Flash – Tatort 1205 #Crimetime 1113 #München #Batic #Leitmayr #BR #Flash

Crimetime 1113 – Titelfoto © BR, Hendrik Heiden

Flash und Mord, Flash und Erinnerung – und noch keine Erkenntnis

Flash ist ein Fernsehfilm aus der Krimireihe Tatort. Der vom Bayerischen Rundfunk produzierte Beitrag ist die 1205. Tatort-Episode und wurde am 19. Juni 2022 im SRF, im ORF und im Ersten ausgestrahlt. Das Münchner Ermittlerduo Batic und Leitmayr ermittelt in seinem 90. Fall.

Demenz ist kein Ponyhof. Demente Menschen zu Morden zu befragen, die vor mehr als 30 Jahren begangen wurden, erst recht nicht. Da müssen schon einige schöne Tricks her, um das Erinnerungsvermögen noch einmal anzukurbeln. Welche es sind und wie die München-Cops damit Ermittlungsarbeit leisten, steht in der –> Rezension.

Handlung

Alois Meininger, ein verurteilter Mörder, wird nach über 30 Jahren aus der Sicherheitsverwahrung entlassen, begeht einen weiteren Mord und taucht unter. Niemand kann Indizien liefern, wo er sich aufhalten könnte – die letzte Hoffnung ruht auf seinem ehemaligen Therapeuten Norbert Prinz, der inzwischen jedoch dement ist.

Aber wie kann man einen Demenzkranken vernehmen? In Zusammenarbeit mit dem renommierten Neuropsychologen Prof. Vonderheiden wird ein kriminologisches Pilotprojekt gestartet – doch im Laufe des Experiments offenbaren sich Batic und Leitmayr tiefere Abgründe als zunächst angenommen.

Rezension

Dass der Tatort Nr. 1205  kein einfacher Film ist, konnte man anhand der Kritiken erahnen, die wir in der Vorschau präsentiert haben. Und wir müssen spoilern, anders lässt sich diese Rezension nicht verfassen. Ja, es kommt am Ende zu einem interessanten Kniff und einer Wendung, die auf diesem Kniff beruht. Wir bekommen als Zuschauer nämlich nicht erzählt, was die Ermittler längst ermittelt haben und warum sie sich so tief in das Demenzforschungsinstitut hineingraben, das die wichtigste Location in diesem Film darstellt. Nämlich, dass es ihnen in Wirklichkeit um den Leiter dieses Instituts geht, nicht um Dr. Richter, den dementen Psychiater, der seinerzeit den verurteilten Mörder behandelt hat. Den Mann, der über 30 Jahre im Gefängnis saß, jetzt in einem Kellerloch haust, das er Bunker nennt und bemitleidenswert und auch ein wenig ekelig ist. So, wie er aussieht, rechnet man ihm aber jederzeit den Triebtäter zu, das ist durchaus fies, weil unserer Erwartungen an so jemanden billig befriedigt zu werden scheinen. Ich war dennoch froh, dass er am Ende als Unschuldiger davongeht. Mit einer hoffentlich erheblichen Entschädigung aufgrund des Justizirrtums, der ihn ins Gefängnis brachte. Und weil derjenige, der die Tat begangen hatte, überhaupt keine Gewissensbisse dabei empfand, den anderen im Gefängnis vergammeln zu lassen, den er kannte, weil er ein Praktikum bei dessen Psychiater absolvierte, während der Mann  mit den starken Trieben in Behandlung war und versuchte, davon loszukommen. Bevor er jemanden umbringt. Das war anständig von ihm. Er hat sich seinen Dämonen gestellt.

Der wirkliche Mörder jedoch war ein Bruder Leichtfuß, zu jener Zeit, der jedem Rock oder jeder Jeans mit weiblichem Unterkörper drin nachjagte und bekifft, so habe ich es interpretiert, eine hübsche junge Frau umbrachte, die ihm tatsächlich von der Disco Flash aus nach draußen folgte. Nicht nur, dass ich ebenfalls eine Disco dieses Namens kannte (im Film wird sie auch „Club“ genannt, das war damals für einen solchen Tanzschuppen aber noch nicht üblich), ich kann mir auch vorstellen, wenn man von der aufkommenden HIV-Infektionsgefahr absieht, dass das damals alles noch etwas leichter und flockiger ablief. Der Streuner und die blonde Katze, die die Gefahr nicht ahnte. Nun ja.

