Das Herz der Schlange – Tatort 1187 #Crimetime Vorschau 23.01.2022, Das Erste, 20:15 Uhr #Tatort #Saarbrücken #Hölzer #Schürk #Baumann #Heinrich #SR #Schlange #Herz

Crimetime Vorschau – Titelfoto SR / Bavaria Fiction, Pasquale d'Angiolillo

„Der dritte Fall für das junge Tatort-Team aus Saarbrücken steht an: In Folge 1187 der Krimireihe mit dem Titel „Das Herz der Schlange“ haben es Hauptkommissar Leo Hölzer (Vladimir Burlakov) und seine beiden Kolleginnen, Hauptkommissarin Esther Baumann (Brigitte Urhausen) und Hauptkommissarin Pia Heinrich (Ines Marie Westernströer) zunächst scheinbar nur mit einem versuchten Raubmord zu tun (…) Darin verwoben ist abermals die Geschichte um Hauptkommissar Adam Schürks (Daniel Sträßer) Vater Roland (…) und im zweiten Fall des Saar-Quartetts „Der Herr des Waldes“ (Tatort-Folge 1162) aus dem Koma erwacht ist.“

So steigt die Redaktion von Tatort-Fans (Tatort Folge 1187: Das Herz der Schlange) in diesen Film ein und wir erinnern uns recht gerne an den Erstling „Das fleißige Lieschen“. Bisher hat das neue Saar-Team einen guten Ruf, liegt im Ermittler-Ranking des Tatort-Fundus sogar vorne – allerdings hat dies bei erst zwei Filmen noch keine hohe Aussagekraft. „Der Herr des Waldes“ haben wir aufgezeichnet, aber noch nicht rezensiert.  

„Mal wieder steht ein Kommissar unter Mordverdacht, das scheint beim Tatort in Mode zu kommen in letzter Zeit. Gegen Ermittler mit Ecken und Kanten ist grundsätzlich nichts einzuwenden, aber an der Saar übertreiben sie es damit. Das ganze Drama um Schürks Vater, dazu noch die Verknüpfung mit dem eigentlichen Fall – das alles wirkt zu überladen und konstruiert, als dass es noch einigermaßen nachvollziehbar und glaubwürdig wäre. Wer die Vorgeschichte rund um das komplizierte Vater-Sohn-Verhältnis nicht kennt, hat es ohnehin schwer, der Handlung zu folgen und zu verstehen, warum Adam so einen Hass gegenüber seinem Vater empfindet. (…) Einzig Torsten Michaelis in seiner Rolle als bitterböser und psychopathischer Roland Schürk ist wirklich sehenswert – einfach bravourös gespielt! Dafür gibt’s noch zwei Sterne (…).“

Pech, dass vorige Woche der neue Münster-Tatort „Des Teufels langer Atem“ ebenfalls einen Kommissar unter Mordverdacht gezeigt hat – und das horizontale Erzählen? Schwierig, in Tatorten. Im Rostock-Polizeiruf gibt es ein recht gelungenes Beispiel dafür, die Vergangenheit beider Emittlerpersonen wird in die Handlungen eingewoben. Auch nicht immer leicht nachvollziehbar, vor allem, wenn man so in die Reihe einsteigt, dass man die Filme nicht chronologisch anschauen kann, aber funktioniert halbwegs, aus zwei Gründen: Der Rostock-Polizeiruf hat eine höhere Tatfrequenz als ausgerechnet die Saarbrücken-Tatorte, von denen nur einer im Jahr kommt, und die Figuren, um die es geht, sind extrem einprägsam. Das sind Grundvoraussetzungen für eine gute Rezeption dieser Form von Erzählkunst. In Berlin zum Beispiel, wo Ermittler Karow ebenfalls eine stressige Vergangenheit vorweisen kann, werden die früheren Folgen vorsichtshalber noch einmal gezeigt, wenn bevor es mit einer Premiere weitergeht, aber nicht nur das: In mindestens einem Berlin-Tatort der aktuellen Generation wird zu Beginn eine Zusammenfassung „Was bisher geschah“ geliefert. Das einzige Mal bisher, nach meiner Kenntnis, dass man auf dieses nicht sehr modern wirkende Hilfsmittel in der Reihe Tatort zurückgreifen musste, um für die Zuschauer:innen verständlich zu bleiben. Wir fangen nun weitere Kritker:innenstimmen ein und werden sehen, ob die Erzähltechnik gemeinhin als Problem des dritten Saar-Tatorts neuer Zeitrechnung angesehen wird. Wie immer, checken wir als zweite Stimme den Check vom SWR: Tatort-Kritik (23.1.2022): „Das Herz der Schlange“.

