Easy Rider (USA 1969 ) #Filmfest 642

Filmfest 642 Cinema

Easy Rider ist ein US-amerikanischer Spielfilm aus dem Jahr 1969, der als Kultfilm und Road Movie das Lebensgefühl der Biker der späten 1960er Jahre beschreibt. Am 8. Mai 1969 war Easy Rider der offizielle Beitrag der Vereinigten Staaten zum Film-Festival Cannes. Die Erstaufführung fand am 14. Juli 1969 in den Vereinigten Staaten statt, und am 19. Dezember 1969 kam der Film in die Kinos der Bundesrepublik Deutschland.

Egal, was man von diesem Film hält, er zählt zu jenen, die man gesehen haben muss, wenn man sich als Cineast bezeichnet. Gleichermaßen wichtig ist „Easy Rider“, um die Popkultur der späten 1960er und die damalige Stimmung in den USA zu verstehen, im Grunde alles, was auch bei uns großen Einfluss hatte. Mit diesem Respekt vor einem außergewöhnlichen und innovativen Film ist die Rezension -> geschrieben, die wir auf dem Filmfest vorstellen.

Handlung (1)

Nachdem Wyatt und Billy Kokain erworben und in den Batterien ihrer Scrambler-Motorräder von Mexiko in die Vereinigten Staaten eingeschmuggelt haben, verkaufen sie die Droge an einen Verbindungsmann. Wyatt versteckt die Dollarnoten zusammengerollt in einem Schlauch im Kraftstofftank seines neu erworbenen Choppers, der mit der Flagge der Vereinigten Staaten lackiert ist. Mit ihren umgebauten Harley-Davidson-Motorrädern aus den 1950er Jahren reisen die beiden nach Arizona. Abends werden sie von einem Motel-Besitzer abgewiesen und müssen am Lagerfeuer kampieren.

Sie fahren weiter ostwärts, nach New Orleans zum Mardi-Gras-Karneval. Wyatt nimmt einen Hippie als Anhalter mit, von dem Billy befürchtet, dass er beim Tanken das Geld im Tank entdecken könnte. Stattdessen sorgt der Fremde für eine kostenlose Tankfüllung, zudem führt die Fahrt zu einer Hippie-Kommune samt Ausflug zu einem idyllischen Bad in heißen Quellen.

Als die beiden die Hippie-Kommune verlassen, treffen sie auf eine Parade, der sie hinterherfahren. Daher werden die beiden unterwegs von der Polizei wegen „unerlaubter Teilnahme an einer Parade“ verhaftet und ins Gefängnis gesteckt. Dort schläft der alkoholsüchtige junge Anwalt George Hanson seinen Rausch aus. Dank seiner Beziehungen kann Hanson sie aus dem Gefängnis holen, woraufhin sie ihn mitnehmen.

Auf der Weiterfahrt erreichen Wyatt, Billy und Hanson einen ländlichen Ort in Louisiana, in dem sie in einem Restaurant essen wollen. Dabei flirten die örtlichen Mädchen mit dem Trio. Doch die männlichen Bewohner und selbst der Sheriff diffamieren die drei, wobei angedeutet wird, dass die drei die Gemeindegrenze nicht erreichen werden. Daher verlassen sie die Gaststätte, ohne bedient worden zu sein, und kampieren in der Natur. Als sie in Schlafsäcken schlafen, werden sie von den Dorfbewohnern überfallen und mit Baseball-Schlägern verprügelt. Dabei stirbt George Hanson.

