Der weite Ritt (The Hired Hand, USA 1971) #Filmfest 713

Filmfest 713 Cinema

The Hired Hand ist ein US-amerikanischer Western von Peter Fonda aus dem Jahr 1971. Die Hauptrollen spielten Fonda, Warren Oates und Verna Bloom. Die Kamera stammt von Vilmos ZsigmondBruce Langhorne lieferte die stimmungsvolle Filmmusik. Die Geschichte handelt von einem Mann, der zu seiner verlassenen Frau zurückkehrt, nachdem er sieben Jahre lang im Südwesten der Vereinigten Staaten von Job zu Job gedriftet ist. Die verbitterte Frau wird ihn nur bleiben lassen, wenn er sich bereit erklärt, als angeheuerter Hilfsarbeiter einzuziehen.

Wieso ich bei „Hired Hand“ immer an einen Miet-Revolverhelden denke, verstehe ich selbst nicht perfekt. Vielleicht, weil das die häufigste Form von Personalleasing im Pionier-Westen war, zumindest gemäß der Darstellung Hollywoods. Hier geht es selbstverständlich auch ums Schießen, wo kämen wir sonst hin? Trotzdem ist es schon ein anderer Tenor, den New Hollywood 1971 in das Genre brachte. Mehr dazu in der –> Rezension.

Handlung (1)

Harry Collings (Fonda) und Arch Harris (Oates) sind zwei „Sattelstreicher“ (Originalbegriff direkt übersetzt, Vagabunden des Westens, freier ins Deutsche übertragen), die nach sieben Jahren des Wanderns durch den amerikanischen Südwesten müde geworden sind. Zusammen mit einem jüngeren Weggefährten, Dan Griffen (Robert Pratt), machen sie Halt in Del Norte, einer baufälligen Stadt mitten im Nirgendwo, die von dem korrupten McVey (Severn Darden) regiert wird. Harris und Griffen diskutieren darüber, nach Kalifornien zu reisen, um Arbeit zu suchen, als Collings ihnen abrupt mitteilt, dass er beschlossen hat, zu der Frau zurückzukehren, die er vor Jahren verlassen hat. Griffen lässt die beiden vorübergehend in einer Bar zurück und geht Vorräte kaufen. Einige Stadtschläger erschießen ihn aus reiner Gemeinheit. Collings und Harris entkommen, aber sie kehren in dieser Nacht zurück. Collings schießt McVey in die Füße und lähmt ihn.

Nachdem er Hunderte von Kilometern zurück zu seinem alten Haus gefahren ist, wird Collings von seiner Frau Hannah (Bloom) kalt empfangen. Um bleiben zu dürfen, bietet er seine Dienste einfach als „gemietete Hand“ (Farm-Hilfsarbeiter) an. Hannah stimmt zu und bringt ihn schnell zur Arbeit. Allmählich schwinden das Misstrauen und das Unbehagen, die durch jahrelange Entfremdung verursacht wurden, und die beiden beginnen sich wieder nahezukommen. Zum ersten Mal fühlt sich Collings bereit, sich niederzulassen, aber Harris geht, weil er „den Ozean sehen“ will und sich als potenzielles Hindernis für die neue Intimität des Paares fühlt.

McVey und seine Truppe von Hooligans unterbrechen sein Leben. Als Collings erfährt, dass sie Harris entführt haben, verlässt er Hannah erneut, diesmal um seinen Freund zu retten. In einer anschließenden brutalen Schießerei mit McVeys Bande werden alle Bösewichte getötet und Collings tödlich verwundet. Harris reitet allein zu Hannahs Haus.

Rezension:  Anni und Tom über „Der weite Ritt“ („The Hired Hand“).

Anni: Jetzt haben wir gerade einen Film namens „Die Geier warten schon“ angeschaut, der zwei Jahre jünger ist, aber total traditionell und nun die erste von drei Regie-Arbeiten von Peter Fonda, die ganz und gar „New Hollywood“ rüberkommt. Allerdings langsamer als viele andere Filme dieser Zeit. Mit lyrischen Bildern, überblendet, durch Pflanzen hindurch gefilmt, lange Einstellungen und, damit verbunden, vergleichsweise wenig Handlung. Und das kommt davon, wenn man jemanden nur zum Krüppel schießt, anstatt ihn zu erledigen. Also, ich mochte dieses Hineingleiten in einen Westen, der viel realistischer wirkt als in den meisten Western. Dieses lange, entbehrungsreiche Farmenleben, das sieht man den Leuten, besonders der Frau, endlich mal an. Sonst merkt man doch immer zu stark, dass alles nur Film ist.

