Agenten sterben einsam (Where Eagles Dare, USA 1968) #Filmfest 675 #DGR

Filmfest 675 Cinema – Die große Rezension

 Zwei rechnen mit dem Dritten Reich ab

Agenten sterben einsam (Originaltitel: Where Eagles Dare) ist ein britischUS-amerikanischer AgentenKriegsfilm aus dem Jahre 1968. Der im Zweiten Weltkrieg spielende Film wurde von dem US-amerikanischen Regisseur Brian G. Hutton nach einem Drehbuch von Alistair MacLean verfilmt. Ein Sonderkommando des britischen Geheimdienstes soll einen US-amerikanischen General aus deutscher Kriegsgefangenschaft befreien.

Dem Film liegt das Gerücht der Nazi-Propaganda zugrunde, das sich auch noch lange nach dem Krieg hielt, nämlich dass sich in den Alpen ein mächtiges deutsches Waffenlager und viel Militär befanden. Infolge dieses Gerüchts habe sich der US-Angriff auf das Deutsche Reich 1944 nicht auf die Hauptstadt Berlin konzentriert, sondern auf Süddeutschland. Diese Einschätzung ist falsch: Es gab weder das geheime deutsche alpine Militärlager, noch war dies der Grund für die Amerikaner, sich ablenken zu lassen.[2]

Ein gefangen genommener US-General soll aus einer deutschen Bergfestung befreit werden. Dazu wird ein alliiertes Kommando gebildet, sechs Männer, fünf davon Briten. Der Anführer des geheimen Trupps ist Richard Burton, der einzige Amerikaner wird von Clint Eastwood gespielt. Über viele Tricks und Täuschungsmanöver hinweg kommt es zu einer richtiggehenden Schlacht, in der zwei Alliierte mit Maschinenpistolen mindestens 1000 deutsche Elitesoldaten aller Rangordnungen töten.

Bevor wir uns den Film angesehen haben, war uns nicht bewusst, dass der Originaltitel der recht bekannte „Where Eagles Dare“ ist und dass dieser nicht einen spannendeen Thriller aus dem Kalten Krieg darstellt, sondern ein Rückgriff auf den Zweiten Weltkrieg ist, mit den üblichen eindeutigen Zuordnungen von bösen Nazis und guten Alliierten.

Die Nazis waren bekanntermaßen böse, aber in den 1960ern und danach entwickelte sich die Bearbeitung solcher Stoffe immer mehr weg von der Realität zu einer bereits computerspielhaft unrealistischen, die Fähigkeiten der Briten oder Amerikaner komplett überhöhenden Variante mit überwiegender Materialschlacht und absurdem Bodycount – mithin, der Ernst, den das Genre in den 1950ern und in den 1960ern noch etwa bis zur „Brücke von Remagen“ kennzeichnete, ging verloren. Vielleicht, weil die Gegenwart mit dem Vietnamkrieg und dem zunehmenden Verlust an moralischer Integrität der USA ernst genug war und sich daher das Träumen von einer moralisch so klar strukturierten Vergangenheit anbot.

Handlung (1)

Deutschland im Winter 1943/44: Der US-amerikanische Brigadegeneral George Carnaby ist während des Zweiten Weltkriegs einer der höchsten Offiziere, die an der Planung für den D-Day beteiligt sind. Auf dem Flug nach Kreta wird das Flugzeug mit Carnaby an Bord abgeschossen und er gerät in Kriegsgefangenschaft. Die Wehrmacht transportiert ihn in das Hauptquartier des deutschen Geheimdienstes in der schwer befestigten Burganlage in den Alpen, fiktiv „Schloss Adler“ genannt (tatsächlicher Schauplatz ist die Festung Hohenwerfen), damit Carnaby dort über die bevorstehende Invasion der Alliierten verhört werden kann. Um zu verhindern, dass der General wichtige Informationen preisgibt, soll ihn eine britische Spezialeinheit (Commandos) befreien, die von dem erfahrenen Major John Smith angeführt wird. Instruiert werden die handverlesenen Kommandosoldaten durch Colonel Wyatt Turner und Admiral Rolland vom Nachrichtendienst MI6. Der US-amerikanische Lieutenant Morris Schaffer von den United States Army Rangers wurde dem englischen Kommando als Elitekämpfer zugeteilt. Die im operativen Bereich von MI6 eingesetzte Agentin Mary Ellison begleitet die Mission im Geheimen und ihre Anwesenheit ist nur Major Smith bekannt.

