Womit die heutige Jugend zu kämpfen hat (Statista + Kommentar) | Gesellschaft | Zukunftsprobleme

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Unser heutiger Infoartikel wirft einen Blick auf die Sorgen und Nöte der heutigen Jugend. Waren Sie auch mal jung? Wir schon, wir erinnern uns sogar noch ein wenig daran. Welche Sorgen hatten wir damals? Aufrüstung, Atomkraft, Waldsterben, dann die Einheit mit all ihren Folgen, das waren unsere Themen in jenen Jahren. Und Ihre? Was heute angesagt ist, zeigt die folgende Statista-Grafik, die im Vorgriff auf den morgigen Tag der Jugend erschienen ist:

Diese Statista-Grafik wurde unter einer Lizenz 

Creative Commons — Namensnennung – Keine Bearbeitungen 4.0 International — CC BY-ND 4.0 erstellt und wir geben sie unter gleichen Bedingungen wieder. Folgend der Statista-Begleittext dazu, dann weiter mit unserem Kommentar.

Bei zwei Dingen sind sich alle Befragten sowie die 18- bis 24-jährigen Teilnehmer:innen an einer gemeinsamen Umfrage von Statista und YouGov einig: Der Klimawandel und der angespannte Wohnungsmarkt gehören zu den größten Herausforderungen für die heutige Jugend. Wie unsere Grafik zeigt, gehen die Meinungen vor allem bei einem Thema allerdings deutlich auseinander.

Sowohl die Gesamtheit der Befragten als auch die 18- bis 24-Jährigen im Speziellen sind der Ansicht, dass das Erreichen beruflicher Ziele und die Work-Life-Balance eher weniger herausfordernd für junge Menschen sein dürften. Auch hinsichtlich der Gefahren von gesellschaftlicher Spaltung und Krieg sind die Umfrageteilnehmer:innen im Gesamten zwar mehr als die jüngeren Befragten der Meinung, dass diese beiden Aspekte in Zukunft zu Problemen werden könnten, der Abstand beträgt allerdings nur acht respektive sieben Prozent.

Im Gegensatz dazu glauben fast die Hälfte der Teilnehmer:innen, dass die Jugend in Zukunft mit finanzieller Absicherung zu kämpfen haben wird, während nur ein Viertel der potenziell Betroffenen darin ein Problem sieht. Weit wichtiger ist dieser Untergruppe der Befragten die eigene mentale Gesundheit. Etwa vier von zehn Befragten zwischen 18 und 24 sehen mentale Gesundheit als große Herausforderung an.

Der von den Vereinten Nationen ausgerufene Internationale Tag der Jugend findet seit 1999 jedes Jahr am 12. August statt und soll die Bedürfnisse, Sorgen und politische Teilhabe junger Menschen unterstreichen und ihnen mehr Aufmerksamkeit verschaffen. In Deutschland betrug der Anteil der 15- bis 24-Jährigen rund zehn Prozent der Gesamtbevölkerung.

Interessanterweise sehen ältere Menschen vor allem den Klimawandel eher als ein Problem der Jugend an als die Jugend selbst. What about FFF? Auch Wohnen, (weitere) Kriege, gesellschaftliche Spaltung sind Gegenstände, bei denen die Älteren der Jugend mehr Grund zur Sorge zurechnen als die 18- bis 24-Jährigen. Bei der finanziellen Absicherung ist der Unterschied besonders krass, darüber machen sich gerade die Jungen kaum Sorgen. Ganz auffällig hingegen: Bei ihnen steht „mentale Gesundheit“ mit 38 Prozent auf Platz 3, nur knapp hinter Klimawandel und Wohnen, während die Älteren die Jugend offenbar für mental gesünder hält als diese sich selbst.

Ein Gag liegt natürlich auf der Hand, angesichts dieser Zahlen: Wenn man mental nicht gesund ist, kann man auch andere Probleme nicht richtig einschätzen, denn mentale Fitness ist eine wichtige Eingangs- oder Zugangsvoraussetzung zur Analysefähigkeit und zur realistischen Abwägung von Problemen. Man kann aber auch sagen, der mentalen Gesundheit wird von jungen Menschen mehr Aufmerksamkeit gewidmet und hätten die voherigen Generationen das auch getan, gäbe es jetzt nicht so viele Probleme. Wenn es um sehr konkrete Fragen der Lebensumstände geht, wie die finanzielle Absicherung, die aber erst in der Ferne zu liegen scheinen, weil junge Menschen noch vor allem von ihren Eltern unterstützt werden, ist es ganz natürlich, war immer schon so, dass man sich in jungen Jahren weniger Sorgen macht. Alles eine Frage der zeitlichen (wie auch der räumlichen) Distanz. Seltsam hingegen, dass die mentale Gesundheit so wichtig genommen, aber die Work-Life-Balance kaum in Betracht gezogen wird. Beides hängt doch sehr eng miteinander zusammen. Vielleicht ist der Begriff WLB auch ein wenig out und „mentale Gesundheit“ ist umfassender.

Ganz sicher hat manches auch mit Erfahrung zu tun. Im Laufe des Lebens wird man tendenziell pessimistischer und man sieht die Zukunft aus einem umfassenderen eigenen Erleben in der Vergangenheit heraus. Das hat große Nachteile, was die Dynamik und Offenheit für Veränderungen angeht, aber Vorteile die Resilienz und Gelassenheit betreffend. Man muss deswegen nicht ignorant werden, sondern kann am Ball bleiben, wie wir das tun. Wir haben große Sympathie für junge Menschen und wissen, dass viele herausfordernde Dinge auf sie zukommen werden. Sie müssen es dann besser machen, als wir es gemacht haben. Das ist nicht gerecht, aber vielleicht kommen sie in späteren Jahren dabei mit mehr Persönlichkeit heraus, als gerade unsere Generation, die manchmal ein unfassbar kindisches Gepräge aufweist.

Die Jugenderfahrung des wachsenden Wohlstands und kein Ende absehbar hat uns geprägt und macht es schwierig, mit Einschränkungen klarzukommen, die auch etwas Befreiendes haben können. Wir haben allerdings auch Jugendreporte im Kopf, aus denen ziemlich klar wird, dass nach wie vor nur eine Minderheit der Jugendlichen politisch und gesellschaftlich aktiv ist und etwas für eine bessere Welt tun will. Prozentual sind es sogar weniger als in unserer Jugend. Wenn man dann noch bedenkt, wer sich aus dieser Aktivität alles zurückziehen und vorwiegend sein eigenes Ding machen wird, in den kommenden Jahren, ist diese überwiegende Gleichgültigkeit sehr bedenklich, mithin demokratiegefährdend. Wir erinnern uns z. B. daran, dass noch vor wenigen Jahren nur 9 Prozent aller Jugendlichen Interesse an Außenpolitik hatten. Wie sollen die übrigen 9 von 10 jungen Menschen jetzt den Krieg in Europa einigermaßen sicher beurteilen, der uns alle betrifft? Sie werden sich, wie allerdings auch die meisten Erwachsenen, auf das verlassen müssen, was andere ihnen vorgeben, ohne abwägen und analysieren zu können. Wir brauchen, damit die Sorgen der Jugend von der Jugend bewältigt werden können, wenn die Zeit dafür gekommen ist, dringend eine Jugend, die bewusster mit den Problemen der Welt umgeht. Gleichermaßen brauchen wir Erwachsene, welche die Jugend besser an dieses Bewusstsein heranführen, als unsere Generation das bisher getan hat.

TH

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