Höchste Sterbeziffer seit 1946 – über eine Million Todesfälle 2021 + Auswirkungen von Corona? | Service Bevölkerungsdaten, Corona-Daten | Todesfälle, Sterbefälle

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Den Freitag mit einem Artikel zu den aktuell hohen Sterbeziffern in Deutschland einzuläuten, ist sicher keine Freude, man könnte auch unsere gesamte forcierte Corona-Berichterstattung als Zumutung empfinden. Aber wir brauchen diese Sterbefallzahlen, um sie mit dem nächsten Corona-Beitrag zu verlinken, denn nun gibt es endlich etwas wie valide Daten zur möglichen Übersterblichkeit. Bereits

Ende 2020, während der zweiten Welle, gab es einen auffälligen Anstieg. Die nachfolgende Statista-Grafik muss man so lesen, dass die rote Linie aus dem Dezember 2020, der den erheblichen Anstieg zeigt, mit der dunkelblauen Linie im Januar 2021 weitergeführt wird. Auch in den letzten Monaten vor dem Jahresende ist eine deutlich überdurchschnittliche Sterberate festzustellen. Der Begleittest von Statista (unterhalb der Statista-Grafik) dokumentiert Vorsicht bezüglich der Zuschreibung dieser erhöhten Sterberate, das finden wir gut und es entspricht dem Duktus, den wir in letzter Zeit mehr und mehr in unsere Corona-Berichterstattung einfließen lassen.  

Wenn es im folgenden Begleittext heißt, die Sterbefallziffer habe 2021 gegenüber 2020 um 3 Prozent zugenommen, klingt das erst einmal nicht so dramatisch, dass sich daraus ein bestimmter Sondereffekt sicher ableiten ließe, aber die Ausgangsbasis muss berücksichtigt werden: Mit mehr als 985.000 Sterbefällen war schon 2020 eine sehr hohe Ziffer erreicht. (1) Andererseits ist bereits seit einigen Jahren per Saldo ein Anstieg der Sterbefallzahlen zu beobachten, der darauf zurückzuführen sein dürfte, dass die „Boomer“-Generation nun häufiger betroffen ist (Geburtenjahrgänge 1945 bis 1965) als zuvor. Daher haben wir als Zusatzinformation die Sterbezahlen der Vorjahre benannt, dadurch kann sich jede:r selbst ein Bild über die Entwicklung machen. (2)

Die Sterbefallzahlen haben, anders als viele Daten zu Corona selbst, den Vorteil, dass ihnen unzweifelhaft eine am Ende vollständige Erfassung zugrunde liegt (auf die Vorläufigkeit der Zahlen für 2021 wird eigens hingewiesen). Eine Aussage lässt sich mit Sicherheit treffen: Die Corona-Pandemie hat die Sterbefallzahlen nicht unberührt gelassen und dass die zweite und die vierte Welle sich abbilden.

Daher ist alles zu tun, was möglich ist, um besonders ältere Menschen vor Ansteckung zu schützen. Das gilt auch für die derzeit herrschende Omikron-Variante. Häufigere mildere Verläufe oder nicht, betagte Menschen oder solche, die aus anderen Gründen vulnerabel sind, müssen besser vor Ansteckung bewahrt werden als bisher. Ausbrüche in Seniorenheimen etc. darf es nicht mehr geben. Die Verantwortung liegt bei der Politik und bei den Mitarbeitenden der Einrichtungen.

Statista-Begleittext:

1.016.899 Menschen sind laut vorläufigen Zahlen des Statistischen Bundesamts (Destatis) 2021 in Deutschland gestorben – das gab es bislang nur einmal, im ersten Nachkriegsjahr. Gegenüber dem Vorjahr sind die Sterbefallzahlen um drei Prozent gestiegen. Die Alterung der Bevölkerung erklärt diesen weiteren Anstieg nur zum Teil, so die Pressemitteilung der Behörde. Aber auch Corona ist nur einer von mehreren Gründen.

Im Februar und im März lagen die Sterbe­fallzahlen unter dem mittleren Wert der Vorjahre, von April bis August zumeist etwas darüber. Von September bis Anfang Dezember nahm diese Differenz im Vergleich mit den Vormonaten tendenziell zu, danach wieder etwas ab“ so die Destatis-Sonderauswertung der vorläufigen Sterbefallzahlen in Deutschland. Die Statistik soll dabei helfen, die Frage zu beantworten, „ob COVID-19 zu einer Übersterblich­keit führt.“

Mittlerweile ist aus Sicht der Wiesbadener Statistiker:innen bewiesen, dass sich die Pandemie auf die Todesfall-Zahlen in Deutschland ausgewirkt hat. Beispielsweise starben während der zweiten Welle in Sachsen „über mehrere Wochen hinweg mehr als doppelt so viele Menschen gestorben wie sonst zu dieser Jahreszeit,“ so eine ausführliche Analyse der Statistiker:innen von „Sterbefallzahlen und Übersterblichkeit während der Corona-Pandemie„. Eine deutliche erhöhte Sterblichkeit habe sich im Zuge der Pandemie vor allem bei den über 70-Jährigen gezeigt.

Indes sagt das Statistische Bundesamt, dass die beim RKI gemeldeten Corona-Todesfälle den Anstieg nur zum Teil erklären würden. Demnach sind für den Anstieg verschiedene weitere Ursachen denkbar: „So können hier unerkannte COVID-19-Todesfälle oder die zeitliche Verschiebung von Sterbefällen innerhalb eines Jahres infolge der zum Jahresbeginn ausgefallenen Grippewelle eine Rolle spielen (sogenanntes „mortality displacement“). Möglicherweise zeigen sich auch die Folgen verschobener Operationen und Vorsorgeuntersuchungen.“ 

TH

(1) Destatis – Sterbefälle und Lebenserwartung 2020 
(2) Deutschland in Zahlen – Geburten und Sterbefälle 

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