Der eigentliche Spin ist aber wieder einmal zutiefst therapeutenfeindlich. Der Typ, der die Tat unter Drogeneinfluss begangen hat, baut ein schickes Institut auf, während der andere einsitzt und sich so gar nicht mehr wehren kann. Es tut mir leid, mir war relativ schnell klar, worauf es hinausläuft, nämlich darauf, dass dieser Mann der eigentliche Verdächtige ist, dem Ivo und Franz hinterherjagen. Er ist nämlich Raucher, und das weist darauf hin, dass mit dieser Person etwas nicht stimmt. Und nicht mit der ebenfalls rauchenden Kollegin und Geliebten. Nämlich, dass sie sich mit ihm einlässt. Das reicht schon. So weit ich es verstanden habe, wusste sie aber nichts von seiner damaligen Tat. Sie war also keine Mitwisserin. Sie war nur nicht elaboriert genug, als Psycho-Profi, zu merken, dass mit ihrem geschätzten Kollegen, dem sie zusammen so viel aufgebaut hat, etwas nicht stimmt.

Diese Psychodoktoren als Festmahl für Drehbuchautoren. Immer wieder nett anzuschauen, wie sie sich an diesem Berufszweig abarbeiten. Inkompetenz ist das Mindeste, was am Ende festzustellen ist, aber in diesem Fall, und das ist nicht der einzige, geht es darüber hinaus. Wo die Ethik eine so wichtige Rolle spielt, wird die Ethik mit einem Arschritt in die Wüste geschickt oder doch  nach draußen in den Hofgarten, sie wandert unsichtbar durch die hohen Glasscheiben und es gibt eine Stelle, in der das schön symbolisch gezeigt wird, als der Mörder frei ist, sich dort zeigt, aber diese unsichtbare Wand nicht durchdringen kann. Dass der Leiter des Instituts durchaus nicht mehr wie ein Hallodri wirkt, sondern wie jemand, der die Sorge kennt, mag man ihm zugutehalten, aber es entschuldigt natürlich nicht seine schwere Verfehlung nach dem Totschlag an der jungen Frau. Er manipuliert sogar noch an ihr herum, indem er ihr die Haare ansängt und damit auf das verweisen will, was der Mann, der dann verurteilt wird, seinem Behandler anvertraut hat. Das ist eine ganz üble Form von Hinterlist einerseits und Verrat andererseits. Denn so high kann jemand ja nicht sein, wenn er noch daran denkt, ein Tatmuster zu erstellen, das auf einen anderen verweist. Da geht die Glaubwürdigkeit auch auf einem schmalen Grat, aber das beeinflusst meine Bewertung nicht wesentlich.

Schwieriger finde ich, und da stimme ich mit anderen Kritiker:innen überein, dass der Plot lange Zeit so verschwurbelt wirkt. Er ist nicht vollkommen kryptisch, er ist sogar etwas vorhersehbar, denn auch ohne den Hint mit den Zigaretten wäre ich darauf gekommen, dass ein Mann, der so in den Vordergrund gerückt wird, in diesem  notabene Whodunit, etwas mehr sein muss als nur eine Art Mittler, der versucht, einen alten Mann wieder so zu reaktivieren, dass dieser sich an Details erinnern kann, die 35 Jahre her sind. Ob die Wiederherstellung seiner damaligen Praxis dabei helfen kann, weiß ich nicht, vorstellbar ist es, dass Erinnerungsorte Erinnerungen wachrufen, auch wenn die Orte nachgebaut sind.