Tom: Ich hab während der Eingangsszene am Wasser gedacht, ob die wohl nie aufhört? Da war Fonda so sehr von den tollen Reflektionen der Sonne und den Überblendungen fasziniert, dass er am liebsten den ganzen Film lang in dieser Szene geblieben wäre. Allerdings ist ein Director’s Cut von weniger als 90 Minuten Länge ja auch ziemlich besonders. Meistens heißt „Director’s Cut“, dass du dich auf drei Stunden einrichten darfst, in denen sich dann viele logische der kürzeren Kino-Verleihversionen Lücken schließen, aber die auch ganz schön anstrengend sein können.

Anni: Hier ging es aber vor allem darum, den Schnitt wiederherzustellen, wie Fonda ihn wohl angelegt hat. Als Co-Star von „Easy Rider“ hat die Universal ihm ja einen eigenen Film zur Regie anvertraut, war dann aber, typischerweise, wenn jemand mal etwas aus dem Mainstream ausschert, nicht mit dem Ergebnis zufrieden und hat sich ans Schnipseln gemacht. Lass uns mal schauen, was die anderen sagen. Also, Roger meint, Peter Fondas „The Hired Hand“ ist ein langweiliger, vergeistigter oder spiritueller Western über einen jungen Mann, der zum Verantwortungsbewusstsein heranreift.

Tom: „Langourously“ kann man auch mit träge anstatt „langweilig“ übersetzen, aber ganz positiv wird das Wort leider auch dann nicht.

Anni: Dafür gibt es ein Bad Ending, weil das wohl nach „Easy Rider“ so sein musste, bei Peter Fonda. Ich fand’s blöd, auch wenn klar war, dass sein Freund zu Harrys Frau zurückkehren wird und sich dadurch ein neues Paar herausbildet, das vielleicht sogar besser zusammenpasst. Aber ich bin bei dem Film nicht eingeschlafen. Obwohl er so langsam ist.

Tom: Die schöne Fotografie war ein Frühwerk von Vilmos Zigmond, der letztes Jahre verstarb und solche Klassiker wie „The Deer Hunter“ („Die durch die Hölle gehen“) oder auch Spielbergs „Unheimliche Begegnung der dritten Art“ ins Bild gesetzt haben. Und die beiden, vor allem der Spielberg-Film haben ja teilweise unvergessliche Bilder hervorgebracht.

Anni: Dieser mystische Aspekt, den viele Kritiker in den Film hineinlegen, der ist mir weitgehend verborgen geblieben. Die Symbole in den Szenen mit dem Bösewicht, also dessen christliche Symbolik, ich fand die Schönheit, die in jedem einfachen Tag auf der Farm liegt, hatte ihre eigene Mystik. Aber das Paradies ist nicht für immer, wie der Kritiker der New York Times, Roger Greenspan, schreibt. Du kannst darin nicht ewig verweilen.

Tom: Warum eigentlich nicht?

Anni. Weil immer irgendwas passiert. Sogar auf einer Farm. Oder vielleicht gerade dort viel eher als in einem Beamtenbüro in Berlin. Denn da kann das Böse vorbeikommen, im Büro nicht, wenn du nicht beim falschen Amt arbeitest. Vielleicht haben Leute, die wirklich im Mittelwesten leben, den besten Zugang zu dem Film. Er ist nicht auf Ereignissen, sondern auf Relationen aufgebaut. Aber fühlst du nicht diesen Zauber des Landes, wenn man ein Film es atmen lässt und nicht nur als Kulisse verwendet, sondern ihm eine eigene Persönlichkeit zubilligt? Ich gebe 8/10.

Tom: Mir war das doch teilweise etwas zu gewollt und irgendwie auch hippie-elitär. Trotzdem kein schlechter Film 7/10 von mir.

75/100

© 2022 Der Wahlberliner, Thomas Hocke (Entwurf 2017)

(1), kursiv und tabellarisch / Liste: Wikipedia (englisch)

Regie: Peter Fonda
Geschrieben von Alan Sharp
Produziert von William Hayward

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