Rettet die grünen Kiezoasen Berlins! Für uns alle und unsere Kinder! | #Frontpage #Petition #Berlin #GruenBerlin #Kieze #Freiflaeche #Gruenfläche #Kiezoasen #Verdichtung #Klimawandel #Freiraeume

Frontpage | Berlin, Wohungspolitik | Open Petition, Unterschrift für den Erhalt von Grünanlagen

Liebe Lser:innen, es wird wieder einmal Zeit für eine Petition als Investition in das Wohl der Stadt Berlin bzw. ihrer Bewohner:innen. Sorry an die Initiatoren, die uns schon vor einem Monat darauf hingewiesen haben, dass wir uns jetzt erst damit befassen, aber wir veröffentlichen nur Dinge, die wir uns auch angeschaut haben und zu denen wir selbst noch ein paar Sätze schrieben können und da war in letzter Zeit viel zu tun. Hier zunächst der Petitionstext, unterhalb folgt ein kleiner Kommentar von  uns.

Hier aber schon mal zur Unterschrift, falls Sie Bescheid wissen und sofort unterzeichnen möchten.

***

Wir sind ein berlinweites Bündnis von Bürgerinitiativen, das sich für den Erhalt von Grün- und Sozialflächen in Wohngebieten einsetzt. Als Anwohner*innen – vorwiegend der landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften – sind wir derzeit Zeugen massiver Zerstörung: In allen Bezirken werden bei Nachverdichtungsbauvorhaben in großem Umfang wertvolle Wohngrünflächen vernichtet sowie alter Baumbestand gerodet. Die grünen Lungen unserer Stadt verschwinden. Lebenswerte Kieze und Stadtnatur fallen gesichtsloser Maximalversiegelung zum Opfer. Die Stadt wird planlos „zugepflastert“. Berlin braucht eine nachhaltige Bebauungspolitik, die nicht auf einer Nachverdichtung beruht, welche die Natur zerstört, Wohn- und Lebensqualität einschränkt und Kindern den Platz zum Spielen und allen Menschen die Luft zum Atmen nimmt! Wir fordern:

1. Zerstörung von Grün-, Spiel- und Sozialflächen stoppen! Baumrodungen stoppen! Artenvielfalt erhalten! Grüne Höfe mit Spielplätzen und Sozialflächen städtischer Siedlungen sind für die Bebauung nicht geeignet! Sie erfüllen eine wichtige bioklimatische und soziale Funktion und sind Lebensraum für viele Tiere und Pflanzen. Die Stadtplanung nutzt gern den Ausspruch „Baurecht geht vor Baumrecht“. Diese Aussage halten wir für ungeheuerlich vor dem Hintergrund der Klimanotlage und des Artensterbens in der Stadt.

  • Stoppen Sie sofort die geplanten Bauprojekte auf Grün-, Spiel- und Sozialflächen!
  • Stellen Sie diese Flächen bestehender Wohnquartiere unter Bestandsschutz!
  • Stoppen Sie die Fällung alten Baumbestandes in bestehenden Wohnanlagen!

2. Zur Wohnraumschaffung nachhaltige Alternativen ausschöpfen! Zur Lösung des Wohnraumproblems gibt es sinnvolle Alternativen: Die Umwandlung von leerstehenden Gewerbe- oder Büroflächen, die Aufstockung von Gewerbegebäuden (z. B. Supermärkten) und be- stehenden Wohnhäusern, die Bebauung bereits versiegelter sowie brachliegender Flächen etc.

  • Schöpfen Sie alle Alternativen zur Abwendung der Zerstörung von grünen Wohnhöfen beim Wohnungsneubau aus!

3. Verbindliche Regeln für eine klimagerechte und soziale Stadtplanung! Der Berliner Senat hat sich selbst ambitionierte Ziele der Stadtplanung bezüglich Wohnqualität, Gesundheit und Klimaanpassung definiert (vgl. z.B. Stadtentwicklungsplan Wohnen 2030). Fatalerweise handelt es sich nur um Empfehlungen, die leider zu selten umgesetzt werden.

  • Definieren Sie verpflichtende Qualitätskriterien für eine nachhaltige Entwicklung lebenswerter Kieze für Jung und Alt.
  • Kontrollieren Sie die Umsetzung!

