Robin Hood (Douglas Fairbanks in Robin Hood, USA 1922) #Filmfest 783

Filmfest 783 Cinema

Robin Hood (Originaltitel: Douglas Fairbanks in Robin Hood) ist ein US-amerikanischer Abenteuerfilm von Allan Dwan aus dem Jahr 1922. Grauman’s Egyptian Theatre wurde mit der Vorführung Robin Hoods eröffnet. 1922 erhielt der Film den Photoplay Award als Bester Film.[1]

Wäre der Film also ein paar Jahre später herausgekommen, hätte er den Oscar als bester Film erhalten. Vielleicht. Unter den Bedingungen von 1922. Wie er heute wirkt, haben wir in der – Kurzkritik aufgeschrieben.

Handlung (1)

Der Earl von Huntingdon befindet sich gerade mit König Richard Löwenherz auf dem Dritten Kreuzzug, als er von Lady Marian die Nachricht erhält, dass der Bruder des Königs, Prinz John, versucht den Thron zu usurpieren. Er bittet den König, ihn nach England rückkehren zu lassen, doch der König verweigert ihm die Erlaubnis und hält ihn für einen Feigling. Ein Versuch, ohne Erlaubnis nach England zurückzukehren, wird von Guy von Gisborne vereitelt und Huntingdon wird in den Kerker geworfen. Als ihm schließlich die Flucht nach England gelingt, erfährt er, dass er zum Vogelfreien erklärt wurde. Er schließt sich den Gesetzlosen im Sherwood Forrest an, wird ihr Anführer und bekämpft Prinz John. Es gelingt ihm, Lady Marian aus ihrem Gefängnis zu befreien und Guy von Gisborne zu töten, er gerät aber in Gefangenschaft. König Richard kehrt rechtzeitig zurück und sorgt für Recht und Ordnung.

Hintergrund (1)

Die Kostüme entwarf Mitchell Leisen. Der Film kostete am Ende, inklusive der Kosten für die Kinokopien, 1.400.000 US-Dollar (20.571.000 Euro). Dies war für damalige Zeiten eine immense Summe, doch der Film spielte 2.500.000 US-Dollar ein (36.733.000 Euro).[1] Die Kulisse für das Schloss war eine Touristenattraktion Hollywoods und soll größer gewesen sein als die realen Vorbilder für Burgen aus dieser Zeit.[2] Das Schloss befand sich an der Kreuzung von Santa Monica Boulevard und La Brea.

Kritiken (1)

Andrew James Johnston 2013: „Von allen bedeutenden Robin-Hood-Filmen ist dieser der märchenhafteste und kindlichste.“

Rezension

Die Geschichte von Douglas Fairbanks sen. und der United Artists, die er mit Mary Pickford und Charles Chaplin zusammen gründete, ist legendär, währen Robin Hood eine Sagenfigur darstellt.

Seinen ersten Film drehte Fairbanks 1915. Mit seiner Vitalität und seiner sympathischen Ausstrahlung gewann er rasch die Herzen im Publikum. Er galt als äußerst athletischer Schauspieler und daher spielte er meist Rollen, die seine körperlichen Fähigkeiten zur Geltung brachten. So stellte er unter anderem die Heldenfiguren dar in „Die drei Musketiere“ (The Three Musketeers) von 1921, „Robin Hood“ von 1922 und „Der Dieb von Bagdad“ (The Thief of Baghdad) von 1924. In den 1920er Jahren war Fairbanks der mit Abstand populärste Schauspieler im Rollenfach des Abenteuerhelden und einer der größten Filmstars.[2]

„Der Dieb von Bagdad“ haben wir bereits rezensiert und zweifellos stellt er einen der schönsten und fantasievollsten Abenteuerfilme der 1920er dar. Wir können vielleicht noch etwas weiter zurückgehen, zu den drei Musketieren. Wie bei „Robin Hood“ wird der Stummfilm dann großer Konkurrenz ausgesetzt sein, unter anderem mit unserer Lieblingsverfilmung des Stoffes aus dem Jahr 1948 mit Gene Kelly oder dem prächtigen Zweiteiler von Richard Lester aus den Jahren 1973 und 1974.

Nun muss ich vorausschicken, dass ich eine etwas besondere Version des Films angeschaut habe. Sie ist eine halbe Stunde kürzer als die Originalfassung und ins Deutsche synchronisiert. Normalerweise schaue ich bei einer Fassung anhand der Spielzeit nach, wie weit sie dem Original entspricht, hier hat sich das Vergessen dieses Schrittes aber wohl nicht negativ ausgewirkt. Man hat nämlich alle Zwischentitel entfernt und auch die Dialoge auf Deutsch nachgesprochen, vielleicht sogar welche beigefügt. Ob dadurch eine halbe Stunde verlorenging, weiß ich nicht, aber der Film wirkt durch diese ungewöhnliche Machart sehr flott und manchmal auch etwas ruckig. Eines jedoch vor allem: Er ist Big Fun. Das kann man in dieser Art von einem Film der Zeit selten sagen, aber man ist hier auf eine so humorvolle Art und Weise vorgegangen, indem man zum Beispiel Offensichtliches noch einmal herausgehoben hat. Die lebensfrohen Figuren, Richard Löwenherz und Robin Hood, lachen miteinander um die Wette und jedes Mal kommt dann wirklich ein „Haha!“, wenn sie den Mund aufreißen. Die düsteren Gestalten werden entsprechend vergrummelt dargestellt und wirken dadurch wohl noch um einiges lächerlicher, als es die ironisierende Grundanlage des Films bereits an uns vermittelt.

