Sea of Love – Melodie des Todes (Sea of Love, USA 1989) #Filmfest 681

Filmfest 681 Cinema

Ol‘ Owl Eyes

Sea of Love – Melodie des Todes ist ein US-amerikanischer Thriller im Neo-Noir-Stil des Regisseurs Harold Becker aus dem Jahr 1989. In den Hauptrollen spielten Al Pacino und Ellen Barkin.

Als der Film gedreht wurde, gab es noch kein Dating, das online angebahnt wurde und die meisten Männer reimen nicht, sondern sind froh, wenn sie einigermaßen dichten können. Aber Spannung, Ekstase, Gefahr, Begierde und der Tod. Alles ist möglich, beim Treffen mit fremden Menschen in der Großstadt, und dies nicht erst seit dem Internet. Mehr zu diesem Dating-Thriller, in nicht gereimter Form, finden Sie in der –> Rezension.

Handlung

Mysteriöse Morde, die nach dem gleichen Muster begangen worden sind, geben der New Yorker Polizei Rätsel auf. Nackt, mit dem Gesicht nach unten und mit Kugeln in den Köpfen liegen zwei Männer im Bett, an beiden Tatorten dreht sich „Sea of Love“ von Phil Phillips & The Twilights noch auf den Plattenspielern.

Bald finden Detective Frank Keller und sein Kollege Sherman eine weitere Gemeinsamkeit heraus. Beide Männer hatten zuvor Kontaktanzeigen in Reimform aufgegeben – eine Erkenntnis, die einen dritten Mord nicht verhindern kann, jedoch Konsequenzen für die weitere Ermittlungsstrategie hat. Die Ermittler schalten selbst eine solche Annonce, um sich mit den darauf antwortenden Frauen zu treffen und die bei dieser Gelegenheit heimlich genommenen Fingerabdrücke mit denen zu vergleichen, die an einem der Tatorte gefunden worden sind.

Keller macht auf diese Weise in einem Restaurant einige neue flüchtige Bekanntschaften und trifft sich schließlich mit der selbstbewusst-verführerischen Helen Cruger, die jedoch derart zügig feststellt, sich nicht für ihn zu interessieren, dass von ihr keine Fingerabdrücke auf einem Glas zurückbleiben. Kurz darauf treffen sich die beiden zufällig wieder, und es entwickelt sich in der Folge doch ein Verhältnis. (…)

Rezension: Anni und Tom über „Sea of Love“

Anni: Laut Kurzbiografie von Al Pacino in der IMDb soll dies also der erste Film gewesen sein, in dem Al Pacino Eulenaugen macht. Davor hatte er was? Menschenaugen. Dacht ich’s mir. Aber mir sind auch einige Momente aufgefallen, in denen er wirklich einen sehr besonderen Blick hat. Das geht durchs Mark, von diesem Mann angeschaut zu werden. Da muss man nicht schön sein, wenn  man so einen Blick hat. Deswegen finde ich es irgendwie auch nicht unplausibel, dass Ellen Barkin sich für ihn interessiert, aber die hat ja auch was leicht Schräges. Wer zieht eine knallrote Lederjacke und ein Minikleid zu einem ersten Date an? Machen die das in New York wirklich so? Nee, oder? Nicht mal in Berlin. Tät ich das.

Tom: Aus meiner Dating-Erfahrung kann ich dir berichten, dass die Frauen sehr unterschiedlich angezogen waren. Es waren auch welche dabei, die durchaus ein etwas keckes Styling bevorzugten. Aber das war vor allem in meiner ersten Zeit in Berlin, als sowohl ich als auch die Frauen noch jünger waren, mit denen ich mich traf.

Anni: Wenn man bedenkt, in welcher Gefahr du möglicherweise geschwebt hast. Wenn da nun eine Serienmörderin dabeigewesen wäre, die ihren Hass auf Männer auch an dir ausgelassen hätte, weil du besser texten als … lieben kannst … weil du so texten kannst … okay. 

Tom: Nun, nun.

Das Weitere enthält Angaben zur Auflösung / Spoiler Alert.