4. Verbindliche Mitentscheidungsrechte für BürgerInnen! Die Berliner Kieze sind Heimat. Kiezplanung geht deshalb nicht ohne die AnwohnerInnen. Die Bedürfnisse der Menschen vor Ort müssen aktiv in Erfahrung gebracht, bei der Planung berücksichtigt und umgesetzt werden.

  • Vergesetzlichen Sie verbindliche Mitentscheidungsrechte der Anwohner*innen in zentralen Planungsfragen für alle Nachverdichtungsprojekte!

…Wenn ihr euch näher über unsere Kieze, deren Gefährdung und die Beweggründe unsere Forderungen informieren wollt, schaut gerne auf den Homepages unserer Mitglieder-Inititiativen vorbei (www.ilse-kiez.de, https://www.friedrichshainerinnenhoefe.wordpress.com, https://www.grüner-kiez-pankow.de, https://www.lebenswertesspindlersfeld.de, https://www.friedrichshain-west.de, https://www.michelangelostrasse.org, und lest unsere folgende Begründung.

Begründung

Berlin ist, derzeit noch, eine wachsende Stadt. Im Jahr 2019 maß das Amt für Statistik Berlin-Brandenburg jedoch den geringsten Bevölkerungszuwachs seit 2011 (Pressemitteilung Nr. 6 vom 16.01.2020). Die Zahlen zeigen: Trends ändern sich. Die Ergebnisse der heutigen Stadtplanung werden hingegen über Jahrzehnte das Stadtbild prägen. Heute entsteht die Stadt, in der unsere Kinder und Kindeskinder leben werden.

Der Senat plant, bis zum Jahr 2030 194.000 Wohnungen überwiegend durch innerstädtische Nachverdichtung zu errichten. Das sind rund 10 Prozent (!) des derzeitigen Berliner Wohnungsbestandes.

Der Senat ist in der Pflicht, langfristig ein vernünftiges Gleichgewicht zwischen Wohnungsbau, sozialen Belangen sowie Umwelt- und Gesundheitsschutz zu sichern. Dabei muss er insbesondere darauf reagieren, dass Berlin von den Entwicklungen des Klimawandels besonders bedroht ist. Im Dezember 2019 verkündete der Senat die berlinweite Klimanotlage. Die Folgen spüren die Berliner*innen bereits heute: Hitzesommer sorgen für ansteigende Herz-Kreislaufbeschwerden und zusätzliche Hitzetode. Darüber hinaus fördern gepresste Enge und wenig Stadtgrün die Aggressivität der Menschen und psychische Beschwerden wie z.B. Depressionen nehmen rasant zu (Deutsches Ärzteblatt 05/20).

All dies zeigt: Dichte hat Grenzen. Es braucht eine gut durchdachte, grüne und soziale Stadtplanung, die gesunde und lebenswerte Wohnverhältnisse für alle ermöglicht. Gerade die landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften müssen eine Vorreiterrolle einnehmen! Momentan liegt das Augenmerk der Stadtentwicklung jedoch einzig auf der Erreichung der zahlenmäßigen Zielvorgaben. Das Mantra dafür lautet, auf allen im Innenbereich verfügbaren Flächen so schnell, viel und preiswert wie möglich, so eng wie gesetzlich zulässig, zu bauen. Verbindliche Bauleitplanung der Bezirke fehlt vielerorts. § 34 des Baugesetzbuches dient, selbst für umfangreiche Bauvorhaben, als Freibrief. Das Ergebnis: Durch die Vernichtung der von tausenden Bürgern genutzten Grün-, Spiel- und Sozialflächen mit altem Baumbestand werden genau die Gegebenheiten zerstört, die in Zeiten wachsender bioklimatischer Belastung für einen Ausgleich in ganz Berlin sorgen. Es entstehen Quartiere höchster Bebauungsdichte, in denen ein gesundes und lebenswertes Wohnen in Zukunft nicht möglich sein wird. Besonders betroffen sind von diesen Entwicklungen sozial benachteiligte Bevölkerungsgruppen, welche weniger gut in der Lage sind, den negativen Folgen der Verdichtung auszuweichen.

Dies ist unverantwortlich, ungesund und unsozial – sowohl gegen die derzeitigen Bewohner*innen der Stadt als auch gegenüber künftigen Generationen! Die Politik muss jetzt umdenken!