Am nächsten Morgen fahren Wyatt und Billy leicht verletzt nach New Orleans in ein von Hanson empfohlenes Bordell. Dort hat Wyatt angesichts eines Sinnspruches eine Todesvorahnung, während der bereits die Schlussszene des Films, der gewaltsame Tod der beiden Easy Rider, eingeblendet wird. Sie nehmen zwei Prostituierte auf einen Friedhof mit, wo die Einnahme von LSD zu einem psychedelischen Trip führt. Auf dem Rückweg sagt Wyatt resigniert am Lagerfeuer, dass sie „Blindgänger“ seien, was bei Billy auf Unverständnis stößt. Am nächsten Tag fahren die beiden auf einer Landstraße weiter, wobei sie von zwei „Rednecks“ in einem Pickup überholt werden. Der Beifahrer bedroht Billy mit einem Gewehr und fordert den „langhaarigen Hippie“ auf, sich die Haare schneiden zu lassen. Billy reagiert mit einem ausgestreckten Mittelfinger. Daraufhin schießt der Beifahrer, Billy stürzt getroffen zu Boden. Wyatt bremst ab und kehrt zu Billy zurück. Er bedeckt ihn mit seiner Lederjacke und fährt los, um Hilfe zu holen. Der Pickup hat inzwischen gewendet und steuert auf Wyatt zu. Auch auf ihn wird geschossen, das Motorrad fällt und explodiert anschließend am Straßenrand. Die Kamera wendet sich ab und dreht in den Himmel.

Rezension

Obwohl „Easy Rider“ auf den ersten Blick eine eher lässige Handlungskonstruktion hat, ist er dramaturgisch von unerbittlicher Konsequenz. Zum Ende hin werde die Kontraste immer schärfer, die Konfrontation zwischen den beiden Reisenden und der statischen Gesellschaft, von der sie als Eindringlinge empfunden werden wächst, die Spannung steigt. Die Entladung der Gewalt kommt sogar so plötzlich, dass man dies als hauptsächliche Abweichung vom üblichen Muster empfinden kann. Umso eindrucksvoller ist es, zuzuschauen, wie die Träume der beiden Jungs auf ihren kultigen Motorrädern buchstäblich geprügelt und dann getötet werden. Ansatzlose Gewalt nur deshalb, weil Menschen anders ticken als man selbst oder der Mainstream, das ist nach der Trump-Ära in den USA so aktuell wie nie und so diskussionswürdig wie nie zuvor, weil nach diesem Modell, wenn auch mit Abstrichen, westliche Gesellschaften funktionieren und weil sie das immer mangelhafter tun. 1969 stand vor allem die Auseinandersetzung mit dem Vietnamkrieg im Hintergrund und noch heute kann man geteilter Ansicht darüber sein, ob ein Job als Drogendealer die richtige Art ist, finale Freiheit zu gewinnen. Eines ist jedoch sicher: Gegenüber der mörderischen Südstaatengesellschaft ist es diejenige, die weniger Schaden anrichtet. Was im Film nicht gezeigt wird: Die Südstaatenflaggen, die in jenen Bundesstaaten, durch welche die Reise der beiden Hippies am Ende führt, überall herausgehängt werden. Sie stehen für Sklaverei und Unterdrückung, es wäre an der Zeit, sie in den USA ebenso zu verbieten wie bei uns die Insignien des Nationalsozialismus. Allerdings sind selbst diese in den USA nicht verboten, so ist das mit der Meinungsfreiheit. Sie kann auch missbraucht werden, um einer ständig steigenden Neigung zur Gewalt Vorschub zu leisten. Sie ist in Wahrheit, wie das Eigentum, kein Recht, das keiner Abwägung mit anderen Rechtsgütern wie der Menschenwürde zugänglich ist.

