Harry und Sally (When Harry Met Sally, USA 1989) #Filmfest 651

Filmfest 651 Cinema

Harry und Sally ist eine Liebeskomödie des Regisseurs Rob Reiner aus dem Jahr 1989 mit Billy Crystal und Meg Ryan in den Hauptrollen. Das Drehbuch schrieb Nora Ephron.

„Harry und Sally“ gilt als Klassiker der Romantik-Komödie und war stilprägend für das kommende Jahrzehnt, die 1990er. Ist der Film heute noch reizvoll und was lässt sich aus ihm über Männer und Frauen ableiten? Darüber sprechen Anni und Tom in der –> Rezension.

Handlung (1)

Harry und Sally, die beide ihren College-Abschluss 1977 in Chicago gemacht haben, lernen sich auf einer gemeinsamen Autofahrt nach New York kennen. Die Reise stellt sich als wenig harmonisch heraus, da beide ständig unterschiedlicher Meinung sind. So ist Harry der Meinung, Männer und Frauen könnten nie miteinander befreundet sein, weil ihnen immer der Sex dazwischen komme. Sally widerspricht dieser Auffassung. In New York angekommen (nahe dem Washington Square Arch), trennen sie sich auch sofort wieder.

Fünf Jahre später treffen sich die beiden zufällig am Flughafen und im Flugzeug. Sally ist zu diesem Zeitpunkt mit Joe zusammen und Harry ist mit Helen verlobt. Fünf weitere Jahre später treffen sich beide wieder in einem New Yorker Buchladen. Als sie ins Gespräch kommen, erfahren sie, dass beide von ihren Partnern getrennt sind. Sie verabreden sich, führen lange Telefongespräche und werden zu Freunden. Der Versuch, sich gegenseitig zu verkuppeln, führt dazu, dass sich ihre Freunde ineinander verlieben. Eines Abends ruft Sally weinend bei Harry an, weil sie gerade erfahren hat, dass ihr Ex-Freund Joe heiraten wird. Harry kommt sofort zu ihr, um sie zu trösten. Der Abend endet damit, dass sie Sex miteinander haben. Am nächsten Morgen flüchtet Harry mit einer Ausrede schnell aus der Wohnung. Die Freundschaft kühlt sich daraufhin ab und Sally ruft Harry einige Zeit nicht mehr zurück.

Auf eine Silvester-Feier geht Sally alleine, fühlt sich dabei aber nicht wohl und will noch vor Mitternacht gehen. Harry geht an diesem Abend alleine durch die Straßen und redet sich ein, dass es ihm allein auch gut gehe. Als er an jenen Ort ankommt, an dem die beiden sich nach der Autofahrt von Chicago das erste Mal getrennt haben, erinnert er sich an viele Erlebnisse mit Sally. Harry merkt, dass er Sally liebt. Sofort eilt er zur Silvester-Feier und findet Sally dort, als sie gerade gehen will. Er gesteht Sally seine Liebe und beide küssen sich. In einem letzten Interview erfährt man, dass sie geheiratet haben.

Rezension

A(nni): Wie oft hast du den Film gesehen, bevor du jetzt darüber schreibst? Ich sicher zehnmal.

T(om): Etwa 24 Mal. Ich bin ja etwas älter als du. Nein, natürlich nicht, aber ich denke, heute dürfte so das fünfte Angucken gewesen sein. Höchste Zeit, das Kapitel abzuschließen.

A: Ich glaub, für mich ist es noch nicht abgeschlossen. Das ist also der Starter der Romantikkomödien-Welle der 1990er?

T: Mit all ihren Verästelungen wie dem Brit-Wave und der etwas ernsteren Variante, die ja gerne vom selben Team (insbesondere von Nora Ephron, die bei „Harry und Sally“ das Drehbuch beisteuerte, inszeniert wurde). Soweit es Meg Ryan als Hauptdarstellerin betrifft, endet das Ganze zehn Jahre später mit „E-Mail für dich“.

