Vertrauen als Anfang vom Ende – Berufsgruppen überwiegend im Zwielicht | Newsroom Gesellschaft | Statista Unternehmen Berufe

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Liebe Leser:innen,

neben all den schwerwiegenden Berichten über Corona und andere Katastrophen unserer Zeit haben wir ja immer auch mal ein wenig Service für Sie. Gestern hat Statista eine schöne Grafik dargereicht, die sich mit dem Vertrauen der Menschen in bestimmte Berufsgruppen befassen.

Begleittext von Statista: Ärzt:innen und Wissenschaftler:innen (jeweils über 60 Prozent) sind laut Ipsos Global Trustworthiness Monitor die vertrauenswürdigsten Berufsgruppen überhaupt. An dritter Stelle im Ranking folgen Lehrer:innen, denen 55 Prozent der Befragten vertrauen. Deutlich skeptischer sind die Menschen dagegen bei Militär und Polizei. Aber der Blick auf die Grafik zeigt, dass die Exekutive immer noch mehr Ansehen genießt als Juristen. Richter:innen und Anwält:innen werden ihrerseits von Vertreter:innen des Klerus unterboten – denen bringt nur jede:r Vierte Vertrauen entgegen. Eine andere Berufsgruppe ist aus Platzgründen nicht Teil der Grafik, soll aber trotzdem erwähnt werden. Meinungsforscher:innen (25 Prozent) stehen beim Vertrauen auf einer Stufe mit Priester:innen.

Humor haben sie also auch, bei Statista. Dass die Halbgött:innen in Weiß besonders viel Vertrauen genießen, ist nicht neu, es ist geradezu legendär. Was soll man als Patient auch anderes tun als vertrauen, wenn man sich in die Hände eines / einer Angehörigen dieses Berufsstandes begeben muss? Oft geht es dabei um existenzielle Situationen, manchmal aber auch nur darum, jemanden zu haben, dem man … nun, dem man vertrauen kann. Die Politiker:innen sind es nicht. Der Friseur ist zwar allzeit ein guter Flurfunk, aber jeder weiß, dass Kolportage und Information sich beim Austausch von Informationen im Salon ähnlich vermischen wie in vielen Medien. Dass Jurist:innen als Beruf zwar allgemein ein gewisses Ansehen genießen, ihnen aber kaum jemand vertraut, das haben sie sich redlich oder unredlich verdient. Unter den Politiker:innen gibt es übrigens heutzutage sehr viele Jurist:innen und speziell die Angehörigen dieses Standes in der Politik glauben leider zu oft, sie könnten die Menschen mit Finten, mit Winkelzügen täuschen. 

Sie haben jedoch sicherlich gelesen, dass die Umfrage aus nicht weniger als 28 Ländern stammt. Dabei gibt es ganz gewiss erhebliche regionale Abweichungen und doch ist es interessant, zu sehen, welch überragendes Vertrauen Ärzt:innen immer noch genießen. Etwas über 60 Prozent sind auch kein Traumwert, in Deutschland … nun ja, seit Corona vertraut ja hier niemand mehr irgendwem. Das stimmt natürlich nicht, die Mehrheit tut das durchaus, die Minderheit der Zweifler:innen ist eben nur furchtbar laut. Es ist auch nicht falsch, Dinge nicht einfach hinzunehmen, auch das sieht man während der Pandemie: Falsche Zahlen, falsche Schlüsse daraus, schlechtes Management, sich permanent ändernde Narrative. Manches ändert sich aus Erkenntnissen, anderes kaschiert Kopflosigkeit. Und das ist eine freundliche Interpretation.

Ich könnte mir vorstellen, dass Corona das Vertrauen der Menschen in die Institutionen insgesamt weiter geschmälert hat und gerade für Demokratien ist das eine große Gefahr. Aber wird einen der eigene Hausarzt anlügen? Wird eine schwerwiegende Diagnose falsch sein können? Das wollen die meisten doch lieber nicht glauben. Wenn es wirklich um Größere Dinge geht: Holen Sie sich bitte eine unabhängige zweite Meinung ein, mindestens, wenn das möglich ist.