Hin und wieder sieht man Häuser wohlhabender Weißer, die mit dem Sternenbanner ausgerüstet sind, aber wir verstehen in diesem Moment schon: Damit ist nicht das gemeint, was „Captain America“ (Peter Fonda) mit seinem Helm und der Bemalung des Motorradtanks ausdrücken will und im Süden werden sie sogar als Yankees diskriminiert. Waren sie für das gerüstet, was auf sie wartete? Sicher nicht, denn Los Angeles (die Abkürzung L.A. war wohl damals selbst in den USA nicht allen bekannt) kennt diese Form von radikalem Spießertum nicht. So wirkt es und natürlich feiert sich die Filmstadt damit selbst; produziert wurde „Easy Rider“ nämlich nicht als Indie-Movie, sondern von der Columbia, also einem der größeren und traditionellen Hollywood-Studios. Das schmälert seine Stellung als eines der ersten vollständigen New-Hollywood-Werke nicht, denn immerhin war das US-Kino damals in der Lage, sich aus sich selbst heraus zu erneuern, anders als z. B. in Deutschland, wo in den 1960ern umständlich quasi von vorne angefangen wurde, bis einige Zeit später eine Art Harmonisierung zwischen künstlerischem Ausdruck und der Publikumsfähigkeit der Film erreicht war. Auch die amerikanische Zivilgesellschaft hätte sich erneuern können, wenn nicht schon so viel passiert gewesen wäre. Die politischen Morde und Vietnam blieben nicht ohne Auswirkungen und brachten Gegensätze hervor, die man nicht mehr einfach durch In und Out beschreiben konnte, hier ein paar rebellische Jugendliche, wie sie in den 1950ern schon in Filmen dargestellt wurden und da eine Mehrheitsgesellschaft, die das Recht hat, diese Menschen moralisch zu bewerten.

Vielmehr wird die Hippie-Kultur in „Easy Rider“ als gleichermaßen friedlich wie weitgehend intakt beschrieben, selbst Billie ist dafür im Grunde nicht der richtige Typ, denn er versteht Freiheit vor allem im Sinne individueller Selbstverwirklichung, während die Kommunisten, die sie im engeren Sinn des Wortes ja sind, vor allem die Aufhebung von Machtstrukturen und damit die Selbstermächtigung in den Vordergrund stellen, obwohl das Leben jenseits des Konsums und der üblichen Strukturen hart ist, geradezu biblisch hart und notabene spirituell fundiert. Zuvor wird das Lebensmodell der klassischen Familie beschrieben, der ersten Menschen, auf die Wyatt und Billy treffen. Die historischen Personen Wyatt Earp und Billy the Kid, Legenden des Westens, sind offenbar die Vorbilder bei der Namensgebung für die beiden Hauptfiguren gewesen, die Marvel-Comics mit ihren Superhelden enhalten auch die Figur „Captain America“; das wissen auch jüngere Filmfans aufgrund der Kino-Adaptionen dieser Comics, die in den letzten Jahren sehr erfolgreich waren. Allerdings mit einem komplett anderen Spin: Superhelden sind aufgrund ihrer übernatürlichen Fähigkeiten keine demokratischen Figuren, während die Biker und diejenigen, auf die sie treffen, demokratische Prinzipien verhandeln und von Antidemokraten umgebracht werden. 

Als ersten trifft es den jungen Anwalt, der den beiden sozusagen zuwächst. Er wird gespielt von Jack Nicholson, der sofort das Geschehen dominiert, als er die beiden Jungs aus dem Gefängnis holt, mit ihnen reist und dabei philosophisch wird. Die Mischung aus Aliens, die seit 1946 in den USA einwandern (die UFO-Sichtungen und vorgeblichen Abstürze in Nevada sind dafür der Ansatzpunkt), um die Gesellschat friedfertig und heimlich zu unterwandern, weil sie auf den Schock der wirklichen Freiheit nicht vorbereitet ist. Das ist alles andere als trivial, denn es zeigt, was bis heute nicht widerlegt ist: Menschen sind nicht in der Lage, aus eigenem Antrieb ihre Fesseln abzuschütteln und autonom zu werden. Das gilt selbst für diejenigen, die sich für autonom halten, denn die Lebenslüge darin besteht allzumeist darin, dass sie ohne Staatleistungen nicht in der Lage wären, ihr Lebensmodell aufrechtzuerhalten.