A: Ich bin froh, dass „Harry und Sally“ so locker ist, nicht gleich so schrecklich tragisch beginnt wie zum Beispiel „Schlaflos in Seattle“, der erste Film, den Ephron mit Tom Hanks und Meg Ryan als Paar gemacht hat. Mit „locker“ meine ich, es gibt keine Schicksalsschläge. Es sei denn, man sieht das Ende einer Beziehung als Schicksalsschlag an.

T: Der Stil ist anfangs gar nicht so locker, finde ich, wirkt fast etwas verkrampft, das ist mir heute mehr aufgefallen als bei früheren Sichtungen. So etwas gewollt flockig, man merkt, dass der neue Stil der 1990er noch nicht komplett gefunden war. Dann aber, im weiteren Verlauf, definiert der Film diesen Stil geradezu, und irgendwie passt das ja auch, denn die Handlung beginnt im Jahr 1977 und endet in der damaligen Gegenwart, also 1988.

A: Das kommt auch daher, dass Sally sich anfangs so spießig verhält. Das hat sich heute wohl am meisten geändert, dass Frauen nicht mehr so künstlich auf modern gedreht werden müssen, im Verlauf eines Films.

T: Das ist Sally, nicht irgendeine typische Frau. Und sie wird von Meg Ryan gespielt, nicht von irgendeiner anderen Schauspielerin. Damals gab es niemanden sonst, der diese Rolle so hätte umsetzen können. Ein paar Jahre später hätte es Andra Bullock wohl auch gekonnt – obwohl, das leicht Zickige – man weiß es nicht, jedenfalls ist es herausragend gemacht.

A: Und ihr Männer lernt was fürs Leben. Aber können Frauen und Männer jetzt einfach nur Freunde sein?

T: Schau auf uns.

A: Ich glaube das auch. Warum denn nicht? Das würde ja ein riesiges Panorama  zerstören, wenn man nur Freunde desselben Geschlechts haben könnte, ohne immer an Sex zu denken.

T: Ich tendiere trotzdem und allgemein zu Harry Ansicht. Mittlerweile gibt es nur noch eine einzige dauerhafte Beziehung bei mir, die immer nur eine Freundschaft war.  

M: Ich habe viele männliche Freunde, die ich auch attraktiv finde und von denen ich doch weiß, dass ich nie was mit ihnen haben werde. 

T: Sind das alles richtige Freunde oder eher Bekannte? Wenn ich den Kreis ganz weit fasse, kann ich das für mich so auch bestätigen.

A: Jetzt fangen wir aber nicht an, „Freundschaft“ zu definieren, das kann man nicht eindeutig. Aber eines gab es nie – dass ich über zehn Jahre jemandem immer wieder begegnet bin, ihn erst einmal nicht leiden konnte, und dann wurde mehr draus. 

T: Aber das ist ja der Witz an dem Film. Die langen Pausen, die aber auch logisch sind, weil man einander anfangs ja angeblich nicht leiden kann. Vermutlich hat aber immer schon mehr dahinter gesteckt.

A: Ich sage nicht, dass der Film daraus nicht seinen Witz bezieht, diese Art von Komödien lebt  davon, dass unwahrscheinliche Situationen plausibel gemacht werden. Das ist das Romantische an Romantik-Komödien. Man glaubt, so etwas könnte einem doch auch mal passieren. Wir denken immer über uns selbst nach, bei solchen Filmen. Nicht politisch, wie wir das hier auch gerne mal tun, sondern wir gleichen unser Leben und die wahr genommenen und verpassten Chancen intuitiv mit dem ab, was wir auf dem Bildschirm sehen und sind dabei doch auch von Sehnsüchten belagert … der war jetzt gut, oder? Also, mit der Intuition meinte ich uns Frauen.

T: Männer sind auch romantisch, obwohl diese Filme immer ein wenig mehr von Frauen geschätzt werden. Ich hab gerade nachgeschaut, der Unterschied ist hier marginal, die IMDb insgesamt weist 7,6/10 bei den Nutzerbewertungen aus. Im Schnitt 0,2 Punkte mehr von Frauen.

