Stern von Rio (DE 1940) #Filmfest 715

Filmfest 715 Cinema

Zeitgenössische Rezensionen des Films waren deutlich positiver als das, was in unserer Quelle aus den 1980ern dazu geschrieben wurde:

„[E]in Kunstwerk besonderer Gattung, Augen und Ohren werden in verschwenderischer Weise bedacht. Sensationelle Diamantenfunde, schöne Frauen, Börsenfieber, Zwischenfälle und Polizei erzeugen eine Atmosphäre von Rhythmus und Tempo. La Jana aber tanzt voll Leidenschaft und Lockung, ihre rassige Schönheit erfährt durch raffiniert entworfene Kostüme verwirrende Leuchtkraft. […] Ein Film, der in jeder Hinsicht Freude und Abwechslung bringt.“ – Illustrierte Kronen Zeitung. 21. März 1940

„Jedenfalls zeigt dieser […] Tobis-Film alles, was man von einem Film erwarten kann: Die buntschillernde Handlung, das aufregende Abenteuer, die unerhört raffinierte Toilettenpracht, das betörend schöne Landschaftsbild, die exotisch-wilde Tanzvorführung und – großartige schauspielerische Leistungen“ – Neues Wiener Tagblatt. (Tages-Ausgabe) 21. März 1940

„Kriminal- und Abenteuerreißer aus der Nazi-Zeit, der aufgrund der Schlager und exotischen Tanzdarbietungen La Janas als ‚gewagt‘ empfunden wurde und zum Publikumserfolg avancierte.“ – Filmdienst[1]

Da ich den Film seinerzeit mit 7/10 bedacht hatte, muss mir wohl auch etwas daran gefallen haben, denn diese Bewertung liegt über dem Durchschnitt dessen, was ich für Filme aus der NS-Zeit ausgegeben habe. Zumindest habe ich mich nicht über das Werk geärgert. Heute würde ich sicher noch einmal dem Zeitgeist darin nachspüren, aber dass besonders das Hispanische, besonders wiederum Südamerika, damals nicht nur im deutschen Film eine Faszination ausübte, habe ich kürzlich anhand von „Maske in Blau“ (Rezension kommt später im Rahmen der „Zweiten Deutschland-Chronologie) besprochen. War es die Person von La Jana? Eine Frau einfach reizvoll finden, vielleicht sogar mit einem schwärmerischen Ansatz? Das geht nicht mehr, es widerspricht dem zumindest aus meiner Perspektive aufgezwungenen Geschlechterkampfmodus, also muss ich es auch rückwirkend ausschließen. Ich vermute tatsächlich, dass die Musik und der Rhythmus, wie allgemein damals bei meiner Neigung zu Musik- und Tanzfilmen, eine wichtigere Rolle bei der überdurchschnittlichen Bewertung gespielt haben.

Wir schreiten sehr rasch durch diese dunkle Zeit, in der nur wenige Filmsterne leuchteten, mit Premierenjahr 1939 war zum Beispiel überhaupt kein deutsches Kinostück im „Internationalen Filmverzeichnis Nr. 8“ aus dem Jahr 1989 enthalten. Wesentlich dichter wird das Feld besetzt sein, wenn wir im Rahmen der erwähnten „zweiten Chronologie“ die Rezensionen aus den Jahren von 2011 bis heute auf dem Filmfest zeigen werden, denn aktuell schauen wir wesentlich genauer hin, was es von ca. 1915 bis heute hierzulande zu entdecken gibt und sind schon gleich zu Beginn dieser Tour auf mehrere erstaunliche Filme und Erkenntnisse gestoßen.

© 2022, 1989 Der Wahlberliner, Thomas Hocke

Regie Karl Anton
Drehbuch Hans Fritz KöllnerFelix von Eckardt
Produktion Heinrich Jonen für Tobis-Filmkunst GmbH
Musik Willy Engel-Berger
Kamera Bruno Mondi
Schnitt Martha Dübber
Besetzung

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