Alles kommt zurück – Tatort 1183 #Crimetime Vorschau Das Erste 26.12.2021, 20:15 Uhr #Tatort Göttingen Lindholm NDR #Rückkehr

Crimetime Vorschau – Titelfoto © NDR, Frizzi Kurkhaus

Atlantic oder Titanic, das ist die Frage

Kommt wirklich alles zurück? Charlotte Lindholms Alleingänge sind auf jeden Fall zurückgekommen, denn in einem Film, in dem ihre Darstellerin Maria Furtwängler sich mal wieder einern Herzenswunsch erfüllen und Produzentin spielen darf, ist für die Kollegin Schmitz offenbar kein Platz mehr.

Dabei ist Anais Schmitz (Florence Kasumba) eine der kraftvollsten Erscheinungen in Sachen Diversität, die es bisher im deutschen Fernsehen geschafft hatten, Hauptrollen zu bekommen. Genauso befreit sie sich vom provinzielle Göttingen und darf ein Kulthotel als Kulisse benutzen. Das Wort „Kult“ wird noch häufiger zu hören bzw. zu lesen sein. Der NDR ist bekannt dafür, dass er bestimmten Stars oder „Stars“ besonders viel Raum gibt und sie auch besonders fürstlich bezahlt, das trifft neben Maria Furtwängler, die pro Tatort mehr als doppelt so viel einnimmt wie der Durchschnitt ihrer Kolleg:innen, auch auf Till Schweiger zu, als er den Hamburg-Kommissar Tschiller mimt.

Furtwängler hat sich mit der Verbannung nach Göttingen offenbar ihre neue Herausforderung verdient, aber schon die „Ideen“, nach denen einige der bisherigen Solos von ihr gedreht wurden und in denen Lindholm so richtig die arrogante *** raushängen lassen durfte, stammten von deren Darstellerin.

Lässt das tief blicken? Wir finden das durchaus. Dieses Mal hält niemand anderes als Udo Lindenberg für die Aufwertung der Hannover-Göttingen-Beamtin und ihrer Schöpferin her, da wollen wir mal hoffen, es handelt sich um mehr als Staffage. Und tatsächlich, in diesem Sinne kommt alles zurück. Schon im ersten Tatort des heute weitgehend vergessenen Kommissars Bramme (aus dem Jahr 1974) trat Udo Lindenberg mit seinem Panikorchester auf und jener Bramme war ersichtlich ein Fan von diesem Lindenberg (sind wir nicht direkt, haben jedoch eine positive Einstellung zum größten deutschen Altrocker und ihn schon live auftreten gesehen). Schauplatz ist dieses Mal das Hotel Atlantic, in dem Lindenberg tatsächlich wohnt.

Die Sehnsucht nach einem erotischen Abenteuer führt die Göttinger LKA-Beamtin Charlotte Lindholm ins Nobelhotel Atlantic in Hamburg. Statt auf ihre Online-Bekanntschaft trifft sie in Suite 505 auf eine Leiche und gerät sofort unter Mordverdacht. Noch dazu bekommt sie es mit skurrilen Kommissaren und übernatürlichen Erscheinungen im Hotel zu tun. Es wird nicht einfach für die niedersächsische Polizistin, ihre Unschuld zu beweisen, doch Dauer-Hotelgast Udo gibt ihr die Kraft, um auch diesen Fall zu lösen, heißt es bei Tatort-Fans. Weiter unten wird erwähnt, wie sehr sich Furtwängler über ihre neue Karriere als Produzentin freut, sonst wären wir gar nicht darauf gekommen. Als Regisseur hat sie sogar Detlev Buck „eingekauft“, wir werden also auch erfahren, ob er Tatort kann.

Die Redaktion von Tatort-Fans ist hingerissen von dem Film, falls Sie das auch sein sollen, dann bitte nur unter der Bedingung: „Nach Wahrscheinlichkeiten, Realitätsbezügen und logischen Schlüssen sollte hier nicht gefragt werden, und wenn doch, so ist diese 1183. Tatort-Episode keine Antwort schuldig, denn sie spielt in ihrer eigenen Welt, im Udo-Universum, wo die Verbindung von hanseatischer Noblesse und punkiger Coolness wie selbstverständlich gelingt.“

Die Absenz des einen und die Anwesenheit des anderen muss man demnach also mögen. Wir sind schon gespannt darauf, wie vielen Tatort-Zuschauer:innen das gelingt. Falles es nicht so viele sind: Die hanseatische Coolness des NDR hat uns schon vier oder fünf Tschiller-Tatorte beschert, die kaum jemand mochte, sie wird auch einen möglichen Lindenberg-Furtwängler-Fail überstehen, dank uns, den Gebühren-Zahler:innen. Martina Kalweit, die aus Hamburg, dem Schauplatz des Films, stammt, die dort arbeitet und daher von hanseatischer Coolness etwas verstehen sollte, schreibt für Tittelbach-TV:

In seinem „Tatort“-Debüt begleitet Detlev Buck Kommissarin Lindholm (Maria Furtwängler) filmisch elegant durch die Hölle. Die Ermittlerin aus Göttingen gerät in Hamburg unter Mordverdacht. Um sich reinzuwaschen, muss sie den Fall auf eigene Faust lösen. Dabei sieht sich Lindholm von Gegnern umstellt. Der NDR-„Tatort – Alles kehrt zurück“ (Nordfilm / Atalante) verquickt das Erbe eines früheren Falls mit einem vertuschten Verbrechen in Hamburg. Vor der Kamera tummeln sich skurrile Gestalten, unter denen Buck selbst noch der amüsanteste Vogel ist. Dazu nuschelt Udo Lindenberg als prominentes Aushängeschild ein paar Sätze, über die wahrscheinlich nur Lindholm ins Grübeln gerät. Auf den ersten Blick schmeckt alles ein wenig nach den Fällen von Kollege Murot, auf den zweiten sind die Mängel unübersehbar. Statt originelle Dialoge und einer Geschichte hinter der Geschichte serviert der Norden jedoch nur ein wenig Panik auf der Titanic & noch weniger dahinter.

