Hildes Erbe – Polizeiruf 110 Episode 396 #Crimetime Vorschau 30.01.2022 Das Erste 20:15 Uhr #Swiecko #Raczek #Ross #RBB #Hilde #Erbe

Crimetiime Vorschau – Titelfoto © RBB, Hans-Joachim Pfeiffer

Wir wissen es

Wer erfahren möchte, was mit Hildes Erbe passiert ist, der muss nicht den neuen Polizeiruf anschauen, exklusive Informationen sind bei uns schon jetzt erhältlich. Wir empfehlen trotzdem, es heute Abend mit dem zur Hälfte neuen Team des RBB zu versuchen, das in der polnischen Grenzstadt Swiecko angesiedelt ist. Adam Raczek (Lucas Gregorowicz) kennen die meisten von Ihnen schon als Ermittlungs- und beinahe Lebenspartner von Olga Lenski (Maria Simon), aber diese ist im vergangenen Jahr ausgestiegen und so musste ein Ersatz gefunden werden, denn die Zeit der einsamen Wölfe ist vorbei. Jede:r, der in Brandenburg wohnt, weiß das. Vincent Ross heißt der Neue und wird dargestellt von André Kaczmarczyk. Ein reines Männerduo im Jahr 2022? WTF? Gemach: „In der Episode mit dem Titel „Hildes Erbe“ müssen die beiden Ermittler nicht nur den Mord an einem Studenten aufklären, hinter dem sich eine vielschichtige Familientragödie verbirgt, sondern auch zunächst als Team zusammenfinden, denn die beiden ticken sehr unterschiedlich: Während Raczek mit Schlafstörungen zu kämpfen hat und krampfhaft versucht, die an ihn gestellten Erwartungen – auch als männlicher Kriminalbeamter – zu erfüllen, kommt Vincent Ross mit einem frischen, unverstellten Blick zum Deutsch-Polnischen Kommissariat in Swiecko / Frankfurt (Oder) und lebt ‚genderfluid'“, heißt es bei Tatort-FansDas ging ja gerade noch mal gut und gerade in Polen kann man sicher ein wenig mehr gesellschaftliche Offenheit vertragen, daher ist Swiecko, das auf der anderen Seite der Grenze, vor oder hinter Frankfurt/Oder – je nach Perspektive – liegt, wie die Redaktion von Tatort-Fans andeutet, genau der richtige Ort, um den Kilt zu promoten. Was hält die Kritik von dieser neuen Konstellation und vom Fall, der immerhin vom Rostock-Polizeiruf-Erfinder Eoin Moore (mit-) geschrieben und inszeniert wurde? 

„(…) Die neue Konstellation mit den zwei ungleichen Männertypen Raczek und Ross ist durchaus reizvoll und bietet viel Potenzial für die weitere Entwicklung der Figuren. Leider wirkt die Handlung zuweilen etwas überfrachtet, so als hätten sich die Drehbuchautoren nicht entscheiden können, ob sie nun den Teambildungsprozess der Kommissare oder den eigentlichen – und durchaus komplexen – Mordfall als „A-Story“ erzählen sollen. Trotz kleiner Schwächen ein insgesamt gelungener Einstand für das neue Team, der Lust auf mehr macht“, fasst die Tatort-Fans-Redaktion zusammen und lobt die zunehmende Diversität. Die ist aber in den Polizeifilmen ohnehin schon viel ausgeprägter als bei der realen Polizei, die zu den Orten zählt, an denen man mit Outings und dergleichen vorsichtig sein muss. Insofern sieht die ARD sich gewiss auch als Motor, nicht nur in einer dokumentarischen Position, die Realität betreffend. Letzteres tat sie im Grunde aber nie, sie hat vielmehr unser Bild von der Polizei-Realität auf eine Weise geprägt, die, sagen wir mal, haarscharf an ebenjener vorbeigeht. Dadurch, dass man vor allem in den letzten Jahrzehnten überwiegend progressive Typen hat ermitteln lassen, ist leider auch etwas unter den Tisch gefallen, wie konservativ, um nicht zu schreiben rechtslastig, die tatsächliche Polizei weit überwiegend ist. Was sagen die (anderen) üblichen Verdächtigen zum Film?