Als Ermittler liefern Batic und Leitmayr eine solide Vorstellung ab, mehr jedoch nicht. Auf mich wirkte es, als handele es sich hier um einen Routinefall, abgesehen davon, dass es ein toter Fall zu sein scheint, der nun wieder aufgegriffen wird, weil man offenbar an Unterbeschäftigung leidet. Fingiert wird, um einen Einstieg zu finden, allerdings zusätzlich ein aktueller Fall, also arbeiten auch die beiden mit einem Trick, den man nicht unbedingt als sauber empfinden muss. Ob die Polizei so etwas darf, ist fraglich, denn eine Täuschung zu veranstalten, um Aussagen hervorzulocken, ist grundsätzlich nicht erlaubt. Auch nicht im Sinne der Wahrheitsfindung. Kommt in Fernsehkrimis aber häufig vor. Es handelt sich aber um eine geschickt aufgestellte Falle, nicht um einen von der Polizei fingierten Beweis, wie er mal ein einem Polizeiruf vorkam („Für Janina“), woraufhin uns die rechtspolitische Galle geplatzt ist. Wenn man so etwas darstellt, darf es nicht mit einer positiven Haltung im Sinne der höheren Gerechtigkeit, die von niederen Chargen inszeniert wird, geschehen. Nicht erklärt wird, wenn ich es richtig erinnere, warum die beiden plötzlich mit diesem Fall zugange sind. Weil er „Mörder“ gerade entlassen wurde? Hat das ihr Interesse geweckt? Hätte mal ein paar Jahre früher passieren sollen, dass hätte ihm einiges erspart und die Gerechtigkeit hätte eher fröhliche Urständ gefeiert.

Durch all das arbeiten sich Ivo und Franz bzw. ihre Darsteller hindurch, aber die große Verve hat mir gefehlt. Vielleicht wussten diese beiden alten Hasen, dass das Drehbuch kein Knaller war, sondern der Zuschauer doch sehr in das Stochern involviert wird, das die beiden auf dem Weg zur Wahrheit vollführen müssen. Außerdem bin ich mir nicht sicher, ob die psychologische Seite immer gut gelöst ist. Man muss sich schon mit Demenz gut auskennen, um einen solchen Plot zu schreiben und einen solchen Film zu inszenieren. Leider habe ich zu dem Thema keinen Zugang. Die einzige Person in meinem Umfeld, an deren Demenz ich mich erinnere, war eine Großtante, die dann auch eine Heimunterbringung benötigte – und das ist schon sehr lange her.

Finale

Der Film hat sicherlich interessante Ansätze, aber die Zähigkeit des Umgangs mit Menschen, deren Realitätssinn immer häufiger eingeschränkt ist, die zwar Uraltes noch auskramen können, aber im Hier und Jetzt mehr und mehr hilflos werden, wirkt sich auf den Film aus. Man hat da keinen Filter eingebaut, keine übergeordnete, straffende Instanz wirken lassen, die den Plot krimifähiger macht, um es mal so auszudrücken. Es ist ein Whodunit mit sehr begrenztem und daher leicht zu erratenden Personal. Außerr dem Nicht-Mörder, der hinter Gittern saß, kamen nur Dr. Prinz und der Institutsleiter infrage. Einige Szene sind schön gespielt, vor allem von den Episodendarsteller:innen, aber deswegen ist dies noch kein herausragender Tatort. Für Münchener Verhältnisse kein Burner, aber auch dort geht es ja immer mal auf und ab.

6,5/10

© 2022 Der Wahlberliner, Thomas Hocke

Vorschau

Als die beiden Ikonen unter den Tatortpolizisten namens Ivo Batic und Franz Leitmayr ihren Dienst antraten, war gerade der Nachwendeboom im Gange. 31 Jahre ist das her. Sie haben uns begleitet durch die folgende erste gesamtdeutsche Krise, durch die wüsten Schröder-Jahre, durch die gesamte Amtszeit Angela Merkels mit der Banken- und Schuldenkrise, der Coronakrise. Nun wurde wieder eine Zeitenwende ausgerufen, es ist Krieg in Europa. Die beiden sind immer noch da und wir sehen sie in ihrem 89. Fall. Damit sind sie Rekordhalter unter allen Tatort-Teams. Man könnte meinen, für ewig.

