Die Addams Family (The Addams Family, USA 1991) #Filmfest 786

Filmfest 786 Cinema

Von den Munsters zu den Addams

Addams Family (The Addams Family) ist eine US-amerikanische Horrorkomödie von Barry Sonnenfeld aus dem Jahr 1991. Die Figuren basieren auf den Cartoons The Addams Family von Charles Addams. Zwei Jahre später entstand die Fortsetzung Die Addams Family in verrückter Tradition.

Man sollte die unsterbliche Serie „The Munsters“ kennen, die in den Jahren 1964 bis 1966 fürs US-Fernsehen in 71 Folgen gedreht wurde (1), wenn man „Die Addams Family“ verstehen will – oder die Comics, auf denen diese Serie fußt.

Denn auf den Figurenvorlagen fußt „Die Addams Family“, auch wenn es im Kinofilm von 1991 die eine oder andere Abwandlung oder Anreicherung gibt – dank tricktechnischer Fortschritter per Computer-Animation. Legendäre Figuren wie Lily Munster, gespielt von Yvonne de Carlo oder Fred Munster (Ed Gwynne) werden im Film teilweise prominent neu besetzt und es ist keine Frage, dass Anjelica Huston als Morticia Addams das Original optisch toppt und schauspielerisch mindestens ebenbürtig ist.

Im Deutschen Fernsehen wurden „The Munsters“ mehrfach wiederholt und da war wirklich viel zum Lachen drin, weil das normale Leben und seine Prämissen und Prinzipien in der Welt dieser schräg-gruftigen Familie Munster so herrlich auf den Kopf gestellt waren. Wie ist das in einem Film umgesetzt worden, der ca. 25 Jahre nach der Serie fürs Kinoformat entstand? Darüber und mehr steht etwas in der –> Rezension.

Handlung (a)

Gomez Addams, Oberhaupt der Addams-Familie, hat nach vielen Jahren immer noch Schuldgefühle wegen eines Streits mit seinem Bruder Fester, in dessen Folge Fester auszog und die Familie hinter sich ließ. Seiner Frau Morticia und dem Eiskalten Händchen, einer selbständig umherkrabbelnden Menschenhand, erzählt Gomez seine Zweifel über die am Abend stattfindende Seance, in der bereits zum 25. Mal versucht werden soll, mit Fester Kontakt aufzunehmen.

Gleich darauf bekommt Gomez Besuch von seinem Buchhalter Tully Alford. Tully ist hochverschuldet und versucht unter dem Vorwand eines Fester-Addams-Offshore-Rentenfonds Geld von Gomez zu bekommen, was dieser jedoch ablehnt. Tully und seine Frau Margaret werden aber trotzdem eingeladen, an der Seance teilzunehmen. Gleich nachdem Tully wieder in seinem Büro ist, bekommt er Besuch von Abigail Craven – seiner Gläubigerin – und ihrem Sohn Gordon, die ihn dazu zwingen wollen, seine Schulden zu bezahlen. Da Gordon Fester sehr ähnlich sieht, kommt Tully auf die Idee, dass Gordon sich als Fester ausgeben könnte, um so Zutritt zu dem riesigen Familienvermögen der Addams zu bekommen.

Die beiden willigen ein, und bei der Seance taucht – sehr zur Freude von Gomez – endlich sein lange vermisster Bruder auf. Begleitet wird er von Abigail, die unter falscher Identität auftritt und eine Geschichte über Festers Vergangenheit unterbreitet, welche von der Addams-Familie zunächst geglaubt wird. Gordon verkündet die Absicht, nur eine Woche zu bleiben. Um die Zeit gut zu nutzen, gehen Gomez und Gordon bereits am nächsten Tag in die Gruft und Gordon wirft dabei einen kurzen Blick auf die Schatzkammer der Addams. Jedoch fällt bei dem Ausflug auf, dass Gordon Fragen bezüglich Festers Vergangenheit nicht beantworten kann. In den folgenden Tagen mehren sich bei Gomez die Zweifel, ob er es nicht mit einem Hochstapler zu tun hat. Diese Zweifel kann Abigail vorerst zunichtemachen. Zur selben Zeit freundet sich Gordon mit den Kindern Pugsley und Wednesday an und durch Annäherungen von Gomez und Morticia bekommt er das erste Mal das Gefühl der Zugehörigkeit. (…)

Rezension

Bereits bei der Musik fangen die Unterschiede zwischen Kultserie und Film an. Gemäß 60er-Jahre-Usancen hat man einen schmissig-krimimäßig angehauchten, sehr passenden Score mit dem Hauptinstrument Cembalo kreiert, während „Die Addams Family“ eine der heute wieder üblichen sinfonischen Musik-Untermalungen verpasst bekam, die situationsabhängig bzw. von Szene zu Szene wechselt.  Diese Musik ist nicht besonders prägnant, im Vergleich zum „Original“, Preiskrönung für Marc Shairman hin oder her (2).

