Preise für Haushaltsenergie steigen deutlich | Frontpage | Wirtschaft | Energiepeise, Wohnkosten

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Liebe Leser:innen,

Service bedeutet bei uns häufig, auf schwierige oder negative Entwicklungen hinweisen. Das ist so, wenn man damit auch eine politische Meinung ausdrücken möchte. Im Moment ist es nicht schwer, Fehlentwicklungen zu benennen. Zum Beispiel die Haushaltsenergiepreise. Wir sehen die neuesten Zahlen hier:

Diese Statista-Grafik ist unter einer Lizenz  CC-BY-ND erstellt worden und wir geben sie unter gleichen Bedingungen wieder. Folgend der Begleittext dazu, unser Kommentar, wie immer, am Ende:

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Die Mieten und Wohnungsnebenkosten steigen weiter kontinuierlich und relativ gemäßigt – die Kosten für Haushaltsenergie sind hingegen zuletzt sprunghaft angestiegen. Wie die Statista-Grafik auf Basis von Daten des Statistischen Bundesamts zeigt, hat der entsprechende Index deutlich zugelegt und liegt im März 2022 um 35 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats. Die Unsicherheiten auf den Energiemärkten und die angespannte Versorgungslage mit Erdgas vor dem Angriff Russlands auf die Ukraine haben laut Statistischem Bundesamt zu den hohen Energiepreissteigerungen beigetragen.

2020 waren die Preise noch deutlich eingebrochen, was unter anderem am Rückgang des Ölpreises lag. Mittlerweile haben Öl- und Heizölpreise das Vor-Corona-Niveau deutlich überschritten. In der Position Haushaltsenergie werden alle Energieträger zusammengefasst, die die Privathaushalte zum Kochen, Heizen, für die Beleuchtung oder den Betrieb von Haushaltsgeräten benötigen. Den größten Anteil haben hier Strom, Gas, Heizöl und die Fernwärme.

Auch die Mieten steigen: Beim Index der Nettokaltmieten ist seit Anfang 2019 ein nahezu konstanter Aufwärtstrend zu beobachten. Aktuell liegt er im Februar bei einem Wert von 109,8 Punkten (+1,6 % über dem Niveau des Vorjahresmonats). Bei der Entwicklung gilt es allerdings zu bedenken, dass der Immobilienmarkt als träge gilt und oft erst Monate oder Jahre später auf Entwicklungen und Veränderungen reagiert.

Die Verbraucherpreise für Wohnungsnebenkosten lagen im Februar 2022 um 2,2 % über dem Niveau des Vorjahresmonats. Sie beinhalten die Wasserver- und -entsorgung, Müllabfuhr und weitere Aufwendungen, die der Vermieter auf den Mieter umlegen kann. Dazu gehören die Kosten für Grundsteuer, Gartenpflege, Gebäudereinigung, Wartung von Aufzügen o.Ä., Straßenreinigung und Schornsteinfeger.

Weitere Informationen zum Thema liefert das Statista DossierPlus zur Mietpreisentwicklung in Deutschland. Enthalten sind u. a. Daten zur Mietpreisentwicklung der letzten zehn Jahre und ein Ausblick auf künftige Entwicklungen.

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Gleich eine Bemerkung zum Beginn des Kommentars: Die Mietpreissteigerungen beziehen sich auf ganz Deutschland und hauptsächlich auf den Corona-Zeitraum. Aus der „gemäßigten“ Steigerung auf Bundesebene, unter Einschluss von Gebieten, die zuletzt sinkende Bevölkerungszahlen und schwache Wirtschaftsdaten aufzuweisen hatten und der Tatsache, dass in Corona-Zeiten so wenig wie möglich umgezogen wurde, lässt sich zum Beispiel nichts über die Entwicklung des realen Berliner Mietenwahnsinns ablesen. 

Den haben wir hier zu verfrühstücken und das mit der Energie auch. Bei uns hat die Hausverwaltung die Heizkostenvorauszahlungen gerade um satte 31 Prozent angehoben, was ein Plus von ca. 18 Prozent bei den gesamten Nebenkostenvorauszahlungen bedeutet. Mit etwas Pech wird das nicht einmal die wirkliche Preissteigerung abdecken, denn wir haben nun einmal eine Gaszentralheizung und das ist nicht unsere Entscheidung gewesen, sondern die der Vermieter. Uns wäre z. B. Fernwärme lieber. Wir werden sehen, ob es trotz dieses hohen Aufschlags zu Nachzahlungen kommt. Doch eines werden wir sicher nicht tun: Uns noch mehr den Hintern abfrieren, damit die Politik damit glänzen kann, wie gut wir manipulierbar sind. Wir tun das Richtige und das Notwendige und es gibt Grenzen für alles. Auch dafür, dass immer die doofe Mehrheit das bezahlen muss, was die Großkopferten anrichten. Seit der Bankenkrise, spätestens, haben wir nichts anderes erlebt, als dass Entscheidungen, mit denen wir niemals einverstanden wären, die an uns als Wähler:innen komplett vorbeilaufen, uns immer wieder neu belasten. 

Wenn man dies bedenkt, kann man nur sagen, die Solidarität der Menschen hier mit Menschen in anderen Ländern ist beachtlich und berührend. Sie können ja auch nichts dafür, dass die Politik den Klimawandel nicht ernst nimmt, die systemimmanenten Wirtschaftsprobleme nicht ernst nimmt, ihre geostrategische Verantwortung, Krieg und Frieden betreffend, nicht ernst nimmt. Dass sie uns nicht ernst nimmt.

Unsere Stimmen will sie aber schon, die Politik. Wir erwarten sehr wohl einen Ausgleich für diese neuerlichen Mehrkosten und kein klassistisches Schulterzucken nach dem Motto: Wohlstandsverlust? Sisso. Natürlich nicht für uns mit unseren fünfstelligen Monatseinkünften aus der Tasche der Wähler:innen, sondern für die Mehrheit.

Wir meinen, die Mehrheit ist viel zu brav. In anderen Ländern fürchtet die Politik den Zorn der Wähler:innen, wenn sie zu deutlich deren Willen missachtet, hier ist es umgekehrt. Man schlottert davor, dass die Politik noch mehr strafen könnte. Wofür eigentlich? Für zu große Dummheit? Weil wir uns alles gefallen lassen? Vermutlich. Typisch deutsch, nach wie vor. Die Haushaltsenergiepreise hierzulande waren übrigens schon vor dem, was wir in der Grafik sehen, die höchsten der Welt. Das Narrativ von den Notwendigkeiten der Energiewende funktioniert also auch, obwohl hierbei Fehler über Fehler gemacht wurden, die alles künstlich verteuert haben.

TH

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