Murot und das Prinzip Hoffnung – Tatort 1179 #Crimetime Vorschau 21.11.2021, Das Erste, 20:15 Uhr #Tatort #LKA #Hessen #Murot #HR #Hoffnung #Prinzip

Crimetime Vorschau – Titelbild © HR, Bettina Müller

Redet hier jemand von Hoffnung?

Sie kennen das Murot-Prinzip nicht? Dann verraten wir es Ihnen. Es lautet: 10 Fälle in 10 Jahren. Eigentlich sogar in elf Jahren, aber wir wollen es nicht mit der Präzision übertreiben. Das war aber nur ein Teil des Prinzips. Der andere: Lass es außergewöhnlich sein, Felix! Und das waren alle Murot-Filme bisher. Mehrere davon zählen zu den besten der abgelaufenen Dekade und interessant waren sie alle, experimentell, manchmal etwas übertrieben, nie langweilig, großes Tatortkino meistens. So groß, dass für die Hauptschiene des HR, Frankfurt, vielleicht nicht zu wenig Ungewöhnliches zum Filmen übrig blieb, aber zu wenig ungewöhnlich Gutes. Die Kritiker:innen versuchen immer mal wieder, den eigentlichen HR-Tatort hochzuschreiben, aber das Publikum ist auch mehrere Jahre nach dem Wechsel von Steier / Mey zu Janneke / Brix nicht mehrheitlich überzeugt. Murot hingegen ist bereits ein Klassiker. Ohne ihn und seinen Darsteller Ulrich Tukur wären wichtige Beiträge zur Weiterentwicklung des Formats nicht auf dem Bildschirm erschienen. Dieser Mut hat sich gelohnt und dazu beigetragen, dass die nach wie vor wichtigste deutsche Krimi-Reihe sich immer erneuert, sich kontrovers besprechen lässt und am Puls der Zeit bleibt.

In seinem mittlerweile zehnten Fall wird der Wiesbadener LKA-Ermittler Felix Murot (Ulrich Tukur) mit einer Mordserie konfrontiert, die ihn in seine eigene Vergangenheit als Philosophie-Student führt. Sein ehemaliger Professor, der inzwischen als Obdachloser unter einer Brücke lebt, ist das Opfer eines brutalen Verbrechens geworden. Murot taucht ein in eine zerstörte und von sich selbst entfremdete Familie, deren Teil er einst war. Er muss einiges an psychologischem Gespür aufwenden, um den Fall zu lösen. So leitet die Redaktion von Tatort-Fans ihre Besprechung zum 1179. Tatort ein und kommt zu folgendem Schluss: Ein leiser, tiefgründiger, dabei aber keineswegs langweiliger Krimi (…), auch wenn Murots zehnter Fall weniger experimentell ausfällt als die vorherigen Beiträge. Dennoch ist auch diese Produktion künstlerisch ambitioniert: Die Rückblenden Murots, die psychologisch motivierten Figurenaufstellungen und die verschiedenen Perspektiven der Figuren werden geschickt in die Handlung integriert. (…) Ulrich Tukur spielt seinen etwas schrulligen LKA-Beamten einfach grandios: Wie er sich zwischen akademischem Milieu, Polizeikommissariat und China-Imbiss souverän bewegt und dabei in jeder Situation authentisch bleibt, ist herrlich anzusehen. Auch das restliche Ensemble mit Karoline Eichhorn und Lars Eidinger an der Spitze kann voll und ganz überzeugen. Also: fünf Sterne für Monsieur Murot.

Damit könnten wir es eigentlich gut sein lassen, der Auftrag ist erfüllt: Fünf von fünf Sternen. Kommt es aber auch bei uns zum zweiten Mal in unserer Geschichte von über 1000 Rezensionen zu zehn von zehn Punkten (einmal gab es sie bisher für „Reifezeugnis“ und einmal beinahe [9,5/10] für den – sic! – Murot-Tatort „Im Schmerz geboren“). Es gibt einige Teams, die sich wegen herausragender Leistungen über Jahrzehnte hinweg zehn Punkte verdient hätten, aber es geht eben immer um den einzelnen Fall, nicht um „Ehrenoscars fürs Lebenswerk“ und deshalb ist Murot dichter dran, die zweite „10“ zu bekommen als viele andere Ermittler:innen.

