#Inflation steigt mit 5,2 Prozent auf höchsten Wert seit Herbst 1992 | #Frontpage Wirtschaft | #Geldentwertung #EZB #Verbraucherpreise #

Frontpage | Wirtschaft Wandel Inflation überschreitet Fünf-Prozent-Marke

Heute fangen wir nicht mit Corona an, obwohl auch dieser Fakt mit Corona zu tun hat: Die stark steigende Inflation dieser Tage. Vor allem die höheren Erzeugerpreise aufgrund von Schwierigkeiten im Lieferprozess spielen dabei eine Rolle, aber auch die anziehenden Rohstoffpreise nach jahrelangen Niedrigständen. Dazu hat Statista diese Grafik erstellt:

Der Begleittext dazu lautet (wir kommentieren im Anschluss):

Die Verbraucherpreise sind laut Statistischem Bundesamt im November 2021 um voraussichtlich 5,2 Prozent gestiegen – die Fünf-Prozent-Marke knackten die Verbraucherpreise zuletzt im September 1992. Ganz anders sah es letztes Jahr um diese Zeit aus. Damals waren die Verbraucherpreise in Folge der temporären Senkung der Mehrwertsteuersätze (von Juli 2020 bis Dezember 2020) stark gefallen. Entsprechend hatten die Statistiker:innen in Wiesbaden diesen Effekt hervorgesehen: „Der im Juli 2021 sprunghaft einsetzende Basiseffekt war zu erwarten, da die Weitergabe der Steuererleichterung an Verbraucherinnen und Verbraucher vor einem Jahr bei vielen Gütern zu sinkenden Preisen geführt hatte.

Der preiserhöhende Effekt wird durch Sonderentwicklungen für einzelne Güter verstärkt, insbesondere für die Energieprodukte“, so Christoph-Martin Mai vom Statistischen Bundesamt im August. Seitdem hat sich die Lage offenbar nicht entspannt. Neben dem Mehrwertsteuereffekt nennt die Behörde aktuell den Preisverfall bei Mineralölprodukten, die Einführung der CO2-Bepreisung seit Januar 2021 sowie krisenbedingte Effekte (z. B. steigende Erzeugerpeise) als Gründe für das anhaltende Wachstum der Inflationsrate.

Die zuvor niedrigen Preise bei Mineralölprodukten sind oben wohl gemeint. Mittlerweile gehen viele Wirtschaftswissenschaftler davon aus, dass die Inflation nicht nur ein einmaliger Sondereffekt sein wird, außerdem, ob Sondereffekt oder nicht: Sie müssen die erhöhten Preise zahlen, liebe Leser:innen. Ein Ausgleich wäre lediglich eine Deflation in absehbarer Zeit, nicht eine Absenkung der Inflationsrate im nächsten Jahr auf vielleicht 2 oder 3 Prozent, sollte sich die derzeit stark anziehende Inflation auf Jahresbasis festsetzen. Wie fühlt sich also neben anderen Ohnmachtsgefühlen wie dem einer in Deutschland außer Kontrolle geratenen Corona-Krise an?

  • Liebe Mindestlohnempfänger:innen, was halten Sie davon? Und was glauben Sie, was Ihre 12 Euro noch wert sind, die Sie bald bekommen sollen, wenn es so weiterläuft wie im Moment? Die Linke hatte schon in ihrem Bundestagswahlprogramm 2017 exakt jene 12 Euro gefordert, die nun kommen sollen, damals als einzige Partei. Mittlerweile müsste diese Forderung aber schon auf über 13 Euro angehoben werden, damit sie die gleiche Kaufkraft repräsentiert wie vor vier Jahren. Bald müssten es auf dieser Basis 14 Euro sein. Sie kriegen aber 12. Merken Sie was?
  • Liebe ALG-II-Bezieher:innen, Grundsicherungsempfänger:innen, wie fühlen sich 3 Euro mehr im Jahr 2022 (0,7 Prozent Zuwachs) angesichts dieser Werte an, zumal Verbrauchsprodukte wie Lebensmittel sogar noch stärker anziehen? Tut uns leid, lamentieren hilft nicht mehr, dem Hunger entgegenzittern erst recht nicht. Organisiert euch, werdet laut, macht der Politik klar, dass es so nicht weitergehen kann. Weist die Grünen und die SPD, die euch mit „es gibt endlich eine armutsfreie Grundsicherung“ ködern wollten, auf ihren Wahlbetrug hin. Nehmt euch ein Vorbild z. B. an der Mieterbewegung in Berlin oder an Lobby-Interessengruppen, die mit viel Druck auf die Politik immer das erreichen, was sie wollen.
  • Liebe Sparer:innen und jene, die mal ein Haus oder eine Wohnung erwerben wollen. Was denkt ihr über die Lage? Sparer:innen, die nun inklusive möglicher Negativzinsen eine Geldentwertung von 6 Prozent im Jahr verkraften müssen? Ihr werdet enteignet, das ist euch hoffentlich klar, dies seit Jahren und jetzt mit forciertem Tempo. Und ihr, die ihr gerne Eigentum erwerben möchtet und zuschauen müsst, wie eure Träume von einer lausigen Geldpolitik zerstört werden? Wie sich die zunehmende Ungleichheit im Land auswirkt, haben wir zuletzt anhand dieser Grafik zum Eigentumswerwerb selbstgenutzter Immobilien dargestellt.
  • Liebe Autofahrer:innen, seid ihr sauer wegen der steigenden Benzinpreise? Auch das können wir nachvollziehen, allerdings mit einer Einschränkung. Real waren die Preise vor zehn Jahren bereits genauso hoch, erinnern Sie sich noch an ca. 1,60 Euro im Jahr 2011, 2012? Denn gingen dann aber in eine lange Günstig-Phase über. Real, also abzüglich der in diesem Artikel besprochenen Inflation, liegen die Preise jetzt mit knapp unter 2 Euro nicht höher, komischerweise hatte sich vor zehn Jahren kaum jemand aufgeregt und der Verdacht liegt nah, dass die Klimapolitik für die aktuellen Steigerungen verantwortlich gemacht werden soll. Das ist sie derzeit aber überwiegend noch nicht, sondern das Rohöl wurde teurer. Rohstoffe sind in Relation zu dem, was sie wirklich wert, wenn man alle Folgekosten ihres Abbaus und ihres Verbrauchs endlich einrechnet und nicht, wie die Neoliberalen, Gewinne privatisiert und Folgekosten sozialisiert und in Relation zu den schwindenden Ressourcen der Erde zu billig gewesen. Richtig ist es, einen sozialen Ausgleich zu schaffen, dieser wird umso wichtiger, je besser die Klimapolitik wird, denn sinkende Energiepreise und sinkende Preise für nachhaltigere Produkte dürfen wir in den nächsten Jahren nicht erwarten.