Langfristige stadtökologische Ziele und soziale Errungenschaften der Stadtplanung dürfen nicht weiter den Interessen einer Einsparung von Bau- und Infrastrukturkosten untergeordnet werden. Berliner Viertel dürfen durch Nachverdichtung nicht zurück ins Zille-Milieu katapultiert werden! Der Berliner Senat muss sofort alle erforderlichen Maßnahmen ergreifen und Gesetze erlassen, um Berlins grüne Stadtoasen und Höfe zu retten.

Bitte unterstützt daher unsere Forderungen an den Berliner Senat. Helft mit eurer Unterschrift, unsere Stadt in Zeiten des Klimawandels vor zerstörerischer Verdichtung zu schützen und somit unser aller Gesundheit und die Zukunft unserer Kinder in Berlin zu sichern! Es ist 5 vor 12! Vielen Dank!

Zur konkreten Umsetzung haben wir folgende Handlungsvorschläge:

  • Entschärfung der geltenden Abstands- und Freiflächenregeln durch erneute Inkraftsetzung der vor 2006 in der Bauordnung (BauO) bestehenden Regeln (Rücknahme der 60 %igen Reduzierung zulässiger Gebäudemindestabstände).
  • Der uneingeschränkte Schutz aller Bäume ab 80cm Durchmesser (gemessen in 1,30m Höhe) bei Nachverdichtungen ist zu gewährleisten und der § 6 der Berliner Baumschutzverordnung zu Ersatzpflanzungen oder Ausgleichsabgaben zu streichen.
  • Die Richtwerte des Landschafts- und Artenschutzprogramms (LaPro) für wohnungs-
  • und siedlungsnahe öffentliche Grünflächen von 13 m² je Anwohner*in sind einzuhalten.
  • Verpflichtende Vorgaben zur Klimaanpassung von Wohngebieten und Minimierung der Hitzebelastung von Wohnungen einführen! Z.B.: Festlegung einer Mindestzahl wohnungsnaher großkroniger Bäume je Einwohner, Begrünung von Fassaden und Dächern, kühlende Wasserelemente.
  • Die Vorgaben der DIN EN 17037 (Versorgung von Innenräumen mit Tageslicht) sind für sämtliche Bestands- und Neubauwohnungen verbindlich umzusetzen!
  • Die Versorgung mit ausreichenden wohnungsnahen Spielplätzen für kleine und große Kinder (1 m² Spielfläche/Einwohner*in) muss auch nach Nachverdichtungen gewährleistet bleiben. Die Vorgabe von 4 m² Mindestspielfläche je Neubauwohnung (vgl. § 8 BauO Berlin) zusätzlich zur Bestandsspielfläche muss eingehalten und die Umsetzung kontrolliert werden.
 
***
Im Jahr 2020 ist Berlin einwohnerseitig erstmals seit vielen Jahren dann nicht mehr gewachsen. Wie andere Städte auch. Grund ist die wirtschaftliche Problematik, die vor allem durch die Corona-Krise hervorgerufen wurde, der Zuwachs wurde allerdings auch vor der Pandemie bereits schwächer, nachdem Mitte der 2010er Höchstwerte mit mehr als 50.000 Neueinwohner:innen pro Jahr erreicht wurden.
Wir wohnen nicht „städtisch“ und wenn man in einem gewachsenen Kiez zu Hause ist, bemerkt man die Veränderungen gar nicht so sehr, die sich anderswo abspielen. Hin und wieder einsteht ein Lückenbau auf einer Fläche, die vorher alles andere als „stadtgrün“ war, manche dieser Bauten passen sich gut ein, andere wirken ziemlich strange und man fragt sich, woran sich die Optik orentiert haben mag. Aber es hält sich alles in engen Grenzen. Die Veränderung findet eher durch Gentrifizierung im Bestand und durch dessen Sanierung und Eigentumswechsel statt. Dies übrigens in erheblichem Ausmaß.
Mir sind aber auch Vorgänge z. B. in Mitte bekannt, die man nur als erschreckend bezeichnen kann, zum Beispiel auf einem ehemaligen Bahngelände in der Nähe des Invalidenfriedhofs. Was dort gebaut wird, jetzt wissen wir’s war wohl nur möglich, indem sinnvolle Abstandsregelungen gekippt wurden. Von Zille-Milieu kann noch keine Rede sein, die dort angebotenen Wohnungen stehen nicht nur viel zu dicht beisammen, sondern für wenig Tageslicht müssen die künftigen Bewohner:innen auch noch ein Heidengeld ausgeben. Kein Wunder, dass bauen, bauen, bauen Menschen die sich mit Bauen etwas auskennen und nicht nur auf das Wohl der Investoren schauen, nicht befriedigt. Auf das „wie“ kommt es an, und da werden in Berlin in der Tat Fehler wiederholt, die man schon vor fünfzig Jahren als solche erkannt hat, als manche Großwohnsiedlngen zu Problemzonen wurden. Mit dem Unterschied, dass es dort viel mehr Grün gibt als in den Zonen, die jetzt offenbar nachholen wollen, was andere Städte auf der Welt so unwirtlich und  unmenschlich aussehen lässt. 
 
