlichen Trank, mit dem es ihnen tatsächlich gelingt, Harrah auszunüchtern. Zu diesem Trio gesellt sich noch der alte, aber kampferprobte Hilfssheriff Bull sowie die Hotelchefin Maudie, die schon lange heimlich in Cole verliebt ist, sich dies aber nicht anmerken lässt, da sie ihn niemals zum Bleiben bewegen konnte. Inzwischen ist aber auch McLeod mit seiner Bande in El Dorado eingetroffen, und es kommt zum befürchteten Kampf zwischen den Rivalen, bei dem Harrah zu alter Form zurückfindet. Schließlich wird McLeod beim erwarteten Kräftemessen mit Thornton erschossen, ebenso wie vorher Jason.

Am Ende gehen die beiden alten Haudegen Thornton und Harrah am Stock, jedoch hat das Gute gesiegt, und Mississippi entschließt sich – nicht zuletzt wegen Joey – in der Gegend sesshaft zu werden. 

Rezension

Ja, hat es. Weil „El Dorado für die Verhältnisse von 1966 bereits veraltet wirkt. Ich hätte auf 1961, allenfalls 1963 getippt. Hawks, Wayne und die anderen haben einfach weitergefilmt, als wenn inzwischen nicht eine Menge passiert wäre, in den USA und in der Welt und natürlich auch im Film, der sich in jenen Jahren stark wandelt.. Schon der Titelsong geht in seiner Melodik und Ausführung eher in die späten 1950er hinein, ebenso das Bild. Und so zieht sich das Gefühl, einen Film der frühen 1960er zu sehen, durch die gesamte Handlung. Das Titellied ist zwar hübsch, hat aber mit der Handlung wenig zu tun, und die Pferde, die während des Liedes im Vorspann zu sehen sind, lässt auf einen Western schließen, in dem viel mit Wildpferden gearbeitet wird, aber Pferde spielen hier eine ganz untergeordnete Rolle, haben auch keine Namen, wie in manchen Wildwest-Opern, wo ein Mann und sein Pferd eine wichtige Einheit bilden.

Sicher kann man bei einem Western das Entstehungsjahr nicht immer so genau datieren wie bei einem Film, der in der Gegenwart spielt, aber um fünf Jahre habe ich mich schon lange nicht mehr geirrt. Dabei hätte ich merken müssen, dass die wilde Frisur, die Jo trägt, doch eher so ab Mitte der 1960er gangbar war, ebenso ist ihre Kleidung ein Mix aus Altem Westen und neuer Mode, Letzeres vor allem den engen Schnitt betreffend. Dass aber ihre Frisur thematisiert wird, hat mich dann wieder davon abgebracht, den Film für neuer zu halten, denn wer tut so etwas noch, im Jahr 1966? Okay, ein wenig Ironie muss ein. Aber damals kam das wirklich auf, dass Frauen in Western plötzlich auf eine andere Art sexy sein sollten als zuvor, mit Candice Bergen und anderen Darstellerinnnen gibt es ähnliche langmähnige und bei den Hosen von Röhrenjeans inspirierte Auftritte.

Das Jahr der Entstehung scheint ein Feld für ausführliche Befassung zu sein. Es hat mich erstaunt,  dass man zu der Zeit noch einen solchen Film macht, der ganz in der Tradition der großen Western der Vergangenheit steht. Ja, Wayne wird angeschossen, hat manchmal Lähmungserscheinungen, am Ende genau zum falschen Zeitpunkt, sonst hätte diese Behinderung dramaturgisch keinen Sinn ergeben, Robert Mitchum als Sheriff mutiert zum Säufer, ohne dass wir den Grund dafür sehen, er wird nur in den Film hinein erzählt. Und Jo hilft tatsächlich, damit die Guten aus der Patsche kommen, in die sie mit ihrer mangelnden Fitness geraten. Aber das gab es schon 1952 in „Zwölf Uhr Mittags“, dass eine Frau den entscheidenden Schuss setzt, und da war es so verdammt viel eindringlicher und packender. Die Mitchum-Figur ist beinahe 1:1 dem Typ nachempfunden, den in „Rio Bravo“ Dean Martin verkörpert, und wer sollte einen Säufer besser darstellen als Dean Martin? Vor allem kommt die Wandlung zum Trinker bei ihm in dem sieben Jahre älteren Film nicht so plötzlich und im Abgleich mit der bisherigen Handlung unmotiviert wie in „El Dorado“.

