Länder mit der besten Work-Life Balance | Newsroom | Wirtschaft, Gesundheit | Statista-Grafik und OECD-Panel

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Liebe Leser:innen,

unser heutiger Info-Artikel widmet sicher berühmten – oder soll man schreiben „berüchtigten“? – WLB, der Work-Life-Balance. Berüchtigt deshalb, weil der Begriff nun schon so ausgelutscht ist. Und vor allem, was ist das? In welchem Land wird welcher Anteil der Arbeit an der Lebenszeit als ausbalanciert empfunden? Ganz vorne, und zwar mit Abstand, Italien. Oh je, Klischee, Klischee. Es bestätigt aber bei weitem nicht, dass in Italien am wenigsten gearbeitet wird oder am langsamsten, sondern nur, dass man dort nach eigener Ansicht einen guten Kompromiss hinbekommen hat. Dass man entspannt ist. Und dadurch ziemlich alt wird. Einige Daten, die dem OECD-Panel zugrunde liegen, sind gemessen, aber auch Umfragewerte sind inkludiert, und dabei kommt natürlich die Subjektivität ins Spiel. 

Die Work-Life-Balance ist nur einer von vielen Faktoren, welche die OECD berücksichtigt, um die Länder in Form eines Better-Life-Index zu vermessen. Deutschland schneidet bei vielen Faktoren nur mittelprächtig ab, doch die Lebenszufriedenheit ist weit überdurchschnittlich. Von wegen, die Deutschen meckern immer nur. Vielmehr scheinen sie ziemlich genügsam zu sein, deswegen kann das Großkapital ja mit ihnen auch so gut machen, was es will. Okay, wir wollen nicht ungerecht sein: Auch im bzw. vom „Mittelstand“ wird ausgebeutet ohne Ende. Was hierzulande eher als unerreichbar idealistisch angesehen wird, ist anderswo aber längst Realität und je mehr man über den Tellerrand hinausschaut, desto mehr Grund zur Unzufriedenheit gibt es. Man darf das Land nicht mit Costa Rica oder Mexiko vergleichen, sondern muss es an den nordeuropäischen Ländern messen, die wirtschaftlich ähnlich viel Potenzial haben. Die WLB-Grafik zeigt in der Tat nur die Besten, aber in der Gesamtwertung, 41 Länder betreffend, steht Deutschland hier nicht am unteren Rand, sondern weit oberhalb der Mitte. Witzigerweise wird das mit einer ziemlichen Unzufriedenheit mit den Löhnen erkauft, diese wiederum scheinen zu guten Arbeitsplätzen zu gehören, was wiederum zu großer Zufriedenheit führt, denn es muss ja so sein.

Der Job bestimmt tatsächlich immer noch mehr als die meisten anderen Einzelfaktoren über das Wohlbefinden und da sind die Deutschen sehr, sehr nett denjenigen gegenüber, die Jobs anbieten: Arbeit kann viele Macken haben, z. B. zu niedrige Löhne, miserable Führung, keine sinnvollen Perspektiven, Stress ohne Ende, aber danke, dass es sie gibt, also lasst uns fröhlich sein. So naiv sehen viele Einwohner anderer OECD-Länder das nicht und schneiden deshalb sozial insgesamt besser ab. Kein Wunder andererseits, dass der linke Begriff der guten Arbeit hierzulande so schwer zu vermitteln ist, die meisten können sich darunter nicht wirklich etwas vorstellen. Schon gar nicht die Einzelkämpfer:innen, die nicht mehr gewerkschaftlich organisiert sind. Siehe z. B. Corona: Der Notstand im Gesundheitswesen mit schlechter Bezahlung, schlechten Arbeitsbedingungen und Überarbeitung wurde nun noch viel augenfälliger als zuvor, aber hat das zu einem durchaus berechtigten Aufstand geführt? Und kann es wirklich stimmen, dass in Deutschland nur 4 Prozent der Menschen unbezahlte Überstunden machen, wie die OECD behauptet? Reden Sie mal in Ihrem Umfeld darüber, ob das realistisch ist. Die Grafik zeigt, das muss man ohnehin im Kopf behalten, nur einen Ausschnitt eines Ausschnitts, da ist noch viel Potenzial für weitere Grafiken über die andern Felder, die insgesamt den „Better-Life-Index“ ergeben:
Diese Statista-Grafik ist unter einer Lizenz  CC-BY-ND erstellt worden und wir geben sie unter gleichen Bedingungen wieder. Folgend der Statista-Begleittext dazu, kommentiert haben wir dieses Mal bereits oberhalb:

Die Italiener:innen bekommen es laut aktueller Daten der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) besonders gut hin, Beruf und Privatleben miteinander zu vereinbaren. Auch die dänische Bevölkerung schneidet gut ab, wie der Better Life Index für 2020 zeigt. Für diesen hat die Organisation die Balance zwischen Arbeit und Freizeit in den 38 Mitgliedsländern plus Russland, Brasilien und Südafrika untersucht. Demnach schneidet auch Deutschland gut ab.

Der wichtigste Aspekt für eine gute Work-Life-Balance ist laut der Studie die Arbeitszeit. In Italien arbeiten nur drei Prozent der Beschäftigten überlang (50 Stunden oder mehr pro Woche). In Deutschland liegt der Wert bei vier Prozent – beide Länder liegen damit deutlich unter dem OECD-Durchschnitt von zehn Prozent. Die AutorInnen betonen, dass viele Hinweise darauf hindeuten, dass lange Arbeitszeiten die Gesundheit beeinträchtigen, die Sicherheit gefährden und den Stress erhöhen.

Ebenfalls in die Untersuchung mit einbezogen werden Faktoren wie Freizeit, persönliche Zeit der einzelnen Person für sich selbst oder die Beschäftigungsquote von Müttern. Die schlechteste Balance zwischen Arbeit und Privatleben haben laut der Studie die Menschen in Mexiko.

TH

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