Nachdem Smith und sein Team im Schutz der Dämmerung mit dem Fallschirm über den österreichischen Alpen abgesprungen sind, erleidet der Funker des Kommandos unter seltsamen Umständen einen Genickbruch, ein anderer wird im nahe gelegenen Dorf getötet. In der Dorfwirtschaft werden sie in deutscher Uniform festgenommen. Smith und Schaffer werden getrennt von den verbliebenen drei Männern abgeführt und können auf einer Autofahrt ihre Bewacher töten. Mit einiger Anstrengung gelingt es Smith und Schaffer, in das nur über eine Seilbahn erreichbare Schloss einzudringen. Währenddessen bekommt Smith Unterstützung von Agentin Ellison, die durch eine weitere Helferin als Magd eine Anstellung auf der Burg bekommen hat und somit im Geheimen hilft, die Militärausrüstung auf die Burg zu schaffen.

Dort dringen Major Smith und Lieutenant Schaffer zum deutschen Kommandanten vor und beobachten, wie General Rosemeyer und Oberst Kramer gerade US-General Carnaby verhören. Dabei erfahren sie, dass die drei anderen Überlebenden des Befreiungskommandos deutsche Agenten sind, die sich in das britische Militär eingeschlichen haben. Nach dieser Enthüllung greifen Major Smith und Lieutenant Schaffer an und können die Deutschen entwaffnen. Doch Smith hält überraschend auch US-Lieutenant Schaffer mit seiner Waffe in Schach. Smith gibt bekannt, als deutscher Spion des militärischen Abwehrdienstes der SS mit Namen Major Johann Schmidt die Befreiung vereitelt zu haben und bezichtigt die drei deutschen Spione, in Wirklichkeit für England zu arbeiten. Zum Beweis lässt er sich von einem deutschen General telefonisch identifizieren und enttarnt Carnaby als amerikanischen Schauspieler namens Cartwright Jones.

Oberst Kramer schreibt er als weiteren Beweis den Namen seines Führungsoffiziers, des obersten deutschen Spions in England, auf, und der Oberst bestätigt ihn als korrekt. Als letzten Beweis lässt er die drei vermeintlichen deutschen Überläufer die Liste ihrer Agenten in England notieren, um sie mit seiner Liste zu vergleichen. Nur wenn sie loyale Deutsche sind, können sie alle Namen auf Smiths/Schmidts Liste kennen. In einer weiteren überraschenden Wende stellt sich jedoch heraus, dass er eine solche Liste nicht besitzt. Smith arbeitet nicht für die Deutschen und die drei deutschen Agenten sind auch keine Überläufer, wurden aber von den Briten enttarnt und gezielt dieser Mission zugeteilt. Ziel der Mission war nicht die Rettung des Generals, der tatsächlich ein Schauspieler ist, sondern die Aufdeckung von Doppelagenten innerhalb des britischen Geheimdienstes MI6. Dies ist gelungen, da nun die von den drei deutschen Spionen notierte Liste von Verrätern in Smiths Besitz ist. Beim Namen des obersten deutschen Spions hatte er nur geraten, durch Kramers Bestätigung jetzt jedoch tatsächlich Sicherheit in dieser Frage erlangt.

Währenddessen hat ein subalterner deutscher Offizier Agentin Ellison enttarnt und platzt mit dieser Nachricht mitten in die Situation, die daraufhin eskaliert. Smith und Schaffer fliehen mit Carnaby und der englischen Agentin sowie den drei gefesselten deutschen Doppelagenten und schießen sich den Weg frei, während etliche vorab von der Gruppe vorbereitete Sprengstoffexplosionen Verwirrung stiften, wobei die deutschen Spione getötet werden. Sie flüchten mit einem alten Omnibus-Schneepflug zum Flugplatz Oberhausen (tatsächlicher Schauplatz: Fliegerhorst Fiala Fernbrugg) und können ihre Verfolger abhängen. Dort werden sie mit einer offenbar erbeuteten Ju52-Maschine des Geheimdiensts abgeholt. Auf dem Flug zurück nach England gibt Smith seinem Vorgesetzten Colonel Turner den Namen des deutschen Top-Spions preis: Turner selbst. Der so enttarnte Doppelagent, der infolgedessen vor ein Kriegsgericht gestellt werden würde, möchte sich den Gang zum Schafott ersparen und bittet Smith um eine Alternative. Mit dessen Erlaubnis begeht er Selbstmord, indem er ohne Fallschirm aus dem Flugzeug springt. 

