Keiner von uns – Polizeiruf 110 Episode 395 #Crimetime Vorschau 09.01.2022 Das Erste 20:15 Uhr #Polizeiruf110 #Rostock #Bukow #König #NDR #keiner

Crimetime Vorschau – Titelfoto © NDR, Sandra Hoever

Die Zeit ist gekommen

Keiner von uns ist ein Fernsehfilm aus der Krimireihe Polizeiruf 110. Der vom Norddeutschen Rundfunk produzierte Beitrag ist die 395. Episode des Polizeiruf 110 und der 24. Fall der Ermittler Bukow und König. (…) Für den Schauspieler Charly Hübner ist es nach 24 Folgen der letzte Auftritt als Hauptkommissar Alexander Bukow.[1]

Zwei Dutzend Fälle also in zwölf Jahren. Das klingt rund, klingt satt. Ruft nicht unbedingt danach, dass man die 25 hätte voll machen müssen. Aber wenn Charly Hübner geht, geht ein Stück Polizeirufgeschichte und der neben Anneke Kim Sarnau (Rollenfigur Katrin König) wichtigste Schauspieler aller im Osten spielenden Sonntagabendkrimis und aller derzeitigen Polizeirufe. Ich hätte sehr gerne gesehen, dass er weitermacht, aber einem wie Hübner mangelt es nicht an Aufgaben und neuen Herausforderungen. Und vielleicht, vielleicht wird es gelingen, Katrin König wieder einen Kollegen zur Seite zu stellen, mit dem sie wieder ein so explosives Paar bilden kann. Ganz ehrlich, ich glaube nicht so recht daran, die beiden waren ein zu großer Glücksfall für die Reihe und für die gesamte Ermittler:innenlandschaft der Reihen Tatort und Polizeiruf. Auch unter mehr als 20 Tatort-Teams gibt es kein gemischtes Duo, das einen ähnlichen Impact auslösen würde wie Bukow und König.

Sie waren unglaublich spannend, auch wenn ich mit dem Nachteil klarkommen musste, dass ich erst 2019 in die Reihe Polizeiruf 110 einstieg und ihre Filme nicht chronologisch wiederholt werden. Angesichts der eingewobenen horizontalen Erzählweise ein Problem, das man nicht unterschätzen darf. Immerhin habe ich die finale Annäherung mitbekommen und das war wirklich schön, ich habe so darauf gewartet, obwohl ich die beiden zu dem Zeitpunkt erst etwas über zwei Jahre genießen konnte. „Die Zeit wird kommen“ hieß der Fim, in dem es geschah und, ja, jede Zeit hat ihre Zeit und jetzt kommt der Abschied und ich merke, der wird mir nicht leichtfallen. Sehr realistisch sind die beiden als Cops nicht und es gab mindestens einen Film, den ich aus rechtspolitischen Gründen stark abgewertet habe („Für Janina“) und bei anderen habe ich aus Sympathie für das Duo alle Augen zudrücken müssen, um nicht ebenso zu verfahren, aber gleichgültig kann man den beiden nicht gegenüberstehen, das ist unmöglich, wenn man nicht vollkommen versteinert ist. 

Es gab übrigens schon einmal einen Polizeiruf mit den beiden, der hieß „Einer von uns“. Es war der Auftakt. Damit wird auch titelseitig ein Kreis geschlossen, Verwechslungsgefahr eingeschlossen. Und es ist noch einmal Eion Moore, der die beiden Rostock-Cops und ihr Team regieseitig betreuen wird, auch damit schließt sich ein Kreis, denn er hatte den Auftaktfall inszeniert und gilt als Erschaffer dieser emotionalen Highflyer.

Was schreibt die Kritik zum 24. und letzten Buckow-Polizeiruf?

„Moore und seine Co-Autorin Anika Wangard schaffen es, die locker flatternden Erzählfäden zu bündeln, ohne dass das alles zu konstruiert wirkt – auch wenn man das Krimi-Wundertütchen und Abschiedsgrüßchen aus der Ergriffenheit des historischen Moments vielleicht ein wenig zu voll gepackt hat.“ – Christian BußDer Spiegel[1]

Nun ja, die Rostock-Polizeirufe waren immer ziemlich prall, nicht nur des prallen Lebens wegen, das in ihnen gezeigt wird, anfangen von der Dienststelle bis hin zum „Milieu“, sondern weil zusätzlich zur eigentlichen Handlung immer die erwähnte Weiterentwicklung der Figuren vorangetrieben musste, die Entblätterung der Vergangenheit. Mit Bukows Vergangenheit begann es, dann kam auch noch die Fluchtgeschichte von König hinzu und nach deren Auflösung war es wieder Bukow alleine, der Probleme aus dem Gestern zu verarbeiten hatte. 

