„Die Wannseekonferenz“ – ZDF-Spielfilm anlässlich des 80. Jahrestages #Filmfest Vorschau 24.01.2022, 20:15 Uhr #ZDF #Wannsee #Wannseekonferenz #Holocaust #Shoah

Filmfest Vorschau - Titelfoto © ZDF, Julia Terjung

Liebe Leser:innen, anlässlich des 80. Jahrestages der berüchtigten Wannseekonferenz, die am 20.01.1942 stattfand, wagt sich das ZDF an eine spielfilmähnliche Aufbereitung dieses Ereignisses.

Es ist kein angenehmes Gefühl, sich vorab fragen zu müssen, ob man zum Beispiel den richtigen Ton treffen kann, wenn man lauter führende Nazis von Schauspielern nachstellen lässt, die dabei tun, als ob sie den Holocaust bzw. die Shoah beschließen, auch, oder vielleicht sogar, weil man viele der Darsteller aus anderen Filmen kennt.

Diese furchtbare Zeit, die einmal mehr beleuchtet wird, kann nicht exakt wiedererstehen, auch nicht filmisch, und das ist gut so. Aber sicher ist auch diese ausführliche Befassung mit der Wannseekonferenz ein Teil der notwendigen Erinnerungsarbeit, der Bewahrung des Bewusstseins für die Verbrechen von damals in der Gesellschaft von heute. Ab dem 20. Januar, also auf den Tag 80 Jahre nach der Konferenz, ist der Film bereits in der Mediathek des ZDF abrufbar. Obwohl wir derzeit kaum aktuelles Fernsehen rezensieren, merken wir uns den Abend für die Befassung mit dem Thema vor, das nicht nur durch den 110-minütigen Spielfilm, sondern auch durch viel Begleitmaterial an uns, die Zuschauer von heute, die Nachfahren der Täter von einst, herangetragen werden soll.

*** Pressetext folgt ***

Lieber Herr Hocke,

anlässlich des 80. Jahrestages der historischen Wannsee-Konferenz strahlt das ZDF am Montag, dem 24. Januar 2022 um 20.15 Uhr das mit Constantin Television koproduzierte Film-Highlight „Die Wannseekonferenz“ aus. Ab Donnerstag, dem 20. Januar, 10.00 Uhr, ist es in der ZDFmediathek zu sehen. Der 110-minütige Spielfilm folgt dem von Adolf Eichmann aufgezeichneten Besprechungsprotokoll, von dem nur ein Exemplar erhalten ist und das als Schlüsseldokument der Judenvernichtung gilt.

Am Vormittag des 20. Januar 1942 kommen in einer Villa am Großen Wannsee in Berlin führende Vertreter des NS-Regimes zusammen: SS, Reichskanzlei, Ministerien, Polizei, Verwaltung. Eingeladen hat Reinhard Heydrich – zu einer „Besprechung mit anschließendem Frühstück“; die Zusammenkunft wird als „Wannsee-Konferenz“ in die Geschichte eingehen. Ausschließliches Thema ist die „Endlösung der Judenfrage“, die Organisation des systematischen, millionenfachen Massenmords an den Juden Europas.

Unter der Regie von Matti Geschonneck („Unterleuten – Das zerrissene Dorf“, „Das Zeugenhaus“) entstand ein intensiver und packender zeitgemäß umgesetzter Film. Das Drehbuch, durch eine Vorlage von Paul Mommertz inspiriert, stammt von Magnus Vattrodt („Unterleuten – Das zerrissene Dorf“, „Das Zeugenhaus“) und orientiert sich an den historischen Fakten und dem vorhandenen Sitzungsprotokoll. Die Kamera führte Theo Bierkens.