Rezension

Heute kann man nur noch einen Seufzer hinter solchen Film herschicken. Wären deutsche Elitetruppen, wie man sie in dieser Bergfestung annehmen darf, die als Gefängnis für hochrangige Alliierte verwendet wird, so leicht hinters Licht zu führen und dann abzumurksen gewesen, hätte der Zweite Weltkrieg höchstens zwei Monate gedauert und allen beteiligten Nationen wäre viel erspart gewesen. Den im Holocaust gestorbenen Menschen übrigens auch dieser. Das ist einer der Gründe, warum wir solche Filme geeignet für heutige Computerspielkids mit wenig an der Wirklichkeit orientierter Weltwahrnehmung finden, aber sie werden der Aufstellung und Ruchlosigkeit der damaligen Täter ebenso wenig wie den vielen Millionen Opfern des NS-Systems gerecht.

Der Film dauert 158 Minuten das sind nach unserem Empfinden etwa 30 zu viel für diesen Plot, der zwar komplex angelegt ist, zum Ende hin aber mehr und mehr auf simple Muster eingeengt wird. Im Grunde wechselt der Film das Genre im Verlauf.

  • 1968 war dieser Film der actionreichste, der bis zu diesem Zeitpunkt gedreht wurde. Nicht, was die Ausführung der Action angeht, aber bezüglich der Anzahl an brennenden Gebäuden und Autos setzt er Maßstäbe.
  • Die Frage ist daher, welchem Genre man „Agenten sterbein einsam“ zuordnet.Da man die Entstehung des Actionfilms allgemein erst in den 1970ern annimmt und die aktionsreichen Italowestern, die es 1968 schon gab, als eigenes Subgenre zum Western einordnet, muss man „Where Eagles Dare“, so der Originaltitel, als Agententhriller bezeichnen. Oder doch als Kriegsfilm nach den Mustern von „The Dirty Dozen“, „The Great Escape“ oder „The Guns of Navarone“ – von denen wir allerdings jeden einzelnen besser finden als „Where Eagles dare“ (Die Rezension zu „Die Kanonen von Navarone“ kommt demnächst, die zu „Das dreckige Dutzend steht an“). Die Einordnung bestimmt sich danach, ob man den Akzent mehr auf die beiden ersten Drittel der Handlung setzt oder auf das letzte. Ein moderner Film der Gattung ist „Inglorious Basterds“ (Rezension wird demnächst veröffentlicht).
  • Richard Burton, der die Hauptrolle spielt, hatte zuvor eine Durststrecke und gab den Auftrag zur Entwicklung des Stoffes selbst. Wir finden seine Agentenrolle in „Der Spion, der aus der Kälte kam“ (Rezension), der drei Jahre zuvor entstand, um Längen intensiver und realistischer als die in „Whre Eagles Dare“.
  • Clint Eastwood, damals schon ein Westernstar, musste mit der für Verhältnisse der Zeit enormen Summe von 800.000 Dollar überredet werden, in die zweite Reihe zu treten, um unter Burtons Führung den amerikanischen Leutnant Schaffer zu spielen. Selbst bei diesem Actionhelden gab es nie zuvor und nie danach eine so hohe Anzahl von Leichen in einem Film (die IMDb zählt genau 100). Der Part von Clint Eastwood sollte nach Wunsch von Richard Burton vom weniger bekannten Richard Egan gespielt werden; auch Lee Marvin wurde die Rolle angeboten, doch der wollte nach „Das dreckige Dutzend“ keinen Kriegsfilm dieser Art mehr machen.
  • Es gab kein „Adlernest“ in den Alpen, in dem Gefangene festgehalten wurden,wohl aber die im Film zu sehenden Gebirgsjäger, die aber nicht als solche bezeichnet werden. In Sachsen gab es ein Schloss, das als Gefängnis für alliierte Kriegsteilnehmer verwendet wurde. Es gab tatsächlich seit 1943 Hubschrauber im deutschen Einsatz, aber das im Film gezeigte Modell kam uns gleich sehr amerikanisch vor. In der Tat ist es ein Modell der Firma Bell, das erst ab 1946 gebaut wurde. Die von den Briten offenbar gekaperte JU 52 hingegen, welche die Agenten absetzt, sieht recht originalgetreu aus. Die wirkliche Maschine tat zur Entstehungszeit des Films noch Dienst in der Schweizer Armee.