Haben Sie schon gewusst, dass die EZB-Chefin Christine Lagarde mittlerweile in Fachkreisen „Madame Inflation“ genannt wird? Von dieser Seite dürfen Sie auch keine Hilfe erwarten, denn in Frankreich sind im nächsten Jahr Präsidentschaftswahlen und Präsident Emmanuel Macron ist ein Pet von Lagarde. Da käme ein Anziehen der Geldbremse und damit eine verminderte Refinanzierbarkeit der enormen französischen Staatsschulden nebst vielen anderen Effekten einer weniger expansiven Geldpolitik so unpassend, dass lieber in der gesamten EU eine massive Inflation in Kauf genommen wird. in den USA wird bereits gegengesteuert, aber angesichts des wackeligen Euro-Gefüges traut die EZB sich das nicht. Ein ganz wichtiges Problem dabei: Diese Politik wirkt sich gerade in Spar-Deutschland und Niedriglohn-Prekariat-Deutschland verheerend aus, deswegen ist das Medianvermögen der Menschen hierzulande deswegen, in Kombination mit dem sozialen Kahlschlag der 2000er, niedriger als in fast allen anderen westeuropäischen Ländern. Mag man angesichts des „reichen Deutschlands“, von dem die Politik immer faselt, kaum glauben, aber der Reichtum verteilt sich in Deutschland eben auch extrem unterschiedlich. Der Vermögens-Gini steigt ständig und erreicht, wenn es so weiterläuft, bald denjenigen solcher Ungleichländer wie den USA und Russland.

Hören Sie also bitte, falls Sie das bisher getan haben, auf zu träumen von Politik für alle und, falls Sie das bisher getan haben, mit dem Schwurbeln auf und wenden Sie sich den Problemen zu, die von der Politik tatsächlich in vollem Wissen ihrer sozialen Tragweite verursacht werden. Die neue Ampelkoalition hat nicht den Ansatz einer Antwort auf diese Probleme, die u. a. von Angela Merkel verantwortet werden. Das einzige, was verwundert, ist, dass sich die Folgen einer wirklich verrückten Kapitalschwemme, die nur die sehr Reichen privilegiert, erst jetzt zu zeigen beginnen. Bisher waren es vor allem die erwähnten niedrigen Rohstoffkosten, die soziale Verwerfungen nicht haben so spürbar werden lassen, wie es jetzt der Fall ist und die ein viel früheres Anziehen der Inflation verhinderten.

Wer z. B. in Großstädten Mieter:in ist, kennt diesen Effekt der Kapitalschwemme, welche die Immobilienblase wachsen lässt, aber schon seit Jahren und deswegen ist es logisch, dass die Mietenbewegung derzeit in Berlin, wo dieser Effekt besonders ausgeprägt ist, die stärkste soziale Bewegung neben „FFF“ geworden ist. Die Politik wird zwar im Moment wegen Corona angegangen, zu Recht, aber sie ist gleichzeitig geschützt vor dem Zorn über Probleme, die wir seit vielen Jahren aufgrund ihres fehlerhaften Handelns mitschleppen. Einigen Verantwortlichen der letzten Jahrzehnte wird es gar nicht so schlecht in den Kram passen, dass sich alles derzeit auf die Pandemiebekämpfung konzentriert. Zahlen für diese Fehler, das tun wir, die Verbraucher:innen.

TH

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