A: Das belegt doch, dass der Film gelungen ist, wenn er für beide Geschlechter was bietet. 7,6/10 finde ich allerdings, ich greife jetzt schon vor, etwas zu dürftig. (Anmerkung: Auch zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des überarbeiteten Entwurfs der Rezension auf dem Filmfest Ende 2021 liegt die Durchschnittswertung noch bei 7,6/10.)

T: Ich hab im Wege einer anderen Rezension meine These aufgestellt, dass die Romantik-Komödien jener Zeit etwas darunter leiden, dass unser Weltgefühl sich so verändert hat. Filme, in denen es um Gefahr, um existenzielle Situationen geht, Dramatik, Abenteuer, leider auch Gewalt, sind zeitloser oder liegen sogar mehr im Trend.

A: So, ich hab jetzt in der Wayback Machine nachgeschaut. Leider kann man da nicht mehr alles einzeln aufrufen, aber ich bin ins Jahr 2000 gegangen, also vor 9/11 und diesem anderen Weltgefühl seitdem, und hab die Top 250 angeschaut. Die ging damals runter bis 7,6/10 – und da ist „Harry und Sally“ nicht mit drauf. Hm. Was nun?

T: Wenn ich meine These jetzt stützen will, wird’s zu kompliziert, denn 7,6/10 heute und damals sind nicht das Gleiche, viele Bewertungen haben sich geändert und damit hat sich auch der Durchschnitt geändert. Ob das bei „Harry und Sally“ auch so ist? Dazu müsste man sich eben doch den einzelnen Film anschauen können, wenn er nicht auf so einer Liste steht, und das geht ja nicht, sagst du.

A: Ich hab’s zumindest nicht hinbekommen. Also: Ein furioser Hecht im Komödien-Karpfenteich war das wohl nie. Wurde auch nur für einen einzigen Oscar nominiert: Nora Ephrons Drehbuch. Dafür hat mich der Film etwas an Woody Allens Großstadtkomödien erinnert. Schon wegen der Musik. Das ist ja ein typischer Allen-Tick oder Trick, die alten Songs entweder im Original oder in einer leicht modernisierten Version zu verwenden, um die Stimmung  romantischer zu machen.

T: Bei Allen ist da aber mehr, sagen wir, liebevolle Ironie dahinter. Erinnerung und seltsame Typen. Okay, Harry ist auch etwas seltsam, nicht gerade ein Traummann, verhaltensmäßig, aber die Musik wurde hier neu aufgenommen (mit Harry Connick jr.).

A: Okay, Gedankensprünge sind ja immer plötzlich. Aber sag selbst, ist die Stimmung besonders des New Yorker Teils nicht ähnlich?

T: Ja und nein. Die Leute sind ähnlich, was ihre Beziehungsmuster angeht, aber es fehlt das herrliche, pseudo-intellektuelle Gesabber, mit dem Allen sein eigenes Milieu auf die Schippe nimmt. Die Dialoge von „Harry und Sally“ funktionieren, aber sie sind sehr direkt, nicht so schön am Thema vorbei, so mehrbödig und gerade dadurch pointiert, wie manchmal in „Annie Hall“ oder „Manhattan“, den Spitzenfilmen unter Allens Großstadtkomödien.

A: „Harry und Sally“ ist so gemacht, dass auch Menschen lachen können, die sich nicht mit moderner Malerei oder Literatur auseinandersetzen. So, ich schreib mal meine Punkte auf.

T: Ich gebe 8/10. Mehr für die Szenen, die mich berührt haben, als für die Komik. Manche Dinge funktionieren einfach immer, wenn man sie gut inszeniert. Und das waren bei mir die beiden Silvesterzenen. Welche auch sonst?

A: Ich habe 8,5/10 notiert. Das heißt, wir bleiben bei 8 stecken, weil bei unserer speziellen Rundungsweise die Viertel immer abgerundet werden. 

80/100

© 2022 Der Wahlberliner, Thomas Hocke (Entwurf 2016)

(1), kursiv und tabellarisch: Wikipedia

Regie Rob Reiner
Drehbuch Nora Ephron
Produktion Rob Reiner,
Andrew Scheinman
Musik Marc Shaiman
Kamera Barry Sonnenfeld
Schnitt Robert Leighton
Besetzung

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