  • Verschiedene technische Gegenstände sind historisch nicht korrekt, die meisten aber schon. Der vergleichsweise guten Gestaltung der Uniformen bis auf zu viel Lametta beim Gestapo-Mann, ansonsten sogar mit dem Edelweiß-Emblem des deutschen Alpenkorps, steht die in historisierenden Filmen der Epoche häufig zu beobachtende Problematik gegenüber, dass man sich nicht die Mühe gemacht hat, die Frisuren von Männern und Frauen dem Jahr 1943 oder 1944 anzupassen, demgemäß sind die Haarschnitte von Burton und Eastwood viel zu voluminös oder lang für den Stil der Zeit und für Armeeangehörige, in noch stärkerem Maß gilt das für die beiden Agentinnen Mary und „Heidi“.
  • SS-Leute und solche von der Gestapo werden im Film verwechselt, außerdem ist es ein wirklich dummes Klischee, dass alle diese Typen strohblond und halbgelockt waren und gerade sie hatten nicht die anfangs angedeuteten geschiffenen Umgangsformen – die wären eher dem per Hubschrauber eingeflogenen General zuzurechnen gewesen.
  • Der Ablauf der Flucht ist nur dadurch möglich, dass erkennbar ein Moment des Wartens eingebaut wird, bis die deutschen Truppen, wenn angegriffen, endlich zurückschießen, und außerdem treffen sie selbstverständlich nicht. Zusätzlich explodiert quasi jedes Material, das von den Flüchtenden angeschossen wird, überschlagen sich Autos auf glatter Ebene – mit solchen Momenten werden zwar spätere Actionfilme gut instruiert, aber in manchen Fällen ist es purer Cartoon. Allerdings gab es während der Dreharbeiten tatsächlich einen Brandunfall, in den Produzent Kastner und Regisseur Hutton verwickelt waren und dabei ernstlich verletzt wurden.
  • Dass ein so plump kontrafaktischer Film wie dieser in der IMDb mit durchschnittlich 7,6/10 bewertet wird,und dies beinahe über alle Altersgruppen hinweg und geschlechtsneutral, ebenso von US-Nutzern und Nicht-Amerikanern, darf man in erster Linie zwei Faktoren zuschreiben: Dass Actionfilme dort generell überbewertet sind und dass dieses unbändige Gefühl nach einer klaren und selbst bei eindeutiger Unterlegenheit durch Unterzahl wunderbar beherrschbaren Welt besteht – gerade heute, wo die Verhältnisse so undurchsichtig geworden sind. Anmerkung: Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des Beitrages liegt die Durchschnittsbewertung bereits bei 7,7/10.
  • Spätestens seit „Casablanca“ sind Nazis die eindeutigste Konnotation mit dem Bösen, wie Nils Bothmann es in „Schnitt online“ formuliert hat. Dass dabei Karikaturen entstehen, die verbergen, dass Totalitarismus und aggressives Denken und Handeln, auch aus ideologischen Gründen, nicht ausgestorben sind, hat den Nebeneffekt der Seelenheilung gleichermaßen wie den des Verlustes an Wahrnehmung für die heutigen Verhältnisse, in denen Demokratien den einstigen, totalitären Staaten in Teilbereichen des Umgangs mit den eigenen Bürgern und mit den Angehörigen anderer Nationalitäten immer ähnlicher werden, auch wenn es nach wie vor kein mit dem Holocaust vergleichbares Ereignis gibt.
  • Die Eindeutigkeit der Rollenverteilungen hat eskapistische Züge und weist darauf hin, dass es neben anderen Tendenzen seit den 1960ern auch einen zunehmenden Trend zur Flucht aus der Wirklichkeit durch Überhöhung, Simplifizierung und Transzendierung verschiedener innerer Dispositionen in die Action von Filmen gibt – nicht nur in solchen über den Zweiten Weltkrieg. Diesbezüglich ist „Where Eagles Dare“, welcher seinen Titel immerhin von Shakespeare hat, ein Meilenstein. Fairerweise muss man sagen, es gibt nach wie vor Kino für Erwachsene.