Daher ist der schlichte Familienvater, der Agrarier oder Pferdezüchter, unabhängiger als sie und der Versuch, es anders zu machen, gipfelt in der Landkommune, in der geerntet wird, was man sät und in der man darauf vertraut, dass es irgendwann regnen wird. So gesehen, ist auch diese Gesellschaft nicht frei, denn sie setzt sich frewillig den Unwägbarkeiten der Natur aus, die wir weitgehend aus unserem Leben eliminiert haben, das tägliche Dasein ist selbst im Prekariat nicht mehr so hart, könnte man witzeln. Aber ist es deshalb erfüllender als da draußen sein Glück zu versuchen und so viel wie möglich selbst zu machen? Wohl kaum, es entspricht aber auch nicht einem solidarischen Gesellschaftsmodell, wie es in unserer Zivilisation zu verwirklichen sein könnte, denn die hochgradige Arbeitsteilung wird uns erhalten bleiben, und damit auch die Abstraktion zwischen eigener Tätigkeit und dem, was am Ende in der Gesellschaft davon sichtbar wird. 

Die beiden Hauptdarsteller sowie Jack Nicholson und andere Akteure hatten zuvor schon in verschiedenen „Motorradrocker“-Filmen mitgewirkt und wollten die Popularität der simpel gestrickten Actionfilme für ein anderes, persönlicheres Werk nutzen. So entstand mit „Easy Rider“ ein Film mit relativ wenigen Dialogen, mit viel Untermalung durch zeitgenössische Rockmusik und im weiteren Sinne ein bildhaftes Szenenspiel aus nonverbalen Kommunikationsversuchen.

Der erste Hollywoodstar, war Marlon Brando in „The Wild One“ aus dem  Jahr 1952, aber so sehr dieser Film auch den Figuren versucht nahezukommen, die ihn bevölkern, er enthält nur wenige Anmerkungen zu den persönlichen Hintergründen, die deren Gespräge mitbestimmt haben, und lässt den Zuschauern jener Zeit sehr viel Spielraum.

Es werden kaum Fakten und Hintergründe mitgeliefert, vieles bleibt Spekulation. Die Vornamen der beiden Hauptfiguren werden nur nebenbei erwähnt, zur Mitte oder am Ende des Filmes. Eine ursprünglich geplante Einführung der Protagonisten als Sensationsdarsteller auf Jahrmärkten, die in Kostümen der Western-Legende Billy the Kid und der Comic-Figur Captain America Kunststücke mit den Motorrädern vorführen, wurde laut Interview-Aussagen samt Hubschrauber-Verfolgungsjagd mit der Grenzpolizei weggelassen, da sie zu konventionell erschien.

Das war 1969 auch nicht mehr ganz so notwendig, denn die Hippie-Kultur war bereits recht gut erforscht und die Rockmusik beinahe mainstreamig, zumindest in der jungen Generation. Dass die beiden Protagonisten der Sinnsuche im Hier und Jetzt Priorität gegenüber dem Weg von der Vergangenheit in die Zukunft eingeräumt haben, ist allerdings eine Ausnahme ist es bis heute. Deshalb ist „Easy Rider“ auch ein Sehnsuchtsfilm geblieben, keine Blaupause für die Weiterentwicklung der Gesellschaft geworden. Das überaus pessimistische, schockierende Ende sorgt nicht nur dafür, dass „Easy Rider“ noch immer mit einer Ab-16-Empfehlung ausgestrahlt wird, sondern auch für die Klarstellung der Tatsache, dass die Freiheit nicht zu verwirklichen ist. Zumindest nicht auf die letztlich doch naive Weise, auf die Wyatt und Billy es versucht haben. Die Freiheit in den USA ist in weiten Landstrichen die Freiheit im Handeln, die man hat, wenn man sich den Konventionen anpasst, sonntags in die Kirche geht und sich auch sonst bei den üblichen Gemeindeaktivitäten einbringt. Wer das auf dem Land nicht tut, zudem vielleicht einer Minderheit angehört, hat es nach wie vor nicht leicht. Das ist ein Grund, warum Städte so attraktiv sind: Auf engerem Raum ist die persönliche Freiheit größer und niemand wird zu etwas mehr oder weniger gedrängt oder gar gezwungen. Nicht umsonst kommen die beiden Biker aus L. A., wenn schon nicht aus Frisco, der Metropole der kalifornischen Hippiekultur, die vom Heartland so weit entfernt ist wie die Aliens, die George Hanson herbeiredet, von den primitiven Erdlingen.