„Der erste Fall für Raczek und Ross“, titelt der SWR3-Check ganz unspektakulär, aber die erste Überschrift bringt den Knaller: „Alt gegen Jung! Welten prallen aufeinander!“ Ach du Schreck, es ist ja doch wie im wirklichen Leben. Wir nehmen alles oben über den mangelnden Realismus des deutschen Fernseh-Premiumkrimis zurück. „Da muss sich der „Alte“ sagen lassen, dass Indianer jetzt Indigene oder First Nations heißen und auch die anderen Kollegen konfrontieren Razcek mit für ihn völlig neumodischem Kram – denn die gendern fleißig. Und weil da Welten aufeinanderprallen, entstehen so richtig schöne Dialoge.“ So alt ist der Raczek doch gar nicht? Nun ja, alles relativ. Aus unserer Perspektive ist es eigentlich nicht mehr relativ. Hoffentlich ist es ansonsten nicht eher etwas für einfältige oder gar retardierte Naturen, auf diese Weise das Gendern etc. erklärt zu bekommen und es auch noch witzig zu finden. Wir wussten jedenfalls das mit den Indigenen oder der First Nation. Damit das auch mal geschrieben ist. Jedenfalls kommt der SWR3-Check bei 4 von fünf Elchen heraus. Test bestanden, der Film ist nicht umgekippt, trotz des heutigen Sturms über Deutschland. Bis hierher ging’s also wirklich gut.

„Generationenclash im »Polizeiruf«. Alles Lutscher außer Mutti. Der alte Ermittler säuft und frisst Berge von Fleisch, der neue trägt Kajal und macht Yoga: Im deutsch-polnischen »Polizeiruf« kollidieren Männerbilder und Generationen. Sehr gut.“ Auch du, Christian Buß, auch du, und das im Spiegel, dem einzigen echten deutschen Nachrichtenmagazin. Jetzt mussten wir doch mal nachschauen, wie alt Lucas Gregorowicz ist: Verdammte Axt, er wird dieses Jahr 46! Es ist nicht zu leugnen: Da sollte man sich schon mal nach einem Platz für die lange Zeit umschauen, während der man die Radieschen von unten betrachten wird. Nicht, weil man es will, sondern weil es muss. Auf einem der Fotos trägt „der Neue“ übrigens eine schwarze Lederkrawatte aus der Zeit, als sogar wir jung waren. Alles kommt wieder, außer das Gendern, das bleibt. Wir haben dieses nicht nur modemäßig gesehen erfreuliche Zwei-Mann-… Zwei-Mensch-Gruppenfoto als Titelbild gewählt. Die beiden Darsteller weisen lediglich einen Altersunterschied von 10 Jahren auf. Aber es geht um die Generationen-Bruchlinie. Die verläuft genau bei 40 Lebensjahren, das erklärt uns Christian Buß und vergibt 8/10. Im Text steht auch etwas vom in die Jahre gekommenen Sonntagskrimi. Wir stauenen schon wieder. Es gibt doch immer wieder neue jüngere Teams. Klar, einige sind besonders beim Tatort jetzt schon sehr lange dabei, aber der Mix ist es doch, oder? Deswegen ja auch oft die hohen Punktzahlen in letzter Zeit, unabhängig vom Alter der Emittler:innen. Jetzt sind wir schon gespannt, ob Tittelach-TV auch auf diesen Zug springt. Vermutlich haben die Autor:innen des Films den Rezensent:innen gar keine andere Wahl gelassen.

„Das Zusammenspiel des erfahrenen Adam Raczek mit dem frisch von der Berliner Polizeischule angereisten Vincent Ross nimmt fast ebenso viel Raum ein wie der eigentliche Fall. Der dreht sich um Erbstreitigkeiten vorm eigentlichen Ableben von Oma Hilde. Viel Milieu, wenig Spannung, aber zwei Ermittler, die mit sich und der Welt noch einiges zu klären haben. Eingeschworene Kriminalisten sollten sich, wie bei neuen  Teams oft der Fall, in Geduld üben. Wen der frische Blick auf psychologische Hintergründe von Verbrechen interessiert, der findet in Vincent Ross einen neuen Freund. Eoin Moore, der den „Polizeiruf“-Rostock maßgeblich mitgeprägt hat, setzt auch in Frankfurt auf einen rauen, physischen Realismus aus kaputten Beziehungen und abgerockten Locations, angereichert mit einem dissonanten Score zwischen Ethno-Jazz und großer Oper.“

Martina Kallweit schreibt für Tittelbach TV über Raczek, er sei „erfahren“. Wir sind beinahe zu Tränen gerührt. Was auch stimmt: Die Einführungsfilme für neue Teams sind oft nicht der Brüller, weil so viel zu den Figuren erklärt werden muss. Es gibt aber Gegenbeispiele, wie zum Beispiel den Rostock-Polizeiruf-Auftakt „Einer von uns“, den ebenjener Eion Moore inszeniert hat. 4,5/6 sind im Tatort-Polizeiruf-Rahmen eine durchschnittliche Bewertung seitens Tittelbach-TV.