„Hier geht es um echte Originalität: Was muss passieren, dass man den eigenen Tod zuverlässig anderen in die Schuhe schiebt – und damit durchkommt? Das ist ja mal eine coole Idee. Ist das aber auch ein cooler Tatort?“ Nun ja, wenn schon eine solche Frage gestellt wird, vermutet man zumeist, sie ist rhetorischer Natur. In diesem Krimi gab es wirklich viel Potenzial, allen voran die recht originelle, gut gespielte Geschichte. Aber wenn wir Zuschauer nicht mehr mitkommen, bleibt die Bewertung leider auch auf der Strecke.

Ach du Schreck. Wieder eine Hoffnung weg. Nur zwei Elche, man kann also beinahe sagen, den Test geschmissen. Was ist nur im Saarland los? So kompliziert sind die Menschen dort nach meiner Kenntnis gar nicht. Es gibt aber auch den Spruch „Pass auf, dein Hinterrad überholt dich“ für Möchtegern-Überflieger. Klappt es wegen „mehr gewollt als achieved“, wie schon bei vielen Stellbrink-Fällen, dieses Mal nicht, einen überzeugenden Krimi zu produzieren? Das wäre wirklich schade, denn nach allem, was ich bisher gelesen habe, mögen die Zuschauer:innen das „jung Team“ recht gerne.

Christian Buß vom Spiegel ist unverzichtbar, wenn nicht gerade in Urlaub, und fasst seine Ansicht so zusammen: „Der Vater, der Sohn und der heilige Frust – hat der Kommissar seinen Papa erschossen? Der »Tatort« aus Saarbrücken kommt als alttestamentarisches Familiendrama daher – Schlangen und Giftfrösche inklusive.“

Freundlicherweiße gibt Buß Aufklärung über das, was bisher geschah, wenn es schon im Film selbst nicht passiert:

„Kleiner Rückblick: Die Kommissare Leo Hölzer (Vladimir Burlakov) und Adam Schürk (Daniel Sträßer) teilen ein grausames Geheimnis aus der Jugend; der eine hat den gewalttätigen Vater des anderen ins Koma geprügelt, die Tat haben die beiden über einen Brand verschleiert. In der ersten Folge 2020, als sich die alten Freunde im neu aufgestellten Morddezernat in Saarbrücken wiederbegegneten, lag der Alte (Torsten Michaelis) im Koma; in der zweiten 2021 war er im Krankenhaus erwacht und ließ die beiden Jungen fortan im Unklaren darüber, ob er sich an die fatalen Ereignisse erinnerte.“

Wir haben geschrieben, im Saarland sind die Menschen eher unkompliziert, nicht jedoch, dass häusliche Gewalt kein Thema ist. So, nun wissen Sie und wir, worum es geht. Der Rezensent sieht zwar einzelne dramaturgische Schwächen und einen zu konstruiert wirkenden Nebenerzählstrang, ihm gefällt aber das alttestamentarische Drama und dadurch kommt es zu 7/10, heißt es schließlich bei Tittelbach-TV.  