Anni: Mir war relativ schnell klar, dass Helen keine Mörderin war. Ansonsten hätte ich mich auch geärgert – weil sie eben letztlich nicht wie eine dargestellt wird. Die Wendung mit ihrem Mann als Täter war dann ziemlich krass. Nur, das hätte sie doch mitkriegen müssen, dass alle Männer, mit denen sie sich trifft, alsbald umgebracht werden.

Tom: Nicht, wenn sie tatsächlich von ihnen allen nichts wollte oder es bei einem ONS beließ, ihre wahre Liebe ist ja Mark Keller, also Al Pacino, wie sich herausstellt. Irgendwas an dem Film fand ich seltsam. Es war, als hätte ich das alles schon gesehen, aber fülliger, praller, als in diesem für meine Begriffe eher kargen Werk. Es kann aber auch sein, dass ich einzelne Elemente, die wirklich Krimi-Standards sind, zu einem eigenen Film verdichte und daher denken muss, sie sind hier nicht besonders gut ausgespielt, weil sie ja irgendwo anders immer schon mal besser gezeigt wurden. Aber wohl auch nicht in einem einzigen Film.

Anni: Ich fand ihn auch eher fernsehfilmartig als großes Kino. Aber so war damals der Stil vieler Filme, darüber haben wir schon mehrfach geschrieben. Es ist eben auch eine Show für zwei, nicht für ein riesiges Ensemble, obwohl man bei John Goodman als Sidekick für Pacino nicht von nicht riesig sprechen sollte. Mann, ist der Mann mächtig. Aber die Rolle, die er spielt, ist wunderbar und die Zeichnung von Frank Keller finde ich auch gelungen. Okay, die Projektion ist nicht so toll ausgespielt. Ich glaube, ich weiß schon, was du  noch meinst, außer dem „karg“ im stilistischen Sinn. Jemand handelt, wie er handelt, weil er so viel erlebt hat, aber sie haben es nicht bis zum bitteren Film-noir-Showdown durchgezogen. Der Film ist auch kein Erotikthriller.

Tom: Einen gewissen Thrill hab ich schon verspürt, besonders in den Momenten, in denen Frank Geräusche im Umfeld seiner Wohnung gehört hat, aber weniger in den Momenten mit Helen – ich hab’s nämlich auch so empfunden, dass sie nicht die Täterin ist. Aber die Erotik und der Thrill sind eben nicht so wie in „Fatal Attraction“, der zwei Jahre zuvor entstand und in dem es viel exzentrischer zuging. 

Anni: Da war die Frau ja auch wirklich krass. Aber die Erotik war nicht so zügellos, obwohl man Barkin einmal nackt sieht. Keine ausführlichen Liebesszenen. Man wollte den Film mit dem Label wohl etwas aufpeppen. Eigentlich ist es eine Cop-Story, wie es in der Tat viele gibt. Einsamer Cop verliebt sich in Verdächtige und bekommt Stress. Es fehlt dem Plot der gewisse Pfiff, der das alles individueller oder gar neuartig wirken lässt. Allerdings ist der Film doch hinreichend spannend, auch wenn er recht langsam inszeniert ist, für einen New-York-Cop-Thriller. Ich hab mich nicht gelangweilt. „Sea of Love“ war ja auch nicht lang. Dieses Lied finde ich übrigens nicht so überragend, da gibt’s aus den früheren 1960ern, aus denen es wohl stammt, schönere Sachen zur Untermalung romantischer Datingmomente. Aber so schlecht ist es auch nicht. Nur, sag mir mal eines, der Täter, der spielt jedes Mal diese Platte, wenn er mordet? Bringt sie also mit, weil, es wird ja nicht jedes der Opfer genau diese Scheibe schon auf dem Teller liegen haben, wenn er kommt. Ist das unlogisch oder unlogisch?

Tom: Die einen sagen so, die anderen so. Ich meine, sofern wir keine wichtigen Tatsachen übersehen haben, ist es eher unlogisch. Ich gebe 7/10, wegen Al.

Anni: Ich 6/10, trotz Al.

65/100

© 2021 Der Wahlberliner, Thomas Hocke (Entwurf 2017)

Regie Harold Becker
Drehbuch Richard Price
Produktion Martin BregmanLouis A. Stroller
Musik Trevor Jones
Kamera Ronnie Taylor
Schnitt David Bretherton
Besetzung

 

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