Die Aussage des Films ist bewusst offen gehalten. Nur das Motto „Ein Mann suchte Amerika, doch er konnte es nirgends mehr finden“ wird dem Zuschauer auf dem Filmplakat mitgegeben. Und auch bei Wyatts Bemerkung in der finalen Szene am Lagerfeuer (Hopper: „Wir sind die Größten.“ Fonda: „Weißt du, was wir sind? Blindgänger!“ Engl.: „You know Billy, we blew it“) ist nicht klar, ob damit nur sie selbst oder die Gesellschaft insgesamt gemeint ist.[3] Selbst im englischsprachigen Raum sind die Bedeutungen des Südstaaten-Slang-Ausdruckes Easy Rider nicht allgemein bekannt – ein „entspannter Motorradfahrer“ ist jedenfalls im Film zu sehen; Easy Rider bezeichnet allerdings auch jemanden, der einen unmoralischen Lebenswandel unter Ausnutzung einer Prostituierten führt, ohne für deren Dienste zu bezahlen. So werden die Vereinigten Staaten und die Freiheit als Hure dargestellt, die von allen ausgenutzt wird.

Stilistisch fällt „Easy Rider“ durchaus durch die eine oder andere Inkohärenz auf, zum Beispiel durch die unscharfen Bilder, die in New Orleans beim Mardi Gras entstanden oder durch die LSD-Sequenz, in der religiöse und familiäre Konflikte aufbrechen und nicht etwa harmonisiert werden. Wie die Hippiebewegung selbst, die mit ihren Grenzen gezeigt wird, kann auch der Drogenrausch nicht als Ausweg aus der Konventionsfalle herangezogen werden. Einige weitere experimentelle Ansätze sind erhalten geblieben, die Dennis Hoppers Regie zuzuschreiben sind. 

Nach einigen Auftritten im Fernsehen wurde er [Hopper] von Warner Brothers unter Vertrag genommen. Zwei seiner ersten Filmrollen hatte er in den James-Dean-Klassikern …  denn sie wissen nicht, was sie tun und Giganten. Dean zählte auch privat zu seinen Freunden; sie beide verband die Leidenschaft für schnelle Autos und Motorräder. Da Hopper jedoch als stur und unbelehrbar galt, wurden ihm kaum Hauptrollen angeboten. Er besuchte die Lee-Strasberg-Schule The Actors Studio und trat in einigen Western in Nebenrollen auf. Über den B-Movie-Regisseur Roger Corman lernte er Peter Fonda kennen und freundete sich mit ihm an.

1969 drehten die beiden mit einem Budget von rund 400.000 US-Dollar das Roadmovie Easy Rider. Der Film wurde zum Kultfilm der Hippie-Bewegung und schließlich zur Legende, ebenso der berühmte Titelsong Born to Be Wild. Ein Grund dafür war, dass er sich grundlegend von allem unterschied, was man bis dahin im Kino gesehen hatte. Easy Rider passte in kein Schema, wirkte nicht angestaubt, sondern frisch – New Hollywood war geboren und hatte mit Dennis Hopper, Peter Fonda und Jack Nicholson drei seiner ersten Helden gefunden.