  • Steven Spielberg, der mit „Schindlers Liste“ einen der besten Filme zur Nazizeit gemacht hat, hat der kürzlichen Umfrage eines US-Fernsehsenders „Where Eagles Dare“ zu seinem persönlichen Favoriten unter den besten 100 Kriegsfilmen erklärt – einfach wegen des mangelnden Realitätsfaktors (also der reinen, kinohaften Fiktionalität). Allerdings hat Spielbergs überaus erfolgreiche Art des Filmens mit zur Infantilisierung des US-Mainstream-Kinos durch emotional aufgeladene, suggestive Abenteueraction anstatt spannender und hochwertiger Figurenzeichnung beigetragen, wenn man von seinen Herzensangelegenheiten wie „Schindlers Liste“ absieht und man kann von „Gheimagenten sterben einsam“ durchaus die eine odere andere Linie zu seiner Kinowelt ziehen. Vielleicht war deshalb sein Voting eine sublime Form von Selbstironie.
  • In der New York Times äußert Vincent Canbyeine äußerst interessante Sicht auf das Geschehen: Das Eindringen in eine Festung, wie in diesem Film, ist eine akzeptable narrative Umsetzung des ewigen sexuellen Dilemmas. Und, so betrachtet, ist „Where Eagles Dare“, die quasi ultimative Darstellung zu diesem Thema (Die Kritik ist zeitgenössisch und kann daher spätere, noch übertriebenere Actionfilme nicht berücksichtigen und auch nicht in Gänze, wie das Mainstreamkino sich wenige Jahre später mit direkten sexuellen Darstellungen leichter tat). So haben wir’s bisher nicht betrachtet, aber das würde subtextlich erklären, warum auch Frauen diesen gewaltreichen und blödsinnigen Plot so mögen. Okay, Spaß muss bei einer Rezension über solch einen Film auch mal sein. Die Rezension in der New York Times hat uns den Tag gerettet, obwohl Bosley Crowther 1969 nicht mehr für diese Zeitung schrieb.
  • Regiesseur Brian G. Hutton hat insgesamt nur neun Filme inszeniert, war hingegen in 33 Kinostücken als Schauspieler zu sehen, unter anderem in dem wunderbaren „Gunfight at the O. K. Corral“ von 1957, der Burt Lancaster und Kirk Douglas als Wyatt Earp und Doc Holiday zeigte.
  • Der Film zeigt in etwas mehr als 150 Minuten Spielzeit 1472 Einstellungen, was einem Durchschnittswert von lediglich 6 Sekunden entspricht. Auch für heutige Actionfilme mit Videoclip-Struktur eine beachtliche Wechselgeschwindigkeit, die darauf hinweist, dass dies kein Film ist, in dem die Aktion im Vordergrund steht, nicht die Situation, die Logik oder die Figuren.
  • Die Szene, in der Burton und Eastwood die Festungsmauer am einem Seil erklimmen, ist auch witzig. Wir haben jetzt nachgelesen, dass unser Eindruck nicht täuschte. Es wird so darsgestellt, dass Burton diese Wand souverän nimmt, während der jüngere Eastwood Schwierigkeiten hat, an der Mauer hochzukommen. In Wirklichkeit musste Burton, der ein harter Trinker und starker Raucher war und im Film erkennbar keine athletische Figur aufweist, mit einem Kran hochgehievt werden, während Eastwood keinen Stuntman verwendete, sondern wirklich selbst hochkletterte – mit Leichtigkeit, wie es heißt.
  • Die weitgehend unbekannte Schauspielerin Ingrid Pitt, welche die deutsche Agentin „Heidi“ spielt, hatte reale Erfahrungen mit dem Überwinden von Mauern. Sie flüchtete über die Berliner Mauer von Ost- nach Westdeutschland. Zudem war sie als Kind in einem NS-Konzentrationslager gefangen gewesen und fand daher das Filmen in diesem Umfeld von NS-Uniformen nicht einfach.
  • Der Name „Rosemeyer“, der hier einem General zugeordnet wird, wurde wohl von dem Autorennfahrer Bernd Rosemeyer entliehen, der zwar bekennender Nazi war, aber bereits vor Kriegsausbruch, im Jahr 1938, bei einer Rekordfahrt, tödlich verunglückte.

