Wunder gibt es immer wieder – Tatort 1182 #Crimetime Vorschau 19.12.2021 Das Erste 20:15 Uhr #München #Batic #Leitmayr #BR #Wunder #immer #wieder

Crimetime Vorschau – Titelfoto © BR /R oxy Film GmbH, Hendrik Heiden

Wir finden ja, das größte aller Wunder ist die unglaubliche Dauerhaftigkeit von Ivo Batic und Franz Leitmayr als Münchner Ermittlungsteam. 2021 feierten sie ihr 30-jähriges Dienstjubiläum und der aktuelle Fall trägt die Schnapszahl 88. Nun ja, man kann sie ja nicht auslassen und an ihre Stelle 87b setzen, dann mit 89 weitermachen.

Aber durch diese größte Kontinuität aller Ermittlerteams ever rückt eine weitere Zahl in den Vordergrund: Schaffen die beiden es, 100 Fälle zu lösen? Sichtbar altern tun sie ja nun, das ist auf den Bildern von „Wunder gibt es immer wieder“ zu sehen und langsam würden sie auch ihr Pensionsalter erreichen, wenn sie reale Polizisten wären. Aber deshalb auf sie verzichten? Es kommt darauf an, ob ihre Fälle weiterhin dafür stehen, an ihnen festzuhalten, obwohl sie für die Drehbücher gar nicht verantwortlich sind. Es passt aber, in den letzten Jahren sind wieder sehr ansehnliche Filme hinzukommen.

Das unterscheidet sie auch von Lena Odenthal, mit der wir jetzt aus dem Fake-News-Modus in ebenjene Realität wechseln, die uns so wichtig ist. Sie ist den beiden nämlich weitere zwei Jahre Dienstzeit voraus, kommt aber nicht auf so viele Fälle, weil der Turnus bei ihr nur ca. 2,3 neue Filme pro Jahr beinhaltet, bei den beiden Bayern sind es fast 3, wie sich leicht anhand der obigen Zahlen errechnen lässt. Aber von einigen wirklich schrulligen Produktionen abgesehen ist in Ludwigshafen die Luft raus, in München hingegen kaufen sie immer noch mit die besten Bücher und Regisseure für ihr Starteam ein. Umso bemerkenswerter, als sie beim Bayerischen Rundfunk mittlerweile noch die Franken-Schiene und seit Längerem den Münchner Polizeiruf stemmen müssen, der ebenfalls einen herausragenden Ruf zu verteidigen hat.

„(…) raus aus der hektischen Großstadt, hinein in die Abgeschiedenheit und Ruhe eines Klosters im ländlichen Oberbayern. Dort müssen sie den Mord an dem Wirtschaftsprüfer des Erzbistums aufklären und werden für einige Tage ein Teil der Klostergemeinschaft mit ihren ganz eigenen Ritualen, Regeln und, ja, auch wundersamen Ereignissen.“ (Redaktion Tatort-Fans)

Nicht das erste Mal, dass die beiden Silberhaarträger ausrücken, aber die besten Fälle hatten sie bisher in der Stadt gelöst. Vielleicht kommt das daher, dass man sich in der Stadt nicht so auf seltsame Charaktere verlassen kann und nicht so dazu neigt, Langsamkeit zu zelebrieren und zu sehr auf bekannte Muster zu setzen. Vermutlich handelt es sich auch bei „Wunder gibt es immer wieder“ um einen klassischen Whodunit.

„(…) die Ordensfrauen werden nicht als weltabgewandte Einsiedlerinnen dargestellt, sondern als kluge und reflektierte Persönlichkeiten mit ihren individuellen Lebensgeschichten und Schicksalen. Leider bleibt die Spannung dabei etwas auf der Strecke: So richtig Fahrt nehmen die Ermittlungen erst im letzten Drittel des Films auf, als endlich der heißersehnte Durchsuchungsbeschluss vorliegt. Die Lösung des Falls kommt dann sehr plötzlich und wirkt wie aus dem Hut gezaubert.
Fazit: Als sommerlich-spiritueller Ausflug ganz nett, aber ihren nächsten Fall lösen die beiden Kommissare dann hoffentlich wieder im Münchner Großstadtdschungel.

Zu diesem Fazit kommt die Redaktion von Tatort-Fans und wir betonen gerne wieder, dass wir im Discovery-Modus schreiben, also nicht erst die Quellen bis zum Ende lesen, dann drübertexten, sondern abschnittweise vorgehen. Wegen des Großstadtdschungels, den wir bei den Münchnern ebenfalls bevorzugen. Weiter mit den Kritiken:

„Wieder einmal tolle Bilder vom Kamerateam, wie so oft bei den Münchenern. Kein unvergesslicher Tatort, aber einer, mit dem man es sich am Sonntagabend auf der Couch gemütlich machen kann. Und in all der Düsternis gibt es auch den ein oder anderen herrlich saublöden Spruch: „Ist dir das schon mal aufgefallen bei den Schwestern? Die sind nie alle zusammen irgendwo. Eine fehlt immer“, fragt Leitmayr. Darauf Batic: „Das ist wie mit den Socken in der Waschmaschine. Eine fehlt immer. Und wenn sie dann wieder auftaucht, dann ist das ein Wunder!““

Aus reiner Bequemlichkeit lassen wir nun die Doppel-Doppelanführungszeichen stehen und kommen verkünden, dass es nach Ansicht des SWR-Tatortchecks für 3 von 5 Elchen reicht. Wenden wir uns also der nächsten Stimme zu und irgendetwas lässt uns ahnen uns, das Fazit von dieser Seite wird nicht überragend positiv ausfallen.