Nur noch einmal, mit „Colors – Farben der Gewalt“ erreichte Hopper als Regisseur ein breites Publikum, „Easy Rider“ blieb ein ein spektakulärer Ausnahmeerfolg. Er stand im Jahr 1969 zeitweilig auf Platz eins der US-Kinocharts und spielte insgesamt mehr als das 250-fache seines Budgets ein. 

Finale

Easy Rider hatte eine zwiespältige Wirkung. Viele Zuschauer konnten sich damit identifizieren, noch mehr waren und sind jedoch irritiert oder reagierten gar aggressiv. Einerseits hielt der Film der amerikanischen Gesellschaft einen Spiegel vor, der ihr nicht gefallen konnte: Die USA seien kein Land der unendlichen Möglichkeiten, der Toleranz und der freien Gesellschaft. Auch abseits der Großstädte sei das Land nicht mehr das unberührte Paradies, für das es die Hippies damals hielten. Je weiter man in den USA nach Süden komme, desto mehr bekomme man den Hass jener zu spüren, die zwar ständig von Freiheit redeten, aber aggressiv auf alle reagierten, die sie sich nehmen. Nach Meinung vieler Zuschauer ist Easy Rider trotz der unversöhnlich erscheinenden Gesellschaftskritik letztendlich ein Road-Movie, das den Glauben an Freiheit und Abenteuer aufrechterhält.

Dass weite Teile der US-Gesellschaft noch immer irritiert sind, wie es oben angedeutet wird, kann jeder nachvollziehen, der mehrere konservative Rollbacks seit den 1960ern erlebt hat oder über sie gelesen hat. Typen wie die beiden Hauptfiguren sind schon im Mainstreamkino der 1980er als verpeilte Auslaufmodelle lächerlich gemacht worden, der nächste Rückschlag für eine gesellschaftliche Progression, die alle mitnehmen kann und nicht spaltet, kam spätestens mit 9/11 und auf die innenpolitisch moderatere Obama-Zeit folgten vier Jahre, in denen es wirkte, als fühlten sich die Konservativen geradezu erlöst. Ja, auch befreit, nach ihrer eigenen Definition, die andere ausgrenzt und keinen Platz für andere Ansichten bereithält.

Die IMDb-Nutzer:innen sehen den Film aktuell bei 7,3/10. Das ist recht weit von der Top-250-Liste entfernt, trotzdem haben wir nachschaut, ob „Easy Rider“ dort jemals enthalten war. Dies ist nicht der Fall. Dieses Roadmovie ist eben kontrovers, aber wir halten den Film für besonders wichtig, weil er so fundamental mit amerikanischen Mythen bricht. Und natürlich die Musik. „Born to be Wild“ von Steppenwolf ist nun einmal Kult.

Künstler Titel Komponist
Steppenwolf The Pusher Hoyt Axton
Steppenwolf Born to Be Wild Mars Bonfire
The Byrds I Wasn’t Born to Follow Gerry Goffin & Carole King
The Band The Weight Robbie Robertson
The Holy Modal Rounders If You Want to Be a Bird Antonia Duren
Fraternity of Man Don’t Bogart Me Elliott Ingber & Larry Wagner
The Jimi Hendrix Experience If Six Was Nine Jimi Hendrix
Little Eva Let’s Turkey Trot Gerry Goffin & Jack Keller
The Electric Prunes Kyrie Eleison David Axelrod
The Electric Flag An American Music Band Flash, Bam, Pow Mike Bloomfield
Roger McGuinn It’s Alright Ma
(I’m Only Bleeding)
Bob Dylan
Roger McGuinn Ballad of Easy Rider Roger McGuinn

88/100

© 2021 Der Wahblerliner, Thomas Hocke

(1), kursiv, tabellarisch: Wikipedia

Regie Dennis Hopper
Drehbuch Dennis Hopper,
Peter Fonda,
Terry Southern
Produktion Peter Fonda,
William Hayward,
Bert Schneider
Musik Steppenwolf
und andere
Kamera László Kovács
Schnitt Donn Cambern
Besetzung

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