Und dass der Junge nicht so gut schießen kann wie die Vorgänger in „Rio Bravo“, aber eine Art Fortschreibung solcher Junghelden-Figuren über die „Die Glorreichen Sieben“ hinweg darstellt. Dass es eine etwas moderner positionierte junge Frau gibt, ist eher nebensächlich. Die für den Comic Relief zuständige Figur, der alte Mann mit Vollbart, ist bei weitem nicht so komisch oder hat nicht die entsprechenden Dialoge und nicht die Attitüde, wie es einst in vielen Wayne-Filmen sein Dauerpartner Walter Brennen war. Chance, Dude, Stumpy, Colorado und Feathers, das sind Ikonen der Westerngeschichte, die in einer einmaligen günstigen Konstellation wei der von „Rio Bravo“ fast ein eigenes Untergenre kreiert haben. Die romantische Männergesellschaft, alle individuell sehr gut herausgearbeitet, die sich als kleiner, verschworener Haufen gegen einen viel größeren Haufen Outlaws stellt, der die Stadt unsicher macht. Das Gefängnis, in dem ein Verbrecher einsitzt, den die anderen rausholen wollen, ist der zentrale Handlungsort. Und da darf in „Rio Bravo“ sogar gesungen werden. Himmlisch, gelöst, dramatisch, komisch, unübertroffen. Fast alle diese Elemente sind in „El Dorado“ auch vorhanden, aber jedes einzelne weist bezüglich seiner Ausführung ein Minus gegenüber dem Vorbild auf.

Der einzige wirkliche Unterschied zu früheren Filmen von Hawks und anderen ist ein moralischer: dass Cole Thornton, also John Wayne, seinen schnellen Widersacher am Ende einfach erschießt, ohne diesem eine Gelegenheit zur Abwehr zu geben, ihm also einen echten Shootout zu ermöglichen – obwohl dieser ihn zuvor mehrfach geschont hatte. Aber ist das eine Neuorientierung in dem Sinn, dass das Gute auch oft in der Wahl der Mittel zum Zweck nicht besser ist als die andere Seite? Eine Anspielung auf den Vietnamkrieg, der gerade in Fahrt kam? Vielleicht ist es auch einfach nur ärgerlich. Man wird um einen Schluss betrogen, der so klassisch ist wie die hier zitierten FIlme und so was geht in einem Western, in dem alles auf einen Showdown hinausläuft, gar nicht. Zumal, wenn der Held seine übliche Rechte nicht mehr verwenden kann, was für sich genommen ebenfalls schon ein uralter Standard ist. Mit Handicap siegen ist doch doppelt schön.

Ein weiteres Problem sind die Handlung selbst und, zumindest in der deutschen Übersetzung, die Dialoge. Was nicht damit zusammenhängt, dass Arnold Marquis hier nicht, wie üblich, John Wayne spricht, sondern Robert Mitchum. Zu dem Gefühl, dass man sich in dem Film vertraut und doch fremd fühlt, trägt allerdings auch diese Synchron-Besetzung ein wenig bei.

Die Handlung wirkt sehr episodisch, hat bei weitem nicht den Drive wie in großen Western der Vergangenheit, laviert im Grunde hin und her, bis endlich das erreicht ist, was in Topfilmen schon die Ausgangssituation darstellt, wie in „High Noon“ oder wenigstens nach ein paar Minuten so erreicht ist, dass die Spanungskurve steil ansteigen kann: Die Konfrontation zwischen Gut und Böse an einem bestimmten Ort, zu einer bestimmten Zeit.

Wer meine Beiträge für den Wahlberliner kennt, weiß, dass ich mich sehr mit den Dialogen in Filmen befasse, weil ich von der „Sprachseite“ komme, und die sind in „El Dorado“ viel zu weitschweifig, ihre Wirkung verpufft. Manches wirkt so kurios getextet, dass es schon wieder witzig ist. Ich muss allerdings zugeben, dass mich bei den Filmen von Howard Hawks die Dialogführung oft ein wenig befremdet, obwohl das Drehbuch, und nicht der Regisseur für sie verantwortlich zeichnet. Das Ergebnis aber ist ebenfalls um einiges schlechter als in „Rio Bravo“, und schon der ist ein ziemlicher Dialogfilm, zumal im Vergleich zu anderen Western. Es ist das typische Problem des Altkinos und seiner Regisseure, eine Falle, in die in den 1960ern fast ganz Hollywood geraten ist: Die Filme zeigen immer weniger und erklären immer mehr, werden immer langatmiger und umständlicher. Interessanterweise geht dieser Effekt mit der politischen Tauwetterperiode der Kennedy-Ära einher, in dem alles Kino offenbar in den Kommentiermodus verfällt – was aber nur bei Theaterverfilmungen und Sozialdramen wirklich eine gute Idee ist.