Aber die Kölner Ballauf und Schenk sind ihnen relativ dicht auf den Fersen, obwohl sechs Jahre später gestartet (derzeit 82 Fälle). Die höhere Sendefrequenz beim WDR-Klassiker macht den Unterschied, außerdem kann man diskutieren, ob man Ballauf nicht wegen seiner früheren Zeit als Jungkommissar unter dem Leitenden Ermittler Flemming in Düsseldorf ein paar Filme mehr zurechnet. Und den Rekord bei der Dienstzeit hält immer noch Lena Odenthal, die schon 1989 startete. Die jüngeren Filme der Münchener zeigen zumindest gemäß Fundus-Rangliste, dass sie es immer noch können, aber nicht immer. Die Bewertungen für die Filme ab ca. Tatort 1100 sind breit gestreut, von herausragenden 8,26/10 für „Unklare Lage“ bis zu ziemlich schlechten 5,31/10 für „Dreams“. Worum geht es nun in „Flash“? Um einen Drogenflash?

Erinnern und Vergessen – wie funktioniert das eigentlich? Ist es möglich, verloren gegangene Erinnerungen durch spezielle Methoden wieder wachzurufen? Mit diesen für einen Krimi eher ungewöhnlichen Fragen müssen sich die Münchner Kommissare Ivo Batic (Miroslav Nemec) und Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) in ihrem neuen Fall auseinandersetzen: Ein verurteilter Mörder ist nach über 30 Jahren rückfällig geworden, und der einzige brauchbare Zeuge, der einen Beitrag zur Aufklärung leisten könnte, ist an Demenz erkrankt. Mithilfe einer speziellen Therapie soll seiner Erinnerung auf die Sprünge geholfen werden. Batic und Leitmayr werden dabei selbst Teil eines kuriosen wissenschaftlichen Experiments.Redaktion Tatort-Fans

Wir hatten kürzlich nach einer recht intensiven Musik-Session, kurz vor dem Schlafengehen, Mühe, uns in der Zeit, mit Namen und Orten zurechtzufinden, als wir den nächsten Tag nochmal am Smartphone checken wollten. Erste Anzeichen? Hoffentlich nicht, das wäre etwas früh. Am nächsten Morgen hatte auch alles wieder funktioniert, wie vor Jahr und Tag. Aber das Thema Demenz würde viel Aufmerksamkeit erhalten, wenn wir nicht von einer aktuellen Krise in die nächste stolpern würden, denn immer mehr Menschen erreichen ein Alter, in dem Demenz eine Rolle spielt. In der Tat, kann man dagegen etwas tun? In der Tat gibt es im Bereich der Medikation einiges, was bei Demenz eingesetzt wird und auch therapeutische Ansätze. Wenn wir den Bericht zum Film schreiben, haben wir dann vermutlich die nicht so spannende Aufgabe, das, was man im Film sieht, mit der Realität zu vergleichen. Und wie kam der Tatort 1205 bei jenen an, die ihn schon gesehen haben?

„Ein Tatort, den man eigentlich erst vom Ende her richtig versteht. Dieses ist tatsächlich ein genialer Kniff der Drehbuchautoren, der an dieser Stelle natürlich nicht verraten werden soll. Leider kann das starke Finale die restlichen etwa 80 Minuten nicht ausgleichen, in denen dieser München-Tatort sich zäh wie Kaugummi in die Länge zieht. Vieles wirkt beziehungslos aneinandergereiht, erst ganz am Ende ergibt alles einen zusammenhängenden Sinn – doch das ist eindeutig zu spät. (…) Als Grundlage für eine sehenswerte Krimihandlung taugt das Thema Demenz – so wie es hier dargestellt wird – jedenfalls nicht. Zu ermüdend ist es, den Kommissaren bei ihren zahlreichen Versuchen zuzusehen, dem Gedächtnis des greisen Dr. Prinz auf die Sprünge zu helfen – ungeachtet des starken Spiels von Peter Franke. Für diesen (…) Tatort, der wenig Spannung, aber viel Langeweile entfaltet, gehen diesmal nur zwei Sterne an die Isar.“ – Redaktion Tatort-Fans, a. a. O.