„Der dritte Fall des jungen Teams aus Saarbrücken verlinkt die Ermittlungen in einer Einbruchsserie mit dem familiären Hintergrund von Kommissar Adam Schürk. Autor Hendrik Hölzemann, der auch die beiden Vorgänger-Episoden schrieb, führt damit die horizontale Erzählebene um das Geheimnis der Jugendfreundschaft von Schürk und seinem Kollegen Leo Hölzer fort. Das hat Logik und Stringenz. Regisseurin Luzie Loose entschied sich in ihrem „Tatort“-Debüt für eine ruhige, konzentrierte Inszenierung. Der „Tatort – Das Herz der Schlange“ (…) bleibt dabei ein lebendiges Zusammenspiel, das in Rückblenden von lauernder Bedrohung auf pure Spannung schaltet. Die Frauenfiguren sind ausbaufähig. Mit mehr Profil für die Kommissarinnen ist dem Quartett aber spätestens nach diesem Fall ein längerer Atem zu wünschen, als das bei den Vorgängern in Saarbrücken der Fall war.“

Die ausgekehrten 4,5/6 sind für die Verhältnisse von Tittelbach-TV eine durchschnittliche Bewertung im Rahmen der Tatsache, dass die Publikation der Reihe Tatort gegenüber generell freundlich gesonnen ist. Dass die beiden Kommissarinnen zu kurz kommen, hatte auch Christian Buß erwähnt und es war schon im ersten Film auffällig. So richtig zufrieden sind wir mit den Bewertungen der Profis nicht, aber vielleicht mit dem Film? Heute Abend wissen Sie jedenfalls mehr, wenn Sie um 20:15 Uhr einschalten.

Unser Titelfoto haben wir so gewählt, dass alle vier Mitglieder des noch nicht sehr bekannten Teams darauf abgebildet sind.  

Partystimmung lese ich aus diesem Bild nicht unbedingt heraus, aber die Fuß- und Sitzhaltung der vier Ermittler:innen wirkt vor allem auf der rechten Seite des Tableaus recht entspannt. Der Clou aber ist das Aquarium rechts im Bild. Ein zu Karpfengröße herangewachsenes, leicht übergewichtiges Seepferdchen? Nein, nur Wasserblasen, die aufsteigen. Und die Frauen sitzen vorne im Bild. Schon klar, dass das nicht hinreicht, um ihre plotseitige Unterrepräsentation auszugleichen.

TH

Handlung

Das Ermittlerteam gut gelaunt in einem Saarbrücker Restaurant: Hauptkommissar Leo Hölzer, Hauptkommissar Adam Schürk, Hauptkommissarin Esther Baumann und Hauptkommissarin Pia Heinrich sind gerade mit dem Essen fertig, als sie eine Einsatznachricht erreicht. Leo und Pia machen sich auf den Weg zum Tatort.

In der besten Gegend von Saarbrücken finden sie in einer Villa den Leichnam von Cora Reuters (44) vor. Zudem einen blutverschmierten Baseballschläger, eine leere Dose Pfefferspray, einen geöffneten Safe mit bündelweise Bargeld darin – und einen mutmaßlichen Täter, der schwer verletzt ins Krankenhaus gebracht wird. Erste Ermittlungen ergeben: Bei Cora Reuters wurde vor einigen Monaten eingebrochen und dabei heimlich eine Überwachungskamera installiert.

Unterdessen wird Adam von seinem Vater per SMS in sein Elternhaus gerufen: „Es geht um deine Mutter!“

Besetzung und Stab

Hauptkommissar Adam Schürk – Daniel Sträßer
Hauptkommissar Leo Hölzer – Vladimir Burlakov
Hauptkommissarin Esther Baumann – Brigitte Urhausen
Hauptkommissarin Pia Heinrich – Ines Marie Westernströer
Rechtsmedizinerin Dr. Henny Wenzel – Anna Böttcher
Roland Schürk, Vater von Adam – Torsten Michaelis
Heide Schürk, Mutter von Adam – Gabriela Krestan
Boris Barns, Onkel von Adam – Stephan Bissmeier
Rechtsanwalt Dr. Jens Modall – Michael Rotschopf
Cora Reuters – Joy Maria Bai
Dennis Weidmann – Adrian Julius Tillmann
Hansi Kloppa – Matthias van den Berg
Josef Burger – Rostyslav Bome
u. v. a.

Drehbuch – Hendrik Hölzemann
Regie – Luzie Loose

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