„Was über diesen Polizeiruf 110 vom RBB vor allem zu sagen wäre, ist schwierig – weil es ungerecht ist. Sagen wir es trotzdem: Die Wendungen des Falles, um den es im deutsch-polnischen Kommissariat in Słubice geht, hat man nach Filmende sehr schnell vergessen. Vielleicht abgesehen von dem Kunstblut, denn das ist wirklich viel. Ungerecht ist das, weil die Geschichte in „Hildes Erbe“ durchaus fein erzählt ist […].“ – Claudia TieschkySüddeutsche Zeitung[5]

Schade um die wilde Hilde, dass man sie so schnell vergisst. Wir haben sie bis heute nicht vergessen, aber wir wollen nicht zu sehr auf dieser Erbschaftsangelegenheit herumreiten. Wir vergessen jedenfalls nicht, an dieser Stelle Schluss zu machen, damit Sie, liebe Leser:innen oder Lesende, die Vorschau heute mal zum Sonntagsfrühstück serviert bekommen.

TH

Handlung

Das neue „Polizeiruf 110“-Duo des Rundfunk Berlin-Brandenburg nimmt in „Hildes Erbe“ erstmals gemeinsam die Ermittlungen auf. Neu an der Seite von Adam Raczek ist Kriminalkommissaranwärter Vincent Ross, der frisch von der Polizeischule kommend, seine ganz eigenen Weltansichten und Arbeitsmethoden mitbringt.

Noch vor seinem ersten Arbeitstag ist er in eine Mordermittlung verwickelt. Ausgerechnet über seiner neuen Wohnung in Slubice wurde der 22-jährige Bastian Grutzke ermordet. Jener deutsche Student, der Vincent noch tags zuvor beim Einzug geholfen hatte. Adam Raczek, der am Tatort die Zeugen vernimmt, staunt nicht schlecht, auf diese Weise seinen neuen Kollegen kennenzulernen.

Die Spuren in der Wohnung des Opfers weisen auf einen Streit hin, der im Zusammenhang mit eskalierenden Erbschaftsauseinandersetzungen der Familie Grutzke zu stehen scheint.

Bastians Großmutter, Hilde Grutzke, die „Matriarchin“ der Familie, verwahrt eine beachtliche Menge Bargeld in Tüten in ihrem Haus und öffnet schon mal die Tür mit vorgehaltener Schrotflinte. Das Verhältnis zu ihrer Familie und insbesondere zu ihrem Sohn Ulf ist angespannt und äußerst distanziert. Zu ihrem Enkel Bastian hatte sie bis kurz vor seinem Tod überhaupt keinen Kontakt. Und auch ihre Enkelin Emma kapselt sich ab und hatte nur zu ihrem Bruder Bastian eine enge Bindung. Deutlich näher steht Hilde ihrer Pflegerin Sandra Böttcher, die sich seit einiger Zeit um die an COPD erkrankte alte Frau kümmerte. Liegt in der Frage, wer das Vermögen der alten Dame erbt, auch die Lösung des Mordfalls? Adam hat Konzentrationsschwierigkeiten und ist aufgrund seiner Schlafstörungen nicht auf der Höhe, was seinem neuen Kollegen Vincent nicht entgeht. Doch das komplizierte Familiengeflecht vereinnahmt die Kommissare zunehmend und verlangt von beiden absolute Teamarbeit.

Kriminalhauptkommissar Adam Raczek Lucas Gregorowicz
Kommissaranwärter Vincent Ross André Kaczmarczyk
Emma Grutzke Ada Philine Stappenbeck
Ulf Grutzke Lars Rudolph
Hilde Grutzke Tatja Seibt
Sandra Böttcher Isabel Schosnig
Wolfgang (Wolle) Neumann Fritz Roth
Dienststellenleiter Inspektor Karol Pawlak Robert Gonera
Wiktor Krol Klaudiusz Kaufmann
Dr. Marian Kaminski Tomek Novicki
Bastina Grutzke Oskar Böckelmann
Musik: Wolfgang Glum
  Kai-Uwe Kohlschmidt
  Warner Poland
Kamera: Florian Foest
Buch: Anika Wangard
  Eoin Moore
Regie: Eoin Moore

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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