Der Begriff „mühsam“, den wir im Zitat weggelassen haben, trifft es wohl ganz gut: Das Leben von Menschen mit Demenz und jenen, die mit ihnen arbeiten müssen oder das ihrer Verwandten ist von einer gewissen Mühsamkeit geprägt, auch wenn es immer wieder Momente geben mag, die sogar sehr witzig sein können. In meiner Familie fällt mir nur eine Person ein, die dement war, bevor sie verstarb, es handelt sich um eine Großtante meinerseits. Ich mochte sie sehr, weil sie über viele Jahre dieses wache, vergleichsweise moderne und verständige Gepräge hatte, das die Familienmitglieder mütterlicherseits schon in der Kriegsgeneration auszeichnete. Doch zum Ende hin war das Spannendste an den Besuchen bei ihr nicht mehr, was wir einander zu erzählen hatten und Meinungen auszutauschen, sondern, ob sie uns zuordnen konnte.

Der Einstieg in die Meinungen der Kritiker:innen kündet also von einem Tatort, der sich offenbar dem Thema angepasst hat. Was sagen die anderen?

„Fazit: Ganz anderes Storytelling – der Twist kommt erst am SchlussWAS sie wissen und um was es wirklich geht, das erfährt man eigentlich erst am Schluss. Ich bin mir nicht sicher, wie viele so lange durchhalten. Ich fand diese völlig andere Art des Storytelling gut. Aber bis auf den krassen und cool gemachten Schock-Anfang, bei dem in schwarz-weiß-sepia-Effekt in die Vergangenheit zurückgeblickt wird, gibt’s keine wirklichen Spannungsmomente. Es ist eben ein Psycho-Experiment, das aber ehrlich mit dem Thema Demenz umgeht. Das wird für einige zu zäh sein, von mir gibt’s aber, allein für den Mut, 3 von 5 Elchen.“ – SWR3-Tatortcheck, Simone Sarnow

Es geht also bewertungsmäßig schon aufwärts, obwohl auch beim SWR-Check durchklingt, dass das Ganze eine Angelegenheit ist, die man erst einmal durchhalten muss, um zum Aha-Erlebnis zu gelangen. Ist es auch einer von jenen nur zwei Experimental-Tatorten, die sich die ARD pro Jahr zu fertigen trauen möchte, nachdem viele Zuschauer generell das zu Abgefahrene zu vieler Filme der Reihe kritisiert hatten? Was ist experimentell, was wird davon mit der Zeit zum Standard? Der Realismus der Polizeiarbeit ist es sicher nicht, der in den letzten Jahren verstärkt die Reihe geprägt hat. Der nüchterne Stil der ersten Jahre ist heute noch angenehm anzuschauen. Das bedeutet nicht, dass man ihm nachtrauern muss.

„Leitmayr träumt von Led Zeppelin Auf der Suche nach der besseren Zeit: Ein Kommissar schwelgt in Hardrock-Fantasien, ein dementer Professor soll sich an einen Triebtäter erinnern. Der München-»Tatort« als Gedächtnis-Thriller.“ – Der Spiegel, Christian Buß

„An was sich Männer zu erinnern glauben, wenn sie an die Tage denken, die sie bessere Zeiten nennen“, heißt es in Form einer Bildunterschrift weiter. In der Tat, in der Tat. Richtig gute Sätze können Männer aus der Generation Buß auch noch bauen. In der Folge bezieht sich Buß auf den Surfer-Tatort „Die ewige Welle“, in dem man die Münchener wirklich als junge Männer am Strand sieht und den er herausragend fand (9/10) und der vom selben Regisseur stammt. Ja, unsere Zeit, unsere Erinnerungen eben. So gut kommt „Flash“ nicht weg, 6/10 bilden eine gewisse gepflegte Mittelmäßigkeit ab, die wir schon aus den anderen Kritiken herauslesen konnten. Im Grunde ist es eher ein Splitting in große Stärken (das Ende) und Schwächen in Sachen Spannung (der Rest)? Der Unterschied zwischen Meinung und Analyse:

„Allerdings hat sein [Regisseur Kleinerts, A. TH] Krimi ein Konstruktionsproblem: Indem sich die Geschichte im Laufe des doppelbödigen Plots von verlorenen Erinnerungen zu verdrängten Erinnerungen verschiebt, was ja zwei unterschiedliche Dinge sind, verliert der ganze bis dahin so klug in Szene gesetzt Demenz-Aspekt seine Schärfe. Es verblasst mit der seligen Erinnerung leider auch der genaue Blick.“