Die Bauvorhaben, die wir oben angerissen haben, haben bei mir sofort den Gedanken ausgelöst: Es muss viel Plazt für Psychotherapeut:innen-Praxen vorgehalten werden, denn wer dort wohnt, der wird stark depressionsgefährdet sein. Zumindest, wenn er es gewöhnt ist, einen einigermaßen guten Ausblick und ein bisschen Grün vor sich zu haben und nicht in der Dunkelzone, eingekeilt zwischen anderen Vielstöckern zu wohnen. Das, was dort steht, würden wir für kein Geld der Welt beziehen wollen, geschenkt nicht und nicht gefördert. Anstatt dermaßen hirnlos nach einem längst überholten Schema F zu klotzen, hätte man sogar besser mehr in die Höhe gebaut, wenn schon viel Wohnraum auf wenig Fläche entstehen soll, und dazwischen mehr Freiflächen lassen können.
 
Schon die klassischen Berliner Altbauten, die heute noch als Wohnstätten von hoher Qualität gelten, hatten vor über 100 Jahren den Vorzug, dass viel großzügiger gedacht wurde als in anderen europäischen Großstädten, sie waren ausgestattet mit ansehnlichen Innehöfen und meist an der traditionellen Berliner Traufhöhe von 22 Metern orientiert. Die Höfe wurden zwar nach dem Ersten Weltkrieg zugunsten parkähnlicher Anlagen für größere Wohneinheiten aufgebeben, aber man hatte zunächst nicht den Fehler begangen, Wohnbunker zu schaffen, obwohl auch damals schon Wohnungsnot herrschte. So blieb Berlin eine grüne Stadt, selbst, als in den 1960ern und 1970ern im Osten wie im Westen die Großwohnsiedlungen entstanden Dass Berlin so lebenswert ist, liegt heute nicht nur an den vielen Parks, sondern auch an der immer noch guten Relation zwischen Wohnfläche und Grünfläche auf den meisten Grundstücken. Wenn also jetzt gerufen wird: „Mehr Baugebiete ausweisen!“, müssen die Konzepte dafür ökologisch durchdacht sein und vor allem muss richtig gebaut werden, also sozial-, umwelt- und klimaverträglich. Dann kann man sich manchen Betonklotz sparen, der nur als Geldanlage, nur der Profitmaximierung dient und deshalb auf maximale Verdichtung gezielt ist, aber nicht darauf, die Bedürfnisse der städtischen Mehrheit zu erfüllen.
 
Um drauf hinzuweisen, unterstützen wir die Petition „Erhaltung von Stadtgrün“ auch im Sinne der kiezübergreifenden Solidarität und bitten Sie ebenfalls um Ihre Stimme.
 
 
TH
 

2 Kommentare

  1. Ich kann dem Anliegen, dass die Grünflächen erhalten werden sollen nur zustimmen. Das Lebensgefühl sollte abnehmen, wenn wir nur noch in Betonwüsten leben. Natur ist wichtig, weil es uns nicht nur psychisch, sondern auch klimatisch hilft. Städte mit viel Grünflächen kühlen, weil sie Schatten spenden und auch durch die Verdunstung des Wassers in den Pflanzen. Somit sind Pflanzen nicht nur schön anzusehen und gewähren Erholung, sondern sie nicht auch Temperaturregler unseres Stadtkörpers.

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