Genug getrunken? – Dehydrierung ist kein Wahn | Newsroom | Gesundheit | Ernährung, Wasseraufnahme, Klimawandel

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Liebe Leser:innen, 

heute noch ein wenig Service von uns. Hätten Sie gedacht, dass jährlich über 100.000 Menschen in Deutschland wegen Austrocknung im Krankenhaus behandelt werden? Bei uns sind angesichts der Grafik, die Sie im Anschluss sehen, einige Trigger durchgelaufen, aber es handelt sich offenbar um ein echtes Problem:

Diese Statista-Grafik ist unter einer Lizenz  CC-BY-ND erstellt worden und wir geben sie unter gleichen Bedingungen wieder.

Der Begleittext dazu:

Mehr als 107.000 Krankenhausbehandlungen wegen akutem Flüssigkeitsmangel hat das Statistische Bundesamt im Jahr 2020 registriert. Die Anzahl der Betroffenen hat sich somit innerhalb der letzten 20 Jahre verdreifacht, wie die Infografik von Statista zeigt.

Diese Fälle von sogenanntem Volumenmangel, also der Austrocknung infolge von unzureichender Flüssigkeitsaufnahme, stehen dabei meistens im Zusammenhang mit Hitze und intensivem Sonnenlicht. Betroffen sind vor allem ältere Menschen. Die Anzahl der Todesfälle ist im Vergleich zum Jahr 2000 um rund 708 Prozent angestiegen.

Ein Grund für den drastischen Anstieg ist der globale Klimawandel und die damit verbundene Zunahme an Hitzetagen (Wärmezuständen von 30° Celsius und mehr) in Deutschland. 2015 war beispielsweise ein Jahr mit vergleichsweise vielen Hitzetagen in Deutschland.

Der Deutsche Wetterdienst zählte durchschnittlich 17,6 solche Tage – die Krankenhausbehandlungen in diesem Jahr lagen rund 53 Prozent über dem Durchschnitt der Jahre 2000 bis 2020, auch die Todesfälle waren dreimal so hoch. Solche extremen Jahre werden in Zukunft deutlich öfter auftreten, daher gilt es sich vor Sonnenstrahlen zu schützen und ausreichend zu trinken.

Man sieht der Grafik sogar die Hitzejahre 2018, 2019 gut an, 2020 gingen die Fälle etwas zurück, weil es kühler war, vielleicht aber auch, weil die Menschen aus Coronagründen nicht so viel und so lange draußen unterwegs waren.

Die Trigger waren so: Vor einigen Jahren hatten wir eine Kabarettveranstaltung besucht, in welcher der Vortragende sich über den Dehydrierungswahn bei Kindern bzw. deren Eltern lustig machte. Was wir mit ihm gemeinsam haben: Das Alter. Ungefähr jedenfalls. In der Tat, kein einziges Kind hatte während unserer gesamten Schulzeit eine Wasserflasche auf dem Tisch oder der Bank vor sich stehen. Irgendetwas müssen wir total falsch gemacht haben, dafür mussten wir nicht fünf Mal an einem Morgen Wasser lassen (berlinerisch: pullern), vermutlich findet das heute auch vermehrt während des Unterrichts statt, während wir keine Probleme hatten, es mit den Pausen zu takten. Uns war klar, was der Kabarettist ausdrücken wollte: Helikoptereltern und wie sie aus wirklich allem einen Hype machen – und, das ist eine ganz aktuelle Einschätzung von fachlicher Seite, die uns vor ein paar Wochen zuteil wurde, immer mehr Narzisst:innen heranziehen werden.

Freilich war diese Einschätzung nicht speziell auf das Trinken ohne jeden Zwang, mal ein paar Minuten lang darauf verzichten zu müssen bezogen, sondern auf alles, was heutige Erziehung, falls man das Wort überhaupt noch verwenden darf, an hypertrophen Elementen produziert. Woran wir uns aber noch erinnern: Die Trinkflasche von zu Hause in der Kita. Komisch im Grunde, dass diese in der Schule dann ersatzlos wegfiel, während einige Mitschüler sich immerhin in der Pause am Kiosk einen Kakao besorgten oder dergleichen. Aber Schule ist Ernst des Lebens und Disziplin, da muss man auch mal für ein paar Stunden im Wüstenmodus verharren können.

Dieses Verhalten wird ja von klein auf eingeübt, deswegen ist es durchaus möglich, dass ältere Menschen sich jetzt nicht auf den Klimawandel und die erhöhten Anforderungen der Flüssigkeitsaufnahme umstellen können. Keine Frage, das scheint ein Problem zu sein, und es wird uns noch auf andere Weise beschäftigen: Wir werden mehr Wasser verbrauchen, für alles Mögliche, als bisher, und der Kampf ums Wasser wird zunehmen, je heißer die Erde wird – und zudem, je trockener viele ihrer Landzonen werden. Besonders dann, wenn die Bevölkerung gegen jede Vernunft immer weiter ansteigt. Wir verstehen deshalb nicht, warum das Thema Überbevölkerung und wie man ihr vielleicht doch irgendwann einmal durch ernsthafte Geburtenkontrolle in kinderreichen Ländern entgegenwirken muss, für viele so heikel zu sein scheint, dass sie es gerne mit einem Tabu belegen würden. Der Kampf um Rohstoffe sorgt nicht erst seit heute für Unruhe, aber wenn erst einmal Kriege ums Wasser geführt werden, wird es in dieser Welt noch ekliger werden, noch brutaler zugehen, als der aktuelle Russland-Ukraine-Krieg es ausdrückt, bei dem es ebenfalls um ebenjene Rohstoffe geht.

Die Anzahl der Todesfälle wegen „Volumenmangel“ führt die Grafik nicht auf, es werden nicht so viele sein wie an / mit Corona. Dennoch waren wir verblüfft, weil dieses Thema bisher so gut wie gar nicht öffentlichkeitswirksam wurde. Es gab keine Schlagzeilen dazu, jedenfalls nicht in den großen Medien. Oder wir haben sie verpasst, aber das wäre sicher nicht der Fall, wenn es häufiger dazu Meldungen gäbe.

Was also ist das Fazit? Gerade ältere Menschen müssen sich vielleicht noch einmal umstellen und tatsächlich mehr Wasser trinken, wenn sie nicht zu Hunderttausenden im Krankenhaus landen wollen, weil sie buchstäblich ausgetrocknet sind. Wir haben heute endlich mal wieder unseren Mineralwasserbestand aufgefüllt. Mehrere Tage lang war gar keines mehr da, weil wir irgendwie den Einkaufsplan in seiner grandiosen Ausgewogenheit zugunsten von Spontankäufen etwas vernachlässigt haben. Das wird uns nach dem Studium dieser Grafik nicht mehr passieren. Ach ja, unsere Mw-Marke hat auch gerade einen kräftigen Preishopser nach oben gemacht, nachdem die Kosten pro Flasche jahrelang stabil waren. Wir hoffen, dass wir uns, wenn sich die Dinge so weiterentwickeln, wie sie gerade laufen, hochwertiges Wasser überhaupt noch werden leisten können, wenn wir aus Altersgründen besonders aufpassen müssen, dass wir nicht austrocknen. Es ist leider so vieles eine Frage von Oben und Unten.

TH

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