Was meint der SWR3-Tatortcheck?

Fazit zu Tatort Wiesbaden mit Lars Eidinger. Auch wenn sich alles bei „Murot und das Prinzip Hoffnung“ um die Philosophie dreht, ist akademische Vorbildung nicht nötig, um Spaß an dem Fall zu haben. Denn die klasse Schauspiel-Leistung ist schon selbst ein Genuss. Wer dazu noch ein Faible für sonderbare Geschichten und Menschen hat, wird diesen Tatort mögen.

Eidinger mal nicht in einem Borowski-Tatort, heißt es einleitend. In Kiel war er in der Tat mindestens dreimal zu sehen und es ist erstaunlich, dass wir uns daran sofort erinnern, auch inhaltlich („B. und der stille Gast“, und „B. und die Rückkehr des stillen Gastes“, „B. und der gute Mensch“). Allerdings hatte er zuvor auch schon in einem Odenthal-Tatort und später in einem Münchener Fall mitgespielt und sein Krimistart waren zwei Filme der Reihe Polizeiruf 110. Der Theaterschauspieler, der von der Berliner Schaubühne kommt, ist mittlerweile aus der deutschen Fernsehlandschaft nicht mehr wegzudenken und einer der besten, wenn nicht der beste seiner Generation. Er hat uns zuletzt u. a. in „Babylon Berlin“ mit einer wichtigen, alle drei bisherigen Staffeln überspannenden Nebenrolle beeindruckt. Kaum jemand kann abgründiger spielen als er und damit ist er der kongeniale Partner für den Tiefseelenforscher Murot. Der SWR 3 vergibt 4 von 5 Elchen, das ist schon fast zu wenig dafür, dass es bei uns auf 10/10 hinauslaufen könnte. Spaß beiseite, es sieht weiterhin recht gut aus.

Thomas Gehringer äußert sich in Tittelbach-TV so:

Eine Serienmord-Ermittlung als unterhaltsame, dialogstarke Zitate-Schlacht, gewürzt mit schauspielerischer Extraklasse (Eidinger, Winkler, Friedel): Auf den „Tatort“ mit Ulrich Tukur als zuverlässigen Lieferanten außergewöhnlicher Filme ist Verlass. In dem Krimi-Drama „Murot und das Prinzip Hoffnung“ (HR) wird nach einem Gemüsehändler mit türkischen Wurzeln und einem chinesischen IT-Fachmann auch ein obdachloser, ehemaliger Philosophie-Professor getötet. Kommissar Murot war als Student und Anhänger des getöteten Akademikers früher häufig Gast der Familie. Herausragendes Drehbuch (Martin Rauhaus) und eine kreative Inszenierung (Rainer Kaufmann) mit einigen unvergesslichen Momenten.

Dafür gibt es 5 von 6 möglichen Sternen und da der Durchschnitt bei Tittelbach-TV bei ca. 4,5/6 liegt, gilt der Film dieser Publikation „als Ausreißer nach oben.“ Offenbar soll das auch für den kommenden Dortmund-Krimi „Masken“ gelten, freuen Sie sich also bitte schon mal nach dem philosophischsten aller Tatortkommisssare auf den schrägsten von allen.

Christian Buß vom „Spiegel“ letztlich hat wieder eine schöne Überschrift gefunden:

Liebling, ich habe die Verdächtigen geschrumpft. Die ganz harte Frankfurter Schule: Murot untersucht den Mord an einem ehemaligen Starphilosophen und kämpft sich durch einen Haufen Zitate. »Tatort« mit Adorno-Touch, bisschen überreizt.