Rainer Tittelbach hat sich bei den Münchenern nicht nehmen lassen, die Rezension für Tittelbach-TV höchstselbst zu schreiben:

„Ein dementer Psychotherapeut soll in einem Mordfall mit historischen Wurzeln den Münchner Kommissaren endlich zu einem Ermittlungsdurchbruch verhelfen. Doch Leitmayr ist mit dem psychologischen „Gespräch“ auf der Basis der sogenannten „Reminiszenz-Therapie“ zunächst überfordert. Außerdem spielen er und Batic offenbar nicht mit offenen Karten… Die Idee zum „Tatort – Flash“ (…) nimmt nicht nur Bezug auf ein aufregendes neurologisches Experiment, sie erschließt auch neue dramaturgische Möglichkeiten. Die immer gleichen Befragungen und Vernehmungen werden durch differenziertere Gespräche ersetzt – nur, bringt das die Ermittlungen weiter? Das, was in dem bestechend inszenierten Film von Andreas Kleinert nachhallt, das sind die Interaktionen, die nostalgischen Momente und es ist „Whole lotta Love“, das sich wie ein Urschrei über die Mordszene legt. Räume als Orte der Identitäts-Suche. Design als Lustobjekt. Kommunikation als toxisches Spiel. Nur was die Dramaturgie angeht, bleibt nach dem vermeintlich cleveren Final-Twist ein bitterer Nachgeschmack.“ – Tittelbach-TV, Rainer Tittelbach

4,5 von 6 Sternen sind für diese Publikation eine durchschnittliche Tatort-Bewertung, wobei die Tendenz nach meiner Wahrnehmung zuletzt sogar Richtung 5 ging. Ich fasse zusammen: Jetzt ist auch der Final-Twist nur noch scheinbar clever, der doch von den anderen Stimmen immerhin als das Highlight angesehen wird. Wenn man jetzt sämtliche Elemente zusammenfasst, die von irgendwem als negativ herausgestellt werden, käme man auf einen Tatort, der nicht viel Spaß machen kann. Das wäre jedoch die falsche Herangehensweise. Da es mittlerweile einige Zeit dauert, bis ich mir die Filme ebenfalls anschauen kann, habe ich auch nicht mehr exakt im Kopf, was die Profis zu ihnen geschrieben haben. Insofern ist das Vergessen manchmal auch eine Gnade, ebenso wie das Verdrängen durchaus eine berechtigte Funktion im Sinne der Selbsterhaltung hat.

TH

Handlung

Alois Meininger, ein verurteilter Mörder, wird nach über 30 Jahren aus der Sicherheitsverwahrung entlassen, begeht einen weiteren Mord und taucht unter. Niemand kann Indizien liefern, wo er sich aufhalten könnte – die letzte Hoffnung ruht auf seinem ehemaligen Therapeuten Norbert Prinz, der inzwischen jedoch dement ist.

Aber wie kann man einen Demenzkranken vernehmen? In Zusammenarbeit mit dem renommierten Neuropsychologen Prof. Vonderheiden wird ein kriminologisches Pilotprojekt gestartet – doch im Laufe des Experiments offenbaren sich Batic und Leitmayr tiefere Abgründe als zunächst angenommen.

Besetzung und Stab

Franz LeitmayrUdo Wachtveitl
Ivo BaticMiroslav Nemec
Sandra KühnPatricia Ivanauskas
Prof. Ralph VonderheidenAndré Jung
Hannes LechnerKilian Klösters
Alois MeiningerMartin Leutgeb
Dr. Laura LechnerAnna Grisebach
PartygastTimocin Ziegler
Norbert PrinzPeter Franke
RubyMassiamy Diaby
Nele PrinzJenny Schily
Polizistin InesEva Klosowski
RegieAndreas Kleinert
MusikDaniel Michael Kaiser
DrehbuchSven S. Poser
Sönke Lars Neuwöhner
KameraJohann Feindt

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s