Perfekt ist der Film keineswegs, manche Szenen sind zu kurz, andere hätte man etwas straffen können, aber warum Douglas Fairbanks so beliebt war, erschließt sich sehr leicht. Hier mutiert seine Robin-Hood-Figur vom im Turnier gewandten, scheuen Frauenschwarm wider Willen zu einem richtigen Abenteurer und Draufgänger, der die guten Räuber in den Wäldern anführt. Eines bietet sich bei der Robin-Hood-Story sehr an, davon hat man aber hier abgesehen, um es nicht zu kompliziert werden zu lassen oder weil es im Unterhaltungsfilm der Zeit nicht üblich war: Nämlich die Geschichte, wie es zum Leben als Geächteter kommt, in Rückblenden an die Zuschauer weiterzugeben. In der 1922er Version hingegen wird strikt chronologisch gefilmt, sodass ein erstaunlich großer Teil der Handlung in der Zeit angesiedelt ist, bevor Robin Hood nach England verschwindet, um dort die Reichen zu berauben und die Armen zu beschenken. Auf diese Weise wird sehr schön sein enges Verhältnis zu Richard Löwenherz illustriert, aber aus den Raubzügen und dem Kampf mit dem Sheriff von Nottingham, der in den meisten Robin-Hood-Filmen eine wichtige negative Figur ist, hätte man mehr herausholen können. Wie man sieht: Für das komplette Gemälde war auch in mehr als zwei Stunden nicht so recht Platz und der Film wirkt ein wenig verrutscht bezüglich seiner Akzentuierung. Allerdings ist diese Sichtweise geprägt von anderen Verfilmungen des Stoffes, die weit mehr auf die Mitstreiter von Robin Hood im Wald eingehen und ihnen mehr Raum zur Entfaltung geben.

Finale

Prächtig und humorvoll ist diese frühe Großverfilmung eines äußerst beliebten Stoffes auf jeden Fall. Was neben dem Leben in den Wäldern noch etwas zu kurz kommt, ist die damit einhergehende Philosophie. Wie diese dargestellt wird, ist auch wieder ein Stück Zeitgeschichte und hat etwas mit der jeweils herrschenden Stimmung zur Zeit einer Verfilmung zu tun. 1938, als die wohl bis heute bekannteste Adaption mit Errol Flynn und Olivia de Havilland in Technicolor herauskam, waren die USA endgültig im Zeitalter des New Deal angekommen. Da passte eine Figur, die um Gerechtigkeit kämpfte und die Ausbeuter erleichterte und das gute Regiment stützte, genau in den Rahmen einer Gesellschaft, die unter Anleitung von F. D. Roosevelt versuchte, sich zum Besseren zu wandeln und idealistischer zu werden. 1922, nachdem der Boom des Jazz Age eingesetzt hatte, aber die Politik schwach war, liegt der Akzent mehr auf dem Verhältnis der Loyalität von Adeligem zu seinem König, der etwas naiv wirkt, aber dann wieder schlau rüberkommt. Die rüde Art, wie der eisböse Prinz John die Bevölkerung ausraubt, wird drastisch, aber kurz abgehandelt und man weiß nicht, welches Motiv Robin Hood mehr antreibt: Johns Thronaneignung rückgängig zu machen oder den Armen zu helfen. Das Verhältnis zu Lady Marian wird ebenfalls nicht sehr ausgekostet, die Romantisierung und Intimisierung dieser Liebe erreichte vermutlich mit „Robin and Marian“ 1975 ihren Höhepunkt, wie der Titel des Films andeutet und in dem Sean Connery und Audrey Hepburn die Hauptrollen spielen.

Die IMDb-Nutzer:innen bewerten „Robin Hood 1922“ heute mit durchschnittlich 7,1/10. Damit wird ein deutlicher Unterschied zum berühmten „Der Dieb von Bagdad“ gesetzt, der zwei Jahre später wohl den Höhepunkt des Douglas-Fairbanks-Abenteuerkinos bildete (7,8/10), aber trotzdem gilt die Verfilmung als gelungen, wenn man diese Bewertung zugrunde legt. Wenn man sie mit deutschen Luxusfilmen der Zeit vergleicht, ist sie zwar mindestens ebenso toll ausgestattet, aber inhaltlich etwas flacher geraten. Dafür gibt es keine atmosphärischen Störungen, keine Irritationen, die man als Zuschauer reflektieren oder verdauen müsste.

70/100

© 2022 Der Wahlberliner, Thomas Hocke

[1] Robin Hood (1922) – Wikipedia

[2] Douglas Fairbanks senior – Wikipedia

 
Regie Allan Dwan
Drehbuch Elton Thomas
Produktion Douglas Fairbanks
Musik Victor Schertzinger
Kamera Arthur Edeson
Schnitt William Nolan
Douglas Fairbanks senior als Robin Hood

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