Die Überreizung sorgt dafür, dass es nur zu 6/10 kommt, dadurch sind für uns 10 jetzt leider auch gestorben, denn was soll man tun, wenn ein Kritiker dieses Formats durchblicken lässt, dass er auch ein wenig Scheinintellektualität oder Pseudophilosophisches wittert, es selbst aber nicht überprüfen kann, ob er richtig liegt? Lassen wir ihn noch einmal zu Wort kommen:

Das Problem ist, dass hier die vielen Anspielungen (Bloch! Orwell!! Pound! Milton! Eliot!) [Adorno!, A. d. Verf.] über Strecken als Zitatkanonade in den Plot geballert werden, ohne die Geschichte in ihrer inneren Logik voranzutreiben. Über Strecken sehr unterhaltsam, am Ende ziemlich überreizt, dieser Generationenkonflikt aus Frankfurt, der Stadt der Dichter und Banker.

Dieses Mal ist Buß nicht ganz zu trauen, schon wegen der vielen Strecken, die gar nicht seinem sonst abwechslungsreichen Stil entsprechen. Wir wissen heute Abend bereits mehr und freuen uns auf jeden Fall auf tolle Schauspielleistungen, denn darin sind sich wohl alle einig, dass diese nichts zu wünschen übrig lassen.

TH

Handlung

Eine Mordserie erschüttert Frankfurt. Drei Männer werden per Genickschuss getötet, zwischen den Opfern gibt es keinerlei Verbindung. Da es sich um zwei „Nicht-Deutsche“ und einen Obdachlosen handelt, vermutet man zunächst einen Täter aus dem rechten Milieu. Aber Kommissar Murot vom LKA Wiesbaden hat einen anderen Verdacht. Er glaubt, dass die beiden ersten Morde nur den Zweck hatten, das Ganze wie eine Mordserie aussehen zu lassen, während es dem Täter in Wahrheit nur um das dritte Opfer ging: Jochen Muthesius. Der Obdachlose war ein ehemaliger Philosophieprofessor, bei dem auch Murot studiert hat. In einer Zeit, in der Träume von einer besseren Welt und das „Prinzip Hoffnung“ noch lebendig waren.

Für Muthesius lief es anders. Nach einer Familientragödie lebte er seit Jahren auf der Straße. Und doch besaß er noch immer eine Villa in Kronberg und ein erhebliches Privatvermögen. So geraten die drei Kinder des Toten in den Fokus der Ermittlungen: Paul, ein exzentrischer Alleinunterhalter. Inga, eine Psychotherapeutin. Und Laura, die mit dem Geld ihres Vaters eine Stiftung für Bedürftige gründete. Während Murots Assistentin Wächter mehr und mehr der Überzeugung ist, dass sich Murot verrennt, taucht ein neuer Verdächtiger auf: Jürgen von Mierendorff, Nachbarssohn und Freund der Familie Muthesius, nun aber der rechten Szene zugehörig. Als Murot erkennt, dass mehrere der Verdächtigen miteinander im Bunde sind und er nur dann eine Chance hat, wenn er sie gegeneinander ausspielt, geht er in die Offensive: Um sie aus der Reserve zu locken, fordert er sie auf, ihn zu töten.

Stab und Besetzung

Hauptkommissar Felix Murot – Ulrich Tukur
Assistentin Magda Wächter – Barbara Philipp
Inga Muthesius – Karoline Eichhorn
Paul Muthesius – Lars Eidinger
Laura Muthesius – Friederike Ott
Franziska von Mierendorff – Angela Winkler
Jürgen von Mierendorff – Christian Friedel
Annemarie Colange – Therese Hämer
Wendrich – Eray von Egilmez
Franka Dresen – Lisa Charlotte Friederich
Lieferfahrer – Yu Fang
Dr. Haveland – Pierre Shrady
Nicolas Blom – Stephan Bissmeier
Leiter Obdachlosenheim – Serkan Kaya
u. a.

Buch – Martin Rauhaus
Regie – Rainer Kaufmann
Kamera – Klaus Eichhammer
Musik – Stefan Will, Marco Dreckkötter

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