Unser Ding ist nun aber auch der Mehrwert für Sie, liebe Leser:innen. Deswegen habe ich den Customer Survey angeklickt, den Statista benannt hat und da gibt es eine weitere interessante Grafik. Nämlich darüber, welchen Wirtschaftszweigen am meisten vertraut wird.

Dabei kommt es in der Tat zu regionalen Unterschieden: Obwohl die Vereinigten Staaten die Heimat vieler der weltweit führenden Technologieunternehmen sind, sind sie eines der wenigen Länder, in denen die Befragten Technologieunternehmen eher als nicht vertrauenswürdig (29%) denn als vertrauenswürdig (27%) betrachten. 

Ich würde meinen, die Amerikaner kennen sich aus. Sie wissen am besten, was ihre Datenkraken tun und was nicht, nämlich für Datensicherheit sorgen und Informationen defensiv verwenden. Die Naivität und affirmative Haltung z. B. in asiatischen Ländern jedweder Technik gegenüber ist geradezu sprichwörtlich, wobei ich nicht weiß, ob es tatsächlich ein Sprichwort dazu gibt. Wer, wie die Chinesen, freiwillig immer mehr Überwachung wünscht, so heißt es jedenfalls, weil er sich damit Sozialpunkte verdienen will, der hat ein anderes Verhältnis zu diesen Dingen als Menschen im Westen.

Nun ja, in Maßen anders. Hier muss man den sich immer stärker durchsetzenden Überwachungsstaat so verkaufen, dass die hiesigen Verhältnisse berücksichtigt werden, z. B. mit den Erfordernissen der Terrorabwehr und des Schutzes der demokratischen Verfassung. Oder mit der Pandemiebekämpfung.

Ziemlich schlecht kommen Medien bei dieser Umfrage weg, unterboten nur von den Konzernen, die Social Media betreiben. Witzig, dass viele Menschen weltweit diesen nicht trauen, wohl aber den Tech-Unternehmen. 

Vertrauen hat viel mit Kompetenz zu tun, aber auch viel darauf, dass man sich auf die Verschwiegenheit von Menschen und Institutionen verlassen kann. Das Gefühl der Selbstbestimmung ist ebenso wichtig wie das Gefühl der Geborgenheit. Im Moment ist es ganz natürlich, dass das Pendel eher in Richtung Schutzbedürfnis umschlägt. Haben Sie den Eindruck, dass die Entscheider in Politik und jetzt auch Wissenschaft diesem Bedürfnis Rechnung tragen und was macht es mit den Ergebnissen von Befragungen wie derjenigen, die wir oben sehen, wenn das nicht der Fall ist?

Interessant wäre es daher auch, zu wissen, wie sich die Zufriedenheitswerte langfristig entwickeln, wie und warum sie sich verändern. Lesen Sie also gerne in der Quelle noch ein wenig weiter. 

(1) Dies sind die Ergebnisse einer Ipsos-Online-Umfrage, die vom 25. Juni bis 9. Juli 2021 über das Ipsos Online Panel-System in 29 Ländern durchgeführt wurde: Argentinien, Australien, Belgien, Brasilien, Kanada, Chile, China (Festland), Kolumbien, Frankreich, Deutschland, Großbritannien, Ungarn, Indien, Italien, Japan, Malaysia, Mexiko, Niederlande, Peru, Polen, Rumänien, Russland, Saudi-Arabien, Südafrika, Südkorea, Spanien, Schweden, die Türkei und die Vereinigten Staaten. Die Gesamtindexergebnisse für dieses Jahr basieren auf der vollständigen Stichprobe von 29 Ländern, während die Trendergebnisse auf frühere Erhebungswellen zurückblicken und sich nur auf die 22 Länder konzentrieren, die in allen drei Erhebungswellen vertreten waren. 

TH

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