Die Teilnehmer der Konferenz werden von den hochkarätigen Theater- und Filmschauspielern Johannes Allmayer („Gladbeck“), Matthias Bundschuh („So viel Zeit“), Maximilian Brückner („Arctic Circle“), Fabian Busch („Dead End“), Jakob Diehl („Dark“), Godehard Giese („Es gilt das gesprochene Wort“), Philipp Hochmair („Charité“), Peter Jordan („Trübe Wolken“), Arnd Klawitter („Drinnen – Im Internet sind alle gleich“), Frederic Linkemann („Wir können nicht anders“), Thomas Loibl („Die Luft die wir atmen“), Sascha Nathan („Unbroken“), Markus Schleinzer („Freud“), Simon Schwarz („Kaiserschmarrndrama“) und Rafael Stachowiak („Undine“) verkörpert.

Produzenten sind Reinhold Elschot und Friederich Oetker, Executive Producer ist Oliver Berben. Die Redaktion im ZDF liegt bei Frank Zervos und Stefanie von Heydwolff. Die Ausstrahlung wird von unterschiedlichen Formaten begleitet.

Neben einer Dokumentation wird auch für die Online-Plattformen des ZDF ein umfangreiches und vertiefendes Angebot zu DIE WANNSEEKONFERENZ produziert. So wird Mirko Drotschmann in Info-Clips Hintergründe erläutern und mit Zeitzeugen und Experten sprechen. Einzelne kurze Erklärclips werden auch unter eine Creative-Commons-Lizenz gestellt.

Darüber hinaus wird das Thema in den YouTube-Kanälen von „Terra X“ und „MrWissen2go“ Geschichte gespiegelt. In Zusammenarbeit mit dem Geschichtslehrerverband Deutschlands wird ein umfangreiches Angebot für den Schulunterricht zusammengestellt, das im Mediatheksangebot „Terra X plus Schule“ zu finden sein wird.

In Kooperation mit der Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz entsteht für die ZDFmediathek ein digitaler Rundgang am historischen Ort, der auch für den Einsatz in Schulen und anderen Bildungseinrichtungen geeignet ist.

*** Ende Pressetext ***

Das Medienangebot klingt irgendwie hip, als hätte es eine Zeit wie die des Naziregimes gar nicht geben können, wenn man damals schon so informiert gewesen wäre und die Informationsangebote so geclustert hätte. Der Blick auf die Gegenwart belehrt uns aber eines Besseren: Ein Rechtsruck, eine Tendenz zur Gewalt, der Verlust demokratischer Tugenden, dies alles läuft zwar nicht mehr in dem atemberaubenden Tempo ab wie während der Weimarer Zeit, in der die demokratischen Tugenden noch kaum etabliert waren, aber es ist da und jede Krise lässt die Gesellschaft ein wenig mehr verrohen.

Was kann man dem entgegenstellen? Nur die immerwährende Aufklärung und manchmal auch die politische Aktion. Deswegen müssen wir an dieser Stelle auch allen Antifaschisten danken, die noch heute bereitstehen, wenn es gegen Rechts anzutreten gilt und allen, die sich ernsthaft mit der deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts auseinandersetzen. Wie heute noch jemand im Wissen um das alles politisch rechts sein kann, erscheint unverständlich, aber Menschen, die auch heute vermutlich wieder zu einer Wannseekonferenz gehen würden, hätten sie die Gelegenheit, sind die bittere Realität.

Wir gedenken indes der vielen Millionen jüdischer und weiterer Opfer des Naziterrors auch im Zusammenhang mit der Wannseekonferenz, die dessen schrecklichste Phase einläutete. 

Ein Dank geht auch an die und Darsteller in dem Film, vor allem an Letztere, die Rollen spielen, schwierige Rollenfiguren, die weit von ihrer eigenen Persönlichkeit entfernt sind. Das ist zwar nicht neu, auch nicht in Deutschland, aber doch in dieser Form sehr massiv, denn es kann in einem solchen Film keine positiven Figuren geben, keine Gegenseite, keine Erlösung für die Beteiligten und uns vor den Bildschirmen angesichts der „Endlösung“. Wir werden sehen, wie Matti Geschonnek, den wir u. a. als versierten Krimi-Regisseur kennen, die Verfilmung dieser realen Verschwörung zu einem Verbrechen in Szene gesetzt hat.

TH

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