Wichtig ist auch die Abweichung, dass Fred Munster in der Serie der Familienvater war, im Film jedoch Raul Julia einen ziemlich gutaussehenden, im 1920er Jahre-Stil gehaltenes Oberhaupt des Clans abgibt. Damit korrespondiert er gut  mit der morbiden Schönheit Morticia. Da man nicht auf so etwas verzichten wollte, gibt es aber auch im Kinowerk ein Frankenstein-Monster  – als nachrangiges Familienmitglied. Damit ist das Band des Gespanns „Frankensteins Monster und Frankensteins Monsters Braut“ zerrissen, die in der Serie für komische Momente in Hülle und Fülle und magische Chemie gesorgt hat.

Der Film wiederum zeigt kein „normales“ Familienmitglied, welches gemäß der Addams-Logik das schwarze Schaf darstellt, weil es sich nicht von Lebendigem ernährt und nicht mit der Axt anderen Familienmitgliedern nachstellt. Dies bedeutet, die Dimension des für uns Alltäglichen wird herausgenommen, der Abgleich mit dem amerikanischen Durchschnittstyp findet nicht statt. Es gibt zwar einen von der Familie genervten Nachbarn und die in der Tat köstliche Schulaufführungs-Szene mit eimerweise Blut, aber die reale Bedrohung für die Munsters, die in der Serie durch die Außenwelt an sich gewährleistet ist, kommt hier quasi aus dem eigenen Haus.

Großvater Fester ist zum Bruder von Ramon mutiert und irgendwann verloren gegangen. Er kehrt, gesteuert von einer bösen Mutter, zurück, um an den Schatz der Munsters zu gelangen. Einen solchen muss es ja im Film geben, da die Familie nicht versucht, einer regulären Arbeit nachzugehen, sich also tagein, tagaus mit den Normalos herumzuschlagen, seien sie tot oder lebendig, wie das bei Fred Munster in der Serie der Fall ist (immerhin arbeitet er bei einem Beerdigungsinstitut).

Am Ende stellt sich heraus, dass Fester tatsächlich zur Familie gehört und sein Gedächtnis verloren hat. Er wirkt auch viel zu sympathisch für einen Bösewicht, die Wendung ist nicht sehr originell. Dieser ausnehmend hässliche, glatzköpfige und unförmige Typ wird gespielt von Christopher Lloyd, der uns als Dr. Emmett Brown,  Zeitmaschinen-Erfinder, aus den „Zurück in die Zukunft“-Filmen vertraut ist. Wiedererkannt aber hätten wir ihn zugegebenermaßen nicht, wir mussten die Besetzungsliste lesen und hatten es dann leicht zu denken: In der Gestik und Mimik liegt die eine oder andere Ähnlichkeit zwischen den Figuren. Dr. Brown und Fester Addams.

Ein Problem des Films sehen wir darin, dass er zwar gute Ideen beinhaltet, diese aber kaum über das hinaus entwickelt werden,  was schon in der 1960er-Serie Standard war (von der erwähnten Tricktechnik abgesehen, die gerade solche Filme aufwertet). Die Spielzeit der Serienfolgen war gerade mal 30 Minuten, da ist es verständlich, dass nicht jeder Gag so ausgearbeitet wurde, dass er auch einen Kinoplot tragen könnte.

Man ist in „Die Addams Family“ aber quasi genauso verfahren. Man hat sich darauf beschränkt, einzelne Ideen und Szenen nett auszugestalten, auch sind die Charaktere schlüssig. Es gibt aber keine Dynamik und keine echten Highlights, die das übliche Grinsen, das man während des Anschauens entwickelt, zu einem mit Schenkelklopfen verbundenen Lachanfall steigern könnte, wie es sich aber für eine skurrile und überdrehte Komödie nun einmal gehört.