„Ein starker Abgang für Sascha Bukow, mit dem eine der spannendsten und komplexesten Ermittlerfiguren die Sonntagskrimi-Reihe der ARD verlässt. Im letzten Fall des Duos König/Bukow holen Sarnau und Hübner noch einmal alles aus ihren Figuren heraus, zeigen mit ihrem ausdrucksstarken Spiel die jeweils ganz eigene innere Zerrissenheit ihrer Charaktere zwischen Vertrauen, Misstrauen, Loyalität zur richtigen und/oder falschen Seite, besonders schön zu beobachten in der beinahe tragikomischen Heiratsantrags-Szene, deretwegen allein sich das Einschalten schon lohnt. Ein großes Dankeschön an Charly Hübner und alle Beteiligten für 24-mal zumeist feinste Krimikost aus dem hohen Norden!“ – Redaktion Tatort-Fans

Nach dem tiefen Süden (Stuttgart) diese Woche also der hohe Norden. Deutschland ist sehr vielfältig. Nicht wirklich groß, aber vielfältig, und das ist gut so. Und wir wissen nun, dass es einen Heiratsantrag geben wird. Ja, es wirkt alles rund und geschlossen. Ob der Antrag angenommen wird, ist eine andere Frage, denn einer der beiden Ehepartner wäre ja dann nicht mehr als Ermittler:in zu sehen und das würde seltsam wirken. Allerdings nicht unmöglich, denn Katrin König bekommt eine Kollegin, keinen Kollegen:

„Egal, wie das Ende aussehen wird, der Polizeiruf wird nach über zehn Jahren ohne Sascha Bukow weitergehen. Profilerin König bleibt uns in Rostock erhalten und bekommt eine neue Kollegin: Melly Böwe heißt die Kommissarin. Die tauchte im Polizeiruf aus Rostock auch schon auf. Als Halbschwester von Sascha Bukow. Übrigens: Auch privat gibt es eine Verbindung zwischen Sascha Bukow und Melly Böwe. Denn die Schauspielerin Lina Beckmann, die Melly Böwe spielt, ist mit Charly Hübner verheiratet. Das Kommissariat in Rostock bleibt also in der Familie. Im Film wie im richtigen Leben.“ – SWR3-Check

Ist doch klasse, dass die Neue bereits aus der Nähe beobachten konnte, wie der Polizeiruf Rostock funktioniert. Es können eben keine Funken schlagen, es sei denn König entpuppt sich als bisexuell. Negative Erfahrungen mit Männern hat sie ja schon gemacht, besonders mit einem, der sie direkt angegriffen hat und durch dessen Handlungen es zu dem Polizeiruf kam, den wir oben als Grenzüberschreitung angesprochen haben, bei der wir nicht mitgegangen sind.

„So fulminant wie der „Polizeiruf 110“ aus Rostock 2010/11 begann und einen ungewohnt rauen, ruppigen und sehr physischen Erzähl- und Umgangsstil im ARD-Sonntagskrimi etablierte, so hat nun Eoin Moore dem Straßenköter Bukow einen ebenso fulminanten Abgang bereitet. Den Journalisten wurden vorab nur 73 der 88 Filmminuten präsentiert. Bis dahin steht „Keiner von uns“, dessen Filmtitel anspielt auf die Eingangs-Episode „Einer von uns“, in der guten Tradition der Reihe, die das stets Genrehafte – in den Geschichten wie in der formalen Gestaltung mit einer guten Portion schmutzigem Realismus kurzschließt. Bukows Abgang korrespondiert sehr direkt mit der dritten Episode „Feindbild“ und mit jenem Subocek, der als eine Art Racheengel zurückkehrt. (…)“ – Rainer Tittelbach, Tittelbach-TV 

Offenbar, und das ist nun wirklich eine Überraschung, kehrt auch das Beweismittelfälschungsproblem aus „Für Janina“ noch einmal zu König und Bukow zurück und das beinhaltet beim letzten Film mit „Sascha, dem Straßenköter“ für mich noch einmal einen besonderen Zugang, weil es zu dieser Sache mit mir selbst eine besonders intensive innere Auseinandersetzung gab. Langweilig wird es auch dieses Mal nicht, das steht für mich bereits fest. Mach’s gut, Sascha Bukow. Ich vermisse dich bereits.

TH

Handlung

Tito, Inhaber des Musikclubs MIAU, ist während eines Live-Konzerts ermordet worden. Verdächtig ist der bekannte Musiker Jo Mennecke, den König und Bukow samt Frau Dora und Teambus ins Revier bestellen. Nicht nur König und Bukow, sondern auch Röder, Thiesler und Pöschel haben mit den Starallüren des Musikers alle Hände voll zu tun.

Aber Bukow hat noch dringendere Sorgen: Sein alter Gegner Subocek ist wieder in Rostock und erpresst ihn mit Informationen, die er in seiner Haft von einem Mithäftling bekommen hat: Guido Wachs hat ihm kurz vor seinem Tod alles über Königs Beweisfälschung erzählt und ihm in Form von Handy-Mitschnitten auch den Beweis dazu geliefert. Was soll Bukow nun tun? Zum Handlanger von Subocek werden – auf ewig erpressbar? Oder muss König sich stellen? Soll Bukow es überhaupt König erzählen oder kann er das Problem auf andere Weise lösen?

Dieses Damokles-Schwert schwebt über ihrer gerade erst begonnenen Liebe und droht diese zu zerstören. Nichtsdestotrotz haben sie einen Mord aufzuklären und zugleich Ordnung in Rostocks Unterwelt schaffen, denn diese ist nach Veit Bukows Tod quasi kopflos geworden und es gibt diverse Aspiranten für den Job. Neben Subocek meldet der sogenannte Falke auf aggressive Weise seine Ansprüche an. Ein brutaler Kampf, in den Bukow und König hineingezogen werden und der beide vor die Frage stellt, wer sie wirklich sind.

Regie Eoin Moore
Drehbuch Eoin Moore und Anika Wangard
Musik Kai-Uwe KohlschmidtWarner Poland und Wolfgang Glum
Kamera Florian Foest
Schnitt Antje Zynga
Besetzung

 

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