Finale

Ein Spaß für Actionfans und Kriegsfilm-Sympathisanten. Für uns im Verlauf immer mehr mehr eine Enttäuschung und am Ende eine Tortur, zumal das Ende lange vorher klar war. Einen Twist wie in „Der Spion der aus der Kälte kam“ war angesichts des Risikos für Burton, dass man seinen Filmtod mit dem Niedergang der Karriere assoziieren würde, wohl nicht mehr denkbar. Wir finden, für seine Rolle hätte es bessere Schauspieler gegeben, die den harten Actionmimen eher verkörpern. Mit Clint Eastwood an zweiter Stelle der Besetzungsliste hat man hingegen richtig optiert. Der deutsche Titel erschließt sich wieder einmal nicht – wir gehen davon aus, dass er eine Reminiszenz an Harry Limes aus „Der Spion, der aus der Kälte kam“ sein soll, der am Ende des Films bei einem Fluchtversuch getötet wird. Davon sind die Helden in „Where Eagles Dare“ weit entfernt, sie werden nicht einmal ernsthaft verletzt, ganz wie in einem Comic.

Bei diesem Film kommen wir einer Kritiklinie recht nah, die aus naheliegenden Gründen von deutscher Seite kam. Und von Stellen, von denen wir uns in unseren Beiträgen zuweilen explizit distanzieren und sie dafür auch zitieren, sofern es um die 1950er und 1960er geht – deren Anschauungsweise bei Filmen, in denen es mehr um ethisch-moralische Bewertungen geht, sich in den letzten Jahrzehnten allerdings gewandelt hat:

Das Lexikon des internationalen Films urteilte: „Ein reißerischer, unglaubwürdiger und überlanger Kriegsfilm, der seine Spannung hauptsächlich aus der Frage bezieht, wer auf welcher Seite steht und ein Verräter oder Doppelagent ist.“[5]

Der Evangelische Film-Beobachter zog folgendes Fazit: „Ein Agenten-Film mit guten Schauspielern, der viel Abenteuerspannung, aber wenig Wahrheit liefert. Wer genauer hinsieht, wird sich an der Sorglosigkeit des Regisseurs gegenüber technischen und dramaturgischen Details stoßen.“[6]

Anlässlich der Erstveröffentlichung des Textes im Jahr 2014 schrieben wir: Von allen (bis dahin ca. 200) Bewertungen innerhalb der seinerzeitigen FilmAnthologie sei die folgende diejenige mit der größten Abweichung zum Nutzerdurchschnitt der IMDb – nach unten. Ob das auf unsere mittlerweile fast 700 Filmfest-Rezensionen auch zutrifft? Der IMDb-Durchschnitt liegt in der Tat bei 7,6/10, das wollen wir nicht verschweigen. Allerdings war der Film nie in den „Top 250“, sodass er nicht zu unserem Konzept rechnet, mit der Zeit alle Werke, auf die das zutrifft, zu sichten und für den Wahlberliner darüber zu schreiben.

61/100 

© 2021, 2014 Der Wahlberliner, Thomas Hocke (Entwurf 2013)

(1), zitiert, kursiv, tabellarisch: Wikipedia

Regie Brian G. Hutton
Drehbuch Alistair MacLean
Produktion Denis Holt
Elliott Kastner
Musik Ron Goodwin
Kamera Arthur Ibbetson
Schnitt John Jympson
Besetzung

 

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