Es mangelt an Dramaturgie, das ist leider die große Schwäche der Kinoadaption. Dadurch hat man die das Gefühl, jetzt wird etwas Entscheidendes geschehen, denn es geschieht andauernd etwas Verrücktes, das aber nicht einer Handlungskonzeption untergeordnet wird. Wenn zum Beispiel die Kinder der Addams miteinander „elektrischer Stuhl“ spielen, hat das keinerlei Bezug zur gerade laufenden Intrige gegen die Familie.

Wenn man so will, ist „Die Addams Family“ eine selbst bei relativ kurzer Spielzeit von 99 Minuten (Kinoversion) manchmal etwas langatmig wirkende Aneinanderreihung von Slapstick-Situationen nach traditionellem Muster, wobei schon frühe Tonfilm-Komiker deutlich mehr von Handlungsführung verstanden haben als der Regisseur Barry Sonnenfeld bei seinem Werk „Die Addams Family“.

Eine Oscar-Nominierung gab es für Kostüme, die den Trägern einen schön schaurigen Auftritt verschaffen – allerdings wurde auch diese einzige Nominierung für höchste amerikanische Auszeichnungen nichts, der Klamotten-Oscar ging an das 1940er-Gangsterfilm-Remake „Bugsy“ mit Warren Beatty in der Titelrolle (auch dies ein Film, der aus heutiger Sicht nicht zu den Highlights der Kinogeschichte zählt – ganz anders als derjenige, der die Big Point-Oscars im Jahr 1992 gewann: „Das Schweigen der Lämmer“).

Finale

Als der Film entstand, war George Bush sen. Noch Präsident der Vereinigten Staaten, in einer Szene sieht man das auch (Vorbilder an der Schul-Pinnwand), doch die Clinton-Ära zog herauf und damit auch eine Zeit vergleichsweiser Sorglosigkeit für die USA, in die ein harmloser, im Horror gutartiger Film wie „Die Addams Family“ gut passte (die Fortsetzung „Die Addams Family in verrückter Tradition“ entstand zwei Jahre später, als Clinton bereits Präsident war).

Uns hat er nicht vom Hocker gerissen, doch „Die Addams Family“ war ein großer Kinoerfolg und allein durch Kinoaufführungen in den USA hat er das Dreifache seiner Produktionskosten eingespielt – und er ist ein Frauenfilm. Auf einer guten Datenbasis von derzeit über 60.000 Bewertungen mögen Frauen durch alle Altersstufen hindurch dieses liebenswürdig-morbide Movie lieber als Männer, hingegen herrscht zwischen US-Amerikanern und Nutzern von „außerhalb“ Einigkeit bei der Bewertung. Wir kommen auch in etwa dort heraus, wo viele Filmfans selten irren (IMDb: 6,7 zim Jahr 2013, 6,9/10 im Jahr 2022). 

Aufgrund rechtlicher Probleme kam erst im Jahr 2013 eine DVD- / Blu-Ray-Edition in Deutschland in den Handel, also 22 Jahre nach der Kinoveröffentlichung und in dem Jahr, in dem die ursprüngliche Rezension im „ersten Wahlberliner“ veröffentlicht wurde.

65/100

© 2022, 2013 Der Wahlberliner, Thomas Hocke

(a), kursiv, tabellarisch: Wikipedia

(1) „The Munsters“ in der IMDb

(2) Marc Shaiman gewann 1992 den Film and Television Music Award der American Society of Composers, Authors and Publishers.

(3) Inzwischen ist die Zahl der bewertenden Nutzer in der IMDb vergleichsweise stark angestiegen und die Bewertung hat sich auf 6,8/10 erhöht. dWB/AP/2014-01-30

 Verschlagwortet: Anjelica HustonBarry SonnenfeldBill ClintonCembaloChristopher LloydFester AddamsGeorge Bush

sen.Gomes AddamsHorrorfilmHorrorkomödieLily MunsterMonsterfilmMorticia AddamsMunstersRaul JuliaThe Addams FamilyUSA 1991

Regie Barry Sonnenfeld
Drehbuch Caroline Thompson,
Larry Wilson
Produktion Graham Place,
Scott Rudin
Musik Marc Shaiman
Kamera Owen Roizman
Schnitt Dede Allen,
Jim Miller
Besetzung

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s