Der Film, so das Fazit, verlasse sich zu sehr auf den Kult (Regisseur, Reihe, Lindenberg, am liebsten wäre sicher auch Furtwängler Kult) und es kommt zu einer für Tittelbach-TV ungewöhnlich niedrigen Bewertung von 3,5/6, auch die Texte sind meist viel wohlwollender gehalten. Sie merken sich bitte, wir lesen immer nur eine Kritik, dann schreiben wir den Kommentar dazu, konnten also eingangs nicht wissen, dass die Tittelbacher so tendieren, wie wir es schon ein wenig als Befürchtung ausgedrückt haben. Aber es gibt ja noch mehr Ansichten und Tendenzen. Im SWR3-Tatortcheck äußert sich Michael Haas so:

Das Ganze ist leider nur ein mäßiger Krimi geworden – „Kommissarin gerät selbst unter Verdacht“ – ich meine, das kennt man schon. Auch der Wirbel um das Hotel und um seinen berühmten Dauergast Udo Lindenberg ist ein bisschen viel. Immerhin schließt sich hier ein Kreis: Im Original Tatort-Abspann hat Udo das Schlagzeug gespielt. Fazit: Für Bucks Erstlings-Tatort gibts von mir drei von fünf Elchen.

Ja, das kennt man schon, und auch, dass Maria Furtwängler als Charlotte Lindholm ihre Lover immer auf mega-tragische Weise verliert, kennt man schon. Und man kennt es schon, dass Menschen, deren Fantasie begrenzter ist als ihr Ego, sich selbst immer auf ähnliche Art hypen und dass das irgendwann langweilig wird. Detlev Buck soll aber versiert gefilmt haben und Humor gebe es stellenweise auch zur Kenntnis zu nehmen, was immerhin zu 3 von 5 Elchen führt. Humor ist auch das Mindeste, was wir von Buck erwarten, wenn er schon die Schwächen eines möglicherweise von der Produzentin beeinflussten Skripts nicht ausgleichen kann. Denn Autor Uli Brée kann Krimi und kann Komödie, wie man aufgrund seiner bisherigen Arbeiten weiß.

Seltsamerweise habe ich keine Kritik von Jürgen Buß (Der Spiegel) gefunden. Wollte er nicht zu schlecht über einen Krimi texten, der in Hamburg spielt, der Stadt, in welcher auch sein Haus den Sitz hat, oder ist er im Weihnachtsurlaub? Es soll Journalisten geben, die sich das noch leisten können und Buß hätte es allemal verdient, schon wegen der (hanseatisch!) coolen Titel, die er für seine Rezensionen meist kreiert. Die Zahl der Stellen, die wir regelmäßig abrufen, vermindert sich immer weiter, nachdem schon „Filmstarts.de“ keine jener Vorab-Kritiken mehr schreibt, in denen der Begriff „Kritik“ ernst genommen wurde (zum Ausgleich werden englischsprachige Blockbuster regelmäßig zu gut bewertet). Was machen wir jetzt? Wir lassen es gut sein, denn die meisten Zeitungen kann man nicht ernst nehmen, wenn es um Kultsubjekte geht, sie sind dann zu sehr in der Fan-Position.

Wir finden es übrigens nicht gut, dass man auf der ARD-Webseite zu einem Tatort bereits vor der Ausstrahlung Bewertungen abgeben kann, denn entweder stammen diese von Profis, die einen Vorsprung haben, oder sie drücken Sympathien und Antipathien aus, nicht aber die Meinung zum Film. Ersteres haben wir in dieser Vorschau auch getan, Sie werden es bemerkt haben, aber noch keine Bewertung für den Tatort 1183 abgegeben. Ach ja, der gegenwärtige Durchschnitt auf der ARD-Seite: 2/5.

TH

Handlung

Kommissarin Charlotte Lindholm reist privat von Göttingen nach Hamburg, um sich in einem Hotel heimlich mit einem Mann zu treffen. Doch der ist tot, als sie ankommt – und Charlotte Lindholm dringend tatverdächtig. War der Mörder einer der Udo-Lindenberg-Doppelgänger, die gerade wegen eines Castings das Hotel bevölkern?

Lindholm traut ihren Hamburger Kripo-Kolleginnen und -Kollegen nicht und ermittelt auf eigene Faust weiter. Dabei stößt sie auf Hinweise, dass der Mord möglicherweise eine Falle gewesen sein könnte. Ein Racheakt an der Kommissarin?

Besetzung und Stab

Kommissarin Charlotte Lindholm – Maria Furtwängler
Kommissar Ruben Delfgau – Jens Harzer
Kommissarin Jana Zimmermann – Anne Ratte-Polle
Rechtsmedizinerin Silke Kastorp – Neda Rahmanian
Udo Lindenberg – Udo Lindenberg
Einstein – Detlev Buck
Uschi – Nadeshda Brennicke
Jimmy – Kida Khodr Ramadan
Jonas Holdt – Lukas Zumbrock
Annemarie – Kathrin Ackermann
David – Oskar Netzel
Sophia – Nadja Zwanziger
Kim – Céline Yildirim
u. v. a. 

Buch – Uli Brée
Regie – Detlev Buck 
Musik – Johannes Kobilke 

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