Das Kloster der tausend Kleinstsünden Batic träumt von einer Nonne mit Lederpeitsche, die Schwestern tricksen sich mit Kräutertee durch die Krise: Dieser Kloster-»Tatort« aus Bayern kommt trotz pikanter Passagen ein bissel zu brav daher.

Hatten wir doch richtig vermutet. Schon der Titel ist einen Tick umständlicher als von Christian Buß vom Spiegel gewohnt und am Ende stehen 5/10. Nach unserer Berechnung, die bei Tatorten nicht bei Null ansetzt, sondern etwa bei 3/10, wären das also ca. 6 bis 6,5/10. Für Münchener Verhältnisse nicht herausragend, aber man muss sich ja auch nicht immer so aufregen. Es ist halt ein Nonnentatort, kein Mönch-mit-der-Peitsche-Tatort.

Leere Kassen, Klosterschließungen, fehlender Nachwuchs – das ist der reale Hintergrund für die Geschichte des „Tatort – Wunder gibt es immer wieder“ (BR / Roxyfilm). Die Autoren Alex Buresch und Matthias Pacht hatten auch die Idee zu diesem ungewöhnlichen Leitmayr-Batic-Fall. Der Schauplatz Kloster ist dabei mehr als bloß dramaturgische Vorgabe für ein Kammerspiel, das von der Einheit von Raum, Zeit und Handlung bestimmt wird. Die Themen sind auch Motive der Krimi-Erzählung. Ein ausgeklügelter, komplexer Krimiplot ist aufgrund der genrefernen Ausgangssituation der Geschichte ebenso wenig zu erwarten wie Thriller-Suspense. Spannung aber gibt es durchaus – und die entsteht aus der Atmosphäre dieser fremden, seltsamen Welt, mit ihren überraschend weltlichen Schwestern. Ein vorzüglich gecasteter, präzise inszenierter „Tatort“, der den Whodunit nicht überstrapaziert, der aufs Drama zielt, ohne den Krimi zu vernachlässigen. Ein stimmiges Kammerspiel, dessen rätselhafte Geschichte weitgehend von der elaborierten Filmsprache lebt.

Der frühere Grimmepreis-Juror Rainer Tittelbach hat es sich nicht nehmen lassen, den Film im Rahmen seiner Online-Publikation selbst zu rezensieren und endet bei 4,5/6 Sternen. Das ist für Tittelbach-TV eine durchschnittliche Bewertung im Rahmen dessen, was dort für Tatorte allgemein vergeben wird. Wir schließen also aus dem selten einhelligen Tenor der Kritiker:innen, den Film kann man sich anschauen, aber ein Highlight der Reihe ist er nicht. Die Müchner mit ihrer große Reputation werden es verschmerzen, zumal es immer noch passieren kann, dass sie von uns mehr Punkte bekommen und das würde ja alles andere ausgleichen, oder?

Dazu müssten wir aber erst wieder ins Sofort-nach-Premiere-Rezensieren einsteigen. Dies ist derzeit noch nicht abzusehen. Vielleicht zum Jahreswechsel 2021-2022?

TH

Handlung, Besetzung, Stab

Die Ermittlungen in einem Mordfall führen die Münchner Kommissare Ivo Batic und Franz Leitmayr nach Dannerberg im Voralpenland. Dort hatte der Tote in einem Nonnenkloster zuletzt als Wirtschaftsprüfer zu tun. Das gottesfürchtige Leben scheint jedoch nur auf den ersten Blick beschaulich. Schnell verdichten sich die Hinweise, dass der Hausmeister des Klosters in die Tat verwickelt ist. Doch was ist das Motiv? Gab es Unregelmäßigkeiten in den Büchern, die der Wirtschaftsprüfer aufzudecken drohte? Nicht weniger irritierend sind zwei Gesandte aus Rom, die parallel zu Batic und Leitmayr eigene Untersuchungen anstellen. Wollen die Nonnen etwa eigene Verfehlungen vertuschen? Und lauern hinter den Klostermauern am Ende noch andere wundersame Geheimnisse?

Rolle Darsteller
Franz Leitmayr Udo Wachtveitl
Ivo Batic Miroslav Nemec
Kalli Hammermann Ferdinand Hofer
Dr. Mathias Steinbrecher Robert Joseph Bartl
Schwester Barbara Corinna Harfouch
Schwester Klara Constanze Becker
Schwester Jacoba Petra Hartung
Schwester Julia Christiane Blumhoff
Schwester Angela Ulrike Willenbacher
Schwester Antonia Maresi Riegner
Friedrich Neubauer Aurel Manthei
Musik: Richard Ruzicka
Kamera: Alexander Fischerkoesen
Buch: Alex Buresch
  Matthias Pacht
Regie: Maris Pfeiffer

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