Demgemäß, möchte man beinahe sagen und einen Effekt mit dem anderen in einen Ursachenzusammenhang stellen, kommt das Kinematrografische ebenfalls zu kurz. Howard Hawks war kein visuell eindrucksvoller Regisseur wie John Ford, aber in „El Dorado“ findet sich wirklich gar nichts, woran sich das Auge weiden kann. Die Studioatmosphäre ist zudem sehr greifbar, geradewegs wie in einem Film aus der Zeit, in der tatsächlich noch weit überwiegend im Studio, in ziemlich künstlich wirkenden Innendekorationen, gefilmt wurde. Die Weite, das Panorama, das Western der 1960er schon hatten, das gibt es in „El Dorado“ nicht zu bewundern.

Demgemäß ist also „El Dorado“ nur ein müder Abklatsch früherer Wayne-Filme wie „Rio Bravo“? Hatari“ fällt mir auch noch ein, der zeitlich und qualitativ dazwischen liegt. Auch so eine Combo, eine Gefahren- und Auftragsgemeinschaft, viele Männer, zwei Frauen, aber dieses Mal ein Duell um eine der Frauen und ein Dritter gewinnt, da hatte ich auch ein wenig Probleme mit, auch mit der Dialoglastigkeit des Films, aber da gibt es wenigstens die große Natur und die Handlung hat ein paar originelle Elemente mit Tieren. Ja, „El Dorado“ ist mir zu sehr früheren Western nachgestaltet und jeder einzelne Aspekt von den vielen oder zu vielen, die „El Dorado“ zeigt, ist in irgendeinem anderen Film besser ausgeführt. Ich rechne „El Dorado“ auch noch nicht zu John Waynes Spätfilmen, die fangen nach meiner Ansicht erst mit „True Grit“ an, der zwei Jahre später entstand und wirklich schon eine Art Spätwestern ist, zwischen Genre-Klassik und Neubeginn angesiedelt.

Finale

Ich war einigermaßen enttäuscht. Interessanterweise werten die IMDb-Nutzer den Film mit sehr guten 7,7/10, nur 0,3 schlechter als „Rio Bravo“. Dieser Unterschied ist viel zu gering, dazwischen liegen mindestens zwei Punkte. Das heißt, da ich „Rio Bravo“ mit 8,5 bewertet habe, können für „El Dorado“ nicht mehr als 6,5 herauskommen. Das fühlt sich auch richtig an, denn der Film wirkt unrund und verloren zwischen dem Gestern und dem Morgen des Kinos.

Allerdings hatten viele Altregisseure das Feeling für diese Veränderungen nicht, und beendeten oft ihre Karrieren in jener Zeit – oder verpassten dies und damit den Anschluss an ihre großen Erfolge. Howard Hawks hat nach „El Dorado“, habe ich gerade nachgelesen, nur noch einen Film gemacht: „Rio Lobo“ (1970), ebenfalls einen Western, ebenfalls mit John Wayne und gemäß Kritiker-Zitaten, die ich schnell in der Wiki überflogen habe, ebenfalls sehr auf die Vergangenheit bezogen. Klar, mit einem Hauptdarsteller, der auf die 70 zugeht und wenn man selbst schon über 70 ist, kann man nicht mehr zu neuen Ufern aufbrechen. Das ist der Lauf der Dinge.Vor allem, wenn die Beteiligten nicht nur gealtert sind, sondern immer schon eher konservativ waren.

63/100

© 2021 (Entwurf 2016) Der Wahlberliner, Thomas Hocke

Regie Howard Hawks
Drehbuch Leigh Brackett
nach Harry Brown
Produktion Howard Hawks / Paramount
Musik Nelson Riddle
Kamera Harold Rosson
Schnitt John Woodcock
Besetzung

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